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Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: derfledderer 01.06.15 - 12:55
Sehr gute Tools, endlich kann man sich leicht selbst zensieren und auf political correctness achten! Ist das denn noch Freiheit?
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Re: Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: derats 01.06.15 - 13:28
derfledderer schrieb:
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> Sehr gute Tools, endlich kann man sich leicht selbst zensieren und auf
> political correctness achten! Ist das denn noch Freiheit?
Du hast nur teilweise recht. Das Internet besteht heutzutage zu einem leider sehr großen Teil aus kotwerfenden Menschen, die alles und jeden in Grund und Boden hassen, trollen und beleidigen. Aus dieser Entwicklung heraus haben sich schon sehr viele Leute nahezu vollständig aus dem Internet zurückgezogen oder veröffentlichen keine wesentlichen Arbeiten mehr, einfach damit die Kotwerfer nicht nerven (denn Hassmails, Hass-PNs und Hass-Tweets stören auch, wenn man sie emotional ignoriert, weil man sie idR händisch aussortieren muss). Diese Tools gehen auch in eine ähnliche Richtung, sie helfen Menschen ihre Online-Profile "kieselglatt" zu machen, damit die Kotwerfer die Fresse halten.
Ja, man kann jetzt sagen, dass damit die Kotwerfer gewinnen. Und das stimmt. Es ist sehr Schade, dass es nur wegen den Kotwerfern keine Artikel mehr von vielen schlauen Leuten im Internet gibt (teilweise auch nicht mehr außerhalb des Internets, weil manche einfach komplett aufgehört haben mit dem Publizieren, on- wie offline). Das ist traurig und da geht viel verloren. An der Stelle ist das Internet einfach komplett gescheitert - am Menschen.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 01.06.15 13:29 durch derats. -
Re: Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: electrozoidx 01.06.15 - 14:29
Ich sehe das Internet in der Hinsicht nicht als gescheitert an. Die interessanten Diskussionen finden eben nur nicht im anonymen Raum statt, sondern in Communities mit Klarnamen/Verifizierung. Da geht es dann meist gesittet zu, da hier der eigene Ruf auf dem Spiel steht.
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Re: Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: derats 01.06.15 - 14:45
electrozoidx schrieb:
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> Ich sehe das Internet in der Hinsicht nicht als gescheitert an. Die
> interessanten Diskussionen finden eben nur nicht im anonymen Raum statt,
> sondern in Communities mit Klarnamen/Verifizierung. Da geht es dann meist
> gesittet zu, da hier der eigene Ruf auf dem Spiel steht.
Das gibt es auch, und die meisten der oben erwähnten Leute, die ich mehr oder weniger gut kenne, sind auch noch online erreichbar, nur nicht öffentlich. Das spielt sich dann in geschlossenen Chaträumen, Mailinglisten o.ä. ab. Das ist natürlich trotzdem scheitern, weil das Wissen nur ein kleiner Kreis erhält.
Das Problem mit dem was du nennst, ist dass idR Kontaktinfos wieder öffentlich verfügbar sind, und damit sind auch die Kotwerfer wieder mit von der Partie. Die Posten dann vielleicht nicht auf der öfftl. Mailingliste, sondern schreiben halt wieder Hassmails usw. -
Re: Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: nicoledos 01.06.15 - 14:45
Der Klarnamenzwang ist schon an sich ein Zeichen des Versagens und hält Leute aus der Diskussion fern. Man kann auch Anonym vernünftig Diskutieren. Das hat etwas mit Respekt und Medienkompetenz zu tun. Leider fehlt es oft an beiden.
Darfst dann deinem Arbeitgeber erklären, warum du die Geschäftsreise wegen fehlendem Visum nicht machen darfst. Blöd, dass du dich mit Klarname kritisch zu Regierung des Landes geäussert hast. -
Re: Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: derats 01.06.15 - 14:47
nicoledos schrieb:
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> Der Klarnamenzwang ist schon an sich ein Zeichen des Versagens und hält
> Leute aus der Diskussion fern. Man kann auch Anonym vernünftig Diskutieren.
> Das hat etwas mit Respekt und Medienkompetenz zu tun. Leider fehlt es oft
> an beiden.
>
> Darfst dann deinem Arbeitgeber erklären, warum du die Geschäftsreise wegen
> fehlendem Visum nicht machen darfst. Blöd, dass du dich mit Klarname
> kritisch zu Regierung des Landes geäussert hast.
Ich rede zwar mehr von technisch-wissenschaftlichen Dingen, aber politische Diskussionen sind auch ein hervorragendes Beispiel für das Scheitern, gerade wenn es Richtung des (anti-)feministischen Themenkomplexes geht. Vernünftige Diskussionen im öffentlichen Internet kann man da komplett vergessen. -
Re: Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: Strassenflirt 02.06.15 - 20:04
nicoledos schrieb:
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> Der Klarnamenzwang ist schon an sich ein Zeichen des Versagens und hält
> Leute aus der Diskussion fern.
Ich habe vor dem www eine Mailbox im FIDO-Format betrieben. Dort herrschte von Anfang an Klarnamenzwang und wir haben uns die Finger wund diskutiert. 6-seitige Beiträge waren keine Seltenheit. Lag aber auch daran, dass ein Beitrag 3 Tage brauchte, bis er im Land verteilt war. Da nimmt man sich ein bissel mehr Zeit zum Nachdenken. Ein anderer Grund für respektablen Umgang war sicher, dass die meisten Benutzer zwischen 20 und 30 Jahre alt und überdurchschnittlich gebildet waren, während es mir im www so vorkommt, als habe ich es dauernd mit 12-15 Jährigen zu tun, die nicht besonders helle sind. Wer solchen (meinetwegen auch nur geistigen) Teens die Möglichkeit gibt, anonym ohne nachteilige Folgen schreiben zu können, was sie wollen, der darf sich über die Horde von Trolls nicht wundern.
> Darfst dann deinem Arbeitgeber erklären, warum du die Geschäftsreise wegen
> fehlendem Visum nicht machen darfst. Blöd, dass du dich mit Klarname
> kritisch zu Regierung des Landes geäußert hast.
Wenn mein Chef mir Probleme machen würde, weil ich von meinem Recht zur freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht habe und mich deswegen ein offensichtliches Schurkenland nicht einreisen lässt, dann hat er schnell eine Diskriminierungsklage am Hals. -
Re: Selbstzensur fängt im Kopf an
Autor: das_mav 03.06.15 - 23:46
>
> Wenn mein Chef mir Probleme machen würde, weil ich von meinem Recht zur
> freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht habe und mich deswegen ein
> offensichtliches Schurkenland nicht einreisen lässt, dann hat er schnell
> eine Diskriminierungsklage am Hals.
Und du deine Kündigung früher oder später, aber macht ja auch Spass ;)



