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Bei uns in der Firma...

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  1. Bei uns in der Firma...

    Autor: Karmageddon 23.04.18 - 13:25

    ... diskutieren wir, ob wir nach Inkrafttreten der EU-DSGVO noch einen Urlaubskalender an der Wand aufhängen dürfen, aber die Schufa speichert richtiges und falsches nebeneinander, weigert sich, offensichtlich falsche Daten zu löschen und gibt ohnehin keine Auskunft darüber, wie so ein Score zustande kommt.

    Danke liebe Politiker. Grandiose Leistung.

  2. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: AllDayPiano 23.04.18 - 13:31

    Naja, es hat ja seinen Grund, warum der Saftladen ausgenommen ist. Wie heißt es so schön: Wer ein berechtigtes Interesse hat... Nur was dieses "berechtigte Interesse" ist, können in den nächsten 10-15 Jahren Gerichte bis zum BGH hoch klären. Bis dahin kann die Schufa weiter machen, wie bisher.

    Ist doch genauso wie mit der Legislative im Allgemeinen. Ein Verwandter von mir arbeitet im Bundesfinanzministerium und ist dort an der Erstellung neuer Gesetze beteiligt, die dann hinterher irgendeine dahergelaufene Dampfnase als seine eigenen verkauft. Man weiß genau, dass gewisse Gesetze vom BGH / BVerfG / BFH kassiert werden. Aber man weiß auch, dass in den allerseltensten Fällen überhaupt eine rückwirgende Aufhebung geurteilt wird, und somit der jeweilige Minister / Ministerium / Staat vollkommen risikofrei und vorsätzlich Gesetze in Kraft treten lassen kann, die dann irgendwann 10 Jahre Später durch alle Instanzen durchgeklagt kassiert werden. Bis dahin wird fleißig kassiert.

    Ein total paranoides und hinterfotziges System!

  3. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Iruwen 23.04.18 - 13:42

    Karmageddon schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ... diskutieren wir, ob wir nach Inkrafttreten der EU-DSGVO noch einen
    > Urlaubskalender an der Wand aufhängen dürfen

    Nicht ohne Einwilligung jedes Einzelnen. Und die Freiwilligkeit der Einwilligung könnte man in einem Arbeitgeber-Arbeitnehmer Abhängigkeitsverhältnis auch noch in Frage stellen.
    Das war aber nach BDSG auch schon so, hat nur wegen der laschen Strafen keinen interessiert.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 23.04.18 13:43 durch Iruwen.

  4. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Oktavian 23.04.18 - 14:49

    > ... diskutieren wir, ob wir nach Inkrafttreten der EU-DSGVO noch einen
    > Urlaubskalender an der Wand aufhängen dürfen,

    Hier würde ich ganz klar sagen Ja. DSGVO Art. 2 Abs. 1 dürfte nicht einschlägig sein, da es sich nicht um eine automatisierte Verarbeitung handelt oder um eine nichtautomatisierte Verarbeitung in einem Dateisystem. Insofern trifft auf den Urlaubskalender die DSGVO einfach nicht zu, er liegt außerhalb des sachlichen Anwendungsbereichs.

  5. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Dwalinn 23.04.18 - 15:24

    Naja das Problem ist, so offensichtlich ist es nicht das die Daten Falsch sind, zumindest nicht aus der Sicht der Schufa.
    Das die Schufa so viel Macht hat und einem viel mühe und Kummer bereiten kann ohne das man etwas Falsch gemacht hat ist aber mMn nicht okay. Eigentlich sollte man da schon Schadenersatz verlangen dürfen.

  6. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: quineloe 23.04.18 - 16:20

    Das sind dann also alternative Daten?

  7. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Iruwen 23.04.18 - 21:36

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > ... diskutieren wir, ob wir nach Inkrafttreten der EU-DSGVO noch einen
    > > Urlaubskalender an der Wand aufhängen dürfen,
    >
    > Hier würde ich ganz klar sagen Ja. DSGVO Art. 2 Abs. 1 dürfte nicht
    > einschlägig sein, da es sich nicht um eine automatisierte Verarbeitung
    > handelt oder um eine nichtautomatisierte Verarbeitung in einem Dateisystem.
    > Insofern trifft auf den Urlaubskalender die DSGVO einfach nicht zu, er
    > liegt außerhalb des sachlichen Anwendungsbereichs.

    Der Schutz von Beschäftigtendaten ist konkret in §26 Abs. 7 BDSG-neu geregelt:

    > Die Absätze 1 bis 6 sind auch anzuwenden, wenn personenbezogene Daten,
    > einschließlich besonderer Kategorien personenbezogener Daten, von Beschäftigten
    > verarbeitet werden, ohne dass sie in einem Dateisystem gespeichert sind oder
    > gespeichert werden sollen.

    Da findet sich auch das Problem der zweifelhaften Freiwilligkeit der Einwilligung.

  8. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Anonymer Nutzer 24.04.18 - 02:24

    Iruwen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Karmageddon schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > ... diskutieren wir, ob wir nach Inkrafttreten der EU-DSGVO noch einen
    > > Urlaubskalender an der Wand aufhängen dürfen
    >
    > Nicht ohne Einwilligung jedes Einzelnen. Und die Freiwilligkeit der
    > Einwilligung könnte man in einem Arbeitgeber-Arbeitnehmer
    > Abhängigkeitsverhältnis auch noch in Frage stellen.
    > Das war aber nach BDSG auch schon so, hat nur wegen der laschen Strafen
    > keinen interessiert.

    Klingt komisch. Bei uns gab es auch ne Excel Tabelle mit Urlaub, hat niemanden interessiert. In vielen Betrieben muss man doch auch wissen wer wann Urlaub hat. Allein schon wegen Arbeitseinteilung, oder den Mueller nochmal treten mir seine Emails weiterzuleiten wenn er nächste Woche im Urlaub ist.

    Du sagst mir nur der ceo darf wissen, wer wann Urlaub hat?

  9. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Der_Herr 24.04.18 - 07:41

    Der, der es wissen muss, darf es wissen. Die anderen eigentlich nicht.

    Wir haben das Ding einfach Kuchenliste genannt.

  10. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Oktavian 24.04.18 - 08:39

    > Der Schutz von Beschäftigtendaten ist konkret in §26 Abs. 7 BDSG-neu
    > geregelt:

    Das ist richtig, beim konkreten Beispiel (händisch geführte Urlaubsübersicht an der Wand) trotzdem die falsche Baustelle. Da der Kalender händisch geführt wird (keine automatisierte Verarbeitung) und auch keine Ablage in einem Dateisystem darstelle (also nicht indiziert ist), ist auch BDSG n.F. nach §1 Abs. 1 Satz 2 nicht anwendbar. Der Kalender ist vom Datenschutz einfach nicht betroffen.

    Wäre dieser Urlaubskalender ein DIN A1-Ausdruck aus dem HR-System, der regelmäßig ausgehängt wird, dann sähe das natürlich ganz anders aus. Dann wären Punkte wie der Beschäftigendatenschutz, Datenverarbeitung aus berechtigtem Interesse etc. notwendig. Das passt hier aber einfach nicht, da weder DSGVO noch BDSG n.F. anwenbar sind mangels sachlicher Geltung.

    > Da findet sich auch das Problem der zweifelhaften Freiwilligkeit der
    > Einwilligung.

    Die Einwilligung ist hier auch nicht notwendig. Bei Urlaubsdaten handelt es sich keinesfalls um besondere Daten. Falls man also irgendwie dahin kommt, dass DSGVO bzw. BDSG überhaupt anwendbar sind, dann ist eine solche Verarbeitung leicht aus berechtigtem Interesse zu rechtfertigen.

    Überhaupt nehmen Unternehmen immer mehr Abstand von Einwilligungen in jeder Beziehung. Andere Rechtfertigungen sind viel leichter aufrecht zu erhalten.

  11. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: chefin 24.04.18 - 08:59

    Dwalinn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Naja das Problem ist, so offensichtlich ist es nicht das die Daten Falsch
    > sind, zumindest nicht aus der Sicht der Schufa.
    > Das die Schufa so viel Macht hat und einem viel mühe und Kummer bereiten
    > kann ohne das man etwas Falsch gemacht hat ist aber mMn nicht okay.
    > Eigentlich sollte man da schon Schadenersatz verlangen dürfen.

    Wer genau hat den nun was falsch gemacht?

    Die Schufa jedenfalls nicht. Die hatten eben nur Daten von Dritten und anhand dieser Daten war ihr Scoring korrekt. Ob das Scoring deiner finanziellen Lage entspricht behauptet letztendlich keiner. Es wird immer eine mehr oder weniger hohe Wahrscheinlichkeit angegeben. Du kannst ja auch nicht den Staat verklagen, wenn du mit 70 stirbst, obwohl du im Schnitt 78 werden müsstest.

    Die Telekommunikationsfirma? Nunja, ich denke mal die haben klare Handlungsanweisungen bzgl Identprüfung. Ich denke nicht, das die sowas zulassen wollen. Zumal es wie es scheint ja einen Betrug bei den Firmen gab. Bedeutet die wurden ebenfalls finanziell geschädigt. Das schliesst eigentlich schon aus, das die ihre Kontrollen aus Gewinnsucht vernachlässigt haben. Eher dürfte es so sein, das ein Betrüger entweder eine rührselige Geschichte hatte vom geklauten Handy und Geldbeutel mit Perso und allem drum und dran und die Menschlichkeit eines Verkäufers ausgenutzt hat oder er einen Helfer hatte, der eh keinen Bock mehr auf den Job hatte und so sich noch ein paar Euro dazu verdient, indem er falsche Daten akzeptiert. Der könnte vieleicht als Mittäter in Frage kommen.

    Ansonsten sind die Betrüger die Täter an die du dich wenden musst. Aber da du weist, das die nicht greifbar sein werden, willst du einfach nur Rache an irgendwem, der dir in den Sinn kommt. Aber so funktioniert das nicht. Stell dir nur mal vor, du willst demnächst ein Handy und kannst dazu erstmal einen Antrag stellen um nach 5 Tagen einen bescheid zu bekommen, das deine Daten korrekt sind und du nun das Handy bekommst. Und zahlst gleich nochmal 50 Euro mehr, weil dieser Datencheck ja auch Geld kostet. Dann möchte ich dich mal hören, wegen einem popeligen Handyvertrag 50 Euro Prüfungsgebühr und 2x hinfahren.

  12. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Iruwen 24.04.18 - 17:08

    @Oktavian das BDSG-neu regelt hier doch ganz explizit die Ausnahme von der automatisierten Verarbeitung. Und auch berechtigtes Interesse muss gerechtfertigt werden, dass mein Urlaub für die gesamte Firma einsehbar ist ist nicht zu rechtfertigen, das ist ja kein Dienstplan. Daraus kann man u.a. schließen, dass ein Arbeitnehmer an anderen Abwesenheitstagen vermutlich krank ist, und Einbrecher finden das generell auch interessant.
    Deine Meinung steht entgegen der ausdrücklichen Aussagen von ULD und BayLfD. Kann man so machen, aber viel Glück dabei wenn die Behörde vor der Tür steht.

  13. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Anonymer Nutzer 24.04.18 - 19:10

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Der Schutz von Beschäftigtendaten ist konkret in §26 Abs. 7 BDSG-neu
    > > geregelt:
    >
    > Das ist richtig, beim konkreten Beispiel (händisch geführte
    > Urlaubsübersicht an der Wand) trotzdem die falsche Baustelle. Da der
    > Kalender händisch geführt wird (keine automatisierte Verarbeitung) und auch
    > keine Ablage in einem Dateisystem darstelle (also nicht indiziert ist), ist
    > auch BDSG n.F. nach §1 Abs. 1 Satz 2 nicht anwendbar. Der Kalender ist vom
    > Datenschutz einfach nicht betroffen.



    Juristisches Halbwissen = gefährliches Halbwissen


    Die DSGVO ist unmittelbar geltendes Europarecht, BDSG hin oder her. Was dort steht gilt. Und da gibt's keine Einschränkungen, wie du sie dir hier aus den Fingern gesogen hast. Das hier zu verbreiten, am Ende glaubt das noch jemand, geht auf keine Kuhhaut.

  14. Re: Bei uns in der Firma...

    Autor: Oktavian 24.04.18 - 21:42

    > Die DSGVO ist unmittelbar geltendes Europarecht, BDSG hin oder her. Was
    > dort steht gilt. Und da gibt's keine Einschränkungen, wie du sie dir hier
    > aus den Fingern gesogen hast. Das hier zu verbreiten, am Ende glaubt das
    > noch jemand, geht auf keine Kuhhaut.

    Dann solltest Du DSGVO Art. 2 Abs. 1 lesen. Diese hat den gleichen sachlichen Geltungsbereich wie das BDSG n.F. Wäre sonst auch unlogisch.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 24.04.18 21:44 durch Oktavian.

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