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Was ist daran "durchaus brauchbar"?

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  1. Was ist daran "durchaus brauchbar"?

    Autor: brotiger 28.02.17 - 15:19

    "Dem Hotspot-Betreiber drohen erst dann Kosten, wenn er beispielsweise keine Unterlassungserklärung abgeben will und sich weigert, die geforderten Sperrungen umzusetzen."

    Ja, die Situation könnte für Privatpersonen besser werden, da im Gegensatz zu einer Abmahnung nicht mehr zu erwarten ist, dass man von einem Verfahren gegen einen privaten Anschlussinhaber groß profitieren kann. Abmahnungen waren aber auch für die Kanzleien sehr aufwändig und arbeitsintensiv, Waldorf Frommer beschäftigt nicht umsonst einen Mitarbeiter pro ~2500 jährliche Abmahnungen.

    Dafür hat die Content-Mafia jetzt aber einen grandiosen Hebel gegen alle größeren Firmen und Einrichtungen, welche Hotspots anbieten. Es muss nur EIN einziger Missbrauchsfall halbwegs nachgewiesen werden, und schon können eine Universität, eine Bäckereikette, die Telekom, ein Freifunk-Verein, eine Stadt oder sonstwer zur Sperrung gezwungen werden. Dann muss die Content-Mafia ja später nur noch ein paar weitere Fälle ausm Hut ziehen und schon kann man vor Gericht nachweisen, dass der Beschuldigte nicht Willens ist, die Sperrungen auch durchzusetzen, und die Strafe fällt höher aus als im bisherigen Abmahngeschäft.

    Dann bleibt den Anbietern ja nicht mehr viel übrig, als ihr Angebot durch den Einsatz von Deep Packet Inspection und Konsorten massiv abzusichern oder halt einen dreckigen Deal mit der Mafia zu machen. Und darauf läuft es denke ich hinaus. Es ist viel besser, wenn man von den ganzen großen Anbietern jeden Monat Betrag x für eine Art "Raubkopierflatrate" bekommt und die Verfahren nie bekannt werden, als wenn man ~250.000 Bürger pro Jahr nerven muss.

  2. Re: Was ist daran "durchaus brauchbar"?

    Autor: Anonymer Nutzer 28.02.17 - 15:40

    Ja, man kann Dinge auch einfach erfinden um sich dann über die eigenen Erfindung aufzuregen.

    Stellen, die schon bisher das Providerprivileg genießen, werden auch weiterhin nicht "angreifbar" sein und das Providerprivileg behalten. Die Neuregelung betrifft einzig und allein den Fall, für den du ja selbst - bevor der große Rant beginnt - zugestehst, dass es einen Effekt haben wird. Nämlich der typische, private, kleine Hotspot.

    Somit hättest du dir alles, ab dem 2. Absatz sparen können.

  3. Re: Was ist daran "durchaus brauchbar"?

    Autor: brotiger 28.02.17 - 16:14

    Man muss erst mal Provider sein, um das Providerprivileg zu genießen. Dazu gehören eine Registrierung bei der Bundesnetzagentur (https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Unternehmen_Institutionen/Anbieterpflichten/Meldepflicht/meldepflicht.html) und die Einhaltung aller damit verbundenen Pflichten. Diesen Schritt gehen weder Universitäten noch Bäckereiketten. Deswegen lassen McDonalds und Burger King ihr WLAN auch von der Telekom machen.

  4. Re: Was ist daran "durchaus brauchbar"?

    Autor: Anonymer Nutzer 28.02.17 - 16:27

    Universitäten gehören providertechnisch zum DFN und genießen sehr wohl das Providerprivileg und Bäckereien kaufen das WLAN ein, weil sie Bäckereien sind und keine IT Betriebe - und auch nicht rumstümpern wollen a lá "das macht mal eben der Bäckerlehrling, der kennt sich da aus". Das wird vom Telko-Anbieter im Gesamtpaket mit der Telefonanlage und der Vernetzung (zB für moderne Kassensysteme) angeboten und auch wenn hierzulande WLAN-Anarchie herrschen würde, würde das so eingekauft werden. Analog bei deinen genannten Burgerbuden, auch deren Geschäft ist nicht die IT.

    Noch nie Begriffe wie Outsourcing, Einkauf, Vergabe nach Außen usw. gehört? Willkommen in der Dienstleistungsgesellschaft.

    Noch irgend eine dünne Begründung für deinen Rant?

  5. Re: Was ist daran "durchaus brauchbar"?

    Autor: brotiger 01.03.17 - 13:46

    Universitäten gehören weder "providertechnisch" zum DFN noch sind sie pauschal Provider. Beim DFN wird man Mitgliegd, eine Mitgliedschaft in der SPD macht dich ja aber auch nicht zur Bundesregierung.

    Ich habe vor drei Jahren bei unserem Rechenzentrum an der Uni nachgefragt und niemand, allen voran die Hausjuristen, waren der Ansicht, dass die Uni unter das Providerprivileg fällt. Deswegen war z.B. die Mitversorgung der Studentenwohnheime lange ein leidiges Thema, sämtliche Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzung liefen beim Rechenzentrum auf und mussten dann abgearbeitet werden. Mittlerweile hat sich bei der Content-Mafia halt rumgesprochen, dass es sinnlos ist, gegen eine Uni vorzugehen, und deswegen kommen kaum noch Abmahnungen. Das hat nichts mit dem Providerprivileg zu tun, sondern einfach mit Kosten und Aufwand.

    Eine Registrierung als Provider bei der Bundesnetzagentur hat man explizit unterlassen, weil dann sämtliche Auflagen der https://de.wikipedia.org/wiki/Telekommunikations-%C3%9Cberwachungsverordnung, inklusive die Speicherung von Daten und der Einbau von Abhörschnittstellen (SINA-Box), zu erfüllen gewesen wären. Schließlich hat fast jede Uni mehr als 10.00 Nutzer.

  6. Re: Was ist daran "durchaus brauchbar"?

    Autor: Anonymer Nutzer 01.03.17 - 16:01

    Und weil du mal vor Jahren irgendwo nachgefragt hast und lokale Ansprechpartner ggf. nicht richtig informiert waren erhebst du deinen anekdotischen Beitrag zur Tatsache?

    Die schiefen Vergleiche beginnen schon damit schief zu sein, dass Hochschulen dem speziellen Verwaltungsrecht unterliegen, es gelten dabei komplett andere Rechtsgrundlagen.

    So ist man Nutzer, nicht "Kunde", und der Nutzung liegen keine AGB zu Grunde, sondern einer Benutzungsordnung, die als sog. Satzung von der lokalen Hochschule verabschiedet und in Kraft gesetzt wird (Normenhirarchie: Gesetz, Verordnung, Satzung). Damit ist diese Benutzungsordnung eine Rechtsnorm.

    Hier hat das DFN einen Mustertext bereit gestellt:

    https://www.dfn.de/rechtimdfn/rgwb/rechtsguide/rg-kapitel1/musterbenutzungsordnung/

    zumindest jede Hochschule, mit der ich jemals zu tun hatte, ist Teil des DFN und so auch seine Netze. Offiziell, mancher mag angesichts der regen Privatnutzung von Studenten auch "pro Forma" dazu sagen, ist die private Nutzung untersagt. Verstöße berechtigten die Hochschule zum Ausschluss des verstoßenden Nutzers durch sog. Verwaltungsakt.

    Ohne weiter in die Details zu gehen, es handelt sich um komplett andere Rechtsverhältnisse, daher sind die TMG Regeln hier schlicht nicht anzuwenden (und deswegen sind die Hochschulen auch noch nicht an einem Berg von Abmahnungen oder Klagen bankrott gegangen; schon eine kleine Hochschule hat schnell 20.000 Studenten, jeder mit eigenem RZ Account und frei zugänglichen PCs zB in CIP Pools, viel Spaß, wenn hier die üblichen Regeln gelten würden).

    Somit habt ihr alle nicht (wirklich) recht, aber analog kann man durchaus sagen, dass für die Hochschulen sowas ähnliches wie das Providerprivileg gilt.

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