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Gratismentalität
Autor: twothe 28.02.19 - 18:08
Warum wird Gratismentalität eigentlich immer als etwas schlechtes angesehen? Wie viel Linux, Node/NPM und selbst Dinge wie Java würde es geben, wenn es die Leute nicht für andere kostenlos machen würden? Linux 50¤ mit jährlich 20¤ Nutzungsgebühren für Updates? Wie hätte sich die IT-Welt dann wohl entwickelt? Alle YouTube-Videos kann ich mir kostenlos anschauen, auch diejenigen, die sehr aufwendig und teuer produziert wurden. Natürlich machen diese Leute das auch, um damit Geld zu verdienen, aber jemand wie Gronkh oder PewDiePie hören doch nach ner Millionen nicht auf und sagen: "So bin reich, reicht jetzt." Nein, die machen das, weil sie Spaß daran haben.
Die unzähligen Modder die etwas für andere bereit stellen, kostenlose Grafiken, Sounds und 3d-Models für Hobby-Entwickler und Halbprofis. Tutorials und Guides für alle Fragen und Probleme, kostenlos. Und wie gut könntet ihr Programmieren, wenn die Antworten auf Stackoverflow 5¤ kosten? Diese Welt hat sich so wunderbar weiter entwickelt, weil Menschen bereit sind freiwillig Dinge für andere zu machen, nur um andere damit glücklich(er) zu machen.
Das ist auch ein Teil der Welt, den die EU gerade angreift. -
Re: Gratismentalität
Autor: teenriot* 28.02.19 - 18:17
Es besteht ein großer Unterschied darin, ob man eine Leistung freiwillig verschenkt oder nicht. Das ist dann eben auch der Unterschied zwischen dem was du hier richtigerweise sagt und deiner Haltung zu Adblockern.
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Re: Gratismentalität
Autor: as112 28.02.19 - 19:09
Nein, der Teil der Welt, den die EU angreift, sind Leute, die mit der Arbeit anderer einen Reibach machen wollen, ohne selbst wesentliches beizusteuern.
Arbeitest du eigentlich kostenlos?
Es ist ja nicht so, als würden die Leute Content wie Fußballspiele, Dokus und Zeichentrickfilme aus reiner Nächstenliebe hochladen. Die verdienen selbst durch die Klickzahlen/Werbung teilweise eine Mordskohle. Dein Gehalt sieht vermutlich erbärmlich aus im Vergleich dazu.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 28.02.19 19:13 durch as112. -
Re: Gratismentalität
Autor: Anonymer Nutzer 28.02.19 - 19:15
Das mag die Mehrheit der EU-Abgeordneten denken. Allerdings schaffen sie mit Artikel 11 und 13 ein System in welchem am Ende nur die ganz Großen überleben können. Und scheinen es noch nicht mal zu merken. Die EU kann gegen Google, Facebook, Twitter & Co. nicht gewinnen.
Wenn Artikel 13 und 11 erstmal durch sind, können sich Google, Facebook und Twitter einfach aus der EU komplett zurückziehen und sind aus dem Schneider. Dann haben die Unternehmen in der EU die beiden Artikel am Hals und der Rest der Welt macht einfach weiter. -
Re: Gratismentalität
Autor: throgh 28.02.19 - 19:18
Sprach der wirkliche Ideologe und gleichermaßen Populist, der sich die Welt einfach machen und erklären will. Als würde das gesamte Internet nur aus benannten Großplattformen wie YouTube, Amazon, Facebook oder / und Twitter bestehen. Aber wenn man nun einmal nicht über den eigenen Tellerrand hinaus blicken will, so auch natürlich andere Lizenzmodelle als "Nutze und Bezahle" sehen mag ... klar, dann ist die Welt natürlich so simpel und dennoch nicht entsprechend den realen Bedingungen! ;)
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Re: Gratismentalität
Autor: as112 28.02.19 - 19:20
twothe schrieb:
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> Natürlich machen diese Leute das auch, um damit Geld zu verdienen, aber
> jemand wie Gronkh oder PewDiePie hören doch nach ner Millionen nicht auf
> und sagen: "So bin reich, reicht jetzt." Nein, die machen das, weil sie
> Spaß daran haben.
Das eine schließt das andere nicht aus. Und ja, sie wollen die Kuh so lange melken wie sie können. Denn Kohle scheffeln macht Spaß, insbesondere wenn es so leicht verdientes Geld ist. PewDiePie könnte sich auch einfach nur hinsetzen und 10 Minuten pfurzen und es würden sich Millionen anschauen und er hätte wieder mehrere 1.000¤ im Sack. Wer macht das nicht so lange er kann? -
Re: Gratismentalität
Autor: as112 28.02.19 - 19:30
azeu schrieb:
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> Das mag die Mehrheit der EU-Abgeordneten denken. Allerdings schaffen sie
> mit Artikel 11 und 13 ein System in welchem am Ende nur die ganz Großen
> überleben können. Und scheinen es noch nicht mal zu merken.
Das ist auch jetzt schon so und Teil des kapitalistischen Systems. Das hat mit Artikel 13 überhaupt nichts zu tun. Diese Konzentration hat es insbesondere im Internet schon immer gegeben. Wieviele ernstzunehmende Versteigerungsplattformen ausser Ebay gibt es denn noch? Was ist aus den anderen Video-Plattformen geworden. Das Problem ist nicht die EU, sondern dass man es versäumt hat, Google und Co in ihre Schranken zu verweisen und diese Monstren erlaubt hat.
> Die EU kann
> gegen Google, Facebook, Twitter & Co. nicht gewinnen.
Doch können sie. China hat denen auch ihren Willen aufgezwungen. Am Ende bestimmt immer das Primat der Politik. Wenn nicht wirksam gehandelt wird, liegt das allenfalls an korrupten Politikern, die sich kaufen lassen haben, aber sicher nicht am Mangel der Möglichkeiten. Rockefellers Imperium wurde auch zerschlagen. Es wird Zeit sich zu überlegen, ob nicht Google/Alphabet auch dran wäre. Die Art und Weise, wie eine Firma das Internet beherrscht, sollte keinem gefallen. -
Re: Gratismentalität
Autor: as112 28.02.19 - 19:33
throgh schrieb:
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> Als würde das gesamte Internet nur aus
> benannten Großplattformen wie YouTube, Amazon, Facebook oder / und Twitter
> bestehen.
Du hast offenbar keine Ahnung, wie weitreichend der Arm dieser Firmen ist. -
Re: Gratismentalität
Autor: Pete Sabacker 28.02.19 - 19:44
teenriot* schrieb:
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> Es besteht ein großer Unterschied darin, ob man eine Leistung freiwillig
> verschenkt oder nicht. Das ist dann eben auch der Unterschied zwischen dem
> was du hier richtigerweise sagt und deiner Haltung zu Adblockern.
Ganze Wirtschaftszweige haben das Internet einfach vollständig verpennt. Film- und Musikindustrie, Journalismus. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Diese Erzeugnisse verlieren mit besserer Verfügbarkeit an Wert, wie alles Andere auch. Jetzt also erzwingen, auf was man sich nicht einstellen wollte? Nein, Pech gehabt. -
Re: Gratismentalität
Autor: as112 28.02.19 - 19:50
Pete Sabacker schrieb:
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> Ganze Wirtschaftszweige haben das Internet einfach vollständig verpennt.
> Film- und Musikindustrie, Journalismus. Wer zu spät kommt, den bestraft das
> Leben. Diese Erzeugnisse verlieren mit besserer Verfügbarkeit an Wert, wie
> alles Andere auch. Jetzt also erzwingen, auf was man sich nicht einstellen
> wollte? Nein, Pech gehabt.
Was für eine alberne Argumentation. Inwiefern rechtfertig eine Technologie das ungefragte Verwerten fremder Inhalte. Genauso kann ich in deine Bude einbrechen, mir alles nehmen was mir gefällt und sagen: Tja Pech gehabt, hast halt verpennt, dein Eigentum zu verkaufen, bevor ich es stehlen und verwerten konnte. -
Re: Gratismentalität
Autor: throgh 28.02.19 - 19:54
Doch, durchaus und sehr umfassend sogar. Deswegen nutze ich auch keine der Dienste und habe mich rechtzeitig von Amazon abgesetzt als es absehbar wurde wohin die "Reise" geht. Aber zur Regulierung reichen die Gesetzgebungen durchweg und es geht bei der gesamten Kritik vorzugsweise um Artikel 13 und Artikel 11. Und auch der Rest bezieht sich vorneweg um die Rechteverwerter, nicht die Urheber. Denn genau diese sprechen sich auch seit über 2 Jahren dagegen aus!
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Re: Gratismentalität
Autor: GodsBoss 28.02.19 - 20:11
> Nein, der Teil der Welt, den die EU angreift, sind Leute, die mit der
> Arbeit anderer einen Reibach machen wollen, ohne selbst wesentliches
> beizusteuern.
Das stimmt nicht, die werden nur immer hervorgeholt, weil US-amerikanische Großkonzerne gute Bösewichte abgeben.
Es gab genau die gleiche Diskussion schonmal, als es um das Leistungsschutzrecht in Deutschland ging. Hauptsächlich wurde gegen Google geschossen. Im Endergebnis musste Google als einziger nichts bezahlen, die bisherigen Rechtskosten der Verlagsseite in Form der VG Wort übersteigen die ausschließlich von Firmen, die nicht Google sind, erhaltenen Einnahmen.
Und da jetzt Leute an der ganzen Sache arbeiten, die nachgewiesenermaßen keine Ahnung haben (Herr Voss z.B.), halte ich es für utopisch, dass es diesmal anders läuft.
Mal ganz abgesehen davon, dass gar kein Bedarf für ein solches Gesetz besteht. Der wurde ja nur herbeigelogen.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, meine Ausführungen sind Platin. -
Re: Gratismentalität
Autor: lear 28.02.19 - 23:26
Ich hoffe mal, Du trollst nur…
China ist ein Einparteienstaat bei dem alle die Meinung vom Obermotz teilen dürfen und die Bevölkerung es hinnimmt, in ihrer "Meinungsbildung" bis ins Detail bevormundet zu werden. So was wie "Internet" gibt es in China (legal) nicht - es gibt einen Chinagerechten Auszug des Internets. Das ist also das Idealmodell, ja?
Außerdem bedroht Chinas Wille Googles Geschäftsmodell nicht im Mindesten.
Und: Du scheinst Dich krampfhaft der Erkenntnis zu verweigern daß, ob man nun Google oder 1C-Hoster treffen will, die Richtlinie brutal daneben schlägt. Die allerersten Opfer werden Artikelforen wie dieses sein, auch wenn der ein oder andere Eurokrat evtl. wirklich zu verblödet ist, das zu erkennen.
Youtube wird wahrscheinlich dailymotion und zum. in der EU vimeo komplett platt machen, auch wenn sie in der EU dann nur noch "ausgewählte" Kanäle streamen. Immerhin streamen sie überhaupt noch was.
Denn ein Riese wie Google wird diesen Quatsch noch am längsten erdulden können und die fieslichen 1c-h im Außer-EU Rest der Welt interessieren sich dafür sowieso nicht. Da müßten schon die ISPs ran, um die per DPI zu blocken und falls das wg. https nicht geht, muß jedenfalls Cloudflare geblockt werden und… ach, weißte was: am besten kauft die EU den Chinesen ihre Große Firewall ab! -
Re: Gratismentalität
Autor: twothe 01.03.19 - 01:23
Pete Sabacker schrieb:
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> Ganze Wirtschaftszweige haben das Internet einfach vollständig verpennt.
> Film- und Musikindustrie, Journalismus. Wer zu spät kommt, den bestraft das
> Leben. Diese Erzeugnisse verlieren mit besserer Verfügbarkeit an Wert, wie
> alles Andere auch. Jetzt also erzwingen, auf was man sich nicht einstellen
> wollte? Nein, Pech gehabt.
Ich hab auch so ein bisschen das Gefühl, dass dieser ganze Unsinn entstanden ist, weil ein paar ältere Leute mit der neuen Welt nicht mehr klar kommen und einfach bestimmen wollen, dass alles wieder so wird wie früher.
Vor zehn Jahren wurden wir im Fernsehn in Werbespots noch darüber informiert, wie lange wir ins Gefängnis müssen, wenn wir Musik und Filme aus dem Internet beziehen. Heute nutzen alle Spotify und Netflix, und das Fernsehn muss um sein Überleben bangen. Zeitungen wissen seit Jahren nicht wie sie Einnahmen über kostenlos lesbare Newsartikel generieren sollen, Blogger können das ebenfalls seit Jahren problemlos. Da muss jetzt kein Gesetz her das den Markt wieder runter regelt, die Leute müssen sich einfach nur mal an die neuen Gegebenheiten anpassen!
Das Leben hat sich in den letzten 20 Jahren rasant geändert, und bei so viel Wandel bleibt natürlich auch der ein oder andere auf der Strecke. Das ist aber auch gut so! Das nennt sich Evolution. Archaische Gesetze werden den Wandel höchsten verzögern, aber sicher nicht aufhalten können. Aber die Damen und Herren in Brüssel bleiben lieber im Gestern, damit kennen sie sich aus, da fühlen sie sich wohl. Bis sie dann wie die Dinosaurier aussterben. -
Re: Gratismentalität
Autor: janoP 01.03.19 - 01:36
twothe schrieb:
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> Node/NPM
Na toll, jetzt hast du denen ein überzeugendes Argument gegen Gratismentalität geliefert... -
Re: Gratismentalität
Autor: teenriot* 01.03.19 - 01:56
Diese Vergleiche sind doch Unsinn und gehen an der Sache vorbei.
Die Urheberrechtsverletzungen sind heute die gleichen wie früher.
Netflix ist keine Weiterentwicklung vergangener Urheberrechtsverletzungen,
Was hat das miteinander zu tun, dass du das in einer Reihe setzt?
Es geht auch nicht darum Urheberrechtsgesetze zu verschärfen.
Und niemand will dir dein Internet wegnehmen.
Das sitzen keine grantigen Opas die den Kindern das Leben vermiesen wollen.
Es geht einzig um die Durchsetzung bestehender Gesetze durch weitere Gesetze.
Über das wie kann man sicherlich streiten.
Aber das grundsätzliche Anliegen liegt in der Natur eines Rechtsstaates.
Und Äpfel sind keine Birnen. -
Re: Gratismentalität
Autor: Wulf 01.03.19 - 05:45
twothe schrieb:
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> Warum wird Gratismentalität eigentlich immer als etwas schlechtes
> angesehen? Wie viel Linux, Node/NPM und selbst Dinge wie Java würde es
> geben, wenn es die Leute nicht für andere kostenlos machen würden?
Ich gehöre zu denjenigen, die in ihrer Freizeit gerne FOSS entwickeln. Ich lebe die Gratismentalität also durchaus. Auf der anderen Seite erkenne ich aber auch, dass insbesondere hinter Filmen und Serien unglaublich viel Arbeit stecken kann, deutlich mehr, als man als Hobby drehen könnte.
Wenn ich von meinen Lieblingsserien mehr als eine Episode pro Jahr sehen möchte, sollte ich also auch dafür bezahlen.
Man sollte hier besser über soziale Gerechtigkeit reden, zum Beispiel warum netflix oder die meisten Kinos keinen Sozialtarif haben. -
Re: Gratismentalität
Autor: Shoopi 01.03.19 - 09:01
teenriot* schrieb:
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> Es besteht ein großer Unterschied darin, ob man eine Leistung freiwillig
> verschenkt oder nicht. Das ist dann eben auch der Unterschied zwischen dem
> was du hier richtigerweise sagt und deiner Haltung zu Adblockern.
Und dagegen gibt es Gesetze, fertig. Alles was die EU hier vorhat ist negativ. Es hilft nur Reichen, noch reicher zu werden. Und ich sehe Adblocker ist ein separates Thema. Doch ein einfaches Beispiel für mich ist: Wenn ich gezwungen werde um auf dem Markt zu trödeln mir von allen Marktschreiern ins Ohr brüllen zu lassen greife ich zu Ohrstöpseln. Selbe mit Werbung, solange sie penetrant bleibt, Seiten verschiebt, ungefragt URLs öffnet und auch noch ungewünscht Sounds abspielt - nein danke. Adblock. Wenn dann die Adblock-Meldung auf Mist wie Bild auftaucht, gehe ich eben woanders hin. -
Re: Gratismentalität
Autor: unbuntu 01.03.19 - 09:20
Wenn Adblocker so ein Problem sind, warum bieten sie ihr Produkt nicht einfach gegen Geld an, so wie bei Tageszeitungen auch?
Linux ist das beste Betriebssystem, das ich jemals gesehen habe.
- Albert Einstein -
Re: Gratismentalität
Autor: Pete Sabacker 01.03.19 - 14:11
unbuntu schrieb:
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> Wenn Adblocker so ein Problem sind, warum bieten sie ihr Produkt nicht
> einfach gegen Geld an, so wie bei Tageszeitungen auch?
Weil die Gratismentalität sich durchgesetzt hat, bevor Zeitungen, Film- und Musikindustrie begriffen haben, was eigentlich dieses "Internet" ist.
teenriot* schrieb:
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> Netflix ist keine Weiterentwicklung vergangener Urheberrechtsverletzungen
Nein, aber eine endlich mal logische Konsequenz.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 01.03.19 14:13 durch Pete Sabacker.



