1. Foren
  2. Kommentare
  3. Software-Entwicklung-Forum
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › 20 Jahre Agiles…

Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
  1. Thema
  1. 1
  2. 2

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: /mecki78 31.08.21 - 15:24

    Das Manifest besteht nur aus abstrakte Forderungen, aber auf abstrakten Forderungen kann man reales Geschäftsmodell aufbauen. Da steht nur was grundsätzlich anders werden soll, da steht aber nicht was konkret zu passieren hat und wie man das umsetzen soll.

    Das ist so wie wenn ich vor 20 Jahren das Auto Manifest verfasst hätte und dort steht:

    "Ein Auto soll nicht mehr als 2 Liter Benzin auf 100 km verbrauchen!"

    Und dann 20 Jahre später schimpfe ich, dass Autos ja immer noch mehr als das verbrauchen.

    Ja natürlich tun sie das, denn ich habe ja nie beschrieben, wie man dieses Ziel bitte konkret erreichen soll. Was soll irgend jemand mit dieser Wunschvorstellung anfangen? Ist ja schön, dass man das so haben möchte, aber es muss eben auch irgendwie realisierbar sein und nur weil ich das postuliere, wird es nicht einfach so passieren!

    Hier mal ein Beispiel:

    "Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge"

    Ja, klingt schön. Aber was heißt das konkret? Was soll jetzt irgendwer konkret tun, weil ich ihm das gesagt habe? Was bitte ist die Handlungsanweisung hier? Wie soll ein Manager mit dieser Forderung bitte umgehen?

    Den meisten Managern ist es egal wie ein Softwareteam intern arbeitet, solange es in der gewünschten Zeit und mit den gewünschten Kosten ein fertiges Produkt in gewünschter Qualität liefert und die Aufgabe des Managers ist es das sicherzustellen und Dinge zu verändern, wenn irgendwas dieses Ziel gefährdet oder unerreichbar macht. Wenn das Team intern anders arbeiten will, dann sollen sie das einfach tun, sofern das zu besseren Ergebnissen führt, jederzeit gerne. Wichtig ist nur, dass der Manager irgendwie den Fortschritt überwachen kann und wenn nötig Eingriffsmöglichkeiten hat, weil sonst kann er seinen Job nicht länger erfüllen. D.h. er muss das neue Konzept verstehen können und involviert bleiben.

    Und das SRCUM Müll ist, das habe ich hier schon über ein dutzend mal in den letzten Jahren geschrieben. SCRUM ist nicht für Entwickler geschaffen worden, SCRUM wurde für Manager geschaffen, um Entwicklern die Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung verkaufen zu können, während sie in Wahrheit genau das machen, was sie immer schon getan haben. Das ist wie Stallkühen VR Brillen aufsetzen, die ihnen vorgaukeln, dass sie auf der Weide stehen, weil sie dann mehr Milch geben. SCRUM gibt sich dabei größte Mühe diese Scharade zu verbergen, indem sie allen Rollen neue Namen gibt und jedem alten System ein neues überstülpt, das faktisch genau das gleiche wie bisher macht, aber eben komplett anders aussieht. SCRUM holt Entwickler nicht aus dem Käfig, es dekoriert ihn nur bunter.

    Die Nicht-Entwickler im Unternehmen haben immer noch nicht verstanden, wie es ist Software zu entwickeln, warum das so wenig vorhersagbar ist, wie extrem viel Arbeit manche von ihren Wünschen in der Umsetzung bedeuten und wie wichtig es ist, sauberen Code zu schreiben, weil jede Stunden die man am Anfang einspart später mehrerer Tage an Extraarbeit mit sich bringt. Das ist weil Programmieren kaum mit irgendwas aus der realen Welt vergleichbar ist, dass jeder Mensch aus seinem Alltag kennt. Irgendwas handwerklich herzustellen z.B. ist etwas komplett anderes. Fertigung in einer Fabrik ist etwas komplett anderes. Sogar Pläne am Reißbrett entwerfen ist etwas komplett anderes. Programmieren ist wie eine Mischung aus mathematischen Berechnungen, Romanbücher schreiben und Rätselhefte lösen und es jedes mal etwas neues und anders als das was man letztes mal gemacht hat.

    /Mecki

  2. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: notuf 31.08.21 - 15:34

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Manifest besteht nur aus abstrakte Forderungen, aber auf abstrakten
    > Forderungen kann man reales Geschäftsmodell aufbauen. Da steht nur was
    > grundsätzlich anders werden soll, da steht aber nicht was konkret zu
    > passieren hat und wie man das umsetzen soll.

    Ja, offensichtlich hast du diese ganze Agile-Bewegung so überhaupt nicht verstanden.

  3. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: Lefty83 31.08.21 - 15:38

    Also ich finde den Post etwas überspitzt aber treffend :)

  4. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: /mecki78 31.08.21 - 15:54

    notuf schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ja, offensichtlich hast du diese ganze Agile-Bewegung so überhaupt nicht
    > verstanden.

    Offensichtlich hat das niemand, darum dreht sich doch der ganze Artikel und das steht doch sogar schon in der Überschrift. Und wenn niemand eine Sache versteht, dann liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Sache selber und nicht an all den Menschen. Wenn du etwas konkret verändern willst, dann musst du auch konkrete Forderungen stellen und konkrete Handlungsanweisungen geben, ansonsten wirst du nichts verändern, denn nur konkrete Dinge lassen sich umsetzen.

    /Mecki

  5. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: hambret 31.08.21 - 16:01

    Kann ich nur beipflichten, das Ganze ist absichtlich unkonkret das keiner weiß was er tun soll.

    Es gibt einen ganz neuen Berufszweig mit Projektkosten der versucht das zu erklären, was absichtlich schlecht erklärt ist.

    Der letzte Post bringt es auf den Punkt : Wenn eine Methodik so viel Aufwand benötigt korrekt umgesetzt zu werden, dann ist doch die Methodik scheisse oder nicht ?

  6. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: Flasher 31.08.21 - 16:03

    Das Agile Manifest hätte auch aus der Feder von Karl Marx stammen können. Es beschreibt wie sich Entwickler vom bösen Management emanzipieren und selbst organisieren sollten. Dass aber Visionen, Ideen und letztlich auch Business Cases von irgendwem ja her kommen müssen, geht da gerne vergessen.

  7. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: Trockenobst 31.08.21 - 16:15

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    Ich stimme dem Post allgemein zu, ABER:

    > Programmieren ist wie eine Mischung aus mathematischen
    > Berechnungen, Romanbücher schreiben und Rätselhefte lösen und es jedes mal
    > etwas neues und anders als das was man letztes mal gemacht hat.

    Wer schreibt schon am Code der Steuerdüsen von Raketen ansteuern muss? Sicherlich nicht der PHP Bernd am Scrum Board. Das ist mir in der Breite schon etwas zu romantisiert. Ein Ex-Kollege hat in der Krise Schulen geholfen, die Remote Thematik zum laufen zu kriegen. Große Puzzles waren das auch nicht, nur sehr viele, aufwendige einzelne Arbeitsschritte die ineinander greifen mussten.

    Das ist auch das was ich bei von anderen am Lagerfeuer so als "schwierig" bezeichneten höre.
    10% sind wirklich harte, "neue" Themen. Vieles ist eher der beschissene Prozess das Ding in einem großen Konzern/Kunden/Behörde zum laufen zu kriegen. Die Mitarbeiter zu bekommen, die nicht auf ihrem CV geflunkert haben. Die Abteilungen die Sagen sie machen mit, aber sind eher Saboteure. Da liegt die wahre Arbeit. Was fast nichts mit Scrum und Agil zu tun hat.

    Ich will nicht bezweifeln das es Leute gibt die heute 3d Spiele und morgen Bremssteuerungen programmieren, aber das was ich bei vielen Kollegen sehe ist doch eher alles realistisch. Es ist der Kunde der meist keine Lust hat sich mit den Datenmodell ("das sind ja 800 Tabellen") zu beschäftigen und daher auch keinen Plan hat warum X->Y nicht einfach zu verbinden ist. Dann liegt der Vorschlag 4 Monate am Scrum Board. "AGIL FÜNKTIÖNIERT NICHT!" ist dann eher der Ausdruck von fehlgeleiteten Marketing das die falschen Sachen versprochen hat.

  8. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: /mecki78 31.08.21 - 16:31

    Programmierer werden nicht bezahlt Code zu schreiben, sondern Probleme zu lösen.

    Wenn du ein neues Feature in eine App bringen sollst und dir gelingt das ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben, wird dann irgendwer sagen, du hast einen beschissenen Job gemacht, weil du keinen Code geschrieben hast? Ist es dem Management nicht egal wie du es machst, solange am Ende die App das kann, was gefordert wurde und das in der geforderten Zeit und Qualität?

    Manche Menschen denken, Programmierer sollen nur eine Spec "runter implementieren", aber wenn das der Fall wäre, warum schreiben wir dann nicht die Spec in einer normierten Beschreibungssprache und lassen eine Compiler diese Spec direkt in Code umsetzen? Damit wird der Spec Schreiber selber zum Programmierer und wir können uns einen weiteren Programmierer sparen.

    https://youtu.be/5g3dK2DgW-k?t=105

    Und kein Programmierer sollte jemals den gleichen Code zweimal schreiben müssen, denn wenn es den Code schon gibt, warum nimmt man dann nicht den existierenden Code? Programmierer sollten also immer nur neuen Code schreiben, den es noch nicht gibt, um Probleme zu lösen, für die es nicht schon eine fertige Lösung gibt. Nicht 10%, 100% von dem was ein Programmierer schreibt ist neuer Code, ansonsten hat irgendwer eine der wichtigsten Grundregeln verletzt: DRY! Don't Repeat Yourself!

    Und programmieren ist immer Mathematik, denn eine CPU kann nur Mathematik, am Ende sind alles mathematische Operationen. Aber bezahlt wird man dafür Probleme zu lösen und Probleme zu lösen ist wie Rätsel lösen, man muss das Problem verstehen und sich eine Lösung erarbeiten, das macht ein Programmierer. Und weil er dabei aber gewisse kreative Freiheiten hat, die er sinnvoll nutzen muss, ansonsten kommt unlesbarer oder unwartbarer Code bei raus, ist es eben auch zu einem gewissen Punkt Kreativität.

    /Mecki

  9. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: /mecki78 31.08.21 - 16:35

    Flasher schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Agile Manifest hätte auch aus der Feder von Karl Marx stammen können.

    Tatsächlich habe ich daran auch schon gedacht. Kommunismus ist auch etwas, das nur auf schönen Ideen basiert, die am Ende an der harten Realität zerschellen und nicht zuletzt auch deswegen, weil niemand die konkreten Umsetzung beschreibt. Wie soll denn ein real funktionierender kommunistischer Staat aussehen bzw. wie soll er im Detail funktionen, in denen alle Menschen zufrieden sind, die Wirtschaft sich selbst am Leben halten kann, es an nichts mangelt und keine Regierung von oben Zwang ausüben und Freiheiten beschneiden muss? Niemand beschreibt hier die konkreten Details. Vielleicht wenn sie das versucht hätten, hätten sie gemerkt, dass diese Idee gar nicht funktionieren kann, denn was ich schon nicht in der Theorie konkret beschreiben kann, kann ich wohl kaum in der Praxis umsetzen.

    /Mecki

  10. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: ubuntu_user 31.08.21 - 16:40

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Offensichtlich hat das niemand, darum dreht sich doch der ganze Artikel und
    > das steht doch sogar schon in der Überschrift. Und wenn niemand eine Sache
    > versteht, dann liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Sache selber
    > und nicht an all den Menschen. Wenn du etwas konkret verändern willst, dann
    > musst du auch konkrete Forderungen stellen und konkrete
    > Handlungsanweisungen geben, ansonsten wirst du nichts verändern, denn nur
    > konkrete Dinge lassen sich umsetzen.

    ich finde das gar nicht so unkonkret, auch wenn ich deine Punkte nachvollziehen kann.
    https://agilemanifesto.org/iso/de/principles.html

    "Liefere funktionierende Software
    regelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate und
    bevorzuge dabei die kürzere Zeitspanne. "

    sowas kannst du halt interpretieren:
    frickel das schnell zusammen.

  11. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: ubuntu_user 31.08.21 - 16:44

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Programmierer werden nicht bezahlt Code zu schreiben, sondern Probleme zu
    > lösen.

    ich glaube das ist vielen Entwicklern gar nicht klar

  12. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: ubuntu_user 31.08.21 - 16:52

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    Das Problem bei konkreten Sachen ist aber ja meist, dass die nicht überdauern.
    Jetzt mal nen Beispiel: 100% Testabdeckung und die Entwickler sollen TD entwickeln.
    Jetzt gibts ne KI, die dir die Tests generiert. Schon ist das mehr oder weniger für die Tonne.
    (auch wenn ich weiß welche Probleme das alles mit sich bringt)

    > "Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge"
    >
    > Ja, klingt schön. Aber was heißt das konkret? Was soll jetzt irgendwer
    > konkret tun, weil ich ihm das gesagt habe? Was bitte ist die
    > Handlungsanweisung hier? Wie soll ein Manager mit dieser Forderung bitte
    > umgehen?

    naja im Prinzip ist das agile Manifest das Interface und das Konkrete die Implementierung. D.h. man müsste sagen wir nehmen SCRUM und implementieren das nach A(giles)M(anifesto) 3.1 oder so.
    Aber jetzt das Beispiel:
    "Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge"
    Meistens ist das ja so:

    und der Entwickler ist meistens ruhig, weil eher introvertiert, sonst wäre er kein Entwickler geworden.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 31.08.21 16:53 durch ubuntu_user.

  13. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: /mecki78 31.08.21 - 18:37

    ubuntu_user schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > "Liefere funktionierende Software
    > regelmäßig innerhalb weniger Wochen oder Monate und
    > bevorzuge dabei die kürzere Zeitspanne. "

    Aber das sagt nur, was zu geschehen hat, nicht wie das geschehen soll. Wie liefert man denn regelmäßig funktionierende Software? Welcher Prozess stellt das sicher?

    Ist das was da oben nicht steht im Grunde das, was jeder Entwickler schon immer versucht hat? Welcher Entwickler wollte denn bisher nicht funktionierende Software liefern oder Jahrzehnte am gleichen Projekt verzweifeln?

    Also wenn das bisher bei den meisten nicht funktioniert hat, obwohl die das gerne so tun wollten, wie hilft ihnen dann ein Manifest, das besagt "ja, genauso sollten wir das machen"?

    Ich vermisse so etwas wie z.B. 20 konkrete Regeln, die jeder versteht, deren Einhaltung man überwachen kann und mit denen ein Manager was anzufangen hat. Wie z.B.

    1. Stelle sicher, dass du jeden Abend Code in einer Versionskontrolle hast,
    der baut und korrekt alle Tests durchläuft.


    Das ist eine ganz konkrete Anweisung, die kann jeder verstehen, die kann jeder umsetzen, deren Einhaltung kann man überwachen und man sich Verfahren ausdenken, die die Einhaltung automatisch sicherstellen, wie z.B. Commits, die den Code brechen, werden automatisch vom System selber reverted.

    Und dann am Ende kann man sagen: Wenn du diese 20 Regeln strikt befolgst, dann ist das agile Entwicklung, wenn nicht, dann nicht. Dann gibt es auch keine Streitfrage was agile Entwicklung ist und was nicht bzw. welches Unternehmen agil entwickelt und welches nicht. Ich habe eine Checkliste, die ich abarbeiten kann und wenn ich nicht alles abhaken kann, dann ist die Antwort nein und da gibt es keine Diskussion.

    Aber wie soll ich

    Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und
    gutes Design fördert Agilität.


    von einer Checkliste abhacken können? Wie soll ich überwachen und sicherstellen, dass das eingehalten wird? Welche Maßnahmen muss ein Unternehmen treffen, um diesen Punkt zu erfüllen?

    Von einigen seltsamen Punkten mal ganz abgesehen, wie dem letzten z.B.

    In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team,
    wie es effektiver werden kann und passt sein
    Verhalten entsprechend an.


    Erstens ist es nicht möglich unendlich effektiver zu werden. Das ist wie das unendliche Wachstum der Wirtschaft. Es gibt hier harte Obergrenzen, da kann das Team noch so viel reflektieren.

    Und zweitens ist Effektivität ohne Effizienz nutzlos. Denn bin ich nur Effektiv, dann heißt das, dass ich ein angestrebtes Ziel erreiche, aber lasse dabei völlig außen vor zu welchem Preis! Aber ein Ziel um jedem Preis zu erreichen ist Unfug, denn ab einem gewissen Kostenfaktor wird es uninteressant das Ziel überhaupt noch zu verfolgen.

    Hier gilt der Merksatz:
    Alles, was effizient ist, ist auch effektiv, aber nicht alles, was effektiv ist, ist auch immer effizient.

    Und nein, das ist kein Übersetzungsfehler, auch im Original steht dort effective und nicht efficient. Im Wirtschaftsalltag geht es immer um Effizienz, da immer die Frage ist "Was wird uns das kosten" und nur Ziele, die man auch zu vernünftigen Preisen erreichen kann sind Ziele von Interesse.

    /Mecki

  14. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: /mecki78 31.08.21 - 18:50

    ubuntu_user schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > /mecki78 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >> Programmierer werden nicht bezahlt Code zu schreiben,
    >> sondern Probleme zu lösen.
    >
    > ich glaube das ist vielen Entwicklern gar nicht klar

    Wenn sie mal darüber nachdenken würden, würden die meisten das glaube ich auch von sich aus erkennen:

    Würde man Programmierer bezahlen Code zu schreiben, dann hieß das ja, mehr Code sie schreiben, desto besser haben sie ihren Job gemacht, richtig? Also wenn ich ein Problem, das man mit 100 Zeilen Code hätte lösen können mit 300 Zeilen löse, ohne dass es einen nachvollziehbaren Grund für die 200 Extrazeilen gibt, dann habe ich einen besseren Job gemacht, richtig? S

    Spätestens hier erkennt dann jeder, dass an dieser Aussage was nicht stimmen kann, weil niemand denkt, dass 300 Zeilen besser als 100 Zeilen sind. Also ein Programmierer hat einem umso besseren Job gemacht, umso weniger Code er hat schreiben müssen um ein Problem zu lösen. Nur dann kann es nicht stimmen, dass er dafür bezahlt wird Code zu schreiben, weil genau das hat er ja versucht zu vermeiden und sollte daher auch nicht bezahlt werden?

    Und ja, natürlich ist weniger Code nicht grundsätzlich immer besser. Eine schlechte Lösung mit 100 Zeilen bleibt eine schlechte Lösung, sie wird nicht gut, nur weil sie weniger Zeilen Code hat. Wenn eine gute Lösung 300 Zeilen braucht, dann ist das eben so und dann ist es auch okay 300 Zeilen zu schreiben. Das "Rätsel", dass aber jeder Programmiere immer zu lösen hat, lautet: Wie bekomme ich mit so wenig Code wie möglich trotzdem noch eine gute Lösung hin. Und hier ist nachdenken gefragt und nicht stupide drauf los schreiben. Auch muss eine Lösung nicht perfekt oder sehr gut sein, sie muss nur so gut sein wie gefordert oder sinnvoll.

    /Mecki

  15. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: /mecki78 31.08.21 - 19:09

    ubuntu_user schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Problem bei konkreten Sachen ist aber ja meist, dass die nicht
    > überdauern.

    Müssen sie doch auch nicht. Wenn wir alle 20 Jahre ein neues Manifest schreiben, oder von mir aus auch alle 10, ist das doch auch kein Problem. Aber wenn wir eines schreiben, das in 20 Jahren kaum etwas bewirkt und bei dem am Ende praktisch keines der edlen Ziele erreicht wurde, dann hätten wir uns das auch gleich sparen können, oder? Ein konkretes wäre heute vielleicht veraltet, aber es hätte bestimmt mehr Veränderung bewirken können.

    > pbs.twimg.com

    Das Bild mochte er nicht so richtig.

    > und der Entwickler ist meistens ruhig, weil eher introvertiert, sonst wäre
    > er kein Entwickler geworden.

    Naja, ich kenne da auch andere Entwickler.

    Ich sehe hier eher das Problem, dass einfach gewisse Prinzipien nicht bis ins Management durchringen wollen. So verstehen viele Unternehmen auch nach 60 Jahren noch nicht, dass Entwickler Teams nicht linear skalieren. 8 Entwickler sind nicht doppelt so schnell wie 4. Je größer das Team, desto geringer die Leistung des Einzelnen.

    Ich habe jetzt die genauen Zahlen nicht, aber da gab es mal ein schönes Beispiel, in dem zwei Teams die gleiche Sache entwickeln sollten. Das eine Team hatte 5 Mitglieder, das andere hatte 20 Mitglieder. Wer war am Ende schneller? Natürlich das Team mit 20 Mitgliedern. Aber nur um eine Woche. Gut, eine Woche ist auch Zeit, richtig? Nicht wirklich, denn die Gesamtentwicklungszeit war 9 Monate. Bei 9 Monaten kommt es auf eine Woche nicht an. Hätte man das Team mit 20 Leuten in 4 Teams zu je 5 Leute aufgeteilt, hätten diese 20 Leute in den 9 Monaten 4x so viel leisten können wie als ein Team. Trotzdem kenne ich Entwicklerteams mit 60 Leuten, was einfach nur komplett bescheuert ist.

    /Mecki

  16. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: notuf 31.08.21 - 20:23

    Vorsicht vor Anekdoten. Ob agile funktioniert oder nicht, damit befassen sich Universitäten. Und die machen das richtig und nicht auf Anekdoten basierend.

  17. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: ubuntu_user 31.08.21 - 21:14

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Ich vermisse so etwas wie z.B. 20 konkrete Regeln, die jeder versteht,
    > deren Einhaltung man überwachen kann und mit denen ein Manager was
    > anzufangen hat. Wie z.B.
    >
    > 1. Stelle sicher, dass du jeden Abend Code in einer Versionskontrolle
    > hast,
    > der baut und korrekt alle Tests durchläuft.
    >
    > Und dann am Ende kann man sagen: Wenn du diese 20 Regeln strikt befolgst,
    > dann ist das agile Entwicklung, wenn nicht, dann nicht. Dann gibt es auch
    > keine Streitfrage was agile Entwicklung ist und was nicht bzw. welches
    > Unternehmen agil entwickelt und welches nicht. Ich habe eine Checkliste,
    > die ich abarbeiten kann und wenn ich nicht alles abhaken kann, dann ist die
    > Antwort nein und da gibt es keine Diskussion.
    >
    > Aber wie soll ich
    >
    > Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und
    > gutes Design fördert Agilität.
    >
    > von einer Checkliste abhacken können? Wie soll ich überwachen und
    > sicherstellen, dass das eingehalten wird? Welche Maßnahmen muss ein
    > Unternehmen treffen, um diesen Punkt zu erfüllen?
    >
    > Von einigen seltsamen Punkten mal ganz abgesehen, wie dem letzten z.B.

    naja gibt ja auch sowas wie Design Patterns, Architekturkriterien, usw.
    da hast du dann deine konkreten Sachen
    das unterscheidet sich aber auch je nach Anwendungsfall.
    Daher der Versuch das eher allgemein zu halten
    Bei Kerneltreibern wirst du wenig CI-Buildjobs haben.

    > Hier gilt der Merksatz:
    > Alles, was effizient ist, ist auch effektiv, aber nicht alles, was effektiv
    > ist, ist auch immer effizient.
    >
    > Und nein, das ist kein Übersetzungsfehler, auch im Original steht dort
    > effective und nicht efficient. Im Wirtschaftsalltag geht es immer um
    > Effizienz, da immer die Frage ist "Was wird uns das kosten" und nur Ziele,
    > die man auch zu vernünftigen Preisen erreichen kann sind Ziele von
    > Interesse.

    naja die Idee dahinter ist ja, dass man sich immer verbessert. Das Verschlechtern komm von alleine und in der Summe hält man dann das Level

  18. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: ubuntu_user 31.08.21 - 21:19

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Spätestens hier erkennt dann jeder, dass an dieser Aussage was nicht
    > stimmen kann, weil niemand denkt, dass 300 Zeilen besser als 100 Zeilen
    > sind. Also ein Programmierer hat einem umso besseren Job gemacht, umso
    > weniger Code er hat schreiben müssen um ein Problem zu lösen. Nur dann kann
    > es nicht stimmen, dass er dafür bezahlt wird Code zu schreiben, weil genau
    > das hat er ja versucht zu vermeiden und sollte daher auch nicht bezahlt
    > werden?

    naja passt dann aber nicht zu clean code.
    dann schreib ich halt alles in einer Zeile. Auch verkürztes if-statement ist nicht so toll

    Meiner Meinung nach sind aber die wenigsten Probleme auf schlechte Programmierung zurückzuführen. Meistens sind das eher architekturelle Probleme und "gewachsene" Protokolle

  19. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: ubuntu_user 31.08.21 - 21:22

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich habe jetzt die genauen Zahlen nicht, aber da gab es mal ein schönes
    > Beispiel, in dem zwei Teams die gleiche Sache entwickeln sollten. Das eine
    > Team hatte 5 Mitglieder, das andere hatte 20 Mitglieder. Wer war am Ende
    > schneller? Natürlich das Team mit 20 Mitgliedern. Aber nur um eine Woche.
    > Gut, eine Woche ist auch Zeit, richtig? Nicht wirklich, denn die
    > Gesamtentwicklungszeit war 9 Monate. Bei 9 Monaten kommt es auf eine Woche
    > nicht an. Hätte man das Team mit 20 Leuten in 4 Teams zu je 5 Leute
    > aufgeteilt, hätten diese 20 Leute in den 9 Monaten 4x so viel leisten
    > können wie als ein Team. Trotzdem kenne ich Entwicklerteams mit 60 Leuten,
    > was einfach nur komplett bescheuert ist.

    wie war das aus dem Buch von sun tsu?
    eine große Armee zu führen ist genauso einfach wie eine kleine, es ist lediglich eine Organisierungssache
    Man muss ja auch gucken was man parallelisieren kann. Wenn alle frontend-entwickler warten bis das backend fertig ist, bringen mehr frontend-entwickler ja auch nichts...

    Das ist wie mit Parallelprogrammierung XD
    eigentlich lustig, das sollten softwareentwickler ja eigentlich verstehen



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 31.08.21 21:23 durch ubuntu_user.

  20. Re: Agil hatte nie eine konkrete Bedeutung

    Autor: dEEkAy 01.09.21 - 00:03

    ubuntu_user schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > /mecki78 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Spätestens hier erkennt dann jeder, dass an dieser Aussage was nicht
    > > stimmen kann, weil niemand denkt, dass 300 Zeilen besser als 100 Zeilen
    > > sind. Also ein Programmierer hat einem umso besseren Job gemacht, umso
    > > weniger Code er hat schreiben müssen um ein Problem zu lösen. Nur dann
    > kann
    > > es nicht stimmen, dass er dafür bezahlt wird Code zu schreiben, weil
    > genau
    > > das hat er ja versucht zu vermeiden und sollte daher auch nicht bezahlt
    > > werden?
    >
    > naja passt dann aber nicht zu clean code.
    > dann schreib ich halt alles in einer Zeile. Auch verkürztes if-statement
    > ist nicht so toll
    >
    > Meiner Meinung nach sind aber die wenigsten Probleme auf schlechte
    > Programmierung zurückzuführen. Meistens sind das eher architekturelle
    > Probleme und "gewachsene" Protokolle


    Wenn ich so über die Themen nachdenke, dann sind das alles Probleme die durch die Architektur begründet oder oder mit der Zeit so gewachsen sind.

    Hier passt man dann eine kleines if-Statement an und muss daraufhin zig Zeilen an Unit-Tests schreiben, weil es an dieser Ecke damals eben keine Unit Tests gab. Für diese eine Kleinigkeit bestehend aus ein paar Zeichen und einem Wort fängt man sich so viel Mehrarbeit, damit die Qualitygates zufrieden gestellt sind, Sonar nicht meckert, der Code einigermaßen verständlich ist und man auch belegen kann, dass der 10 Jahre alte Code nach der kleinen Änderung auch noch das tut was er soll.

    Ich würde ja so gerne clean und agil arbeiten, es wird einem aber nicht ermöglicht. Also schludert man halt die dirty Variante hin, die nächste Deadline steht eh schon und der Code muss in x Tagen raus, komme was wolle.

    Ich glaub man merkt, dass ich leicht gefrustet bin.

  1. Thema
  1. 1
  2. 2

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. IT System Engineer (gn)
    HORNBACH Baumarkt AG, Bornheim bei Landau in der Pfalz
  2. Referentin bzw. Referent (m/w/d) für IT und Digitalisierung
    Behörde für Justiz und Verbraucherschutz, Hamburg
  3. Expert*in Projektmanagement (m/w/d)
    Stadtwerke München GmbH, München
  4. Softwareentwickler (m/w/d) Automatisierungstechnik
    Dürr Systems AG, Goldkronach

Detailsuche


Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. Ryzen 7 5800X für 469€)
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de