1. Foren
  2. Kommentare
  3. Software-Entwicklung-Forum
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › 20 Jahre Agiles…

Spezies: Agile bei einem Cloudprovider/Outsourcer

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Spezies: Agile bei einem Cloudprovider/Outsourcer

    Autor: Marco2G 02.09.21 - 12:27

    Wir "stellen gerade auf Agile um".

    Nun wirft man mir gerne mal vor, ich hätte das Grundkonzept von Agile nicht begriffen. Darum mal meine Frage als gepeinigter System Engineer:

    Liege ich hier falsch oder ist Agile für Softwareentwicklung gemacht und nur mit viel Fantasie auf den Businessalltag eines Cloudproviders anwendbar?

    Denn ich muss ehrlich sein, so unagil haben wir vorher noch nie auf Kunden eingehen können, wie jetzt.

    Man wollte die Kontextswitches weghaben, die angeblich passieren, weil wir engineers einfach "mal eben" was vom Kollegen erledigt brauchen, um weiterarbeiten zu können. Die Idee war, dass wir besser aufzeigen können, wie ausgelastet wir momentan sind. Wir dürfen auch keine Userstories haben, die mehr als 8h betragen. Wenn etwas länger dauert, dann müssen zwei Userstories aufgemacht werden.

    Noch nie mussten wir so viel Administratives erledigen, wie heute. Noch nie hatten wir so viele Unterbrüche durch Sitzungen wie heute. Die Dinge, die man vorher an einem Vormittag erledigen konnte, dauern heute zwei Tage, weil man eben nicht mal eben die Firewallregel anpassen lassen kann.

    Weniger Bullshit vom Sales haben wir auch nicht, denn egal wie viel und wie genau wir jede Minute rapportieren, wir bekommen trotzdem Projekte zum " mal eben" erledigen aufgedrückt mit Technologien, die man noch nie intern umgesetzt hat. Es sei ja nur ein PoC... aber der Kunde wird dann trotzdem sauer, wenn nicht gleich alles auf Anhieb funktioniert, denn so wurde es ihm ja trotz PoC verkauft.

    Indes haben wir keine Abteilungsleiter mehr. Meine Abteilung von Zwei ist jetzt eine Ein-Mann-Abteilung, weil mein Kollege Service Architect geworden ist und jetzt eigentlich nur noch Presales macht und neue Systeme aufbaut (weil er auch gleichzeitig das IT Genie ist, das im Grunde mal die ganze Firma aufgebaut hat). Für Knowledge Transfers haben wir keine Zeit und ich übernehme dann während seinen Ferien die "Stellvertretung".


    Ich weiss es ist ein altes Vorurteil, aber meiner Meinung nach bekommt man eine firma nur effizient, indem man Sales hat, die IT können und davon gibts nicht viele und indem man diese an der kurzen Leine führt.

    So oder so ist Agile, so wie ich es erlebe, etwas für Softwareprojekte, wo man, sofern man klar definierte Schnittstellen und Funktionen hat, einzelne Funktionen als Häppchen in Angriff nehmen kann. Da macht es dann auch Sinn, wenn man alle zwei Tage von Erfolgen und Stebacks berichtet, wenn das ganze Team erstens auf deine Funktion angewiesen sein könnte und zweitens man ich dieser Zeit mit einer Funktion realistisch auch fertig sein kann. Drittens arbeiten alle am gleichen Projekt.

    Ebenfalls ist es realistischer die Kontextswitche zu reduzieren, wenn man eine grösser eFirma ist, in er selbst der Support 20 Mann stark ist. Wir sind total, inklusive Sales 20 Mann. In der ganzen Gruppe 100. Wir haben bereits jetzt Aufgaben von Pre-Sales bis hin zu Support. Herrjeh, wir müssen unsere eigene Arbeitshardware selber supporten, das macht auch kein anderer.

    Macht es aus eurer Sicht Sinn in solch einer Organisation erst alle alten Prozesse zu töten und dan Agile reinzuwürgen?

    Ich habe keinen Teamleader mehr. Läuft alles auf Eigenverantwortung. Alle Infos zu Projekten muss man mühsam zusammenklauben... und die Accountmanager, die früher schon nichts mit ihren Kunden zu tun haben wollten, sind noch nutzloser geworden.

    Ich mein es ist ja kein Wunder, dass sich alle Engineers nur noch aufregen oder?

  2. Re: Spezies: Agile bei einem Cloudprovider/Outsourcer

    Autor: xUser 02.09.21 - 16:35

    Marco2G schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wir "stellen gerade auf Agile um".
    >
    > Nun wirft man mir gerne mal vor, ich hätte das Grundkonzept von Agile nicht
    > begriffen. Darum mal meine Frage als gepeinigter System Engineer:
    >
    > Liege ich hier falsch oder ist Agile für Softwareentwicklung gemacht und
    > nur mit viel Fantasie auf den Businessalltag eines Cloudproviders
    > anwendbar?

    Agil hat nichts mit Software-Entwicklung zu tun. Zentrale Konzept wurden im Rahmen der Automobilfertigung (insbesondere Toyota) entwickelt.

    > Denn ich muss ehrlich sein, so unagil haben wir vorher noch nie auf Kunden
    > eingehen können, wie jetzt.

    Dann seit ihr in der Tat nicht agil. Auf Markt (d.h. Kunden) Bedürfnisse einzugehen ist die zentrale Messgröße.

    > Man wollte die Kontextswitches weghaben, die angeblich passieren, weil wir
    > engineers einfach "mal eben" was vom Kollegen erledigt brauchen, um
    > weiterarbeiten zu können. Die Idee war, dass wir besser aufzeigen können,
    > wie ausgelastet wir momentan sind. Wir dürfen auch keine Userstories haben,
    > die mehr als 8h betragen. Wenn etwas länger dauert, dann müssen zwei
    > Userstories aufgemacht werden.

    Als erste Übung sollte ihr euch zusammensetzen und schauen welche drei größten Blocker ihr wegwerfen könnt.
    Die Grenze für Userstories ist üblicherweise ein Sprint, auch wenn sie besser kleiner sein sollten. Etwas was mehr als ein Sprint benötigt sollte über ein Epic mit mehreren Stories getrackt werden. Schafft ihr es regelmäßig ein Feature nicht in einem Sprint zu liefern, dann sind eure Sprints zu kurz.

    > Noch nie mussten wir so viel Administratives erledigen, wie heute. Noch nie
    > hatten wir so viele Unterbrüche durch Sitzungen wie heute. Die Dinge, die
    > man vorher an einem Vormittag erledigen konnte, dauern heute zwei Tage,
    > weil man eben nicht mal eben die Firewallregel anpassen lassen kann.

    Mal eben die Firewall anpassen geht sowieso nicht. Es muss schon getrackt werden, wer das möchte und warum. Compliance 1x1.

    > Weniger Bullshit vom Sales haben wir auch nicht, denn egal wie viel und wie
    > genau wir jede Minute rapportieren, wir bekommen trotzdem Projekte zum "
    > mal eben" erledigen aufgedrückt mit Technologien, die man noch nie intern
    > umgesetzt hat. Es sei ja nur ein PoC... aber der Kunde wird dann trotzdem
    > sauer, wenn nicht gleich alles auf Anhieb funktioniert, denn so wurde es
    > ihm ja trotz PoC verkauft.

    Das hat ja mal gar nichts mit Agil zu tun, sondern mit fehlender oder falscher Führung. Viele der Nicht-agilen "agilen" Frameworks wie Scrum sind genau dafür da um renitente Manager in Schacht zu halten. Nutzt das doch einfach.

    > Indes haben wir keine Abteilungsleiter mehr. Meine Abteilung von Zwei ist
    > jetzt eine Ein-Mann-Abteilung, weil mein Kollege Service Architect geworden
    > ist und jetzt eigentlich nur noch Presales macht und neue Systeme aufbaut
    > (weil er auch gleichzeitig das IT Genie ist, das im Grunde mal die ganze
    > Firma aufgebaut hat). Für Knowledge Transfers haben wir keine Zeit und ich
    > übernehme dann während seinen Ferien die "Stellvertretung".

    Hört sich sehr dysfunktional an. Hat aber nichts mit agil zu tun.

    > Ich weiss es ist ein altes Vorurteil, aber meiner Meinung nach bekommt man
    > eine firma nur effizient, indem man Sales hat, die IT können und davon
    > gibts nicht viele und indem man diese an der kurzen Leine führt.

    Nein, 40 Jahre empirische Management Forschung widersprechen dir.

    > So oder so ist Agile, so wie ich es erlebe, etwas für Softwareprojekte, wo
    > man, sofern man klar definierte Schnittstellen und Funktionen hat, einzelne
    > Funktionen als Häppchen in Angriff nehmen kann. Da macht es dann auch Sinn,
    > wenn man alle zwei Tage von Erfolgen und Stebacks berichtet, wenn das ganze
    > Team erstens auf deine Funktion angewiesen sein könnte und zweitens man ich
    > dieser Zeit mit einer Funktion realistisch auch fertig sein kann. Drittens
    > arbeiten alle am gleichen Projekt.

    Agil geht wunderbar auch über die ganze Firma.

    > Ebenfalls ist es realistischer die Kontextswitche zu reduzieren, wenn man
    > eine grösser eFirma ist, in er selbst der Support 20 Mann stark ist. Wir
    > sind total, inklusive Sales 20 Mann. In der ganzen Gruppe 100. Wir haben
    > bereits jetzt Aufgaben von Pre-Sales bis hin zu Support. Herrjeh, wir
    > müssen unsere eigene Arbeitshardware selber supporten, das macht auch kein
    > anderer.

    Teams größer als 9 Personen sind ineffizient.

    > Macht es aus eurer Sicht Sinn in solch einer Organisation erst alle alten
    > Prozesse zu töten und dan Agile reinzuwürgen?

    Ja, eine Transformation muss schnell und mit einem klaren Ziel abgeschlossen werden. Mehr als ein halbes Jahr (mit Vor- und Nachphase inkl.) sollte es nicht dauern.

    > Ich habe keinen Teamleader mehr. Läuft alles auf Eigenverantwortung. Alle
    > Infos zu Projekten muss man mühsam zusammenklauben... und die
    > Accountmanager, die früher schon nichts mit ihren Kunden zu tun haben
    > wollten, sind noch nutzloser geworden.

    Ja Eigenverantwortung ist anstrengend. Das ist wie nochmal erwachsen werden. Aber wieso sollte es besser werden, wenn jemand anderes die Verantwortung hat, der aber nichts ändern kann?

    > Ich mein es ist ja kein Wunder, dass sich alle Engineers nur noch aufregen
    > oder?

    So kaputt wie sich das anhört, auf jeden Fall.

    Wie es richtig geht erfährst du beispielsweise hier: https://betacodex.org/

  3. Re: Spezies: Agile bei einem Cloudprovider/Outsourcer

    Autor: baaaam 13.09.21 - 19:32

    also für mich ist agil schon auf softwareentwicklung ausgelegt, sagt ja schon der name "agile softwareentwicklung". auch scrum ist eine agile methode für softwareentwicklung.

    agile arbeitsweise als system engineer ist aus meiner sicht grauenhaft, zumindest habe ich damit nur schlechte erfahrungen gemacht, da weiß am ende des tages arsch nicht mehr was eimer macht, weil jeder nur noch einen handgriff einer aufgabe erledigt, die normalerweise eine person macht. für mich hat sich das immer so angefühlt, als ob man nicht zuviel "verantwortung" und damit auch risiko in nur eine person legt, weil wenn der eine kollege mal ausfällt, dann gibts da mehr zu erledigen, als wenn nur 1 von den 10 helferlein (da weiß meist keiner mehr warum er da eigentlich etwas erledigt) mal ausfällt.

    für mich definitiv ein grund zu wechseln, so auch bei mir geschehen :) da arbeite ich lieber mit mehr verantwortung als in so einem "agilen" chaos im hosting unterzugehen.

  4. Re: Spezies: Agile bei einem Cloudprovider/Outsourcer

    Autor: baaaam 14.09.21 - 09:08

    deine genannte seite von Niels Pflaeging hat seinen zenit schon lange überschritten (ist aus dem jahre 2008 genauso wie seine "erfolgsbücher")

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Sie müssen ausserdem in Ihrem Account-Profil unter Forum einen Nutzernamen vergeben haben. Zum Login

Stellenmarkt
  1. IT-Inhouse Consultant (m/w/d)
    Elkamet Kunststofftechnik GmbH, Biedenkopf
  2. Fachinformatiker (m/w/d)
    Textil-Service Mecklenburg GmbH, Parchim
  3. Systemadministrator*in (m/w/d) für IT-Basisdienste
    Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin
  4. Informatiker/in (m/w/d) (FH-Diplom / Bachelor / Fachinformatiker/in [m/w/d])
    Zentrum Bayern Familie und Soziales, Bayreuth, München

Detailsuche


Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. Ryzen 7 5800X für 469€)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Hyte Revolt 3 im Test: Dieses Mini-ITX-Gehäuse ist eine Klasse für sich
Hyte Revolt 3 im Test
Dieses Mini-ITX-Gehäuse ist eine Klasse für sich

Kein anderes Mini-PC-Gehäuse kann mit einer 280-mm-AiO-Wasserkühlung und einer PCIe-Gen4-Grafikkarte hochkant ohne Riser-Band ausgestattet werden.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Regner Cooling System Gehäuse made in Germany kostet 1.700 Euro
  2. Hyte Revolt 3 Kompaktes Mini-ITX-Gehäuse stellt Grafikkarte auf den Kopf
  3. H1-Gehäuse NZXT tauscht PCIe-Riser wegen Brandgefahr

Astrofotografie: Der Himmel so nah
Astrofotografie
Der Himmel so nah

Wer den Nachthimmel fotografiert, erfasst viel mehr als mit bloßem Auge. Wir geben Tipps für den Einstieg in das faszinierende Hobby Astrofotografie.
Eine Anleitung von Mario Keller


    Hauptverdächtiger sagt aus: Vom Computermillionär zum Cyberbunker-Angeklagten
    Hauptverdächtiger sagt aus
    Vom Computermillionär zum Cyberbunker-Angeklagten

    Im Prozess um den Cyberbunker an der Mittelmosel hat der Hauptverdächtige sein Schweigen gebrochen. Ein Geständnis hat er jedoch nicht abgelegt.
    Ein Bericht von Friedhelm Greis

    1. Teilgeständnis im Cyberbunker-Prozess Haftbefehl gegen Bunkermanager aufgehoben
    2. Teilgeständnis angekündigt Showdown im Cyberbunker-Verfahren
    3. Cyberbunker-Verfahren Angeklagter Hardware-Techniker könnte freikommen