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IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

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  1. IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: demon driver 19.11.18 - 12:39

    "Weil IBM erst in buchstäblich letzter Minute mit Microsoft einen Lizenzvertrag für Windows 95 schließt, leidet auch der Verkauf von IBMs PCs, was letztendlich dazu führt, dass IBM sich mit OS/2 schließlich auf den Businessbereich konzentriert"

    In den großen wettbewerbsrechtlichen Prozessen gegen MS in den USA erfuhr man viel später, aber heute weiß man es, dass IBM damals von MS erpresst wurde – entweder IBM stoppt die Vermarktung von OS/2 auf dem Consumermarkt, oder die IBM-PCs kriegen keine Windows-95-Lizenzen. Nur eine von zahlreichen dokumentierten verbrecherischen Aktivitäten, die MS beging, um endgültig Betriebssystemmarktführer auf dem Desktop zu werden und zu bleiben.

  2. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: glasen77 19.11.18 - 13:04

    Das war nicht nur bei IBM der Fall. Auch ESCOM und VOBIS bekamen von MS das Messer auf die Brust gesetzt.

  3. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: 486dx4-160 19.11.18 - 14:24

    glasen77 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das war nicht nur bei IBM der Fall. Auch ESCOM und VOBIS bekamen von MS das
    > Messer auf die Brust gesetzt.

    Ja, das war echt ziemlich krass damals. Da das damals aktuelle Windows 3.1 unter OS/2 besser und stabiler lief als unter MS DOS war die Kombination aus Microsoft Office und OS/2 ziemlich populär. Und Microsoft drohte, kein Office mehr an Händler zu liefern, die Rechner mit vorinstalliertem OS/2 im Angebot hatten. Und das neue Windows 95 an diese Händler nur deutlich teurer zu verkaufen.
    Der Rest ist von der unsichtbaren Hand des Marktes geschriebene Geschichte.

  4. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: schap23 19.11.18 - 17:40

    Also, wer jetzt so tut, als ob IBM die guten wären, der ist entweder zu jung, um das alles mitbekommen zu haben oder hat ein eigenartiges Gedächtnis.

    IBM hatte nie ein Interesse am Consumermarkt, insofern ist so eine "Erpressung" wohl reichlich naiv, wenn sie je versucht worden wäre. Die erste Version von OS/2 lief auch nur auf IBM Hardware und unterstützte exakt einen Drucker: einen sündhaft teuren IBM-Drucker. Als IBM mit OS/2 Warp etwas herausbrachte, was auf allen Rechnern lief, war der Zug schon abgefahren. Zuvor hatten sie die Zusammenarbeit mit MS in den Sand gesetzt, was dann auf der einen Seite zu Windows NT und auf der anderen Seite zu besagtem Warp geführt hat, wobei damals die meisten Fachleute sich einig waren, daß NT das bessere BS war.

  5. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: unbuntu 19.11.18 - 18:57

    Und du meinst OS2 hätte Windows damals abgelöst, wenn MS das nicht gemacht hätte?

    "Linux ist das beste Betriebssystem, das ich jemals gesehen habe." - Albert Einstein

  6. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: demon driver 19.11.18 - 19:20

    schap23 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Also, wer jetzt so tut, als ob IBM die guten wären [...]

    Wer tut denn so? Es gibt keine "Guten". Aber in diesem speziellen Konflikt war nun mal Microsoft Täter und IBM Opfer, und das Betriebssystemmonopol von Microsoft folgte. (Ob das Resultat auch ohne die verbrecherischen Akte von Microsoft eingetreten wäre, ist heute müßig zu diskutieren, aber diese verbrecherischen Akte haben den Weg dahin zumindest geebnet.)

    > "Erpressung" wohl reichlich naiv, wenn sie je versucht worden wäre [...]

    "Wenn"? Da gibt es gar keinen Zweifel, das ist in Gerichtsprotokollen belegt durch Zeugenaussagen unter Eid/eidesstattlich...

    > die meisten Fachleute sich einig waren, daß NT das bessere BS war

    Ha! Ich werde hier ganz bestimmt nicht die Advocacy-Flamewars der Neunzigerjahre wiederbeleben helfen :-D

    Vielleicht nur so viel ;-) – NT4 war 1996 das erste außerhalb von Spezialanwendungen nutzbare NT, während OS/2 seit 2.11, spätestens 3.0 (beide 1994) stabil und flexibel einsetzbar war... Und, wie schon verschiedentlich gesagt, an die OS/2-Oberfläche reicht bis heute keine andere heran.

  7. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: demon driver 19.11.18 - 19:21

    unbuntu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und du meinst OS2 hätte Windows damals abgelöst, wenn MS das nicht gemacht
    > hätte?

    Wie soll das irgendjemand heute definitiv wissen?
    Ist Microsoft deswegen freizusprechen?
    Ist Microsoft der Weg zur Windows-Dominanz damit *nicht* leichter geworden?

  8. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: 486dx4-160 20.11.18 - 09:45

    unbuntu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und du meinst OS2 hätte Windows damals abgelöst, wenn MS das nicht gemacht
    > hätte?

    Kann gut sein. Microsoft hat das offenbar befürchtet.

  9. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: drdoolittle 23.11.18 - 06:55

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > In den großen wettbewerbsrechtlichen Prozessen gegen MS in den USA erfuhr
    > man viel später, aber heute weiß man es, dass IBM damals von MS erpresst
    > wurde – entweder IBM stoppt die Vermarktung von OS/2 auf dem
    > Consumermarkt, oder die IBM-PCs kriegen keine Windows-95-Lizenzen. Nur eine
    > von zahlreichen dokumentierten verbrecherischen Aktivitäten, die MS beging,
    > um endgültig Betriebssystemmarktführer auf dem Desktop zu werden und zu
    > bleiben.

    Wenn es die Gesetz zulassen agiert jedes kapitalistische Unternehmen so, weil ja "legal". Moral spielt da leider keine Rolle. Genau deswegen sollte es auch wesentlich mehr Regulierung geben (das Thema gerechte Besteuerung von Großkonzernen wäre hier mal ein netter Anfang), damit auch nicht so starke Marktteilnehmer eine Chance haben.

  10. Re: IBM, MS, Windows-95-Lizenzverträge: Erpressung

    Autor: demon driver 24.11.18 - 10:31

    drdoolittle schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > demon driver schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > > In den großen wettbewerbsrechtlichen Prozessen gegen MS in den USA erfuhr
    > > man viel später, aber heute weiß man es, dass IBM damals von MS erpresst
    > > wurde – entweder IBM stoppt die Vermarktung von OS/2 auf dem
    > > Consumermarkt, oder die IBM-PCs kriegen keine Windows-95-Lizenzen. Nur eine
    > > von zahlreichen dokumentierten verbrecherischen Aktivitäten, die MS beging,
    > > um endgültig Betriebssystemmarktführer auf dem Desktop zu werden und zu
    > > bleiben.
    >
    > Wenn es die Gesetz zulassen agiert jedes kapitalistische Unternehmen so,
    > weil ja "legal". Moral spielt da leider keine Rolle. Genau deswegen sollte
    > es auch wesentlich mehr Regulierung geben (das Thema gerechte Besteuerung
    > von Großkonzernen wäre hier mal ein netter Anfang), damit auch nicht so
    > starke Marktteilnehmer eine Chance haben.

    Prinzipiell ist das völlig richtig. Das Problem: Je "globalisierter" alles erst mal ist, umso weniger Druckmöglichkeiten haben einzelne Staaten noch auf die Unternehmen, umgekehrt dafür umso mehr. Die Staaten müssen doch inzwischen bei den Großkonzernen schon fast für die Brotkrumen dankbar sein, die sie von ihren opulenten Tafeln fallen lassen, welche sie inzwischen jederzeit zusammenfalten und woanders hin bringen können, wenn ihnen die Politik nicht genug entgegenkommt.

    Apropos Entgegenkommen, da fällt mir im Zusammenhang mit dem Thema gleich noch was ein – es kann kaum nur Koinzidenz sein, dass die Ansiedlung der deutschen Microsoft-Zentrale in Schwabing mit der völlig unzureichend begründeten Einstellung des Limux-Projekts durch ein und dieselbe Person, den amtierenden Münchner OB, zeitlich unmittelbar zusammenfiel. Rein zufällig?

    Auch die Drohung mit den "Arbeitsplätzen", siehe gerade VW, und sogar der Betriebsrat macht mit, weil dessen Klientel davon unmittelbar gefährdet ist, funktioniert immer, weil es zum einen völlig keine leere Drohung ist, und diese Gesellschaft zum anderen Arbeitslosigkeit immer noch als unerwünschten Ausnahmefall ansieht und den Betroffenen das Leben absichtlich noch zusätzlich schwer macht, obwohl jeder sehen könnte, dass angesichts der immer weiter fortschreitenden Produktivitätssteigerung Vollbeschäftigung mittel- bis längerfristig zur reinen Utopie werden muss.

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