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80/20 Problem und unintuitiver Arbeitsaufwand

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  1. 80/20 Problem und unintuitiver Arbeitsaufwand

    Autor: Dakkaron 30.04.21 - 05:08

    Für jemanden, der nicht vom Fach ist, ist es extrem schwierig, den Arbeitsaufwand hinter Software einzuschätzen. Das führt regelmäßig zu unrealistischen Erwartungen was Entwicklungszeit angeht.

    Letztens hat eine Bekannte die mit Kindern arbeitet mich gefragt, ob ich ihr nicht ein Programm schreiben kann. Nämlich wollte sie haben das Äquivalent zu einem Flipchart, wo sie einen Baum drauf malt, und die Kinder können dann Post-Its in Früchteform mit Text auf den Baum kleben.

    Das wollte sie in Online haben, kann ja nicht so schwer sein. Sie hat hald nicht bedacht, was das heißt: Server, Client, parallele Bearbeitung, Authentifizierung, Sicherheit, ... und war dann komplett baff, wie ich ihr gesagt habe, dass das wohl rund 100 Stunden Arbeit sind.

    Hab sie dann auf die Paint-Variante von Google Docs verwiesen.

    Und die gleichen Einschätzungsschwierigkeiten hat man in der professionellen Software-Entwicklung auch. Man macht einen Quick and Dirty Prototypen um herzuzeigen wie das Konzept funktionieren könnte, und der Chef denkt, es ist eh schon quasi fertig, und sieht (und zahlt) die ganze versteckte Arbeit nicht mehr, bzw hält einen für faul.

    Ja, schlechter Chef, aber von der Sorte gibt es leider viele. Und Agile/Scrum/... mit dem starken Fokus auf frühe Auslieferung macht das nicht besser.

  2. Re: 80/20 Problem und unintuitiver Arbeitsaufwand

    Autor: TrollNo1 30.04.21 - 07:23

    Deswegen den Prototypen bewusst mies machen. Die Optik auf jeden Fall. Knöpfe reinklatschen, die nicht ausgerichtet sind, teilweise ohne Funktion oder Beschriftung. Die meisten davon vermutlich auch unnötig. Es einfach "hässlich designen". Dann sieht der Chef auf den ersten Blick, dass das so nicht zum Kunden kann und noch viel Arbeit ist.

    Menschen, die mich im Internet siezen, sind mir suspekt.

  3. Re: 80/20 Problem und unintuitiver Arbeitsaufwand

    Autor: Kilpikonna 30.04.21 - 09:06

    Das ist im klassischen Ingenieursbereich aber nichts anderes. Da ist auch mehr Aufwand dahinter, als sich Fachfremde vorstellen. Eigentlich ist es sogar noch schlimmer. Wenn ne Druckgussform mal gemacht ist, muss die passen. Ne Neue würde Zehntausende kosten. Und sehr viele Konstruktionen haben einen Sicherheitsaspekt. Wenn sich das Blatt von der Kreissäge löst, ist unpraktisch.

    Aber egal, mit welchen Beschränkungen man entwerfen musste: Wenn etwas dann nicht perfekt bedienbar ist, ist immer der Ingenieur inkompetent. Nie aber der Zeitdruck oder die Kostenbeschränkungen. Das geht so weit, dass mir schon pauschal gesagt wurde, dass eine Maschine nichts taugt, weil ja alle Ingenieure inkompetent sind.
    Insofern fehlt mir gerade etwas das Mitleid, dass jetzt Softwareentwickler pauschal getroffen werden. Obwohl ich die Kernaussage des Artikels, dass der Großteil der Entwickler nicht gut genug ist, grundsätzlich ablehne.

  4. Re: 80/20 Problem und unintuitiver Arbeitsaufwand

    Autor: danio 30.04.21 - 15:09

    > Und
    > Agile/Scrum/... mit dem starken Fokus auf frühe Auslieferung macht das
    > nicht besser.

    Das Verständnis von agilen Methoden ist in vielen Unternehmungen schlicht falsch. Wer glaubt, dass sei der Fokus oder glaubt, mit agilen Methoden den Fokus so setzen zu können, hat nichts davon verstanden. Da hast Du recht, das macht es eher noch schlimmer. Aber ich höre den Manager schon schwatzen "Ja dann eben nicht agil, mach doch rapid peer programmidingdong, dann biste in 100 Euro fertig". :)

  5. Re: 80/20 Problem und unintuitiver Arbeitsaufwand

    Autor: Dakkaron 02.05.21 - 11:38

    danio schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Und
    > > Agile/Scrum/... mit dem starken Fokus auf frühe Auslieferung macht das
    > > nicht besser.
    >
    > Das Verständnis von agilen Methoden ist in vielen Unternehmungen schlicht
    > falsch. Wer glaubt, dass sei der Fokus oder glaubt, mit agilen Methoden den
    > Fokus so setzen zu können, hat nichts davon verstanden. Da hast Du recht,
    > das macht es eher noch schlimmer. Aber ich höre den Manager schon schwatzen
    > "Ja dann eben nicht agil, mach doch rapid peer programmidingdong, dann
    > biste in 100 Euro fertig". :)


    Agil prinzipiell ist nicht falsch, aber Agil wie es die Manager verstehen prinzipiell schon^^

    In meinem aktuellen Unternehmen (Konzern mit mehr als 20k Mitarbeitern) heißt Agil, dass Teams im Halbjahrestakt quer durch den Konzern versetzt werden, komplett ohne Beachtung der Skills der Mitarbeiter und den Anforderungen des Projektes. Mein Team sind fast alles C#/Windows-Programmierer, und unser aktuelles Projekt ist Java/Linux. Aber Hauptsache der Konzern ist arg agil.

    Seit ich in der Firma bin, bin ich zu 95% am Einarbeiten in neue Projekte...

    Aber das was laut Konzernführung die ganze Produktivität kostet ist das viele Homeoffice wegen Corona...



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 02.05.21 11:39 durch Dakkaron.

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