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Enigma wurde gecknackt, weil...

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  1. Enigma wurde gecknackt, weil...

    Autor: FaLLoC 09.04.19 - 12:02

    Die Enigma war eigentlich eine kryptologische Meisterleistung. Eigentlich.
    Ein Buchstabe ging durch drei unterschiedlich verdratete Walzen hin und wieder zurück. Jedes mal (also 6 mal) wurde der Buchstabe durch einen anderen ersetzt. Nach jedem Buchstaben wurde mindestens eine der drei Walzen weiter rotiert, sodass beim Folgedurchgang der gleiche Buchstabe anders ersetzt würde.

    Von außen, wenn man die Walzenstellung nicht kannte, konnte jeder Buchstabe des verschlüsselten Codes für jeden Buchstaben des Ausgangstextes stehen.

    Das stimmt nicht ganz. Denn jemand, der offensichtlich nicht viel Ahnung von Kryptologie hatte, hielt es für eine gute Idee, wenn ein Buchstabe nicht auf sich selbst abgebildet werden darf. D.h. ein original-O wird im verschlüsselten Text niemals als O auftauchen. D.h. ein Buchstabe des verschlüsselten Textes konnte nicht für jeden Buchstaben stehen. Sondern nur für jeden anderen ("fixpunktfreie Permutation").

    Und bereits diese unscheinbare Einschränkung hat den Dechifrieraufwand DRASTISCH reduziert. Damit hatte sich (auch wegen des Ausschlusses nichtinvolutorischer Permutationen) nicht nur die Anzahl der möglichen permutierten Alphabete von 10^26 auf 10^12 reduziert. Jetzt konnte auch mit Schablonen von bekannten Standardtextbausteinen Art, Beginn und Länge des Chifrats bestimmt oder zumindest eingeschränkt werden: Chifrat mit Klartext-Textbaustein überlagern, gab es an einer Stelle eine Übereinstimmung von Buchstaben, Textbaustein weiterschieben, solange bis keine übereinstimmenden Buchstaben vorlagen.

    Was lernt der Hobbykryptologe daraus?
    Vorgaben reduzieren die Entropie. Gibt es Vorschriften, wie ein Passwort aufgebaut sein muss, darf der Blackhat solche Passwörter, die den Vorgaben nicht entsprechen, beim Ausprobieren auslassen.

    --
    FaLLoC

  2. Re: Enigma wurde gecknackt, weil...

    Autor: foho 09.04.19 - 14:06

    wurde die enigma nicht geknackt weil die botschaften immer mit "an das oberste heereskomando.." begannen und mit dem berüchtigent "HH" endete?
    desweiteren war es mwn. keine intention von scherbius das ein buchstabe nicht sich selbst abbilden kann, das ergab sich unweigerlich aus der anordnung der walzen.

    man möge mich korrigieren.

  3. Re: Enigma wurde gecknackt, weil...

    Autor: FaLLoC 09.04.19 - 18:11

    foho schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > wurde die enigma nicht geknackt weil die botschaften immer mit "an das
    > oberste heereskomando.." begannen und mit dem berüchtigent "HH" endete?

    Schablone mit "ANDASOBERSTEHEERESKOMANDO" auf Chifrat legen, verschieben, bis keine Buchstabenübereinstimmung mit dem Chifrat bestand, und schon weißt Du, wo die Botschaft beginnt und was dort steht, oder hast die Möglichkeiten zumindest drastisch reduziert, ohne auch nur irgendetwas über die Walzenstellung wissen zu müssen. Dann den entsprechenden Abschnitt bruteforcen und man kommt auf die Walzenstellung.

    > desweiteren war es mwn. keine intention von scherbius das ein buchstabe
    > nicht sich selbst abbilden kann, das ergab sich unweigerlich aus der
    > anordnung der walzen.

    Jain. Das ergab sich daraus, dass die einzelnen Walzen bewusst fixpunktfrei waren in Kombination mit der Einführung der (damit auch fixpunktfreien) Umkehrwalze. Die daraus folgende insgesamt auch fixpunktfreie Permutation war bekannt und wurde nicht für schädlich gehalten. Auch nur eine einzige Walze mit Fixpunkten einzuführen (sie hätte noch nicht einmal im Gerät eingesetzt werden müssen) hätte vermutlich Bletchley überfordert. Aber im Nachhinein spricht's sich immer leicht.

    Die Fixpunktfreiheit der Walzen war meines Wissens nach von Scherbius mindestens gebilligt, wenn nicht sogar beabsichtigt. Die Umkehrwalze war Kerns Idee.

    --
    FaLLoC

  4. Re: Enigma wurde gecknackt, weil...

    Autor: LordSiesta 12.04.19 - 12:43

    Ich frag mich ja, ob es der Turing-Bomber die Codes auch rechtzeitig gefunden hätte, wenn diese ganzen Vorschriften nicht gewesen wären.

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