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Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

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  1. Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: schily 05.04.19 - 18:13

    Ist das vielleicht wirklich einfach zu wenig?

    Ich nehme mir mal 2 meiner Projekte vor: Bourne Shell und SunPro-Make:

    Ich bin seit 2006 Maintainer des Bourne Shells und aktuell ist ca. 80% des gesamten Codes von mir. Das ist durch die SCCS History leicht nachweisbar.

    Das SunPro-Make Programm habe ich seit Anfang 2017 bearbeitet und eigentlich nur portabel gemacht und einige kleinere Erweiterungen eingebaut. Dennoch sind heute schon 10% des aktuellen Kodes von mir.

    Welchen Anteil hat Hellweg denn nun an dem Linux SCSI Code?

    Achja: ich habe seit 33 Jahren Kernel SCSI Code geschrieben, kann also einschätzen, wie aufwendig das ist.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 05.04.19 18:15 durch schily.

  2. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: SirFartALot 05.04.19 - 21:37

    Vermutlich weil das Code schreiben allein nicht ausreicht fuer eine Urheberschaft, wenn die Idee nicht allein von ihm ist, sondern (auch) von einer oder mehreren anderen Personen. Schaetze mal das kommt aus dieser Ecke.

    "It's time to throw political correctness in the garbage where it belongs" (Brigitte Gabriel)
    Der Stuhlgang während der Arbeitszeit ist die Rache des Proletariats an der Bourgeoisie.

  3. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: Anonymer Nutzer 06.04.19 - 13:00

    SirFartALot schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Vermutlich weil das Code schreiben allein nicht ausreicht fuer eine
    > Urheberschaft, wenn die Idee nicht allein von ihm ist, sondern (auch) von
    > einer oder mehreren anderen Personen. Schaetze mal das kommt aus dieser
    > Ecke.

    Als Lektor wird man ja auch nicht Urheber, wenn man Fehler im eigentlichen Werk korrigiert.

  4. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: schily 06.04.19 - 13:52

    Das ist ein interessanter Aspekt.

    Weiß denn jemand was Hellwig eigentlich an dem Linux SCSI Code gemacht hat?

    Als ich vor 33 Jahren im Frühjahr 1986 (kurz nach Tschernobyl) den weltweit ersten generischen SCSI Treiber (scg) geschrieben habe und das dazugehörige Interface entworfen habe, habe ich damit zweifelsfrei ein neues Werk geschaffen, zumal mir noch Ende 1987 Leute auf einem Sun User Group Treffen erklären wollten, das sei der grundsätzlich falsche Weg.

    Als 10 Jahre später dann einige Leute dabei geholfen haben, den User-space Teil dieses Werkes an inzwischen auch auf anderen Plattformen als SunOS verfügbare Kernel-Interface für mein Konzept anzupassen (damit cdrecord auch auf anderen Betriebsystemen läuft), haben diese Leute natürlich nur sehr begrenzte Rechte am user-Space Teil des Werks (libscg) erworben, die meiner Meinung nach nicht einmal eine Mitautorschaft rechtfertigen, sondern nur ein Bearbeiterurheberrecht.

    Daher wäre es schon wichtig, zu wissen was Hellwig eigentlich geschrieben hat.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 06.04.19 13:54 durch schily.

  5. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: Lawuser 06.04.19 - 21:32

    Die Frage ob Miturheberschaft oder Bearbeitung hängt nicht an der Menge des Codes, sondern an der Unterordnung unter eine gemeinsame Gesamtidee. Diese kann auch zeitlich gestaffelt auftreten (BGH).

    Ich persönlich habe angesichts der öffentlich einsehbaren Leistungen von Hellwig, die ich im Gegensatz zum Gericht würdigen darf, nicht den geringsten Zweifel daran, dass er Miturheber des SCSI-Stacks und des gesamten Linux-Kernels ist.

  6. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: Schnarchnase 06.04.19 - 22:21

    schily schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das ist durch die SCCS History leicht nachweisbar.

    Wie denn leicht? Ja die Informationen müssten alle da sein, aber das nachvollziehbar darzulegen halte ich für sehr schwierig. Git (wie die meisten anderen VCS) „klebt“ an jede Zeile nur den Namen des letzten Bearbeiters, auch wenn dieser nur ein einziges Zeichen verändert hat. Das kann auch nur ein Kommentar gewesen sein, also letztendlich gar nicht in der Software landen. Die älteren Versionen kannst du natürlich auch einsehen, bei ausreichendem Alter kommen da unter Umständen aber einige Namen pro Zeile zusammen. Das jetzt Zeile für Zeile zu beweisen halte ich für sehr zeitraubend und schwierig.

  7. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: Lawuser 07.04.19 - 00:38

    Im Zweifelsfall ist dies Aufgabe eines Sachverständigen. Aufgrund der Urhebervermutung ist dies zumindest dann nicht nötig, wenn eine hinreichend komplexe Quelltext-Datei lediglich einen einzigen Urheber ausweist. Dann gilt nach BGH die Vermutung der Schuztwürdigkeit sowie nach UrhG die Vermutung der alleinigen Urheberschaft. Dies sollte aufgrund von Modulariesierung kein seltener Fall sein. Andernfalls stimme ich dir zu und es kann umständlich werden, allerdings ist es lediglich erhöhter Aufwand, nicht unmöglich.

  8. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: schily 07.04.19 - 09:21

    Also erstmal: bei SCCS hängt in der Tat an jeder Zeile der letzte Bearbeiter und auch das letzte Bearbeitungsdatum, bei GIT muß das auf sehr aufwendige Art nachträglich rekonstruiert werden.

    Bei SCCS könnte ich Dir mehr als 1000 Updates pro Sekunde liefern, wenn jemand die maximale Referenzversion als sich ändernden Parameter vorgibt. Man könnte also in Echtzeit mit einem Zeitschieber in einer GUI nachsehen, was sich genau an einer Zeile verändert hat. So eine GUI gibt es übrigens für BitKeeper SCCS bereits, auch wenn sie dort nur 100 Updates pro Sekunde schafft ;-)

    Im Allgemeinen würde es aber ausreichen, zu prüfen ob auch Zeilen in der Umgebung geändert wurden, weil soetwas eine echte Bearbeitung anzeigt (mit der Ausnahme, falls nur die Einrückung geändert wurde).

    Jetzt könnte eine solche Analyse sehr aufwendig werden, aber ich denke da reicht es, wenn man an wenigen Beispielen nachweisen kann ob ein Autor typischerweise konstruktiv inhaltlich arbeitet, oder ob er ein "Zeilenschieber" ist.

    Bei SunOS hat ein Mensch (Namen könnte ich raussuchen) um 1986 die Struktur des SCSI Treiber-Gesamtsystems vorgegeben und daher einen prägenden Anteil. Solche Dinge müßte man bei Linux auch berücksichtigen. Das Problem, das ich mit Hellwig habe, ist daß mir sein Name nach meiner Erinnerung nie in Zusammenhang mit den SCSI Problemen, die ich mit dem SCSI Treibern des Linux Kernes hatte aufgefallen ist. Es gab da andere Leute, die bei Diskusionen durch hilfreiche Beiträge auffielen.

    Aber von denen, die hier mitlesen kann anscheinend auch keiner sagen ob Hellwig einen relevanten Anteil am Linux SCSI hat...

  9. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: schily 07.04.19 - 09:28

    Was hat Hellwig denn an dem Linux SCSI geschrieben?

    Die Formulierung "Unterordnung unter eine Gesamtidee" deutet jedenfalls von prinzipiellem Verständnis für das Problem.

    Also hat Hellwig einen relevanten Anteil an der Gesamtidee und wenn ja, welchen?

  10. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: schily 07.04.19 - 12:41

    Ich denke, daß alle Software, die einen einzigen "Maintainer" hat mit großer Wahrscheinlich auch ähnliche Software mit mehreren Leuten die daran arbeiten überflügelt.

    So sind z.B. "dash" und "posh" eindeutig anderen Shells unterlegen, die nur einen Maintainer haben (bzw. bei ksh93 hatten) , wie z.B. "bash", "ksh93", "bosh" (der aktuelle Bourne Shell), oder "mksh".

    Man kann sogar sehen, wie mehrere Maintainer gerade den ksh93 aus kollektiver Dummheit zerstören....

    Wenn Hellwig z.B. sagen könnte: "Ich habe disconnect/reconnect in den Linux SCSI Stack eingebaut", dann hätte er damit sicherlich dem Richter in einem mündlichen Vortrag erklären können, wie wichtig das ist und daß es ein relevanter Anteil am Gesamtsystem darstellt. Ich vermute aber, genau etwas in der Form hat er nicht beigetragen und dadurch Probleme es jemandem anderen zu erklären.

    Seine Forderung vor Gericht ist aber: Ich habe einen relevanten Anteil am Linux SCSI Code und möchte daher bestimmen, daß VMware dies oder jenes nicht mit meinem Code machen darf, obwohl ich ihn eigentlich zur freien Nutzung herausgegeben habe.

    Der Richter scheint demgegenüber erklärt zu haben: Wenn ich das verhandeln soll, möchte ich überzeugt werden, daß der Kläger einen ausreichend hohen Anteil am Werk hat und das der Beklagte diesen Code auch wirklich verwendet und hoier scheint Hellwig dem Richter nicht das geliefert zu haben, was ihn überzeugt hätte.

    Das juristische Problem hier ist ja, daß der Beklagte den betreffenden Code (wenn er ihn denn verwenden sollte) legal erworben hat und die Lizenz nur die Weitergabe der Ergebnisse verbietet, wenn man sich nicht an bestimmte Regeln hält.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 07.04.19 12:45 durch schily.

  11. Re: Ich frage mich warum Hellwig es nicht geschafft hat zu belegen was von ihm ist

    Autor: maci23 08.04.19 - 06:47

    Ich vermute, dass die Richter eher immer der Firma folgen, denn da sind sie überzeugt, dass dies rechtmässiger ist, als ein einzelner Programmierer.

    Wahrscheinlich wir es auch eine Kampf zwischen Divid und Goliath gewesen sein.
    Den VMWare hat hier sicherlich mehrere Anwälte zur Verfügung gehabt.
    Hellwig dagegen hat sich nur einen leisten können.

    Außerdem bezweifle ich oft die Entscheidungen der Gerichte an. Das was hier entschieden wird, entspricht oft nicht dem tatsächlichen Recht. Diese Art der Entscheidung wird auch durch sehr schwammig formulierte Gesetze begünstigt.

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