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Leider sehr trügliche Darstellung von Agilität

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  1. Leider sehr trügliche Darstellung von Agilität

    Autor: LucaTM 14.01.19 - 18:34

    Dieser Artikel enthält sehr, sehr viele und leider gravierende Irrtümer.

    1. Es gibt keine agilen Projekte. Ein Projekt hat immer einen Anfang und ein Ende und meistens sind Zeit und/oder Termin festgelegt. Somit finden immer Upfront-Entscheidungen über das klar verfeinerte Ziel statt, was das Gegenteil von den Iterationen darstellt. Iterationen sind nämlich keine blosse Aufteilung in Arbeitselemente, sondern Delivery von einem brauchbaren Produktinkrement, welches wieder Grundlage für weitere Features darstellt, indem man Feedback von den Usern erhält und messen kann. Somit gibt es agil geführte Produkte, jedoch keine Projekte. Man sagt auch, dass eine Iteration eines Produktes ein in sich geschlossenes Projekt ist. Produkt vs. Projekt, dazu findet man viele Artikel.
    2. Dieses beschriebene Backlog sind keine wertgetriebenen User-Stories sondern eher technisch geschnittene Arbeitspakete. User-Stories sollten fachlich geschnitten sein und bei Beendung einen brauchbaren Wert liefern können. Dies nennt man in SCRUM das Potentially Shippable Product Increment. Man findet viele gute Artikel darüber, wie User-Stories geschnitten werden können.
    3. Die beschriebenen Backlog-Items sind ausserdem sehr lösungsorientiert (spezifische Verwendung von Farben), was dem Team viel Potential an Kollaboration wegnimmt. Eine User-Story sollte nur den Wert enthalten, häufig durch das „Als-[Rolle] möchte ich [Zweck] damit ich [Begründung]“-Muster. So wird dem Entwicklungsteam der Wert vermittelt und es kann während der Umsetzung in Kollaboration entschieden werden, welche konkrete Lösung die beste ist (z.B. welche Farben für Button, oder vielleicht gibt es sogar nochmals eine ganz andere Lösung ganz ohne Buttons, wer weiss).
    4. Der Scrum-Master löst zwar Konflikte usw., aber seine Hauptaufgabe ist das Schaffen des Scrum-Verständnisses.
    5. Die Beispielfragen des Daily sind Fehl am Platz. Das Daily soll hauptsächlich dazu dienen, damit das Team die Kollaboration für die nächsten 24 Stunden optimal planen kann. Der Sprint-Scope wird hier nicht in Frage gestellt.
    6. Der Vergleich von Teamleiter und Scrum-Master ist merkwürdig. Der Vergleich zwischen Team/Projektleiter und Product-Owner ist die zentrale Frage.
    7. Es geht sogar nicht primär um Kundenzufriedenheit im Sinne des Auftraggebers, sondern um Benutzerzufriedenheit, denn dieser bestimmt letztendlich über Erfolg und Misserfolg des Produkts.
    8. Wenn das agile Vorgehen kritisiert wird, da so „Projekte unbegrenzt in die Länge gezogen werden könnte“, der hat Agilität im Kern nicht verstanden. Es geht um Produkte, nicht Projekte.
    9. Dieses Praxisbeispiel geht aus meiner Sicht nicht auf das Zentrale der „Agilität“ ein, nämlich – wie es der Name schon sagt – agil zu sein. Klare Ziele für ein vollumfängliches Projekt zu definieren ist eben nicht agil. Das demonstriert dieses Video gut: https://youtu.be/eKj7iPTEGmQ

    Die grosse Herausforderung beim agilen Vorgehen ist nämlich nicht die Methode an sich, sondern das neue Mindset, vor allem das Denken in MVP‘s (Minimum Viable Product) und die Selbstorganisation des Teams.



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 14.01.19 18:45 durch LucaTM.

  2. Re: Leider sehr trügliche Darstellung von Agilität

    Autor: Cyrion 15.01.19 - 12:41

    >4. Der Scrum-Master löst zwar Konflikte usw., aber seine Hauptaufgabe ist das Schaffen des >Scrum-Verständnisses.
    So wie es sich (auch in den anderen Threads) liest, scheint der Scrum-Master ja auf dasselbe Ziel (Fertigstellung, Koordination) hinzuarbeiten wie der Teamleiter aber von der grundsätzlich anderen Seite (Vermittlung anstatt Autorität)

    Einen Teamleiter kann man sich essentiell leicht vorstellen.
    Hingegen vermute ich, dass von allen vorhandenen Teamleitern sich nicht alle einfach auf die Rolle eines Scrum-masters umstellen könnten, daher die Frage:
    Was muss dieser auch beruflich mitbringen können, einzelne Programmierungs-skills scheinen hier eher nebensächlich zu sein.
    Wie wichtig ist hier tiefergehendes technisches Verständnis in Anbetracht der eher mediativ ausgelegten Aufgaben. Wie wichtig der sozial-skills Aspekt. Würden die Entwickler überhaupt jemanden ernst nehmen, der sich nicht vollumfänglich in ihrem Gebiet auskennt? Wo ist das Minimum.
    MfG



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.01.19 12:41 durch Cyrion.

  3. Re: Leider sehr trügliche Darstellung von Agilität

    Autor: Xobhctam 15.01.19 - 13:10

    Vielen Dank für Deinen Beitrag. Das deckt sich auch großteils mit dem, wie ich Agilität und Scrum verstanden habe.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.01.19 13:14 durch Xobhctam.

  4. Re: Leider sehr trügliche Darstellung von Agilität

    Autor: Xobhctam 15.01.19 - 13:12

    Der Teamleiter ist eine Führungskraft mit People-Management Agenden, der in der Praxis aber meistens auch fachlich mitarbeitet. Der Scrum Master ist ein Coach und kann keine Weisungen geben. Wohl kann er aber mit einer Führungskraft darüber reden, wenn im Team Skills fehlen.

    Der Scrum Master braucht kein tiefes Verständnis für technische Dinge mitzubringen. Er beschäftigt sich vor allem damit, dass das Team ungestört arbeiten kann (beseitigt Impediments) und sorgt dafür, dass agile Werte verstanden werden und gelebt werden können und die Scrum Regeln eingehalten werden.

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