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Was mich an "Agile" stört...

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  1. Was mich an "Agile" stört...

    Autor: demon driver 14.01.19 - 09:55

    ..., ist, dass man vom Prinzip her schon immer so entwickeln konnte, ohne ein streng (und in meinen Augen für viele Praxisausprägungen zu unflexibel) formalisiertes Schema dafür zu haben mit strikt festgelegten personellen Funktionen und ansonsten halt vor allem irgendwie hippen Bezeichnungen.

    Nicht alles, was vor "Agile" entwickelt wurde, war "Wasserfall" und also irgendwie schlecht, nur weil nicht "Scrum" draufstand.

    Die "neuen agilen Methoden" nutzen doch vor allem einer ganz bestimmten Klientel – der neuen Berufsgruppe der "agilen Trainer" und ihren Firmen, die seitdem wie Pilze aus dem Boden usw. ...



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 14.01.19 09:57 durch demon driver.

  2. Agile != Scrum

    Autor: heikode 14.01.19 - 10:03

    Scrum ist nur ein Beispiel wie man die Ideen und Konzepte der agilen Welt auf das eigene Projekt anwenden kann. Es handelt sich schlicht um ein Vorgehensmodell um abstrakte Konzepte zu konkretisieren und damit anwendbar zu machen.

    Das Misstrauen gegenüber Scrum kommt mMn oft daher, dass Projekte in Konzernen seit einigen Jahren sich selbst das Label "Wir arbeiten nach Scrum" verpassen, jedoch an der Lebensrealität im Konzern scheitern. Wenn die Budgetrunden sowie die Einkaufsprozesse weiterhin in einer wasserfalligen Denke verbleiben, dann kämpft man mit Scrum gegen Windmühlen. Als Resultat nutzen diese Projekte zwar Begriffe aus Scrum, arbeiten aber faktisch eher nach Wasserfall.
    Konzerne brauchen ein gesamtheitliches Umdenken, um die Vorzüge von Scrum wirklich nutzen zu können.

  3. Schon klar

    Autor: demon driver 14.01.19 - 11:03

    heikode schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    [...]
    > Konzerne brauchen ein gesamtheitliches Umdenken, um die Vorzüge von Scrum
    > wirklich nutzen zu können.

    Was ich sagen wollte, war: Firmen brauchen möglicherweise überhaupt nichts Neues, wenn sie Entwicklung bereits seit langem erfolgreich nur auf eine hinreichend flexible Art und Weise organisieren, auf die man mit einer vernünftigen Kombination aus Sach- und gesundem Menschenverstand schon immer kommen konnte. Dafür braucht es weder die Schlagworte "Agile" noch "Scrum", und wenn ich "brauchen ein gesamtheitliches Umdenken" höre, dann klingt allein das schon so dermaßen nach esoterischem Heilsversprechen, dass ich jeden Entscheider verstehe, dem spätestens an der Stelle die Scheuklappen zugehen...

  4. Re: Was mich an "Agile" stört...

    Autor: mnementh 14.01.19 - 11:13

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ..., ist, dass man vom Prinzip her schon immer so entwickeln konnte, ohne
    > ein streng (und in meinen Augen für viele Praxisausprägungen zu unflexibel)
    > formalisiertes Schema dafür zu haben mit strikt festgelegten personellen
    > Funktionen und ansonsten halt vor allem irgendwie hippen Bezeichnungen.
    >
    > Nicht alles, was vor "Agile" entwickelt wurde, war "Wasserfall" und also
    > irgendwie schlecht, nur weil nicht "Scrum" draufstand.
    >
    > Die "neuen agilen Methoden" nutzen doch vor allem einer ganz bestimmten
    > Klientel – der neuen Berufsgruppe der "agilen Trainer" und ihren
    > Firmen, die seitdem wie Pilze aus dem Boden usw. ...
    Es ist wie mit allem, egal ob in Technologie, Politik, Wirtschaft, ...

    Schritt 1: Man identifiziert Probleme mit dem was man bisher so tut.
    Schritt 2: Man entwickelt einzelne Lösungen es besser zu machen.
    Schritt 3: Lösungen werden zu Paketen geschnürt, bekommen einen schicken Namen, ein Manifest und Ähnliches.
    Schritt 4: Man versucht das Paket nun zu vermarkten, damit mehr Menschen davon profitieren.
    Schritt 5: Im Rahmen der Vermarktung kommen immer mehr neue Personen hinzu, die nicht mehr die ursprünglichen Ziele sehen sondern eines oder mehrere der folgenden Zieele verfolgen:
    a) Wir wollen mit der Methodik Geld machen.
    b) Wir wollen zu einer Gruppe dazugehören die gerade cool ist.
    In beiden Fällen werden die ürsprünglichen emthoden/Verbesserungen/Regeln als Dogma behandelt.
    Schritt 6: Abweichler von der reinen Lehre werden bedrängt, neue Ideen und Weiterentwicklungen werden blockiert und reale Resultate werden nicht mehr wahrgenommen und analysiert.

    In Schritt 2-4 hat man Verbesserungen gegenüber vorher, in Schritt 5 und 6 dann wieder Verschlechterungen. Mit Glück steht man am Ende besser da als die Ausgangssituation war, das ist aber nicht immer so.

    Das Fazit aus meiner Sicht? Vermeide Dogmen und sei in der Anwendung von allen coolen Dingen zuallererst immer pragmatisch und zielorientiert. Vergiss nie, was das eigentliche Ziel sein sollte.

  5. Re: Schon klar

    Autor: Trockenobst 14.01.19 - 17:21

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > immer kommen konnte. Dafür braucht es weder die Schlagworte "Agile" noch
    > "Scrum", und wenn ich "brauchen ein gesamtheitliches Umdenken" höre, dann
    > klingt allein das schon so dermaßen nach esoterischem Heilsversprechen,
    > dass ich jeden Entscheider verstehe, dem spätestens an der Stelle die
    > Scheuklappen zugehen...

    Nunja, das Thema Agile hat ja dazu geführt, dass man dem Kunden abringt, dass er für 2-4 Wochen sich auf Themen festlegt. Der lässt dann 10% offen für akute Dinge und dann ist das jetzt Festgenagelt.

    Die Realität ist dann, dass die großen Projekte vorher, ganz nach Wasserfall, die Sprints der nächsten Wochen schon vorgeplant haben und jetzt zunehmend 50% freigehalten wird weil der Projektowner immer noch nicht zu potte kommt.

    Da er das auch selbst nicht verwaltet und wieder von anderen Gremien das Geld/die Features verwaltet werden. Man hat die übliche Entscheidungsmotivation immer weiter nach hinten verschoben, in große Gremien und Fachabteilungen verteilt UND dummerweise diesen auch noch Budgetgewalt gegeben.

    Nach über 15 Jahren in der Branche hat agil/scrum viel zum besseren gewandelt. Wir haben Stories die kommen wiederkehrend und der Kunde bekommt eine gute Liste an Task die er immer wieder haben will (die auch bezahlt werden muss).

    Das ist dann lustig wenn der Kunde sagt "Handbuch updaten wir diesmal nicht, die Rollout Doku auch nicht, das Installationspaket auch nicht, das nehme ich alles raus"
    Und drei Tage später schiebt er es wieder rein weil die anderen ihm den Vogel zeigen.

    Früher war das alles z.T. ein müdliches Geschiss und getue, das gibt es jetzt kaum noch.
    Die Verbindlichkeit ist extrem hoch, aber die harten Ansagen auch.

    "Ich habe jetzt kein Budget im Quartal 3, ihr müsst jetzt entscheiden, sechs Leute anders zu beschäftigen oder gehen!" Und dann hauen da zwei Anwälte ihr Signum drauf und die Featurewünsche müssen dann drei Monate warten.

    Da gabs echt interessante Szenen, wo Abteilungen "plötzlich" Budget finden und "plötzlich" dringede Issues haben und dann der Messerkampf beim Kunden intern stattfindet und nicht bei uns. Das ist definitiv Neu.

  6. Re: Schon klar

    Autor: Xobhctam 15.01.19 - 13:39

    Wenn ein Unternehmen erfolgreich ist, dann wird es offenbar etwas (oder auch alles) richtig machen. Dann braucht es zum aktuellen Zeitpunkt nichts Neues. Da bin ich ganz bei Dir.

    Fakt ist aber, dass viele Unternehmen erkennen, dass sie nicht erfolgreich sind, oder die Konkurrenz aufholt. Dann muss man etwas ändern. Und wenn man, so wie Du geschrieben hast, Sach- und Menschenverstand mitbringt, dann kann man bei den Faktoren Mensch-Maschine-Methode" zumindest den Mensch schon als gut abhaken. Das heißt aber nicht, dasss man nicht Methode oder Technologie verbessern kann.

    Und nur, weil eine neue Methode mit hippen Namen daher kommt, muss sie ja noch nicht zwangsläufig schlecht sein ;-)

  7. Re: Schon klar

    Autor: demon driver 15.01.19 - 16:39

    Xobhctam schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und nur, weil eine neue Methode mit hippen Namen daher kommt, muss sie ja
    > noch nicht zwangsläufig schlecht sein ;-)

    Gute Antwort! :-)

  8. Re: Was mich an "Agile" stört...

    Autor: t_e_e_k 15.01.19 - 22:31

    Mich stören Menschen die es groß schreiben...

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