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Wir wissen viel zu wenig

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  1. Wir wissen viel zu wenig

    Autor: fanreisender 03.09.21 - 18:54

    und bilden uns eine Meinung über China aus den gefilterten Nachrichten, die uns erreichen. Das mit dem Filtern ist nicht einmal schlechte Absicht. Nachrichten müssen sich auf das Wesentliche beschränken. Aber Weglassen - ob wissentlich oder technisch bedingt - verfälscht Informationen.

    Es gibt da ein wunderschönes Video eines pyroklastischen Stromes, der sich den Unzen herabwälzt. Das war etwa 1991 und dabei sind eine Reihe hochrangiger Vulkanologen ums Leben gekommen. Schon keine Spielerei.
    Das Video zeigt den die Bergflanke herunterkommenden pyroklastischen Strom und ein paar über Reisfelder offenbar hoffnungslos flüchtende Menschen inklsuiev eines schnell davon fahrenden Fahrzeugs über eine schmale Straße. Kurz bevor der pyroklastische Strom sich in die Ebene mit den Reisfeldern ergießt, um offenbar Auto und Flüchtende zu begraben endet das Video. Den Rest denkt man sich.

    So weit so schlecht. Dieses Video findet man leicht.

    Es gibt eine weitere Version dieses Videos, es läuft aber 5 Sekunden länger. Und siehe da, der pyroklastische Strom verliert kurz vor dem Übergang in die Ebene die Kraft, seine Reste werden vom Wind verweht. Niemand in der Ebene kommt zu Schaden.

    Dieses Video muss man sehr viel länger suchen.

    Diese 5 - offenbar im Interese einer künstlichen Dramatik - weggeschnittenen Sekunden ändern die Aussage zu fast 100% (die Vulkanologen hat es natürlich leider trotzdem erwischt).

    Es ist zumindest meine Erfahrung aus vielen Auslandsreisen, dass ein Teil der Bedingungen vor Ort zwar in der Berichterstattung unverfälscht wiedergegeben wird, das Gesamtbild aber sehr viel umfänglicher ist. Beispiel: Siedlungspolitik in Israel. Kann man genug dazu lesen und sich seinen Teil dazu denken. Was aber nicht den Weg in die Zeitungen findet, aber zum Gesamtbild gehört, ist die Entwicklung von Grundstücks- und Mietpreisen, vor denen sich weder London noch München (zwei willkürliche Beispiele) verstecken müssen.

    China kenne ich nur sehr oberflächlich. Ein großes Problem dort ist der immer größer werdende Unterschied zwischen Stadt und Land. Das ist durchaus sozialer Sprengstoff. Ob die Versuche einer totalen Kontrolle nun geeignet sind, die Lunte zu löschen, sei dahingestellt. Auf alle Fälle gibt es innenpolitische Herausforderungen, die sehr viel größer sind, als wir das aus den paar Tagesschau- oder golem-Artikeln erahnen können.

  2. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: Hotohori 04.09.21 - 04:07

    +1

    Das sollte selbstverständlich sein. Ist ja auch nur ein Artikel von einem winzig kleinen Teilaspekt von China. Dennoch, so schlecht manche Dinge von dem Thema im Artikel sind, so gut wären die anderen Dinge im Westen.

  3. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: Komischer_Phreak 04.09.21 - 08:51

    Hotohori schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > +1
    >
    > Das sollte selbstverständlich sein. Ist ja auch nur ein Artikel von einem
    > winzig kleinen Teilaspekt von China. Dennoch, so schlecht manche Dinge von
    > dem Thema im Artikel sind, so gut wären die anderen Dinge im Westen.

    Welcher Teil? Die Sachen gehören untrennbar zusammen. Den Diebstahl von Kapital von Firmen unter der Behauptung, man wolle Geld umverteilen, während man selbst auf dem größten Geldhaufen sitzt? Ist das nachahmenswert? Oder die Gerichte, die hörig sind und Leute auf Hörensagen hin verurteilen? Die Zwangsarbeiter, die als billige Arbeitskolonnen unter dem Vorwand der "Fortbildung" arbeiten?

    China ist ein autoritärer Staat. Und in dem Augenblick, in dem Du glaubst, das aus einem von Xi-Jinping regierten etwas gutes erwächst, scheint die Propaganda gezündet zu haben. China hat die 50 cent Army, eine Horde von Internettrollen die Chinakritische Artikel attackieren, und sie kaufen sich gerne in westliche Medienkonzerne ein, damit sie hinterher Inhalte zensieren können. Als Beispiel nehme ich mal das Beispiel, das man am Jahrestag der Vorfälle auf dem Platz des himmlischen Friedes auf Bing kein Bild des "Tank Man" gefunden werden konnte, obwohl sich das Bild unter diesem Namen sonst sofort findet. Oder frag mal Youtuber, die etwas kritisches über China schreiben: Diese Videos werden mindestens entkommerzialisiert, Du erhältst also kein Geld mehr dafür. Probier das selbe mal mit den USA oder Deutschland: Kein Problem. Du kannst die Videos wie gehabt einstellen. Zusätzlich natürlich das Problem, das solche Videos sehr oft unter sehr ungewöhnlichen Umständen blockiert wurden.

    Wir alle werden hier jetzt schon zensiert. Höchste Zeit, dagegen die Krallen auszufahren.

  4. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: Vögelchen 04.09.21 - 10:47

    Da räumt aber jemand ganz gewaltig! Von wegen die USA hätten keine Trollarmee. Vermutlich waren sie die ersten, die das im großen Stil gemacht haben.
    Und von wegen misslibige Videos im Westen würden nicht entkommerzialiaisert...
    Da wird nicht nur zensiert und gesperrt, dass geht so weit, dass massenweise Zahlungsdienstlieter Firmen von ihren Einnahmen abschneiden, oder Platformen wie Onlyfans gezwungen werden, ihr Geschäftsmodell abzukündigen und den Großteil der geteilten Nutzerinhalte zu verbieten.

    Und von Guantanamo fangen wir besser erst gar nicht an.

  5. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: chellican 04.09.21 - 11:47

    Was richtig ist: wir wissen zu wenig.

    Dass Firmen in China Geld abdrücken müssen, ist ein alter Hut. Auch dass es teilweise unter dem Tisch Abgaben an die Regierung gibt. Wenn man einen Einblick in den asiatischen Markt hat, weiss man das.

    Die viel wichtigere Frage ist: kommt das Geld bei den Bedürftigen an? Und: kam es in der Vergangenheit bereits dort an?

    Aktuell ist viel Bewegung in China: das Verbot von Musikstücken zwecks Karaoke beispielsweise oder dass Superstars oder hochrangige Firmenchefs verschwinden. Es ist zudem ein bekanntes Geheimnis, dass man die Regierung nicht kritisieren darf. Und das sind nur die harmlosen Beispiele.
    Wer in diesem Kontext glaubt, dass das alles zum Wohle des Volkes geschieht, den kann man nur bedauern.

    In einen demokratischen Staat wird der Geldfluss über die Steuern gelöst, nicht über den Druck auf Firmen.

  6. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: Trockenobst 04.09.21 - 16:14

    chellican schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was richtig ist: wir wissen zu wenig.

    Mehr als genug um zu Wissen dass es in China zwei große Bewegungen gibt:
    - Trend zu größerem Zusammenhalt (mit etwas aggressiven Nationalismus)
    - Einfangen der extremen kapitalistischen Auswüchse, die nur 3% Bevorteilen

    > Die viel wichtigere Frage ist: kommt das Geld bei den Bedürftigen an? Und:
    > kam es in der Vergangenheit bereits dort an?

    Durch das System des Hukou gibt es in China ein defakto Kastensystem. Die der untersten Kaste sind Wanderarbeiter, von denen es 3x so viele gibt wie Einwohner in Deutschland. Sie leben häufig unter erbärmlichsten Umständen. Auch wenn es früher Feldarbeit war und heute Apple Phones in der Fabrik. Viele Optionen haben sie nicht, viele sind einfache Bauarbeiter. Sie haben das neue moderne China gebaut, gehabt haben sie davon häufig gar nichts.

    Die Qualität der Bildungsabschlüsse sind stark von der Uni und Status der Eltern abhängig. Kommst du von der falschen Uni, ist es praktisch unmöglich in großen Firmen Karriere zu machen. Genau hier setzt auch der neue Anspruch an Zusammenhalt an.

    > Wer in diesem Kontext glaubt, dass das alles zum Wohle des Volkes
    > geschieht, den kann man nur bedauern.

    China ähnelte Russland in den 00er Jahren. Alles ging, große Freiheit, auch was das sanfte Kritisieren des Staates anging. Sehr reiche Oligarchen entstanden (Alibaba...). Damit kamen unkontrollierte Systeme wie private Kreditsysteme, die große Schulden erzeugten aber keinen Wohlstand für die Masse. Die alten Oligarchen in Russland wussten, sie würden von den schnellen Jungen überholt und haben sie alle ins Zwangs-Exil getrieben, mit der frustrierten Totalkontrolle bis zu den Wahlen. Weil sie Wissen: das ist alles scheiße, aber besser kriegen wir es nicht hin ohne Macht abgeben zu müssen. Also werden jetzt auch Witze verboten.

    China hat eine ähnliche, leider negative Bewegung hinter sich. Sie wollen nicht mehr dumme Werkbank sein, aber wissen nicht so Recht wie sie Arm+Reich+Moderne versöhnen sollen. Also geht man aktuell den Personenkult und politischen Wahnsinn mit. Keiner weiß aber, ob der Weg doch zur Erneuerung des Landes führt. China hatte schon immer charismatische Verrückte an der Macht. Das wird man erst in einigen Dekaden wissen.

  7. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: ds4real 04.09.21 - 23:15

    chellican schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ...
    > In einen demokratischen Staat wird der Geldfluss über die Steuern gelöst,
    > nicht über den Druck auf Firmen.

    Ja klar... Erstens werden Politiker auch hierzulande geschmiert, damit man Gesetze diktieren kann - ganz gleich wie wenig diese im Interesse des Volkes sind (siehe z.B. Leistungsschutzrecht, Vorstöße zu Websperren, das überaus bescheuerte Urheberrecht).

    Zweitens zahlt man in Deutschland und der EU massig Abgaben als Firma und hat bestimmten Vorgaben zu entsprechen.

    Wie hervorragend die Demokratie ist und unsere Grundrechte geschützt sind, sieht man an der Art wie mit selbigen in der Coronakrise umgegangen wird. Liest man dann noch wer alles davon profitiert hat und immer noch profitiert, kommt man vom demokratischen Glauben ab.

    Wir sollten erstmal bei uns kehren. Die EU und insbesondere Deutschland haben viele Probleme. Auch hier wird man evtl. für Meinungen eingesperrt, wenn irgendjemand bei diesen auch nur den Hauch von "Volksverhetzung" gefunden zu haben glaubt. Man kann sich dann juristisch wehren - wenn man es sich leisten kann gute Anwälte zu engagieren. Trotzdem wird dann medial dafür gesorgt, dass man ordentlich vorverurteilt wird und seines Lebens nicht mehr froh wird, selbst wenn man unschuldig ist.

    Daher: Deutschland ist nur solange demokratisch, wie man nicht aus dem politischen Mainstream-Rahmen fällt. Und Kommentare wie diese werden dann via Hausrecht wegzensiert, weil sie nicht ins Heile-Welt-Bild passen.

  8. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: chellican 05.09.21 - 00:15

    ds4real schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Daher: Deutschland ist nur solange demokratisch, wie man nicht aus dem
    > politischen Mainstream-Rahmen fällt. Und Kommentare wie diese werden dann
    > via Hausrecht wegzensiert, weil sie nicht ins Heile-Welt-Bild passen.

    Das ist eine Behauptung - mehr aber auch nicht. Deutschland war außerdem gerade nicht Thema der Diskussion :-). Aber sei es drum, vergleichen wir:

    So lange mit sachlich argumentiert wird, habe ich bis jetzt keine Zensur erlebt (auch nicht in diesem Forum).
    Wir leben in einem freien Land, wo ich auf die Straße gehen kann, um zu demonstrieren und wo ich die Regierung kritisieren kann, ohne Angst zu haben, zu verschwinden. In China kann man über alles reden, nur nicht über Politik.
    Ich kann in Deutschland alle Webseiten der Welt öffnen - ohne ein VPN benutzen zu müssen.
    Deutschland mimmt keine Falun-Gong-Anhänger als Organspender (kann man bei Wikipedia nachlesen). Wir haben die Möglichkeit, frei zu wählen oder sogar eine eigene Partei zu gründen.
    Wir fliegen auch nicht mit Kampfjets über andere Länder, um ihnen zu drohen.
    Oder nehmen Einfluss auf öffentliche Einrichtungen, beispielsweise die Berliner Charité.

    Ich könnte noch viele solcher Punkte benennen - alle belegt und nachlesbar. Auch bei uns ist nicht alles optimal (beispielsweise unser Mobilfunknetz oder die Bahn usw.). Aber lebe ich in Freiheit ohne Angst. Und das ist das Wichtigste.

  9. Re: Wir wissen viel zu wenig

    Autor: Leviosa 05.09.21 - 03:01

    Dann schau zB. "China uncensored" auf Youtube da kriegste dann eine ganze Menge mit über China.

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