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Was bringen mir AKWs, die ich nicht mehr kühlen kann?
Autor: DrMutaba 22.02.24 - 10:13
Da helfen alle Erdbebentests und Strombackupsysteme der Welt nix, wenn der Fluss trocken liegt (siehe Frankreich, bedingt durch Klimawandel) und man einfach nicht mehr kühlen kann? Da hilft es dann auch nix, wenn man den Reaktor runterfährt, weil der noch monatelang nachgekühlt werden muss. Fukushima lässt grüßen.
Davon abgesehen ist Atomenergie einfach viel zu teuer im Vergleich zu den erneuerbaren Energien, die zudem auch dezentral Strom liefern können. -
Re: Was bringen mir AKWs, die ich nicht mehr kühlen kann?
Autor: M.P. 22.02.24 - 11:38
Die Nachzerfallswärme ist durchaus ein Problem, aber von der Wärme im regulären Betrieb geht es anfangs schon sehr rapide abwärts ...
Ein Atomkraftwerk muss im Regelbetrieb ungefähr das 2...3-fache der elektrischen Nennleistung als Abwärme abführen.
Eine Stunde nach Abschaltung ist der Wert schon auf 1% dessen abgefallen
https://de.wikipedia.org/wiki/Nachzerfallsw%C3%A4rme
bei einem 1,2 GW Reaktor sind das aber dann immer noch 24 ... 32 MW ....
Nach einem Monat sind es immer noch über 2 MW ...
Die Kühlleistung ist dann deutlich leichter zu erbringen ... da reicht dann wahrscheinlich ein Wasserkreislauf mit einem ausreichen großen nach oben offenen Bassin ... -
Re: Was bringen mir AKWs, die ich nicht mehr kühlen kann?
Autor: Michael H. 22.02.24 - 12:52
M.P. schrieb:
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> Die Nachzerfallswärme ist durchaus ein Problem, aber von der Wärme im
> regulären Betrieb geht es anfangs schon sehr rapide abwärts ...
>
> Ein Atomkraftwerk muss im Regelbetrieb ungefähr das 2...3-fache der
> elektrischen Nennleistung als Abwärme abführen.
>
> Eine Stunde nach Abschaltung ist der Wert schon auf 1% dessen abgefallen
>
> de.wikipedia.org
>
> bei einem 1,2 GW Reaktor sind das aber dann immer noch 24 ... 32 MW ....
>
> Nach einem Monat sind es immer noch über 2 MW ...
>
> Die Kühlleistung ist dann deutlich leichter zu erbringen ... da reicht dann
> wahrscheinlich ein Wasserkreislauf mit einem ausreichen großen nach oben
> offenen Bassin ...
Vollkommen korrekt was du sagst. Bringt aber immer noch nix, wenn der Strombedarf irgendwo bei 1GW liegt und auf Grund von Dürre nur noch 24-32 oder 2MW produziert werden.
Wo kommt der restliche Strom dann her? In Frankreichs Fall wurde der Strom aus Deutschland eingekauft. Ich persönlich bin recht froh, dass ich im südlichsten Bayern vom Walchensee sowie Sylvenstein, ein paar Isar- und Loisach Kraftwerksturbinen umringt bin und in alle Himmelsrichtungen Windräder oder Solarparks stehen. Auch in den "dürren" Jahren war trotz Rekordverdächtigen Niedrigständen der Flüsse/Seen zu der Zeit nicht der Bedarf da, die Erdgasreserveanlage anzuschmeissen. Wir haben hier gerade in den letzten 60 Jahren im Landkreis schon ein ehrhebliches Wachstum erlebt, aber ich kann mich in den letzten 35 Jahren nicht daran erinnern, dass wir jemals Stromprobleme hatte, weil "zu wenig produziert wurde". Und hier laufen wir schon seit eh und je auf Wasserkraft bevor Öko und Regenerativ überhaupt ein Begriff war. -
Re: Was bringen mir AKWs, die ich nicht mehr kühlen kann?
Autor: M.P. 22.02.24 - 13:01
Es ging mir um den Satz
> Da hilft es dann auch nix, wenn man den Reaktor runterfährt, weil der noch monatelang nachgekühlt werden muss. Fukushima lässt grüßen.
Wenn man die ersten Stunden nach der Abschaltung überstanden hat, droht normalerweise kein Fukushima mehr, wenn man zumindest den auf deutlich unter 1% des Betriebs-Kühlbedarf reduzierten Bedarf erfüllt ...
Das Kraftwerk kann dann natürlich nicht mehr liefern, sondern zieht für seinen Kühlwasserkreisläufe sogar Energie aus dem Netz...
Die Abschaltungen erfolgen ja in der Regel deutlich früher, als an dem Punkt, wo der Kühlwasserzulauf komplett trocken gefallen ist ... Indikator ist ja eine gewisse Flusswassertemperatur, die nicht überschritten werden darf, um das Leben im Fluss nicht zu gefährden ... Von da her ist eine Fukushima-Katastrophe aufgrund von Dürre nicht anzunehmen... -
Re: Was bringen mir AKWs, die ich nicht mehr kühlen kann?
Autor: oldmcdonald 23.02.24 - 10:39
Stimmt. Auf eine Dürre kann man sich einstellen, weil die nun mal Zeit braucht, sich aufzubauen. Gefährlich ist das zwar nicht, aber von "zuverlässig Strom produzieren" - also das, was angeblich der Vorteil von AKWs gegenüber regenerativer Energie sein soll - kann so nicht die Rede sein. Viel gefährlicher sind dagegen Starkregenereignisse oder andere Wetterextreme, die in Zukunft absehbar zunehmen werden. Da lässt Fukushima dann doch grüßen - die Reaktoren hatten die Erderschütterungen gut überstanden, nur leider wurde der darauf folgende Tsunami nicht mitbedacht.
Das Problem bei AKWs ist halt grundsätzlich, dass die potentiellen Auswirkungen äußerst katastrophal sind - zu katastrophal, um trial and error anzuwenden. Und klar kann man für jedes Sicherheitsproblemchen irgendeine Lösung finden, aber das treibt die eh schon horrenden Kosten für solche Projekte noch weiter in die Höhe, während Windkraft, PV und auch Speicher zuverlässig billiger werden im Laufe der Zeit.



