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Die vielen Sturmschäden
Autor: Bob_Youser 20.02.24 - 10:48
Wie viele Opfer hat es denn schon durch herunterfallende Balkonsolaranlagen gegeben?
Und wie oft hört man so von Ärger durch Reflektionen an Solarpanels? Wenn überhaupt dann in Einzelfällen.
Scheint also kein Thema zu sein, welches dringenden Bedarf nach gesetzlicher Regelung hat.
Und selbst wenn sowas mal passieren sollte. Dann werden sich da ja Versicherungen und Juristen dran abarbeiten und dann wird sich zeigen, ob es dazu Regelungsbedarf gibt.
Es ist eine deutsche Krankheit, dass sich immer irgendwo Leute finden, die fordern Dinge durchzuregulieren und maximal zu verkomplizieren und zu verteuern, nur weil die Möglichkeit besteht, dass irgendwas passieren könnte oder dass sich irgendwo das Tor zur Hölle öffnen könnte, weil eine Haftungsfrage ungeklärt ist.
edit: Sorry, das sollte kein neuer Thread werden, sondern eine Antwort unter dem anderen Bedenkenträgerthread.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 20.02.24 10:49 durch Bob_Youser. -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Oktavian 20.02.24 - 12:23
> Wie viele Opfer hat es denn schon durch herunterfallende Balkonsolaranlagen
> gegeben?
Wie relevant ist das für den, dem so ein Ding durch den Schädel kracht?
> Scheint also kein Thema zu sein, welches dringenden Bedarf nach
> gesetzlicher Regelung hat.
Wir haben in Deutschland auch verboten, eine Nuklearexplosion auszulösen, und das, obwohl es noch nie ein einziges mal passiert ist.
Wenn also das Schadenspotential einer runterfallenden Solaranlage gegeben ist, wäre es schon im Sinne vorsorgender Gesetzgebung eine gute Idee, gewisse Anforderungen an die Befestigung zu stellen. Die hier gerne von Heimwerkern verwendeten Kabelbinder sind ebenso keine gute Befestigung wie Panzertape.
> Und selbst wenn sowas mal passieren sollte. Dann werden sich da ja
> Versicherungen und Juristen dran abarbeiten und dann wird sich zeigen, ob
> es dazu Regelungsbedarf gibt.
Witzige Grundeinstellung, in manchen Regionen der Welt sogar verbreitet. Da gibt es dann aber meist auch die Grundidee, dass man jeden in Grund und Boden klagen kann, der so einen Unsinn anstellt, auch wenn er per Gesetz nicht verboten war. -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Tantalus 20.02.24 - 12:39
Oktavian schrieb:
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> Witzige Grundeinstellung, in manchen Regionen der Welt sogar verbreitet. Da
> gibt es dann aber meist auch die Grundidee, dass man jeden in Grund und
> Boden klagen kann, der so einen Unsinn anstellt, auch wenn er per Gesetz
> nicht verboten war.
Das ist zwar alles richtig, nur ist halt die Frage, ob nicht das bestehende Regelungswerk auch diesen Fall ausreichend abdeckt. Es gibt ja z.B. schon die §229 (Fahrlässige Körperverletzung) und §222 StGB (Fahrlässige Tötung) mit einem Strafrahmen bis 5 Jahre Haft. Eine nicht ausreichende bzw. nicht sachgerechte Befestigung eines BKW würde ich durchaus als fahrlässig, ggf. sogar als grob fahrlässig einstufen.
Gruß
Tantalus
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Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klarkommen. -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: unbuntu 20.02.24 - 13:15
Bob_Youser schrieb:
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> Und wie oft hört man so von Ärger durch Reflektionen an Solarpanels? Wenn
> überhaupt dann in Einzelfällen.
Weils halt immer Einzelfälle sind. Und man hört nur von dem, was irgendwo geschrieben wird. Wenn keiner berichtet heißt das ja nicht, dass es nicht vorkommt. Es werden auch immer wieder Menschen durch Dachlawinen oder Eiszapfen verletzt. In den großen Medien liest man aber nix davon, passiert also nicht.
Linux ist das beste Betriebssystem, das ich jemals gesehen habe.
Albert Einstein -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Bob_Youser 20.02.24 - 13:44
Oktavian schrieb:
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>
> Wie relevant ist das für den, dem so ein Ding durch den Schädel kracht?
>
> Wir haben in Deutschland auch verboten, eine Nuklearexplosion auszulösen,
> und das, obwohl es noch nie ein einziges mal passiert ist.
>
> Wenn also das Schadenspotential einer runterfallenden Solaranlage gegeben
> ist, wäre es schon im Sinne vorsorgender Gesetzgebung eine gute Idee,
> gewisse Anforderungen an die Befestigung zu stellen. Die hier gerne von
> Heimwerkern verwendeten Kabelbinder sind ebenso keine gute Befestigung wie
> Panzertape.
Du hälst es also für sinnvoll, einen Bereich durchzuregulieren, in dem es keine Probleme gibt, nur weil etwas passieren könnte?
Diese Denke ist wohl ein Grund, warum dieses Land so gelähmt ist.
Übrigens: Solche Regelungen schützen dich trotzdem nicht vor Pfusch oder Fahrlässigkeit. Sie klären vielleicht die Haftungsfrage, aber was bringt dir das, wenn dir sowas auf den Kopf fällt? -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Michael H. 20.02.24 - 14:18
Bob_Youser schrieb:
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> Es ist eine deutsche Krankheit, dass sich immer irgendwo Leute finden, die
> fordern Dinge durchzuregulieren und maximal zu verkomplizieren und zu
> verteuern, nur weil die Möglichkeit besteht, dass irgendwas passieren
> könnte oder dass sich irgendwo das Tor zur Hölle öffnen könnte, weil eine
> Haftungsfrage ungeklärt ist.
Ich will dich ja nicht enttäuschen, aber auch die Sollbruchstelle ist die deutscheste Erfindung ever.
Wir deutschen wollen, wenn etwas schon kaputt geht, definiert festlegen, wo und wie es kaputt gehen soll. Daher bin ich hier jetzt nicht sonderlich überrascht... -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Kein Kostverächter 20.02.24 - 14:44
Hier in Deutschland (wie in den meisten anderen europäischen Staaten auch), gilt eben eher das Vorsorgeprinzip: Es soll im Vorhinein so weit wie möglich vermieden werden, dass etwas Menschen schadet.
Das bedeutet auch hier im Fall der Balkonkraftwerke: Es soll möglichst gar nicht erst vorkommen, dass ein Balkonkraftwerk jemandem auf den Kopf fällt. Daher werden erstmal genaue Regeln festgelegt. Natürlich werden auch die keine 100%ige Sicherheit bringen, aber wenn etwas passiert, wurden höchstwahrscheinlich die Regeln nicht eingehalten und man hat zumindest jemanden, der dann haften muss. Andererseits verhindern diese Regeln, dass mehr passiert als nur das, was nun mal praktisch nicht zu verhindern ist.
Bis die Tage,
KK
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Mach dir deine eigenen Götter, und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.
(Epikur, griech. Phil., 341-270 v.Chr.)
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Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: marzen 20.02.24 - 15:08
Aber die Regelung etwas sturmfest anzubringen, an der Außenseite eines Gebäudes, gibt es bereits.
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Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: ElMariachi123 20.02.24 - 22:19
Kein Kostverächter schrieb:
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> Hier in Deutschland (wie in den meisten anderen europäischen Staaten auch),
> gilt eben eher das Vorsorgeprinzip: Es soll im Vorhinein so weit wie
> möglich vermieden werden, dass etwas Menschen schadet.
> Das bedeutet auch hier im Fall der Balkonkraftwerke: Es soll möglichst gar
> nicht erst vorkommen, dass ein Balkonkraftwerk jemandem auf den Kopf fällt.
> Daher werden erstmal genaue Regeln festgelegt. Natürlich werden auch die
> keine 100%ige Sicherheit bringen, aber wenn etwas passiert, wurden
> höchstwahrscheinlich die Regeln nicht eingehalten und man hat zumindest
> jemanden, der dann haften muss. Andererseits verhindern diese Regeln, dass
> mehr passiert als nur das, was nun mal praktisch nicht zu verhindern ist.
Wenn ich als Mieter zwei 25kg Hanteln am Geländer außen mit Kabelbindern festmache bin ich also save wenn die runterfallen und wen erschlagen weil die Befestigung von Hanteln an Geländern nicht reguliert ist?
Es muss nicht für jeden Quark ein Gesetz geben. Wenn ich mir son Ding an den Balkon flansche und das fällt runter ist die Haftung sonnenklar geregelt soweit ich das überblicke, dann bin nämlich ich fällig bei mangelnder Sicherung.
Sorry, aber nein. Brauchen wir nicht. -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Oktavian 21.02.24 - 08:05
> Das ist zwar alles richtig, nur ist halt die Frage, ob nicht das bestehende
> Regelungswerk auch diesen Fall ausreichend abdeckt. Es gibt ja z.B. schon
> die §229 (Fahrlässige Körperverletzung) und §222 StGB (Fahrlässige Tötung)
> mit einem Strafrahmen bis 5 Jahre Haft.
Ja, das ist aber auch nur die strafrechtliche Seite. Davon hab ich als Opfer wiederum nichts. Zudem hat zwar fahrlässige Körperverletzung bzw. Tötung diesen Strafrahmen, in aller Regel bleibt es aber doch bei einer überschaubaren Geldstrafe oder Freiheitsstrafe zur Bewährung. -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Oktavian 21.02.24 - 08:12
> Du hälst es also für sinnvoll, einen Bereich durchzuregulieren, in dem es
> keine Probleme gibt, nur weil etwas passieren könnte?
Ja, das machen wir ja bei Kernkraftwerken genauso. Noch nie ist in D eins explodiert, und trotzdem haben wir jede Menge Regeln dafür, und trotzdem steigen wir aus der Technologie aus.
Vielleicht ist ja auch deshalb in vielen Bereichen so wenig passiert gerade weil wir vorher nachdenken.
> Übrigens: Solche Regelungen schützen dich trotzdem nicht vor Pfusch oder
> Fahrlässigkeit.
Nein, tun sie nicht. Aber die reduzieren die Wahrscheinlichkeit dramatisch. Wir haben z.B. für Elektroinstallationen die Regeln des VDE. Natürlich könnte sich jemand was zusammenpfuschen vorbei an den Regeln, aber in der Regel hält man sich an die Regeln, einfach weil die Regeln sinnvoll sind. Auch wenn ich selbst zuhause meine Garage elektrifiziere, schaue ich mir an, welche Schaltung der VDE empfiehlt, welche Installationsmaterialien, etc. und genau so mach ich das dann. Ich gehe einfach davon aus, die Experten, die gesagt haben, eine "Hamburger Sparschaltung" ist eine blöde Idee, wissen warum.
> Sie klären vielleicht die Haftungsfrage, aber was bringt
> dir das, wenn dir sowas auf den Kopf fällt?
Es bringt mir, dass ein Vollpfosten, der meint sowas mit Kabelbindern anbringen zu können, vielleicht nochmal drüber nachdenkt, wenn er hört, seine Versicherung zahlt das nicht, er kann auf hunderttausende verklagt werden und er kann, wenn etwas passiert, dafür ins Gefängnis. Vielleicht kommt er dann doch auf die Idee, es vernünftig zu machen oder jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. -
Re: Die vielen Sturmschäden
Autor: Oktavian 21.02.24 - 08:42
> Aber die Regelung etwas sturmfest anzubringen, an der Außenseite eines
> Gebäudes, gibt es bereits.
Ja, es gibt auch für Elektroinstallationen die Regel, es so zu machen, dass sich keiner verletzt. Und trotzdem hat der VDE sehr genaue Regeln herausgegeben, was gut ist, was okay ist, und was gar nicht geht.
So ähnlich sollte das auch hier sein. Die Einschätzung, was "sturmfest" ist, mag doch je nach Risikobewusstsein sehr unterschiedlich sein, insbesondere wenn es sich um Mieter handelt, die in sowas wenig Erfahrung haben.



