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"nicht um Jobs zu ersetzen"
Autor: M.P. 19.02.24 - 11:13
Wenn die Nacharbeitung nach Klienten-Terminen nicht mehr so lange dauert, kann das zweierlei bewirken.
1) Der Anwalt nimmt sich mehr Freizeit, und widmet sich mehr seiner Familie oder dem Golfspiel...
2) Der Anwalt holt sich mehr Klienten in die Kanzlei....
(2) würde schon dazu führen, dass ANWALTS-Jobs ersetzt werden... Statt einem Sozius in die Kanzlei zu nehmen, macht der Eigentümer der Kanzlei eben mehr ...
Auswirkungen auf da Back-Office ("RENO-Gehilfen") mal ganz beiseite gelassen ... -
Effizienzsteigerungen führen immer zu Jobverlusten
Autor: Netzweltler 19.02.24 - 11:35
Die Frage ist dann auch immer: Wo entstehen neue Jobs, die die entlassenen Leute kriegen können?
Einfach nur sagen "jaja, die kriegen schon noch irgendwas irgendwo..." ist reines Prinzip Hoffnung. -
Re: "nicht um Jobs zu ersetzen"
Autor: Hallonator 19.02.24 - 11:50
M.P. schrieb:
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> 2) Der Anwalt holt sich mehr Klienten in die Kanzlei....
>
> (2) würde schon dazu führen, dass ANWALTS-Jobs ersetzt werden... Statt
> einem Sozius in die Kanzlei zu nehmen, macht der Eigentümer der Kanzlei
> eben mehr ...
Naja. Wenn jeder mehr schafft, muss der Markt halt mit wachsen...
Ob das jetzt realistisch ist, sei mal dahin gestellt... -
Re: Effizienzsteigerungen führen immer zu Jobverlusten
Autor: pythoneer 19.02.24 - 11:51
Netzweltler schrieb:
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> Die Frage ist dann auch immer: Wo entstehen neue Jobs, die die entlassenen
> Leute kriegen können?
Die gibt es nicht. In den letzten 50 Jahren sind so gut wie keine nennenswerten Jobs entstanden um einen großen Teil der Bevölkerung zu beschäftigen, sollte ein Bereich wegfallen. So zum Beispiel Personen- und Warentransport. Autonome Züge/Busse/Trams/Taxies/LKW würden so gut wie nicht auffangbar sein. Es können nicht alle Musiker, Youtuber, Influenzer werder. Das sind alles Nischen die heute schon stark umkämpft sind. Die Jobs die "neu" dazu gekommen sind, werden oft nur von einem sehr geringen Teil der Bevölkerung besetzt. Die "großen Jobs" wo man noch viele Leute unterbringen kann und die es vorher nicht gegeben hat, gibt es nicht. Einzig bestehende Felder können ausgeweitet werden. Da wo auch immer mehr Nachfrage entsteht – beispielsweise (Alten)Pflege. -
Re: Effizienzsteigerungen führen immer zu Jobverlusten
Autor: Shred 19.02.24 - 11:53
Nirgendwo entstehen die neuen Jobs.
Wer keine Arbeit hat, findet nichts, wenn die Maschine das auch machen kann. Wer Arbeit hat, verliert sie, sobald er durch eine Maschine ersetzt werden kann. Alles unter dem Mäntelchen der Effizienzsteigerung, um den Firmen immer üppigere Gewinne zu ermöglichen.
Was dabei vergessen wird: Wer keine Arbeit hat, hat auch kein Geld für Dinge, die nicht zum Überleben zwingend erforderlich sind. Wer soll eigentlich noch die Produkte und Dienstleistungen kaufen, die unsere Firmen herstellen? Momentan verlassen wir uns noch auf unseren Exportmarkt, aber der schwächelt ja auch schon. Und die KI geht nicht einkaufen. -
Re: Effizienzsteigerungen führen immer zu Jobverlusten
Autor: pythoneer 19.02.24 - 12:07
Shred schrieb:
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> Alles unter dem Mäntelchen der Effizienzsteigerung, um den
> Firmen immer üppigere Gewinne zu ermöglichen.
Hier muss ich mal eine Lanze für die Effizienzsteigerung brechen. Die Effizienzsteigerung oder auch Produktivität hat nicht nur für üppigere Gewinne der Firmen gesorgt. Es hat auch zur Arbeitszeitreduzierung beigetragen. Jetzt kann man natürlich argumentieren ob es nicht zu noch mehr Reduzierung hätte beitragen können sodass wir heute nur noch 3 Tage die Woche arbeiten müssen – aber das Problem ist ja schon seit längerem bekannt.
Das Stichwort hier lautet Unterbeschäftigtenquote. Leider wird immer wieder die völlig uninteressante Arbeitslosenquote in den Medien benannt aber die Unterbeschäftigtenquote ist das interessante. Es gibt ja mehrere Möglichkeiten wie man mit der erhöhten Produktivität umgeht. Man kann die Arbeitszeit aller verringern (was auch nur bis zu einem Grenzwert geht) oder eben die Arbeitszeit einiger so belassen und andere dafür kündigen. Wir haben schon seit vielen Jahrzehnten das Problem für die Nachfrage (Bruttoinlandsprodukt) immer weniger Arbeitsstunden zu benötigen. Ich glaube aber mich zu erinnern, dass die Unterbeschäftigtenquote in den letzten Jahren sogar mal wieder etwas zurück ging. -
Re: Effizienzsteigerungen führen immer zu Jobverlusten
Autor: gadthrawn 19.02.24 - 13:20
pythoneer schrieb:
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> Netzweltler schrieb:
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> > Die Frage ist dann auch immer: Wo entstehen neue Jobs, die die
> entlassenen
> > Leute kriegen können?
>
> Die gibt es nicht. In den letzten 50 Jahren sind so gut wie keine
> nennenswerten Jobs entstanden um einen großen Teil der Bevölkerung zu
> beschäftigen, sollte ein Bereich wegfallen.
Aber gerade aktuell gehen immer mehr Menschen in Rente.
Es gibt Bereiche, in denen werden 1000de Menschen gesucht.
Pflege, Kindergarten, Lehrer, Psychologen, Psychotherapeuten etc.pp. gibt es aktuell zu wenig.
Mit weniger Arbeitenden bekommst du in bestimmten Gebieten kaum etwas nach, Recht auf Kindergartenplatz ist oft ein erstreiten. Bestimmte Ärzte sind ausgebucht bis. Planbare OPs schiebt die Klinik hier auf nächstes Jahr. Und wir haben jetzt Februar.
Aktuell sind soziale Berufe schlecht bezahlt. Und auch die wenigen die gut bezahlt sind, sind nicht gut genug für den Stress bezahlt. Ärzte die eben Überstunden ohne ende haben ist für viele kein erstrebenswerter Beruf.
Es gibt eine Menge offener Stellen - nur vielleicht nicht für das Geld was jemand dafür will oder mit der Einfachheit die man haben möchte.
Ganz ehrlich - ich hasse große Gartenpflegearbeiten. Umgestalten des Gartens mit neuen Wegen etc.pp. - es dauerte fast ein Jahr bis einer der Landschaftsbauer im Umkreis Zeit für ein Projekt hatte. Der hat dann auch zu wenige Leute gehabt, hat man an ein paar Punkten gemerkt. Aus dem Gespräch - er findet keine fürs Geld. Und der bekam nicht wenig. Preise im Umkreis sind stark gestiegen.
Wärmepumpen - Wartung? Och nur noch Bestandskunden. Haben alle in der Gegend zu wenig Mitarbeiter.
Baubranche schwächelt aus mehreren Gründen. Aber richtig viele Arbeitnehmer sind nicht verfügbar. -
Re: Effizienzsteigerungen führen immer zu Jobverlusten
Autor: Hallonator 19.02.24 - 13:37
gadthrawn schrieb:
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> Psychologen, Psychotherapeuten etc.pp
War es jetzt beabsichtigt, dass du Psychologen und Psychotherapeuten gesondert aufzählst? :)
Falls ja, würde mich interessieren, wer erstere alle braucht. Sind das die Sozialämter, Schulen oder Personalabteilungen? -
Re: Effizienzsteigerungen führen immer zu Jobverlusten
Autor: minnime 19.02.24 - 15:20
Pflege ist auch wirklich ein Scheißjob, oft sogar im wahrsten Sinne des Wortes und nicht jedermanns Sache.
Kindergärtnerin ist, soweit ich weis, kein unbeliebter Ausbildungsberuf, wird aber zu selten angeboten und ist komischerweise wenn dann recht aufwändig.
Psychotherapeuten kann ziemlich belastend sein und vor allem ist die Ausbildung sehr aufwändig und teuer, während andererseits die Einnahmen nicht so toll sind.
Arzt ist ein Beruf der nach wie vor sehr beliebt ist aber auch da gibt es zu wenige Ausbildungsplätze, das sieht man an dem wahnsinnig hohen Numerus Clausus und der Bewerberzahlen. Wir haben in Medizin sieben Bewerber auf einen Studienplatz. Ich finde es ehrlich gesagt beschämend das ein reiches Industrieland wie Deutschland nicht in der Lage ist seinen Bedarf an Ärzten selbst auszubilden sondern seine Ärzte aus dem Ausland anwerben muss, wo die dann auch fehlen.
Bei Handwerkern findet jetzt ein Umschwung statt. Noch vor 15 Jahren war das Handwerk zumindest im Osten hoffnungslos überlaufen, dementsprechend schlecht waren Bezahlung und Arbeitsbedingungen, Stichwort Montage. Da war es nur folgerichtig, dass jeder der konnte lieber was anderes gemacht hat.
Übrigens liegt es auch nicht immer nur am Geld, das taugt eher um Arbeitskräfte von einer Firma zur anderen zu locken, auf die Berufswahl wirkt es eher langfristig, wenn es bei der Jugend darum geht sich für einen Beruf zu entscheiden und selbst da nicht immer. Der Frisöse war z.B. lange Zeit und ist es bis heute, ein schlecht bezahlter Beruf und wurde trotzdem ergriffen. Es geht immer eher um die Arbeitsbedingungen wie schlecht sind sie, also was kostet mich ein Beruf und was bringt er mir auf der anderen Seite. Arzt oder Sanitäter sind anstrengend und belastend bringen aber auch hohes Prestige mit sich. Das Gehalt ist nur ein Aspekt in der Liste der Vor- und Nachteile und nicht unbedingt der wichtigste.



