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Dystopie
Autor: Mimus Polyglottos 14.11.23 - 10:51
Aus meiner Sicht ist das größte Problem von Atomkraft, dass sie zwar in der Theorie super funktioniert und extrem sicher ist, aber in der Praxis immer wieder kleine und große Störfälle auftreten. In den letzten Jahrzenten gab es drei Unfälle (Fukushima, Harrisburg, Tschernobyl), die rechnerisch nur einmal alle 10.000 Jahre auftreten sollten, aber trotzdem aufgetreten sind. Dazu gibt es lange Listen mit kleineren, aber trotzdem meldepflichtigen Störfällen. Menschliches Versagen ist einfach ein echtes Problem, das man anscheinend nicht ausschalten kann.
Zahlreiche kleine AKWs, die über die Landschaft verteilt sind erhöhen das Risiko von Störfällen noch zusätzlich, da sie deutlich schlechter zu überwachen sind als wenige große. Echte große Störfälle sind wahrscheinlich seltener (weniger Brennstoff), aber dann gibt es zahlreiche kleine, die schlimmstenfalls Raum für gewissenlose Geschäftspraktiken (fehlende Meldung von Störfällen) und eine gesellschaftliche Ermüdung gegenüber nuklearen Gefahren bieten. Außerdem sehe ich die Gefahr, dass die Mini-AKWs Ziel von terroristischen Anschlägen oder Diebstahl von Nuklearmaterial für schmutzige Bomben werden.
Vielleicht gibt es irgendwann AKWs einer neuen Generation, die deutlich sicherer sind und weniger anfällig gegenüber menschlichen Versagen, aber das haben wir aktuell noch nicht erreicht. -
Re: Dystopie
Autor: Muhaha 14.11.23 - 11:17
Mimus Polyglottos schrieb:
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> Zahlreiche kleine AKWs, die über die Landschaft verteilt sind erhöhen das
> Risiko von Störfällen noch zusätzlich, da sie deutlich schlechter zu
> überwachen sind als wenige große.
Es wird bis auf Weiteres keine dieser Art geben. Einfach nicht wirtschaftlich. -
Re: Dystopie
Autor: Dwalinn 14.11.23 - 11:38
Alle 10.000 Jahre sind aber auch nur noch alle 25 Jahre bei Weltweit 400 AKW und dann passt das doch recht gut.
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Re: Dystopie
Autor: Mimus Polyglottos 14.11.23 - 12:55
Stimmt - danke für den Hinweis. Ich hatte die 10.000 Jahre bisher immer auf die Welt und nicht auf das einzelne AKW bezogen, aber das Risiko skaliert natürlich mit der Anzahl.
Okay, aber dann stellt sich natürlich die Frage, ob sich die Welt alle 25 Jahre ein Tschernobyl leisten will ;( -
Re: Dystopie
Autor: Dwalinn 14.11.23 - 14:21
Es trifft natürlich immer nur die anderen, man selbst macht ja alles um es zu verhindern ;-)
Bis da der nächste menschliche Fehler passiert und man feststellt das Kraftwerken die auf 40 Jahre ausgelegt sind nach 50 oder gar 60 Jahren ein deutlich höheres Risiko haben -
Re: Dystopie
Autor: Sharra 14.11.23 - 14:36
Das ist eben das große Problem bei Statistik. Wenn du nur eine 0,00001% Chance hättest an Krebs zu erkranken, bringt dir das absolut NICHTS, wenn du an Krebs erkrankst. Beim Kotzen wegen der Chemotherapie wirst du dir bestimmt nicht denken "Aber die Chance war doch recht gering.. tja doof gelaufen".



