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Besser als ihr Ruf
Autor: Landvogt 11.03.21 - 09:59
Die gute alte Kassette kann sogar was - ein ordentliches Tapedeck mit guter Rauschunterdrückung, vielleicht sogar Dolby S und ordentlichem Bandmaterial, dazu gut eingemessen, vorausgesetzt.
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Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Trollversteher 11.03.21 - 11:04
>Die gute alte Kassette kann sogar was - ein ordentliches Tapedeck mit guter Rauschunterdrückung, vielleicht sogar Dolby S und ordentlichem Bandmaterial, dazu gut eingemessen, vorausgesetzt.
Ja, aber auch dann liegt sie in Sachen "Auflösung" (also Bandbreite/Frequenzgang, SNR/Dynamik, Gleichlaufschwankungen etc) deutlich hinter allen andern Audio-Medien... -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Landvogt 11.03.21 - 12:51
Kassette 19-19.000 Hz (Reineisenband), SNR z. B. beim Onkyo TA-2630 59 dB ohne NR, 79 dB mit Dolby C. Das ist absolut auf Vinylniveau, teils sogar besser. Ebenso wie der Dynamikumfang im Bereich 60...70 dB. Nicht zu vergessen ist die zur Schallplattenmitte abnehmende Qualität. Was die Kanaltrennung betrifft, sehe ich die Schallplatte ebenfalls hinter der Kassette. Bei der Schallplatte sind nach meiner Recherche um die 30dB realistisch, bei der Kassette 40...50 dB. Nicht missverstehen: Ich habe über 400 Schallplatten, aber ich weiß auch, dass diese Sammlung nicht rational zu begründen ist.
Nicht zu Vergessen der Klirrfaktor, der bei Schallplatten erheblich höher ist.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.03.21 12:57 durch Landvogt. -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: wurstdings 11.03.21 - 13:52
Und Rumble durch wellige Platten und Knistern durch Staub. Höchste Frequenz im inneren Bereich zwischen 12 kHz und 15 kHz (15 nur bei sehr hochwertigen Platten). Bass nur Mono.
Der einzige was für (alte) Platten spricht, das die oftmals das bessere Mastering enthalten.
Die klassische Kassette (Typ 1 ohne Dolby) ist tatsächlich grauenvoll aber hat trotzdem noch 10 Mal mehr Dynamikumfang als heutige Popmusik. -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Trollversteher 11.03.21 - 14:22
>Kassette 19-19.000 Hz (Reineisenband), SNR z. B. beim Onkyo TA-2630 59 dB ohne NR, 79 dB mit
Dolby C. Das ist absolut auf Vinylniveau, teils sogar besser. Ebenso wie der Dynamikumfang im Bereich 60...70 dB. Nicht zu vergessen ist die zur Schallplattenmitte abnehmende Qualität. Was die Kanaltrennung betrifft, sehe ich die Schallplatte ebenfalls hinter der Kassette. Bei der Schallplatte sind nach meiner Recherche um die 30dB realistisch, bei der Kassette 40...50 dB. Nicht missverstehen: Ich habe über 400 Schallplatten, aber ich weiß auch, dass diese Sammlung nicht rational zu begründen ist. Nicht zu Vergessen der Klirrfaktor, der bei Schallplatten erheblich höher ist.
OK, da muss ich jetzt eingestehen, da war ich wohl nicht umfassend informiert, danke für den Hinweis - die High-End Geräte aus dem Ende der tape Ära sind demnach wohl tatsächlich noch mal ordentlich aufgepeppt worden - denn bei den Einmotorigen und Ein-Köpfigen tape decks der "gehobenen Markenanlagen" aus den 80ern war bei 12 kHz Schluss und die Dynamik lag noch unter der einer Schallpplatte... -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Trollversteher 11.03.21 - 14:25
>Die klassische Kassette (Typ 1 ohne Dolby) ist tatsächlich grauenvoll aber hat trotzdem noch 10 Mal mehr Dynamikumfang als heutige Popmusik.
Was aber nicht am Medium liegt, sondern daran, dass irgendwann mal dieser unseelige "loudness war" begonnen hat, bei dem jede Band gerne lauter als die Konkurrenz klingen wollte, und man daher angefangen hat, alles derart zu Tode zu komprimieren, dass diese Stücke in der Wellenform-Ansicht aussehen wie durchgehende fette schwarze Balken... -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: wurstdings 11.03.21 - 14:34
Trollversteher schrieb:
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> denn bei den Einmotorigen und Ein-Köpfigen tape decks der
> "gehobenen Markenanlagen" aus den 80ern war bei 12 kHz Schluss und die
> Dynamik lag noch unter der einer Schallpplatte...
Die wurden ja wiederum mit der ausentwickelten Schallplatte verglichen. Die Platte hat ja auch mal im Grammophon angefangen ...
Hier mal für interessierte ein sehr guter Artikel zu Schallplattenmastering (in der heutigen Zeit) und den Limitationen: https://www.soundandrecording.de/stories/das-besondere-an-vinyl/ -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Trollversteher 11.03.21 - 14:39
>Die wurden ja wiederum mit der ausentwickelten Schallplatte verglichen. Die Platte hat ja auch mal im Grammophon angefangen ...
Naja, das tape war halt schon tot, als es technisch den Höhepunkt erreichte - die Schallplatte hat noch lange nach dem technischen Höhepunkt weiter gelebt (und erlebt ja seit einigen Jahren auch wieder ein Revival, das sogar deutlich über ein kleines erwähltes Audio-Nerd-Publikum hinaus geht).
>Hier mal für interessierte ein sehr guter Artikel zu Schallplattenmastering (in der heutigen Zeit) und den Limitationen: https://www.soundandrecording.de/stories/das-besondere-an-vinyl/
Ja, kenne ich, ein Vorteil der bis heute besteht ist, dass dieses limitierte Medium ein Mastering von wirklichen Experten ihres Fachs verlangte, und Vinyl Master daher auch sehr viel liebevoller und vor allem mit intakter Dynamik gemastert sind - heutzutage wird ja sogar oft auf den Mastering-Engineer komplett verzichtet, statt dessen jagt der Mixing-Engineer einfach am Ende noch mal ein paar Kompressor und Limiter Plugins drüber, damit es "reichtig Fett 111!!!" klingt... -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: daehanmingug 11.03.21 - 14:46
Leider ja, mir ist die heutige Musik "zu laut" da sie auf alle Frequenzen maximal gepegelt ist, wenn man das mal in einem Sample Programm betrachtet ist die Musik einfach nur ein Pegel nach oben, der hält sich dann über die komplette Länge und fällt dann wieder ab. Variationen wie bei Musik aus den 70/80 frühen 90er zeigen die selten.
Zum Glück ist der Hörgeschmack ja verschieden und die Kids von heute ballern sich ihre Ohren weg. Ist ja klar das sich das auf einer Kassette nicht so toll anhört.
Aber die Kids heute kenne ja nur komprimierte Musik und haben nicht gelernt die Dynamik einer Platte zu hören... -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: wurstdings 11.03.21 - 15:36
Trollversteher schrieb:
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> Ja, kenne ich, ein Vorteil der bis heute besteht ist, dass dieses
> limitierte Medium ein Mastering von wirklichen Experten ihres Fachs
> verlangte, und Vinyl Master daher auch sehr viel liebevoller und vor allem
> mit intakter Dynamik gemastert sind
Ahh, das ist trotzdem sehr selten (weil teuer) da wird im Normalfall das CD-Master mit de-esser mono-bass und entsprechender Lautstärkereduktion draufgepappt. Ich sag nur Metallica. -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: wurstdings 11.03.21 - 15:45
daehanmingug schrieb:
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> Leider ja, mir ist die heutige Musik "zu laut" da sie auf alle Frequenzen
> maximal gepegelt ist, wenn man das mal in einem Sample Programm betrachtet
> ist die Musik einfach nur ein Pegel nach oben, der hält sich dann über die
> komplette Länge und fällt dann wieder ab. Variationen wie bei Musik aus den
> 70/80 frühen 90er zeigen die selten.
Jupp dazu ne kleine Anekdote. Bin am Wochenende auf Youtube über eine "Reaction" (da verdienen junge Leute auf Youtube Geld indem sie sich beim Musikhören filmen) zu Pink Floyds Time gestoßen.
Das Mädel hat am Anfang die Lautstärke hoch gedreht, bis die Uhren geklingelt haben, dann völlig erschrocken wieder runter gedreht um dann wieder hoch zu drehen und so weiter. Das zeigt sehr schön, das die Leute überhaupt keine Dynamik mehr kennen oder erwarten. -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Landvogt 11.03.21 - 17:14
Death Magnetic habe ich nach wenigen Minuten abgeschaltet. Auf einer halbwegs hochwertigen Anlage kaum zu ertragen. Es gibt aber zunehmend vernünftig gemasterte Alben - insbesondere in Genres, die auch bewusst gehört werden und nicht nur über Bluetoothboxen oder das Autoradio satt klingen sollen.
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Alles schon mal da gewesen
Autor: Thereus 11.03.21 - 21:58
Also irgendwie erinnert mich das ganze Thema hier
an eine 35 Jahre alte Diskussion aus einer Hifi-Zeitung.
2 mal bearbeitet, zuletzt am 11.03.21 22:03 durch Thereus. -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Trollversteher 12.03.21 - 08:49
>Leider ja, mir ist die heutige Musik "zu laut" da sie auf alle Frequenzen maximal gepegelt ist, wenn man das mal in einem Sample Programm betrachtet ist die Musik einfach nur ein Pegel nach oben, der hält sich dann über die komplette Länge und fällt dann wieder ab. Variationen wie bei Musik aus den 70/80 frühen 90er zeigen die selten.
Ja, ich nenne das immer "zur fetten Wurst komprimiert", weil es eben in der Waveform Ansicht wie eine durchgängige dicke Wurst aussieht ;-)
>Zum Glück ist der Hörgeschmack ja verschieden und die Kids von heute ballern sich ihre Ohren weg. Ist ja klar das sich das auf einer Kassette nicht so toll anhört. Aber die Kids heute kenne ja nur komprimierte Musik und haben nicht gelernt die Dynamik einer Platte zu hören...
Ja, leider ist mit dem Zeitalter der aufwendigen (und teuren) Medien auch ein wenig der Respekt vor der Musik verloren gegangen - für die Meisten ist Musik ja nur noch ein Hintergrundgeräusch das man über die 5¤ Ohrstöpsel an sich vorbei rauschen lässt. Wenn man früher mit einer neuen LP der Lieblingsband nach Hause kam, war das erste Auflegen ja fast schon eine feierliche Zeremonie, und dann hat man die Platte so lange rauf- und runter gehört, bis man alle Songs auswendig kannte. Wenn man heute bei Spotify & Co mit einem Klick tausende von Alben von tausdenden von Künstlern zur Verfügung hat, geht diese Wertschätzung natürlich verloren.
Mir hat vor gar nicht all zu langer Zeit mal ein junger Student davon vorgeschwärmt, dass er damit begonnen hat, einfach mal das jeweils konmplette Album eines Künstlers im Zusammenhang zu hören, statt nur Playlists anzuklicken, oder sich nur die "Hits" rauszusuchen, war wohl eine völlig neue Erfahrung für ihn ;-) -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Trollversteher 12.03.21 - 08:51
>Jupp dazu ne kleine Anekdote. Bin am Wochenende auf Youtube über eine "Reaction" (da verdienen junge Leute auf Youtube Geld indem sie sich beim Musikhören filmen) zu Pink Floyds Time gestoßen.
>Das Mädel hat am Anfang die Lautstärke hoch gedreht, bis die Uhren geklingelt haben, dann völlig erschrocken wieder runter gedreht um dann wieder hoch zu drehen und so weiter. Das zeigt sehr schön, das die Leute überhaupt keine Dynamik mehr kennen oder erwarten.
Haha, schöne Andekdote, das kann ich mir gerade bei Time mit dem leise tickenden Intro sehr gut vorstellen XD -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: Trollversteher 12.03.21 - 08:58
>Ahh, das ist trotzdem sehr selten (weil teuer) da wird im Normalfall das CD-Master mit de-esser mono-bass und entsprechender Lautstärkereduktion draufgepappt. Ich sag nur Metallica.
Das ist Schade, habe wenig Erfahrung mit aktuellen Vinyl (meine letzte Scheibe war von einer weniger bekannten Progrog Band, die tatsächlich Wert auf ein anständiges MAster gelegt hat).
Aber apropos Metallica: Obwohl ich natürlich die "Hits" alle kenne (auch die älteren), habe ich bisher nie ein Album von denen besessen. Bis ich mir dann vor kurzem das "S&M 2" DVD-BluRay Kombi-Album bestellt habe, weil mir eines der Stücke mit Orchester im Radio so gut gefiel. Musikalisch gefällt mir das Album sehr gut, aber mir war gleich aufgefallen, dass sowohl beim Video als auch bei den DVD Tracks einige Stücke wirklich mies abgemischt waren - oder vermutlich schon beim Konzert schlecht abgenommen, gerade bei den orchestralen Parts versinkt das Ganze häufig zu einem einzigen akkustischen Brei - ist das eine Art negatives Markenzeichen von Metallica? -
Re: Alles schon mal da gewesen
Autor: Trollversteher 12.03.21 - 12:35
>Also irgendwie erinnert mich das ganze Thema hier
>an eine 35 Jahre alte Diskussion aus einer Hifi-Zeitung.
Es geht in diesem Artikel um ein beinahe 60 Jahre altes "Vintage-Medium" - was erwartest Du? XD
1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.03.21 12:35 durch Trollversteher. -
Re: Besser als ihr Ruf
Autor: wurstdings 12.03.21 - 12:58
Bin so ein bisschen Metallica Fan und kann daher sagen, es ist zum Markenzeichen geworden. Je mehr die Band über die Produktionsqualität bestimmt hat umso schlechter war sie.
Das erste Album war halt billig Produziert (Kill Em All), wie das aber bei neuen Bands in verpönten Genres normal ist, dann wurde aber jedes Album darauf besser. Master of Puppets würde ich mal als ihr bestes Werk (Produktion und auch die Musik selber) bezeichnen, dannach ging aber ne Achterbahnfahrt los, da sticht nochmal das Black Album herraus, wo zumindest die Produktionsqualität spitze ist. Den Bandmitgliedern ist das glaube alles wurscht, die wollen nur schnell und laut Musik spielen und dabei viele Drogen nehmen. :) Der positive Einfluss kommt eher von den Studiomitarbeitern. -
Re: Alles schon mal da gewesen
Autor: wurstdings 12.03.21 - 13:04
Thereus schrieb:
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> Also irgendwie erinnert mich das ganze Thema hier
> an eine 35 Jahre alte Diskussion aus einer Hifi-Zeitung.
Seltsam, denn vor 35 Jahren gabs noch garkeinen Loudness War, das fing erst in den 90igern an. Davor war auch die schlechteste Popmusik noch "normal" abgemischt.
Nicht falsch verstehen, schlechte Produktionen gab es davon unabhängig trotzdem.



