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Medizinischer & ethischer Aspekt

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  1. Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: johnsonmonsen 17.06.21 - 22:31

    Hallo zusammen,

    mein Sermon beinhaltet die Forderung, die cliffhangergepeinigten Zuseher zumindest insofern als respektierte Kunden zu behandeln, solange es den unaufgelösten Handlungsverlauf bei spontaner Absetzung betrifft. Inklusive der Betrachtung möglicher dadurch entstehender Schäden. Auch in medizinischer Hinsicht. Vor flackernden Lichtern in Sendungen wird gewarnt, für den Zusammenhang mit epileptischen Anfällen wurde die Zuschauerschaft sensibilisiert. Aber niemand schert sich um die psychischen Auswirkungen von unaufgelösten Spannungsbögen, abgewürgten Handlungssträngen und fehlender verbindlicher Kanonisierung von Geschichten. Auf der einen Seite ist es einfach nur unbefriedigend, im anderen Extrem befeuert es sogar evtl. einen psychotischen Schub oder triggert den Rückkehr in die Sucht. Da könnte man ein "persistierendes Cliffhangersyndrom" draus konstruieren.

    Wäre es denn so fürchterlich schwer, dass bei einer Serie mit unvollendeten Handlungsbögen zumindest ein Schauspieler-Ensemble vor die Kamera tritt und - im Auftrag des Anbieters - das Ende der Geschichte erzählt; meinetwegen auch nur ausgesuchte Drehbücher oder den groben Plot vorliest?! Aus all den unzähligen vorliegenden Story-Konzepten kann meinetwegen der Würfel wählen - aber ein Abschluss der Erzählung tut Not wie die finale Kadenz in der (klassischen) Musik.

    Besser ein durchwachsen konstruiertes Ende im Kanon - über welches sich der Fan (der sich ohnehin immer aufregt) auslassen kann - als überhaupt nichts mehr zu haben ... am Ende noch Zuflucht in der (nicht verbindlichen) Fan-Fiction oder eigenen Interpretation suchen zu müssen?! Jeder spricht von Urheberrecht, was ist mit Urheberpflicht bzw. Verlagsschuld?! Könnte man (TM) in die öffentliche Diskussion überführen.

    Als Anbieter würde ich mich in Grund und Boden schämen, meine Kunden und treuen Konsumenten einfach so abzuspeisen und sitzenzulassen. Außerdem hat es ja in der Tat auch eine ethische Dimension. Unter Vorbehalt eines Vorsatzes (bzw. grober Fahrlässigkeit) würden gewiss einige Juristen gar den Begriff der Folter ins Spiel bringen. Durch dramaturgische Spannung "auf die Folter spannen" hat nicht nur bildhaften Charakter.

    Nun ja, soweit meine Gedanken zum Thema. Stellvertretend für viele Probleme der heutigen Zeit, welche schwer wiegen im Leben der Sterblichen - zumindest mancher -, und das auch nur solange, bis die "finale Kadenz" der Biologie zum letzten Takt geleitet bzw. in den Fokus der Betrachtung gerät; dabei überwiegend wohl als etwas weniger gefällig vorhersagbar als der authentische Ganzschluss im musikalischen Sinne ;-D!

    Viele Grüße :-)!

    PS: Kommentarschlagwörter waren -
    1. Persistierendes Cliffhangersyndrom
    2. Urheberpflicht/Verlagsschuld
    3. Ethische Dimension der Folter bei nachweisbarem Vorsatz/Fahrlässigkeit

  2. Re: Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: quirmel 17.06.21 - 23:11

    ja ich glaube an persistierentem Cliffhangersyndrom leide ich auch ><

    Vielleicht wär es doch mal ne Idee, für Regisseure, darüber nachzudenken, wenigstens ihre Ideen in einem Buch zu Ende zu bringen. Wäre wahrscheinlich deutlich weniger aufwendig, würde sich immernoch gut verkaufen und einiges an Kosten im Gesundheitssystem sparen. ;)

  3. Re: Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: McWiesel 17.06.21 - 23:41

    Die Schauspieler verlieren ja durchaus dann mal in Interviews ein paar Worte zum teilweise schon existiert habenden Drehbuch, z.B. bei Sleepy Hollow oder Heroes (da war das Ende auch so richtig hart). Für die ist das meist noch der größere Schock, da sie sich ja über die Jahre absolut mit ihrem Charakter identifiziert haben und plötzlich vor dem Nichts stehen.

    Da hört man doch immer wieder, dass der Cast so gerne weitergedreht hätte, aber das Studio spontan den Stecker gezogen hat, oft nicht mal aus Kostengründen. Was ich aber unbegreiflich finde, dass man es fast nie zulässt, dass ein anderes Studio zumindest mit einem Teil der Besetzung die Serie fortführen oder zumindest in Würde beenden darf, quasi halt die Produktionsrechte verkauft.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 17.06.21 23:45 durch McWiesel.

  4. Re: Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: johnsonmonsen 18.06.21 - 01:32

    Hallo quirmel & McWiesel,

    freut mich zu hören, dass meine Perspektive nachvollzogen wird. Vielleicht tut sich in dieser Hinsicht etwas in der Zukunft. So in Richtung "Storyline Responsibility" als Teilmenge der geläufigen "Social Responsibility". Die Sache trägt nämlich durchaus einen realen und bedeutsamen Kern.

    Viele Grüße :-)!

  5. Re: Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: peterbruells 18.06.21 - 11:37

    johnsonmonsen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Aber niemand schert sich um die psychischen Auswirkungen
    > von unaufgelösten Spannungsbögen, abgewürgten Handlungssträngen und
    > fehlender verbindlicher Kanonisierung von Geschichten. Auf der einen Seite
    > ist es einfach nur unbefriedigend, im anderen Extrem befeuert es sogar
    > evtl. einen psychotischen Schub oder triggert den Rückkehr in die Sucht.

    Dann benötigen die Leute eine Therapie oder dürfen sich eben nur abgeschlossenes ansehen.

  6. Re: Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: johnsonmonsen 18.06.21 - 13:36

    Hallo peterbruells,

    >Dann benötigen die Leute eine Therapie oder dürfen sich eben nur abgeschlossenes ansehen.

    Das ist der Punkt. Inwieweit ist das psychische Probem hier ein generelles oder ursächlich klar von anderen abgrenzbar? Vom medizinischen Standpunkt aus bedeutete letzteres, dass eine eigene Klassifikationsnummer zugewiesen wird. Beim Thema Computerspielabhängigkeit, welches kontrovers diskutiert wird, hat bisher zumindest die WHO 2018 eine Kennziffer vergeben, die 6C51, welche in die ICD-11 einfließen würde/wird. Derzeit existiert nach dem ICD-10 allerdings noch keine solche Abhängigkeit als eigenständiges Krankheitsbild. Die US-amerikanische DSM-5 akzeptiert diese Bezeichnung zumindest als Forschungsdiagnose (allgemeiner Link siehe unten).

    Warum ist dies wichtig? Ganz einfach: Weil ab den Kosten für die medizinische Behandlung und zugestandener Kausalität zwangsläufig der juristische Bereich zwecks Verantwortlichkeiten ins Spiel kommt. Spätestens wenn mit dem Krankheitsbild strafrechtlich relevante Handlungen zusammenfallen. In diesem Rahmen sind auch die Altersfreigaben (inkl. Restriktionen für Erwachsene, z.B. Liste B der beschlagnahmten Titel; siehe Link) zu verorten, welche ja allesamt gemeinsam haben, dass die eine mögliche Beeinträchtigung der psychischen Entwicklung & Gesundheit durch die Einwirkung von "vertonten fiktiven Bewegtbildgeschichten" als Grundlage annehmen. Betonung auf fiktiv. Die schon erwähnte Epilepsiewarung ist hier ebenfalls ein populäres Beispiel, das jeder kennt - allerdings ein neurologisches.

    Klar, das von mir als solches bezeichnete "persistierende Cliffhangersyndrom" mag bisher nicht oder nicht merklich öffentlich diskutiert worden sein, aber das schließt eine mögliche Bedeutsamkeit in Zukunft nicht aus. Wer dachte vor einigen Jahren an die Verschärfung der Regeln um Lootboxen und In-Game-Käufe? Ich warf da nur was in den Golem-Raum der Diskussion. Ich sehe darin tatsächlich ein gewisses Problem.

    Viele Grüße :-)!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Computerspielabh%C3%A4ngigkeit
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bundespr%C3%BCfstelle_f%C3%BCr_jugendgef%C3%A4hrdende_Medien#Liste_der_jugendgef%C3%A4hrdenden_Medien_(%E2%80%9EIndex%E2%80%9C)

  7. Re: Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: manudrescher 18.06.21 - 14:01

    Ist das wirklich ein konkretes "Problem" mit dem was du beschrieben hast?

    Das meine ich als absolut ernsthafte Frage.

    Überspitzt ausgedrückt würde eine Absetzung einer Serie mit Cliffhanger das selbe auslösen, wie bei 14-Jährigen damals die Trennung der Backstreet Boys?
    Ein nicht ganz passendes Beispiel, aber ich denke man versteht worauf ich hinauswill.

    Ich frage deshalb, weil mir das so überhaupt nicht bekannt war.
    Ja, man findet es "doof/Schade/ärgerlich wenn eine Serie abgesetzt wird...aber nach 2 Wochen ist die Serie doch schon wieder "vergessen"?

    Solche Auswirkungen sind mir völlig unbekannt.

  8. Re: Medizinischer & ethischer Aspekt

    Autor: johnsonmonsen 18.06.21 - 15:16

    Hallo manudrescher!

    >Ist das wirklich ein konkretes "Problem" mit dem was du beschrieben hast?

    Ja, definitiv. Die Frage ist, in wie vielen Fällen ein massives Problem daraus wird. Für viele Menschen, so wie für mich einst, ist das Fernsehen (Filme & Serien) so ziemlich der einzige Anker im Leben und ein Ort der Zuflucht. Es mag für einen Aussenstehenden surreal erscheinen, aber dies bedeutet, dass gefühlte 90+ Prozent der schönsten Erinnerungen vor dem Fernseher entstanden und direkt mit den Protagonisten (inklusive der Musik und dem Rest) verknüpft sind. Der Rest in Träumen über die Inhalte. Also quasi alles, das ganze wohlempfundene Dasein. Virtuelles Drama. Als Kind konnte ich z.B. teilweise nicht mehr zwischen eigenen Erinnerungen und Inhalten aus dem Fernsehen unterscheiden. Beim offenen Ende der Serie "Heroes" hatte ich - da war ich schon in meiner Jugend - so eine Bindung zum Charakter Sylar (gespielt von Zachary Quinto) aufgebaut, dass es mich sogar selber überraschte. Auch reflektiertes Denken ändert nichts am emotionalen Inhalt. Tränenausbrüche waren relativ üblich, anhaltende Verzweiflung zum Glück selten. Irgendwann war es vorbei; möglicherweise weil die reale Welt dann doch mehr Raum bekam. Die "Magie" war einfach weg. Aber eines war klar: offene Enden waren in der vorherigen Zeit Gift und regen mich zumindest heute noch ein wenig auf.

    Und ich hatte im Bekannenkreis schon öfter Leute vor mir, bei denen nicht mehr viel zum Kontrollverlust gefehlt hat, als der Plot auch nur in die "falsche" Richtung begann zu driften. Klar, da war auch bereits diagnostiziertes Pathologisches dabei, aber das schließt keine abgrenzbare Wirkbeziehung aus.

    In jedem Fall weiß ich, dass für manch einen Mitmenschen regelrecht sein komplettes Leben (zeitweise) am Handlungsfaden hängen kann. Für manche ist es das Mitfiebern beim Sport, für den anderen Fiktion im Bild, ein anderer liest, der nächste stürzt sich in die Leidenschaft des Sammelns, der übernächste verliert sich in Videospielen etc. Filme/Serien & Sammeln kann ich nachvollziehen, den Rest nicht. Aber alleine deshalb bin ich in dieser Hinsicht sensibilisiert. Menschen greifen nach allem, was in unserer brutalen und grotesken Welt ein wenig nach Sicherheit und Geborgenheit aussieht.

    Viele Grüße :-)!

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