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  5. › Streit um App-Store-Provision: Apple…

Viel Suppe, wenig Fleisch

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  1. Viel Suppe, wenig Fleisch

    Autor: /mecki78 23.06.20 - 10:53

    A. Die Grundidee

    Apple baut mobile Geräte, die Menschen im Alltag das Leben erleichtern und sie unterhalten sollen. Diese Plattform existiert primär dafür, damit Apple sie mit Software versorgen kann. Die Nutzer dieser Plattform sind Apples direkte Kunden und Apple versorgt diese Kunden über ihre Plattform mit Anwendungen und Dienstleistungen, ihren Anwendungen und Dienstleistungen. Das war die Grundidee.


    B. Die Öffnung

    Nun bietet Apple freiwillig darüber hinaus Drittanbieter an, ihre Kunden über ihre Platform auch mit Anwendungen versorgen zu dürfen. Hierfür entwickeln Drittanbieter Software, geben diese Apple und Apple bietet diese Software dann ihren Kunden als optionale Anwendungen an. Dabei ist dieses Angebot an zwei Bedingungen geknüpft:

    1) Apple hat eine Vorstellung davon, wie ihre Plattform aussehen soll. Sie soll sauber und sicher sein, frei von Hass und Diskriminierung, die Privatsphäre der Nutzer achten und bestimmte Standards hoch halten. Um das zu gewähren, müssen auch die Apps von Drittanbietern eben bestimmte Regeln einhalten, denn ohne so etwas würde die Idee der Platform relativ schnell den Bach runter gehen. Google hat lange vieles davon lockerer gesehen und jeder kann ja sehen, was das für Konsequenzen hat (Malware, Scareware, jede Menge nutzlose Apps und kaputte Apps, viel App-Zocke, usw.)

    2) Solange der Anbieter nichts mit der App verdient, verlangt Apple auch nichts, aber wenn er damit Geld verdient, dann sagt Apple, ist es nur fair, wenn Apple eine Teil davon bekommt, denn immerhin würde der Anbieter ohne Apples Plattform sowie deren freiwillig Öffnung gar nichts verdienen können. Jeglichen Verdienst an Apples Kunden hier verdankt er Apple bzw. der Plattform, die Apple geschaffen hat und deren Kunden, die diese Plattform nutzen. Hierbei geht es aber nur um Einnahmen, die in direkte Verbindung zur App oder deren Nutzung stehen.


    C. Auszüge aus dem Regelwerk

    1) Kostet die App selber Geld, verdient Apple mit am Verkauf (30%)

    2) Bietet die App nach Erwerb an, weitere Zusatzleistungen oder digitale Güter für diese App kostenpflichtig zu erwerben, muss der Kauf über Apple erfolgen und Apple Verdient mit am Verkauf (30%)

    3) Bietet die App dem Nutzer an eine dauerhafte Dienstleistung als Abo zu erwerben und diese Dienstleistung steht in direkt Verbindung zur Nutzung der App, muss dieses Abo über Apple abgeschlossen werden und Apple verdient am Abo (30% im ersten Jahr, 10% danach).

    4) Bietet die App Zugang zu einer Dienstleistung, die man abonnieren muss und die aber nicht in direkter Verbindung zur App steht, da man diese Dienstleistung z.B. auch über die Webseite nutzen kann und der Nutzer ggf. schon so ein Abo hat, bevor er überhaupt die App lädt, dann muss dieses Abo nicht zwangsweise über Apple abgeschlossen werden, es darf dann z.B. auch über die Webseite abgeschlossen werden, aber es muss dennoch möglich sein, dass Abo über Apple abzuschließen. Der Nutzer muss hier die Wahl haben, er darf nicht dazu genötigt werden, über die Webseite abschließen zu müssen.

    5) Ausgenommen von Regel (4) sind Reader Apps, das sind Apps, die keinerlei Funktion bieten, außer erworbene Inhalte abzurufen oder darzustellen. Diese Apps dürfen auch voraussetzen, dass der Nutzer bereits ein Abo abgeschlossen oder Inhalte erworben hat, sofern diese Inhalte auch ohne die App abrufbar wären und der Nutzer somit nicht auf die Nutzung der App angewiesen ist. Hier dient die App rein dazu dem Nutzer Zugang zu seinen Inhalten zu gewähren und warum sollte Apple daran etwas verdienen sollen? Zeitung-Apps z.B. dürfen dem Nutzer sogar anbieten ein Abo zu erwerben, direkt in der App, ohne dabei über Apple zu gehen, denn das Abo hat nichts direkt mit der App, mit Apple oder deren Plattform zu tun, es ist ein Zeitungsabo, das man nur über Apples Plattform nutzen möchte.

    6) Erwirbt der Nutzer über die App physische Güter oder virtuelle Güter, die aber keine direkten Bezug zur App haben (z.B. Eintrittskarten, Online Gutscheine), bzw. dient die App rein der Bezahlung von Gütern/Dienstleistungen oder dem Geldtransfer (Aufladen von Guthaben, Überweisungen), dann müssen die Bezahlungen nicht über Apple abgewickelt werden und so eine Funktion muss dann auch nicht optional angeboten werden. Denn hier erwirbt der Nutzer nichts direkt für seine App, er erwirbt nur etwas über diese App oder verwaltet etwas, das er bereits besitzt, also auch hier, warum sollte Apple daran etwas verdienen? Apple hat ja mit der Transaktion nichts zu tun und das Ergebnis der Transaktion nichts mit der App. Hierzu zählen auch Online Banking Apps.

    7) Eine App muss direkt nach dem Download eine sinnvolle Funktion bieten, außer eine sinnvolle Funktion ist an den Erwerb einer Dienstleistung geknüpft, dann aber muss die App es ermöglichen, die Dienstleistung direkt nach dem Laden in der der App selber zu erwerben. Ausgenommen davon sind Reader Apps (5) oder Apps die ein Nutzerkonto verlangen für einen Dienstleistung nach Punkt (6).


    D. Der Fall "Hey"

    Bei Hey handelt es sich nicht um eine Reader App. Ausnahme (5) greift hier nicht. Auch dient Hey nicht nur dazu etwas zu erwerben oder Finanztransaktionen durchzuführen, Ausnahme (6) greift hier genauso wenig. D.h. aber Hey muss entweder eine sinnvolle Funktion direkt nach dem Download anbieten oder es muss möglich sein direkt aus der App heraus ein Abo abzuschließen, um die App zumindest zeitweise sinnvoll nutzen zu können (7). Und da auch die Ausnahme (6) hier nicht zu trifft, muss dieser Erwerb über Apple möglich sein, siehe (4). Apple hat hier kein Problem, wenn Hey ihr Abo sowohl in der App als auch auf ihrer Webseite anbietet. Apple hat auch kein Problem damit wenn Hey unterschiedliche Preise verlangt und bei Abschluss über Apple deren Provision auf den Endkunden umlegt. Apple hat auch kein Problem damit, wenn man das Hey Abo nur über die Webseite abschließen kann, sofern die App auch ohne so ein App eine sinnvolle Funktion hat (siehe GMail App, die sich auch mit anderen Mail Anbietern als Google nutzen lässt). Aber keine Funktion ohne Abo und Abo nicht über App abschließbar ist ein ganz klarer Regelverstoß.

    /Mecki

  2. Re: Viel Suppe, wenig Fleisch

    Autor: qwertzuiop.98 23.06.20 - 17:50

    Interessante und neutrale Analyse

  3. Re: Viel Suppe, wenig Fleisch

    Autor: Zinthos 24.06.20 - 13:24

    Jop.

    Und da Apple durch die Öffnung eine gewisse Marktmacht besitzt und somit im öffentlichen Interesse steht, wird nun ein Gericht über die Rechtmäßigkeit dieser Regeln entscheiden.

    Grundidee hin oder her, sie sind auf unserem Markt aktiv, also haben sie auch unsere Regeln zu beachten.

    Falls die Gesetzgebung Apple bisher zu viele Freiheiten gegeben hat und Apple diese missbraucht, dann werden sie jetzt angepasst.

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