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Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: dummzeuch 04.11.21 - 13:58
Man liest immer wieder, man könne mit der Sonnenenergie aus der Sahara die Energieprobleme der Menschheit lösen (alternativ will man sie mit Bäumen bepflanzen). Leider wird dabei immer wieder vergessen, wie groß der logistische Aufwand dafür wäre:
* Man muss dort erstmal die entsprechenden Anlagen aufbauen, dazu wird jede Menge Material benötigt, das dorthin transportiert werden muss (es gibt quasi keine dafür geeigneten Straßen).
* Man muss die entsprechenden Rohstoffe (z.B. Wasser, für dessen Vorkommen die Sahara ja eher nicht bekannt ist) in genügenden Mengen dorthin bringen
* Man muss die Produkte weltweit verteilen (Stromleitungen oder Pipelines + Tanker).
* Und nicht zu vergessen: Es muss auch vor Ort entsprechend Leute geben, die die Anlagen erstmal bauen und sich dann um die Instandhaltung kümmern. Für die gibt es "in der Sahara" auch nicht mal eben lebenswerte Unterkünfte in genügender Menge, von ihrer Versorgung ganz zu schweigen.
Jede Studie, die sich bisher mit dem Thema "Sonnenenergie in der Sahara für X nutzen" beschäftigt hat, kommt zu dem Schluss, dass es nicht wirtschaftlich ist. Selbst die drei großen Anlagen im Solarkraftwerk Noor, Marokko, machen keinen Gewinn.
DESERTEC ist im Prinzip auch längst pleite.
2 mal bearbeitet, zuletzt am 04.11.21 14:00 durch dummzeuch. -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: AllDayPiano 04.11.21 - 15:10
Es gibt noch viel mehr Probleme. Die Sahara ist riesig und teilt sich auf diverse Staaten. Es ist politisch kaum möglich, alle diese teils verfeindeten (Schurken-)Staaten an einen Tisch zu bekommen. Die Versorgung wäre so ungewiss, wie die Sicherheit in Afghanistan.
Alleine dies ist schon das K.O.
Veränderungen im Mikroklima der Sahara durch die Veränderungen der Oberfläche sind ebenso ein großes Problem. Und abschließend - und das ist mit das größte Problem - ist in der Sahara überall Sand. Die einzige Möglichkeit, diesen von den Modulen zu bekommen (oder Spiegeln) ist abpusten oder abwaschen. Letzteres braucht ca. 5 Liter Wasser pro kWh (irgendwo findet sich diese Zahl).
Wenn wir jetzt also auf einer Fläche in der Größe von Texas Rohrleitungen verlegen, um dort gereinigtes Wasser einzuspeisen, stellt das einen extrem hohen wirtschaftlichen Aufwand dar.
Dazu kommt, dass in der Sahara im Winter auch gerne mal Minusgrade gibt. Es muss also zusätzlich alles auch noch frostfest sein.
Wenn ich höre, dass unsere Handy-Ursi letztes Jahr tatsächlich 74 km weit mit dem Privatjet geflogen ist, stellt sich mir ernsthaft die Frage, ob man nicht viel eher hier ansetzen sollte, als dieses Verhalten auch noch weiter zu fördern. -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Plumpaquatsch 04.11.21 - 16:37
dummzeuch schrieb:
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Ich habe deinen Text mal etwas umgeschrieben, um deine Argumentation etwas zu hinterfragen.
Man liest immer wieder, man könne mit Elektrifizierten Fahrzeugen die Mobilitätsprobleme der Menschheit lösen (alternativ will man nichts anderes zulassen). Leider wird immer wieder vergessen, wie groß der Aufwand dafür wäre:
* Man muss erstmal die entsprechenden Fabriken dafür bauen, sowohl für die Fahrzeuge, als auch für die Akkus und die Stromerzeugung. Dazu wird jede Menge Material benötigt, das transportiert werden muss (es gibt quasi nicht genug Seltene Erden dafür).
* Man muss die Elektrische Energie erzeugen, um die Ladeinfrastruktur (z.B. für Laternenparker, deren Anteil in Städten ja besonders hoch ist) in ausreichender Menge zu schaffen
* Man muss die Elektrizität von den Produktionsstätten Landesweit verteilen (Stromleitungen).
* Und nicht zu vergessen: Es muss auch vor Ort entsprechend Leute geben,
die die Anlagen erstmal bauen und sich dann um die Instandhaltung kümmern.
Diese existieren nicht in ausreichender Anzahl.
Und trotzdem tut man es. Und es behaupten Leute energisch (ich vermute auch du) dass dies alles kein Problem ist. Das wird es aber vermutlich werden (nicht nur wegen der Rohstoffe, der Stromerzeugung und Verteilung), vor allem wenn man dann feststellt, dass all die Sprüche des Akku Recyclings genausoviel wert sind, wie die der Atommüll Endlager.
Und warum fixierst du dich auf die Sahara (die Krisen in diesen Ländern wurden vor allem von einer Supermacht geschaffen, um sich Vorteile zu verschaffen). Wie sieht es mit Spanien, Portugal, dem Südlichen Frankreich und dem südlichen Italien aus? -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: dummzeuch 04.11.21 - 17:14
Plumpaquatsch schrieb:
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> Und warum fixierst du dich auf die Sahara
Deshalb:
> Laut den Forschenden könnte man den Treibstoff mit "einem Bruchteil der Fläche der Sahara"
> herstellen, um damit die "gesamte kommerzielle Flugzeugindustrie" zu versorgen.
Den Rest brauche ich nicht kommentieren, jeder, der nur eine grobe Vorstellung von der Größe der Sahara und den Bedingungen dort hat, sollte sehen, dass das absolut nicht vergleichbar ist.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 04.11.21 17:16 durch dummzeuch. -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Plumpaquatsch 04.11.21 - 18:05
dummzeuch schrieb:
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> Plumpaquatsch schrieb:
> ---------------------------------------------------------------------------
> -----
> > Und warum fixierst du dich auf die Sahara
>
> Deshalb:
> > Laut den Forschenden könnte man den Treibstoff mit "einem Bruchteil der
> Fläche der Sahara"
> > herstellen, um damit die "gesamte kommerzielle Flugzeugindustrie" zu
> versorgen.
Und wenn die Forscher gesagt hätten, dass die Fläche von 2500 Fussballfeldern ausreicht, dann hättest du gemeckert, dass die Allianz Arena nie und nimmer passen würde?
>
> Den Rest brauche ich nicht kommentieren,
Yep, immer schön Framing betreiben, denn die von mir angesprochenen Probleme sind selbstverständlich nichts im Vergleich zum festhalten an einem Flecken Erde, wo eben viel Sonnenstrahlung (unter anderem) vorhanden ist.
> jeder, der nur eine grobe
> Vorstellung von der Größe der Sahara und den Bedingungen dort hat, sollte
> sehen, dass das absolut nicht vergleichbar ist.
In deiner einfachen Welt würde ich gerne leben ... -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Ach 04.11.21 - 18:40
dummzeuch schrieb:
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> Man liest immer wieder, man könne mit der Sonnenenergie aus der Sahara die
> Energieprobleme der Menschheit lösen (alternativ will man sie mit Bäumen
> bepflanzen). Leider wird dabei immer wieder vergessen, wie groß der
> logistische Aufwand dafür wäre:
> * Man muss dort erstmal die entsprechenden Anlagen aufbauen, dazu wird jede
> Menge Material benötigt, das dorthin transportiert werden muss (es gibt
> quasi keine dafür geeigneten Straßen).
> * Man muss die entsprechenden Rohstoffe (z.B. Wasser, für dessen Vorkommen
> die Sahara ja eher nicht bekannt ist) in genügenden Mengen dorthin bringen
> * Man muss die Produkte weltweit verteilen (Stromleitungen oder Pipelines +
> Tanker).
> * Und nicht zu vergessen: Es muss auch vor Ort entsprechend Leute geben,
> die die Anlagen erstmal bauen und sich dann um die Instandhaltung kümmern.
> Für die gibt es "in der Sahara" auch nicht mal eben lebenswerte Unterkünfte
> in genügender Menge, von ihrer Versorgung ganz zu schweigen.
>
> Jede Studie, die sich bisher mit dem Thema "Sonnenenergie in der Sahara für
> X nutzen" beschäftigt hat, kommt zu dem Schluss, dass es nicht
> wirtschaftlich ist. Selbst die drei großen Anlagen im Solarkraftwerk Noor,
> Marokko, machen keinen Gewinn.
>
> DESERTEC ist im Prinzip auch längst pleite.
1. Zum Öl-Bohren muss man eben soviel Material durch die Gegend schleppen,
2. Das Wasser gewinnt man aus der Prozessluft Luft. Im Bericht überlesen?
3. In Desertec wollte man die Energie über eine Stromtrasse nach Mitteleuropa transportieren. Dagegen repräsentiert der klassische Treibstofftransport via Piplines und Schiff den seit Jahrzehnten gültigen Standard.
Ganz allgemein umgeht man mit dieser Methode die technisch aufwendige, teure und stromhungrige Elektrolyse. Pure Sonnenenergie, je heißer desto besser. Das ist alles andere als eine schlechte Idee. -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: bernstein 05.11.21 - 05:08
Wie immer wird eine gute idee am politischen unwillen scheitern. Man hätte es in der hand (gehabt) und (hätte/)könnte den sich demokratisierenden tunesiern echte wirtschaftliche perspektieven bieten (können).
Aber am ende kaufen wir dann doch lieber gas bei den russen und öl bei den saudis... -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Volker Grabbe 05.11.21 - 14:27
Plumpaquatsch
keines deiner umgeschriebenen Argumente ist eines. Denn der Bau von Fabriken in Industrieländern wie Deutschland oder der EU ist was ganz anderes als der Bau tausende von Kilometern von lebenden Menschen entfernt. Die Zeit und das Material was dafür benötigt wird, liegt millionenmal höher als die nur zu erweiternde Infrastruktur in den Industrienationen.
Zu den anderen Beispielen für E-Mobilität: Such hier bei Golem nach Natrium Ionen Akku und dein erstes "Argument" zerplatzt wie eine Seifenblase. Dein zweites "Argument", PV auf dem Dach, Auto am WE voll laden und die ganze Woche zur Arbeit, Was wird da an zusätzlicher Infrastruktur benötigt? Den Rest schenke ich mir, mit nur einem Hinweis: Duesenfeld, wegen des angeblich nicht möglichen Recyclings.....
Wo du Recht hast, sind Länder wie Spanien, die aber auch schon sehr viel in Solartechnik investieren. Nur die Eigenheimbesitzer noch nicht so viel. Auch das wird sich ändern bzw. tut es bereits. -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Anma 05.11.21 - 17:57
Es müssen ja nicht gleich 100% des Luftverkehrs mit Treibstoffen aus der Sahara versorgt werden. Nur etwa 20% sind tatsächlich eine Sandwüste, in der Sandstaub auf den Spiegeln vermutlich ein Problem wäre. Wenn der Anfang gemacht wird in einer halbwegs in der Nähe erschlossener Gebiete liegenden und politisch stabilen Gegend wäre das ja auch schon toll. Selbst wenn dann nur 3 % des Kerosinbedarfs erzeugt werden könnten. Es gibt halt leider häufig die Erwartungshaltung, dass Alternativen zu fossilen Energien grundsätzlich diese sofort komplett ersetzen sollen oder nichts taugen. Das sehe ich nicht so.
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Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Plumpaquatsch 05.11.21 - 22:32
Volker Grabbe schrieb:
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> Plumpaquatsch
>
> keines deiner umgeschriebenen Argumente ist eines.
Seltene Erden (wie z.B. Lithium) sind also kein Problem? Kupfer gibt es in rauhen Mengen für die Hochstromtrassen und unser Elektrisches Netz, in dem man oftmals nicht einmal mehrere < 10KW Erhitzer pro Haus genehmigt bekommt kann ohne Probleme fit gemacht werden für die eAutos? Und bitte komme mir jetzt nicht mit "aber die brauchen doch so gut wie keinen Strom" ...
> Denn der Bau von
> Fabriken in Industrieländern wie Deutschland oder der EU ist was ganz
> anderes als der Bau tausende von Kilometern von lebenden Menschen entfernt.
Ja? Und in der Sahara ist jeder Punkt tausende Kilometer von jeglicher Zivilsation entfernt? Es gibt keine Randgebiete? Und in Deutschland ist das alles viel Einfacher? So wie z.B. Hochstromtrassen zu bauen, die für den Ökostrom benötigt werden?
> Die Zeit und das Material was dafür benötigt wird, liegt millionenmal höher
> als die nur zu erweiternde Infrastruktur in den Industrienationen.
Und hier machst du dich wirklich unglaubwürdig.
>
> Zu den anderen Beispielen für E-Mobilität: Such hier bei Golem nach Natrium
> Ionen Akku und dein erstes "Argument" zerplatzt wie eine Seifenblase.
Du meinst die Akkus, welcher keiner finanziert und welche es deshalb nicht zu kaufen gibt (zumindest nicht in nennenswerten Mengen)?
> Dein
> zweites "Argument", PV auf dem Dach, Auto am WE voll laden und die ganze
> Woche zur Arbeit, Was wird da an zusätzlicher Infrastruktur benötigt?
Habe vergessen, das alle Menschen in D in Einfamillienhäusern leben und sich die ganze Infrastruktur mal so leisten können. Habe ich wirklich übersehen, bitte entschuldige.
> Den
> Rest schenke ich mir, mit nur einem Hinweis: Duesenfeld, wegen des
> angeblich nicht möglichen Recyclings.....
Wo genau habe ich behauptet, dass es nicht grundsätzlich möglich ist? Es ist nur unrentabel und wenn es mehr als Genug an Akkus gibt, werden die nicht damit fertig (Und ob es bis dahin rentabel ist, steht ebenfalls in den Sternen) - aber wir können ja noch einen Subventionstopf ohne Boden aufmachen, damit sich ein paar Investoren und Gutverdienende das Öffentlich Geld abgreifen.
Wir haben bei uns inzwischen mehr Mülleimer als Hausbewohner zur Trennung, da es die Abfallverwertung nicht geschissen bekommt, innerhalb von > 30 Jahren eine nennenswerte Quote beim normalen Müll / Glas / Papier Recycling hinzubekommen. Aber bei Akkus mit den Zig Typen und Gefahren, da wird das bestimmt besser!
>
> Wo du Recht hast, sind Länder wie Spanien, die aber auch schon sehr viel in
> Solartechnik investieren. Nur die Eigenheimbesitzer noch nicht so viel.
> Auch das wird sich ändern bzw. tut es bereits.
Und warum genau sollte man da keine Solche Anlage im Industriellen Maßstab aufziehen können? Weil Sie "in Solartechnik investieren"? Entweder, oder? Und du denkst, die Eigenheimbesitzer haben dann auf einmal genug Geld, um sich das leisten zu können?
Ich denke du irrst dich, und jeder Liter Kerosin, welcher nicht mehr aus Öl gewonnen werden muss ist ein Gewinn, denn Fliegen werden die Leute (und Waren) trotzdem müssen. Oder bist du der Meinung, das sollte man doch einfach ersatzlos streichen? -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Lehmmanbnhb 06.11.21 - 09:05
Plumpaquatsch schrieb:
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> Seltene Erden (wie z.B. Lithium) sind also kein Problem?
Lithium ist keine "Seltene Erde"!
Seltene Erden können im Kontext der Elektromobilität in den Magneten permanenterregter Motoren eingesetzt werden, aber das ist nicht zwingend notwendig. Man kann sie mit geringen Auswirkungen auf den Wirkungsgrad durch Erregerwicklungen ersetzen.
>Kupfer gibt es in
> rauhen Mengen für die Hochstromtrassen und unser Elektrisches Netz,
Im Übertragungsnetz wird statt Kupfer Aluminium eingesetzt, da das insbesondere für Freileitungen einen geringeren Widerstand bezogen auf das Kabelgewicht aufweist, zugfester und wesentlich günstiger ist. Auch neuere Ortsnetze sind in Aluminium ausgeführt, zumindest unseres.
> in dem
> man oftmals nicht einmal mehrere < 10KW Erhitzer pro Haus genehmigt bekommt
> kann ohne Probleme fit gemacht werden für die eAutos? Und bitte komme mir
> jetzt nicht mit "aber die brauchen doch so gut wie keinen Strom" ...
Nein, die brauchen schon Strom, aber nicht während Du Kaffee kochst!
Eine Abschätzung zur Größenordnung:
Das deutsche Verbundnetz ist für eine Spitzenlast von etwa 100GW ausgelegt.
In jedem der ca. 40 Millionen deutschen Haushalte dürfte es im Schnitt mindestens einen Fön und eine Kaffeemaschine mit je 1,6kW Anschlußwert geben. Werden die gleichzeitig am 11. 11. um 11:11Uhr eingeschaltet, ergibt sich ein Lastsprung von 128GW, und das Stromnetz bricht sofort zusammen.
Das gleiche gilt für das lokale Stromnetz von Düsseldorf, wenn sich alle dortigen Jecken dazu verabreden.
Die separaten Zähler für vergünstigten Strom für Wallboxen dagegen lassen sich schon heute über ein "Rundsteuersignal" vom Strombetreiber bei Netzengpässen abschalten, diese Fähigkeit ist wohl aktuell sogar Voraussetzung für die staatliche Förderung.
Daher lassen sich Elektroautos mit vergleichsweise minimalem Aufwand für Steuertechnik bequem über die die meiste Zeit ungenutzte Kapazität in den bestehenden Stromnetzen laden, ohne überall neue Leitungskapazität zu schaffen. Man kann dann allerdings nicht morgens vor dem Duschen noch schnell den leeren Stromer in der Garage an einen DC-Lader anschließen, um damit anschließend 100km zur Arbeit zu fahren.
Wenn es einem die Flexibilität wert ist, muß man derzeit etwa 100¤ pro kW bereitgestellter Leistungskapazität an den Netzbetreiber zahlen. Für deine "mehrere >10kW Erhitzer" wären das dann vielleicht 5.000¤. Wenn Du damit winkst, guckt sich dein Energieversorger deinen Antrag gern noch mal an und rechnet genauer nach, ob euer Ortsnetz das doch noch verkraftet, oder es sich zum Beispiel lohnt, bei nächster Gelegenheit den Trafo zu vergrößeren.
Selbst wenn alle 48 Millionen PKW in Deutschland durch Elektroautos ersetzt wären, würde bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000km und 20kWh/100km Verbrauch nur eine Energie von 144TWh jährlich benötigt, das sind etwa 29% des gesamten Strombedarfs in 2020. -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: smonkey 06.11.21 - 11:23
+1
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Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Plumpaquatsch 06.11.21 - 13:42
Lehmmanbnhb schrieb:
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> Plumpaquatsch schrieb:
> ---------------------------------------------------------------------------
> -----
> > Seltene Erden (wie z.B. Lithium) sind also kein Problem?
>
> Lithium ist keine "Seltene Erde"!
Sorry, da hatte ich wohl etwas vermischt. Nichts desto trotz reicht die Lithium Förderung nicht mal annähernd aus, um den Bedarf zu decken (zumindest wenn man Journalisten und einschlägigen Pulikationen trauen darf).
>
> Seltene Erden können im Kontext der Elektromobilität in den Magneten
> permanenterregter Motoren eingesetzt werden, aber das ist nicht zwingend
> notwendig.
Aber machen diese Leistungsfähiger und leichter.
> Man kann sie mit geringen Auswirkungen auf den Wirkungsgrad
> durch Erregerwicklungen ersetzen.
Was wieder Kupfer kostet und Gewicht mit sich bringt.
>
> >Kupfer gibt es in
> > rauhen Mengen für die Hochstromtrassen und unser Elektrisches Netz,
Deshalb sind also die Kupferpreise am steigen? Wegen dem Überangebot ("in rauhen Mengen wird dies suggeriert). Und Kupfer wird nicht nur für das Netz gebraucht ...
>
> Im Übertragungsnetz wird statt Kupfer Aluminium eingesetzt, da das
> insbesondere für Freileitungen einen geringeren Widerstand bezogen auf das
> Kabelgewicht aufweist, zugfester und wesentlich günstiger ist. Auch neuere
> Ortsnetze sind in Aluminium ausgeführt, zumindest unseres.
Und Aluminium ist wirklich so viel Verfügbar (vor allem - was ist denn die CO2 Bilanz von Aluminium. Nicht das Kupfer extrem besser sein sollte, aber Aluminium wird mit sehr viel Energieeinsatz gewonnen.)
>
>
> > in dem
> > man oftmals nicht einmal mehrere < 10KW Erhitzer pro Haus genehmigt
> bekommt
> > kann ohne Probleme fit gemacht werden für die eAutos? Und bitte komme
> mir
> > jetzt nicht mit "aber die brauchen doch so gut wie keinen Strom" ...
>
> Nein, die brauchen schon Strom, aber nicht während Du Kaffee kochst!
Was weist du, wann ich Kaffee koche ;).
>
> Eine Abschätzung zur Größenordnung:
>
> Das deutsche Verbundnetz ist für eine Spitzenlast von etwa 100GW
> ausgelegt.
Vom Großen ganzen auf das kleine Schließen, gut Weg zur Verschleiderung!
>
> In jedem der ca. 40 Millionen deutschen Haushalte dürfte es im Schnitt
> mindestens einen Fön und eine Kaffeemaschine mit je 1,6kW Anschlußwert
> geben. Werden die gleichzeitig am 11. 11. um 11:11Uhr eingeschaltet, ergibt
> sich ein Lastsprung von 128GW, und das Stromnetz bricht sofort zusammen.
Auch wenn du recht hast, ist es eben doch eine Milchmädchen rechnung.
>
> Das gleiche gilt für das lokale Stromnetz von Düsseldorf, wenn sich alle
> dortigen Jecken dazu verabreden.
Und für alle Banken, wenn alle Leute gleichzeitig das Geld abheben. Hat aber eben keine Aussagekraft. Nur weil etwas auch jetzt schon Potentiell zusammenbrechen kann, wird es besser, wenn es noch mehr belastet wird? Willst du mir das damit sagen?
>
> Die separaten Zähler für vergünstigten Strom für Wallboxen dagegen lassen
> sich schon heute über ein "Rundsteuersignal" vom Strombetreiber bei
> Netzengpässen abschalten, diese Fähigkeit ist wohl aktuell sogar
> Voraussetzung für die staatliche Förderung.
Soweit, so gut. Nur werden immer noch Leute Ihre Fahrzeuge über die Steckdose laden - vor allem um diese Einschränkung zu umgehen. Was ist mit den Öffentlichen Ladeplätzen? Soll man dort abgewiesen werden? Kommen Sie doch einfach in X Stunden wieder, dann gibt es wieder Strom.
>
> Daher lassen sich Elektroautos mit vergleichsweise minimalem Aufwand für
> Steuertechnik bequem über die die meiste Zeit ungenutzte Kapazität in den
> bestehenden Stromnetzen laden, ohne überall neue Leitungskapazität zu
> schaffen.
Sicher, der Versorger freut sich über die Zusatzeinnahmen (Monatsmiete, Abrechnung etc.) und das funktioniert sicher, wenn man die Zeit hat, das Auto über Nacht oder mehrere Tage zu laden.
Und die Überschüssigen Kapazitäten gehen mittlerweile Zurück (Sieht man an der "Strombörse"). Damit ist es dann eben nichts mehr mit "ungenutzte Kapazitäten".
> Man kann dann allerdings nicht morgens vor dem Duschen noch
> schnell den leeren Stromer in der Garage an einen DC-Lader anschließen, um
> damit anschließend 100km zur Arbeit zu fahren.
Und genau das wird für viele Leute ein Problem werden. Wenn man Besuche bei Freunden / Verwandten langfristig planen muss, damit man am nächsten Tag noch sicher zur Arbeit kommt.
Auch gibt es genügend Fahrzeuge, welche in Bereitschaft sein müssen, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit (und damit meine ich nicht nur Polizei, Feuerwehr etc.).
>
> Wenn es einem die Flexibilität wert ist, muß man derzeit etwa 100¤ pro kW
> bereitgestellter Leistungskapazität an den Netzbetreiber zahlen. Für deine
> "mehrere >10kW Erhitzer" wären das dann vielleicht 5.000¤. Wenn Du damit
> winkst, guckt sich dein Energieversorger deinen Antrag gern noch mal an und
> rechnet genauer nach, ob euer Ortsnetz das doch noch verkraftet, oder es
> sich zum Beispiel lohnt, bei nächster Gelegenheit den Trafo zu
> vergrößeren.
Und den Leuten, welche bereits 45 Euro im Monat zu Teuer ist, machen das ja gerne mit! Denn 11000 Euro zahlen zusätzlich zu den 45 im Monat ist attraktiver als nur 45 Euro im Monat? Sicher kann man vieles durch den Einwurf von Münzen klären, nur sind die Leute weder bereit noch oftmals dazu in der Lage.
>
> Selbst wenn alle 48 Millionen PKW in Deutschland durch Elektroautos ersetzt
> wären, würde bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000km und 20kWh/100km
> Verbrauch nur eine Energie von 144TWh jährlich benötigt, das sind etwa 29%
> des gesamten Strombedarfs in 2020.
Milchmädchen lässt grüßen. Einmal Essen in der Wirtschaft kostet doch nur 20 Euro, also 100 Euro in der Woche. Bringt nur nix, wenn man keine 20 Euro hat. Wo soll der Strom denn herkommen - aus der Sahara? ;) -
Re: Die Sahara eignet sich nur vordergründig
Autor: Lehmmanbnhb 06.11.21 - 19:12
Plumpaquatsch schrieb:
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> Lehmmanbnhb schrieb:
> > Eine Abschätzung zur Größenordnung:
> >
> > Das deutsche Verbundnetz ist für eine Spitzenlast von etwa 100GW
> > ausgelegt.
> Vom Großen ganzen auf das kleine Schließen, gut Weg zur Verschleiderung!
> >
> > In jedem der ca. 40 Millionen deutschen Haushalte dürfte es im Schnitt
> > mindestens einen Fön und eine Kaffeemaschine mit je 1,6kW Anschlußwert
> > geben. Werden die gleichzeitig am 11. 11. um 11:11Uhr eingeschaltet,
> ergibt
> > sich ein Lastsprung von 128GW, und das Stromnetz bricht sofort zusammen.
> Auch wenn du recht hast, ist es eben doch eine Milchmädchen rechnung.
> >
> > Das gleiche gilt für das lokale Stromnetz von Düsseldorf, wenn sich
> alle
> > dortigen Jecken dazu verabreden.
> Und für alle Banken, wenn alle Leute gleichzeitig das Geld abheben. Hat
> aber eben keine Aussagekraft. Nur weil etwas auch jetzt schon Potentiell
> zusammenbrechen kann, wird es besser, wenn es noch mehr belastet wird?
> Willst du mir das damit sagen?
Nein. Was ich Dir damit sagen möchte, ist folgendes:
Wir haben derzeit ein "abbezahltes" Stromnetz, das für eine Spitzenleistung von etwa 100GW ausgelegt ist, aber im Jahresdurchschnitt nur etwa zur Hälfte ausgelastet ist. In Wohngebieten ist das Verhältnis zwischen Durchschnitts- und Spitzenlast noch deutlich krasser.
Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten:
1) Wir erweitern die Kapazität auf ein Vielfaches, zu Kosten von vielleicht 500 Mrd. ¤, damit jedermann sein Elektroautoauto Mittwochs nachmittags um 18Uhr nach dem Heimweg von der Arbeit mit 11kW in seiner Garage sofort wieder volladen kann, um für den recht unwahrscheinlichen Fall gerüstet zu sein, daß sich die Familie beim Abendbrot entschliesst, um 20Uhr spontan zu einer Urlaubsreise an die Ostsee aufzubrechen.
2) Wir bauen in den Anschluß jeder der 40 Millionen Wohnungen in Deutschland zu Kosten von 200¤ einen neuen Zähler ein (Gesamtkosten 8Mrd.¤), der der Wallbox sagt: Jetzt, zwischen 18 und 20 Uhr, kostet dich die kWh Strom 50Cent, weil entweder deine lokale Unterverteilung oder das gesamte Stromnetz an einer Kapazitätsgrenze ist. Nach Mitternacht kannst Du den Strom aber voraussichtlich für 15Cent/kWh haben. Der Kunde kann dann auf der Handy-App seiner Wallbox vorwählen, ob er die 20kWh für 100km täglichen Arbeitsweg immer bis 20Uhr zu Kosten von typisch 10¤ nachladen möchte, oder lieber irgendwann bis zum nächsten Morgen für typisch 3¤. Bei 220 Arbeitstagen ist das eine Ersparnis von 1540¤ jährlich, die den einen oder anderen Nicht-Porsche-Fahrer schon nachdenklich machen dürfte. Dann muß ich vielleicht noch für 92 Mrd ¤ ein paar Fernleitungen ausbauen und ein paar neue Mittelspannungstrafos an Firmenparkplätze und Einkaufszentren bauen, habe aber 80 Prozent der Kosten von Lösung 1) gespart.
Welches Szenario hältst Du für das wahrscheinlichere?
> Sicher, der Versorger freut sich über die Zusatzeinnahmen (Monatsmiete,
> Abrechnung etc.) und das funktioniert sicher, wenn man die Zeit hat, das
> Auto über Nacht oder mehrere Tage zu laden.
> Und die Überschüssigen Kapazitäten gehen mittlerweile Zurück (Sieht man an
> der "Strombörse"). Damit ist es dann eben nichts mehr mit "ungenutzte
> Kapazitäten".
Du musst unterscheiden zwischen Leitungskapazitäten und Erzeugungskapazitäten. Nur die Erzeugungskapazitäten werden an der Strombörse gehandelt.
In deinem Beispiel, wo der Netzbetreiber jemandem den Anschluß eines Durchlauferhitzers verwehrt hat, hatte er die Befürchtung, die Leitungskapzität oder der Mittelspannungstrafo des Ortsnetzes könnten überlastet werden. Die von mir erwähnten 100¤ pro kW garantierter Anschlußleistung sind ein einmaliger sogenannter "Baukostenzuschuss", mit dem der Versorger den zukünftigen Ausbau des Netztes finanziert bzw. den bereits erfolgten Ausbau des Netzes refinanziert. Wenn Du mit mit deiner Anschlußleistung unter der üblichen Grenze für Haushaltsverbraucher bleibst (typisch ist ein Anschluß von 63A oder 43kW für ein Einfamilienhaus), musst Du keinen Baukostenzuschuss zahlen, da der Energieversorger die Anschlußkosten pauschal über einen Anteil am Arbeitspreis, also die Kosten für jede bezogene kWh Strom, zurückzubekommen erwartet. Das ist übrigens sozial ausgewogen, da die Anschlußkosten sparsamer Kleinverbraucher von der dauerhaft laufenden Klimaanlage der Villa am Strassenende teilweise mitfinanziert werden.
> Milchmädchen lässt grüßen. Einmal Essen in der Wirtschaft kostet doch nur
> 20 Euro, also 100 Euro in der Woche. Bringt nur nix, wenn man keine 20 Euro
> hat. Wo soll der Strom denn herkommen - aus der Sahara? ;)
Zum Beispiel - wenn ein Energieversorger meint, daß er ihn da billiger bekommt, und entsprechend in Solarparks und Leitungen investiert.
Oder von deutschen Äckern, deren Besitzer seit hunderten Jahren davon leben, ihre Flächen gegen Geld zur Erzeugung von Futter für Stadtmenschen einzusetzen, und derzeit auf etwa 20% ihrer Flächen Pflanzen für Biokraftstoffe und Biogas anbauen. Windräder kann man sogar zusätzlich auf den Acker setzen!
Zuvor müssen sich die Städter aber entscheiden, ob sie ihren Strom lieber potentiell teuer und politisch unsicher aus dem Ausland beziehen möchten, oder lieber in Kauf nehmen, beim Sonntagsausflug mal ihr sensibles Auge durch ein Windrad oder einen großen Solarpark beleidigt zu sehen ;-)



