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"wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: Anonymer Nutzer 01.11.18 - 18:35
drei leitende Angestellte geschützt haben soll, nachdem ihnen sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen worden sei. "
Ist das wirklich so abwegig? Was ist mit "unschuldig bis die Schuld erwiesen ist" passiert? Soll Google bei der kleinsten Anschuldigung den Mitarbeiter rauswerfen ohne die Untersuchung abzuwarten? Ohne handfeste Beweise?
Wenn man den Mitarbeiter nicht sofort auf dem Scheiterhaufen verbrennt dann schützt man ihn automatisch? -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: Anonymer Nutzer 01.11.18 - 19:36
"Unschuldig bis die Schuld erwiesen ist" gilt vor Gericht bei Strafprozessen, bzw. wenn zivilrechtlich z. B. Schadenersatz oder Schmerzensgeld eingeklagt wird.
In Unternehmen ist das erst mal egal. Hier hat der Schutz von Mitarbeitern Vorrang. Vor dem Arbeitsgericht wird überprüft, ob alle Formalien eingehalten wurden und ob die Kündigungsgründe stichhaltig sind. Eine unerwünschte Hand auf dem Hintern, ein paar anzügliche Bemerkungen, das reicht völlig.
Siehe hier eine Erläuterung zu einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts: https://www.arbeit-und-arbeitsrecht.de/kommentare/ausserordentliche-kuendigung-wegen-sexueller-belaestigung
US-amerikanische Unternehmen ticken da in gewisser Weise etwas schärfer: eine sexuelle Belästigung kann schon die Frage sein, gemeinsam ins Fitnessstudio, ins Kino oder auch nur zum Mittagessen zu gehen.
Ist die Frage unerwünscht, die Dame empfindlich und beschwert sich dann beim Chef, ist der Chef zu seiner eigenen Sicherheit und zum Wohl des Unternehmens gut beraten, den fraglichen Mitarbeiter deutlich auf sein "Fehlverhalten" hinzuweisen, dieses in der Personalakte zu vermerken und im Wiederholungsfall den Mitarbeiter zu feuern.
Wird das nicht getan, kann die Mitarbeiterin das Unternehmen und den Chef auf ziemlich viel Geld verklagen, weil psychischer Stress, Angstzustände. Richtig übel wird es, wenn tatsächlich etwas in Richtung sexueller Gewalt passieren sollte, und die Mitarbeiterin beweisen kann, im Vorfeld beim Chef schon angeklopft zu haben, dieser aber nicht reagiert hat. -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: Anonymer Nutzer 01.11.18 - 19:54
> US-amerikanische Unternehmen ticken da in gewisser Weise etwas schärfer: eine sexuelle Belästigung kann schon die Frage sein, gemeinsam ins Fitnessstudio, ins Kino oder auch nur zum Mittagessen zu gehen.
Beim Lesen dieses Absatzes hatte ich etwas Gänsehaut. Ist es wirklich schon soweit gekommen? -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: Eheran 01.11.18 - 20:12
>Hier hat der Schutz von Mitarbeitern Vorrang.
Genau davon spricht der TO doch auch? -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: divStar 01.11.18 - 20:41
Super. Wenn ich eine aztraktive Frau wäre, könnte ich so beliebig mein Arbeitsumfeld manipulieren, denn die Strafen bei falschen Beschuldigungen sind ja ein Witz.
Ich bin als weißer Mann im falschen Jahrhundert und ich will niemanden unterjochen, bin aber ob meines Gliedes unter Generalverdacht.
Als Firmenchef würde ich Männer von Frauen trennen oder Männer oder Frauen nicht einstellen, denn nur ein Gerücht reicht bereits, um dem Image einer Firma massiv zu schaden. -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: Tommy-L 02.11.18 - 06:14
azeu schrieb:
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> > US-amerikanische Unternehmen ticken da in gewisser Weise etwas schärfer:
> eine sexuelle Belästigung kann schon die Frage sein, gemeinsam ins
> Fitnessstudio, ins Kino oder auch nur zum Mittagessen zu gehen.
>
> Beim Lesen dieses Absatzes hatte ich etwas Gänsehaut. Ist es wirklich schon
> soweit gekommen?
Ja ist es definitiv, und wird auch in D immer schlimmer. -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: Anonymer Nutzer 02.11.18 - 09:41
divStar schrieb:
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> Super. Wenn ich eine aztraktive Frau wäre, könnte ich so beliebig mein
> Arbeitsumfeld manipulieren, denn die Strafen bei falschen Beschuldigungen
> sind ja ein Witz.
> Ich bin als weißer Mann im falschen Jahrhundert und ich will niemanden
> unterjochen, bin aber ob meines Gliedes unter Generalverdacht.
> Als Firmenchef würde ich Männer von Frauen trennen oder Männer oder Frauen
> nicht einstellen, denn nur ein Gerücht reicht bereits, um dem Image einer
> Firma massiv zu schaden.
Nein, niemand ist unter Generalverdacht. Wenn Du nichts in der Richtung machst, immer höflich bleibst, offen kommunizierst, dann sollte der Flirt mit der Kollegin auch in Ordnung gehen. Hör aber besser auf, wenn sie Dir zu verstehen gibt, das nicht zu wollen.
Ich kann nur aus meiner über zwanzigjährigen Erfahrung im Berufsleben, zeitweilig auch als Betriebsrat, berichten: falsche Anschuldigungen habe ich noch nie mitbekommen. Sehr wohl habe ich aber echte sexuelle Belästigung sowohl selbst gesehen / gehört bzw. glaubhaft übermittelt bekommen. Das reichte von angebotenem Geld, um von einer Auszubildenden oral befriedigt zu werden, ausführlichen und lautstarken Konversationen über die vermeintlichen sexuellen Vorlieben von Kolleginnen in deren Anwesenheit, "zufällig" und "aus Versehen" platzierten Händen an diversen Rundungen, Versuche Kolleginnen zu küssen. Einmal hat ein Kollege während einer One on One Besprechung das Victoria Secret Angebot mit den Worten "such Dir was aus, musst mir aber vorführen" an die Wand geschmissen. In keinem einzigen Fall "wollten" das die Kolleginnen. In den meisten Fällen war von den Damen aus "Schwamm drüber" angesagt, wenn die Herren eine Abmahnung bekommen haben. In ein paar Fällen kann ich mich an Kündigungen erinnern.
Wer jetzt sagt, das sei eine merkwürdige Häufung: nein, ist es nicht. In zwanzig Jahren kann man viel mitbekommen. Die Dunkelziffer liegt noch viel höher. -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: Eheran 02.11.18 - 11:06
>In keinem einzigen Fall "wollten" das die Kolleginnen.
Confirmation bias. Du siehst nur die negativen Fälle.
Dem ggü. finden sich 11% der Paare bzw. 13 % der Paare beim Arbeitsplatz. Da 35% single sind, 64% hingegen Paare (=52mio Menschen), haben sich so von den 44% Erwerbstätigen (36mio) grob 5,7mio bzw. 6,8mio Menschen (=16% bzw, 19% der Erwerbstätigen) auf ihrem Arbeitsplatz gefunden. Also 1/6 bis 1/5 der Arbeitenden finden sich auch auf der Arbeit als Paar. Da zu einem Paar 2 Personen gehören ist das dann ein Paar pro ~10 arbeitender Personen.
Das ist viel, aber auch kein Wunder, wenn man mit der Person bis zu 8h jeden Tag zusammen ist. Da lernt man sich leicht sehr gut kennen. -
Re: "wonach Google im vergangenen Jahrzehnt...
Autor: The Insaint 02.11.18 - 19:33
Tommy-L schrieb:
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> azeu schrieb:
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> > > US-amerikanische Unternehmen ticken da in gewisser Weise etwas
> schärfer:
> > eine sexuelle Belästigung kann schon die Frage sein, gemeinsam ins
> > Fitnessstudio, in's Kino oder auch nur zum Mittagessen zu gehen.
> >
> > Beim Lesen dieses Absatzes hatte ich etwas Gänsehaut. Ist es wirklich
> schon
> > soweit gekommen?
>
> Ja ist es definitiv, und wird auch in D immer schlimmer.
Kann nicht sein, aus ganz offensichtlichen Gründen. Das die Amerikaner so dämlich sind, kennt man schon seit Jahzehnten. In Europa wird man sich dagegen die Frage gefallen lassen müssen, ob man geistig gestört ist, wenn man ein "Hey, Lust heute auf Kino, den neuen $Film zu sehen?" oder ein "Bin in der Mittagspause bei $Restaurant, willst du mitkommen?" auch nur _ansatzweise_ als irgendetwas "sexuelles" sehen möchte.



