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Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

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  1. Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: katze_sonne 19.04.21 - 17:31

    Ungelernt, als Überbrückung zwischen Abi und Studium. Dürfte so 2012 gewesen sein. Irgendwie Sachen umräumen usw. in einem DHL-Lager. Ich glaub, die haben dort Essen umgeschlagen oder so. Und ja, Westdeutschland, falls das einen Unterschied machen sollte.

    Stundenlohn: Unter 4¤. Die Sicherheitsschuhe, die es dazu braucht, gehen natürlich noch vom Gehalt ab. (da man alles in Dönern rechnen kann: 1h Arbeit = ca. 1x 3,50¤ Döner brutto; nach Döner-Inflation auf 4,50¤ wäre das also auch heute noch weit unter dem, was Amazon zahlt)

    Aua. Da hab ich mich dann auch freundlich verabschiedet und hab das Weite gesucht. Dabei war mein Interviewpartner beim Vorstellungsgespräch so überzeugend, mir zu erzählen, wie gut das passend würde :)

    "Der Markt regelt" am Arsch. Spätestens seit diesem Zeitpunkt war ich eindeutiger Befürworter des allgemeinen Mindestlohns. Es muss einfach irgendeine Mindestgrenze geben, denn sonst passiert sowas hier. Grundrahmenbedingungen, die erfüllt werden müssen.

    Bin letztendlich bei einem Zeitarbeitsunternehmen gelandet - der Zeitarbeitsmindestlohn betrug zu diesem Zeitpunkt immerhin 7,89¤ (und mehr wurde natürlich auch nicht gezahlt). So hab ich mir dann mein Thinkpad für's Studium finanziert. Aber die Arbeit war auch alles andere als toll bezahlt oder körperlich auf Dauer durchhaltbar - ein Amazon-Lagerjob für über 10¤ Stundenlohn?! Hätte ich damals dankend angenommen. War in diesem Fall übrigens ein Zulieferer für Mercedes Transport/Verpackungsmaterial. Achja... und die Sicherheitsbestimmungen. Ach vergessen wir es lieber, die BG wäre in Ohnmacht gefallen - kannte ich damals leider noch nicht. Ich sag nur mit Nagelpistolen durch die Gegend schießen, Prügeleien, defektes / unzureichendes Werkzeug... hab in der kurzen Zeit einiges erlebt.

    Was ich von Bekannten so gehört habe, wie Zeitarbeit bei ihnen ablief (einer hat nach 2 Tagen direkt hingeschmissen, ich hab's nen guten Monat lang gemacht und wieder andere haben immerhin 2 Monate über verschiedene Firmen verteilt durchgehalten)... kein Deut besser.

    Die einzige ungelernte Tätigkeit, die ich vor Abschluss des Studiums mal gemacht habe, die tatsächlich sehr gut bezahlt wurde (und wo man nicht wie das letzte Stück austauschbares Dreck behandelt wurde) war Mercedes selber, als Ferienjobber. Aber der Kontrast zwischen "bei Mercedes selbst angestellt" und "für einen Zulieferer arbeiten" ist schon extrem. Aber haufenweise Kritik zu schlecht bezahlten Arbeitern von Zulieferfirmen der Automobilhersteller hab ich bisher nur selten gelesen (anders als z. B. bei Apple). Achja, die Autohersteller, die heilige Kuh der Bundesrepublik. Gilt das hier schon als Blasphemie? ;)

    Ich glaub ehrlichgesagt, wie meisten Amazon-Kritiker sind an dieser Stelle komplett von der Realität abgehoben, selber privilegiert genug, um niemals solche Einblicke in die Welt der "Arbeiter" gehabt zu haben. Bei mir war das auch "freiwillig", ich hatte das Glück, dass ich auf diese Jobs nicht wirklich angewiesen war und ich wusste danach erst Recht, warum ich das Studium durchziehen werde. Trotzdem: Vielen fehlen diese Erfahrungen. Im besten Fall haben sie sich mal beim Kellnern abzocken lassen (keine Ahnung mehr, was ich da verdient habe, waren auf jeden Fall auch nur ein paar Groschen, aber immerhin war das körperlich und menschlich deutlich erträglicher). Mir fehlt bei dieser ganzen Amazon-Kritik auch immer mal der Vergleich zu anderen Logistiklagerbetreibern. Sei es (s.o.) DHL oder Zalando oder sonstwer. Ich vermute fast, das wird extra mal weggelassen, weil Amazon sonst plötzlich erstaunlich gut dastehen würde. Und der Vergleich zum deutschen Durchschnittsgehalt... ein Witz - der wird ja auch durch Großverdiener wie den CEOs der deutschen Unternehmen massiv hochgezogen.

  2. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: LasseM 19.04.21 - 18:33

    Während des Abiturs bei Kaufland Regale eingeräumt - 6,50 EUR die Stunde. Und es war körperlich sehr anstrengend, dauern schwer heben (Kartons) und ziehen (volle Palletten) und körperlich schädigend (Pappkartons sind messerscharf). Erklärt auch die hohe Fluktuation. Namen brauchte man sich da nicht merken. Den Job kann aber jeder machen, so wie ich damals, ungelernter Abiturient.

    Jetzt als Ingenieur mit Master und zu 100% Kopfarbeit sieht die Nummer anders aus; ich bin nicht so leicht zu ersetzen bzw es wäre aktuell unwirtschaftlich. Da hält man mich mit >70k und 100% Homeoffice aktuell bei Laune.

    Bildung lohnt sich.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 19.04.21 18:33 durch LasseM.

  3. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: KnutRider 19.04.21 - 18:37

    LasseM schrieb:
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    >
    > Bildung lohnt sich.
    Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind nötig für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen haben um ein Teil zu sein.

  4. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: LasseM 19.04.21 - 18:49

    KnutRider schrieb:
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    > LasseM schrieb:
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    > >
    > > Bildung lohnt sich.
    > Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber
    > schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind nötig
    > für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen haben um
    > ein Teil zu sein.

    Du hast schon recht, aber der Markt regelt sich von alleine!

    Was du nicht siehst, wenn du alle diese Einkommen erhöhen wirst, werden die Preise proportional steigen! Denn wenn alle mehr Geld haben, steigen die Preise, da plötzlich mehr Kaufkraft zur Verfügung steht, von dieser wiederum der Markt etwas abhaben will. Und am Ende haben alle die selbe Kaufkraft wie zuvor, obwohl mehr auf dem Konto liegt.

    Genau das ist der sich selbst regelnde Markt. Darum sind die Löhne, egal wie niedrig diese zum Leben sind, ein akkurater Spiegel des Marktes.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 19.04.21 18:51 durch LasseM.

  5. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: demon driver 19.04.21 - 18:50

    KnutRider schrieb:
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    > LasseM schrieb:
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    > > Bildung lohnt sich.
    > Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber
    > schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind nötig
    > für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen haben um
    > ein Teil zu sein.

    ++

    Wenn man Leute danach bezahlen würde, welchen Wert ihre Arbeit für die Gesellschaft hat, anstatt wieviel ihr Arbeitgeber meint, dass ihr Anteil an der Vermehrung seines Kapitals betrüge, egal welchen sinn- und nutzlosen, wenn nicht schädlichen Konsumquatsch er auf welche wie umweltschädliche Weise auch immer er produziert oder verkauft, würde manches anders aussehen.

  6. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: ds4real 19.04.21 - 18:53

    KnutRider schrieb:
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    > LasseM schrieb:
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    > > Bildung lohnt sich.
    > Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber
    > schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind nötig
    > für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen haben um
    > ein Teil zu sein.
    Das ist aber nicht das Problem aller anderen und insbesondere nicht jener, die sich dazu durchgequählt haben sich Bildung anzueignen. Damit einher geht meist Verzicht auf vieles, was in dem jeweiligen Alter Spaß macht. Warum sollen dann andere, die sich das nicht angeeignet haben (warum auch immer) sich das Gleiche leisten können?
    Und Hand aufs Herz: die weniger gebildeten sind zwar Teil der Gesellschaft, aber sie sind keine Notwendigkeit. Es wäre faktisch besser wenn diese Menschen auch gebildet wären und sich somit im In- und Ausland einen ordentlichen Lebensstandard und eine gute Altersvorsorge erwirtschaften könnten.

    Einige können es nicht, viele wollen es nicht. Aber ich weiß, dass ich dafür nicht bezahlen will, denn ich habe mich eingeschränkt, mich dazu gezwungen zu lernen - und nun soll es anderen ähnlich gut gehen und mir dafür durch erhöhte Abgaben schlechter? Wenn das hier Realität wird, wandere ich aus. Ich bin mir sicher in einigen anderen Ländern lohnt sich Bildung und Leistung noch.

  7. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: LasseM 19.04.21 - 18:56

    demon driver schrieb:
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    > KnutRider schrieb:
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    > > > Bildung lohnt sich.
    > > Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber
    > > schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind
    > nötig
    > > für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen haben
    > um
    > > ein Teil zu sein.
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    > Wenn man Leute danach bezahlen würde, welchen Wert ihre Arbeit für die
    > Gesellschaft hat, anstatt wieviel ihr Arbeitgeber meint, dass ihr Anteil an
    > der Vermehrung seines Kapitals betrüge, egal welchen sinn- und nutzlosen,
    > wenn nicht schädlichen Konsumquatsch er auf welche wie umweltschädliche
    > Weise auch immer er produziert oder verkauft, würde manches anders
    > aussehen.

    Arbeitgeber (genauer Unternehmer) haben nur ein Ziel: Die Vermehrung von Kapital. Wer ihnen das Kapital am besten vermehrt, bekommt mehr vom Kuchen ab.

    Leider sind sozial wichtige Berufe genau das Gegenteil, sie zehren meist Kapital, anstelle es zu schaffen. Und das ist nicht im Sinne eines Unternehmers.

    Das ist der alleine Grund. Konsum schafft Geld. Leider.

  8. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: demon driver 19.04.21 - 18:56

    katze_sonne schrieb:
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    > Ich glaub ehrlichgesagt, wie meisten Amazon-Kritiker sind an dieser Stelle
    > komplett von der Realität abgehoben, selber privilegiert genug, um niemals
    > solche Einblicke in die Welt der "Arbeiter" gehabt zu haben

    Das ist eigentlich beside the point. Man kann heutige Löhne zum Glück eben nicht mehr mit den Niedrigstlöhnen von vor neun oder zehn Jahren vergleichen.

    > Mir fehlt bei dieser ganzen Amazon-Kritik auch immer mal der
    > Vergleich zu anderen Logistiklagerbetreibern. Sei es (s.o.) DHL oder
    > Zalando oder sonstwer. Ich vermute fast, das wird extra mal weggelassen,
    > weil Amazon sonst plötzlich erstaunlich gut dastehen würde.

    Weil schlechte Löhne dadurch gut werden, dass es noch schlechtere gibt?

    > Und der Vergleich zum deutschen Durchschnittsgehalt... ein Witz

    Du meinst, in einem Artikel über Gehälter in einem bestimmten Segment darf das deutsche Durchschnittsgehalt nicht als Information mitgeteilt werden? Wurde irgendwo gesagt oder auch nur angedeutet, dass das im Amazon-Lager bezahlt werden soll? Was genau ist jetzt der "Witz"? Dass die Amazon-Gehälter so weit drunter liegen? Ja, da wäre ich dabei, aber ich schätze, das hast du nicht gemeint.

  9. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: demon driver 19.04.21 - 18:57

    LasseM schrieb:
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    > > > > Bildung lohnt sich.
    > > > Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber
    > > > schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind
    > > nötig
    > > > für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen
    > haben
    > > um
    > > > ein Teil zu sein.
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    > > Wenn man Leute danach bezahlen würde, welchen Wert ihre Arbeit für die
    > > Gesellschaft hat, anstatt wieviel ihr Arbeitgeber meint, dass ihr Anteil an
    > > der Vermehrung seines Kapitals betrüge, egal welchen sinn- und nutzlosen,
    > > wenn nicht schädlichen Konsumquatsch er auf welche wie umweltschädliche
    > > Weise auch immer er produziert oder verkauft, würde manches anders
    > > aussehen.
    >
    > Arbeitgeber (genauer Unternehmer) haben nur ein Ziel: Die Vermehrung von
    > Kapital. Wer ihnen das Kapital am besten vermehrt, bekommt mehr vom Kuchen
    > ab.
    >
    > Leider sind sozial wichtige Berufe genau das Gegenteil, sie zehren meist
    > Kapital, anstelle es zu schaffen. Und das ist nicht im Sinne eines
    > Unternehmers.
    >
    > Das ist der alleine Grund. Konsum schafft Geld. Leider.

    Ja. So sieht's aus.

  10. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: KnutRider 19.04.21 - 19:01

    ds4real schrieb:
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    > KnutRider schrieb:
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    > > > Bildung lohnt sich.
    > > Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber
    > > schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind
    > nötig
    > > für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen haben
    > um
    > > ein Teil zu sein.
    > Das ist aber nicht das Problem aller anderen und insbesondere nicht jener,
    > die sich dazu durchgequählt haben sich Bildung anzueignen. Damit einher
    > geht meist Verzicht auf vieles, was in dem jeweiligen Alter Spaß macht.
    > Warum sollen dann andere, die sich das nicht angeeignet haben (warum auch
    > immer) sich das Gleiche leisten können?
    > Und Hand aufs Herz: die weniger gebildeten sind zwar Teil der Gesellschaft,
    > aber sie sind keine Notwendigkeit. Es wäre faktisch besser wenn diese
    > Menschen auch gebildet wären und sich somit im In- und Ausland einen
    > ordentlichen Lebensstandard und eine gute Altersvorsorge erwirtschaften
    > könnten.
    >
    > Einige können es nicht, viele wollen es nicht. Aber ich weiß, dass ich
    > dafür nicht bezahlen will, denn ich habe mich eingeschränkt, mich dazu
    > gezwungen zu lernen - und nun soll es anderen ähnlich gut gehen und mir
    > dafür durch erhöhte Abgaben schlechter? Wenn das hier Realität wird,
    > wandere ich aus. Ich bin mir sicher in einigen anderen Ländern lohnt sich
    > Bildung und Leistung noch.

    Natürlich sind diese Menschen, egal ob selbst verschuldet oder unverschuldet Teil der Gesellschaft. Oder willst du Menschen aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten noch mehr ausgrenzen als es eh schon passiert?

    Vor allem blendest du scheinbar die Gewinnmaximierung einiger Konzerne aus, welche Teile ihrer Gehälter auf die Allgemeinheit abwälzen. Teilweise schon während des Arbeitslebens in Form von Aufstockung (Hartz4, Wohngeld etc) oder eben später per Grundsicherung.

    Während Konzerne wie zB Amazon hier so gut wie keine Steuern zahlen, werden deine Steuern dafür genutzt um genau jene Leistungen zu finanzieren. Sprich du zahlst indirekt für die Gewinnmaximierung solcher Konzerne anstatt das diese vernünftige Stundenlöhne zahlen.

  11. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: Oktavian 19.04.21 - 19:06

    > Bildung muss man sich aneignen können. Einigen Menschen fällt das aber
    > schwerer als anderen. Und auch diese sind Teil der Gesellschaft, sind nötig
    > für die Gesellschaft und sollten daher auch ein gewisses Einkommen haben um
    > ein Teil zu sein.

    Richtig, und dieses gewisse Einkommen bekommen sie auch. Da aber kein Unternehmen dauerhaft Mitarbeitern mehr zahlen kann als ihre Wertschöpfung, und da der Finanzbedarf einer Person durch ihre individuelle Situation sehr unterschiedlich sein kann, springen wir als Gesellschaft ein und stocken das Gehalt ggf. auf.

    Das ist ein faires System, wir bezahlen Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit. Und bei vielen dieser Jobs muss man nicht fragen, ob man sie nicht deutlich besser bezahlen kann, denn dann stellt sich schnell die Frage, ob man sie überhaupt braucht oder nicht wegautomatisieren oder verlagern kann.

  12. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: quineloe 19.04.21 - 19:58

    Für manche Leute ist es eine Qual sich Bildung anzueignen. zB weil sie nebenher noch arbeiten müssen und sich trotzdem verschulden

    Für andere zahlen die Eltern alles, hauptsache man ist immatrikuliert und fällt nicht durch.

    Verifizierter Top 500 Poster!

  13. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: ds4real 19.04.21 - 20:18

    Kinder armer Leute sind keinesfalls dumm; sie haben nur nicht die Sicherheiten und oft auch nicht die Möglichkeiten derer, die wohlhabender sind. Das sollte in Deutschland nicht sein, ist es aber.

    Hier geht es aber um Amazon und ungebildete Arbeiter und da frage ich mich doch oft warum man die Bezahlung nicht im Kontext sehen will. Amazons Aufgabe ist es nicht die Fehler der Gesellschaft und des Kapitalismus auszubügeln.

  14. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: slax 19.04.21 - 20:28

    KnutRider schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Vor allem blendest du scheinbar die Gewinnmaximierung einiger Konzerne aus,
    > welche Teile ihrer Gehälter auf die Allgemeinheit abwälzen. Teilweise schon
    > während des Arbeitslebens in Form von Aufstockung (Hartz4, Wohngeld etc)
    > oder eben später per Grundsicherung.
    >
    > Während Konzerne wie zB Amazon hier so gut wie keine Steuern zahlen, werden
    > deine Steuern dafür genutzt um genau jene Leistungen zu finanzieren. Sprich
    > du zahlst indirekt für die Gewinnmaximierung solcher Konzerne anstatt das
    > diese vernünftige Stundenlöhne zahlen.

    Zufälligerweise kenne ich so einen Subsubunternehmer eines Großkonzerns. Also dort wo die Arbeitsbedingungen richtig schlecht sind und der Lohn gerade so über dem Minimum liegt.
    Zur Wahrheit gehört auch, dass so ein Arbeitgeber bei 12 Euro Stundenlohn gar keine Aufträge mehr vergeben würde und die Firma binnen Monatsfrist insolvent wäre.

  15. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: katze_sonne 19.04.21 - 20:30

    LasseM schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Während des Abiturs bei Kaufland Regale eingeräumt - 6,50 EUR die Stunde.
    > Und es war körperlich sehr anstrengend, dauern schwer heben (Kartons) und
    > ziehen (volle Palletten) und körperlich schädigend (Pappkartons sind
    > messerscharf). Erklärt auch die hohe Fluktuation. Namen brauchte man sich
    > da nicht merken. Den Job kann aber jeder machen, so wie ich damals,
    > ungelernter Abiturient.
    >
    > Jetzt als Ingenieur mit Master und zu 100% Kopfarbeit sieht die Nummer
    > anders aus; ich bin nicht so leicht zu ersetzen bzw es wäre aktuell
    > unwirtschaftlich. Da hält man mich mit >70k und 100% Homeoffice aktuell bei
    > Laune.
    >
    > Bildung lohnt sich.

    Der Stundenlohn von Kaufland hängt (hing?) stark von der Region ab. Hatte damals auch ein Angebot von Kaufland bekommen (aber leider zu spät). Hätte etwas über den 7,89¤ gelegen.

    Ein Bekannter von mir hat außerdem genau das gemacht, was du beschrieben hast (frag mich nicht, was er da aktuell verdient hat). War tatsächlich sehr zufrieden mit dem Job. Danach dann längere Zeit ins Ausland (deswegen den Job gekündigt gehabt) und dann zu Netto (sprich Edeka). Da war er dagegen überhaupt nicht glücklich, weder von der Bezahlung noch der Arbeitsatmosphöre. Nun ist er (hier schließt sich der Kreis) bei DHL gelandet :)

    Aber ja, Bildung lohnt sich, wenn man es denn kann. Und will. Manchmal wünschte ich mir auch ein bisschen mehr Bewegung und weniger Denkarbeit. Andererseits war auch bei Mercedes am Band die Arbeit körperlich nicht gerade leicht (aber sie hat einen auch nicht kaputt gemacht wie bei den anderen beschriebenen Dingen im Ausgangsposting; das war reine Gewöhnungssache)

  16. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: miauwww 19.04.21 - 20:40

    > Hier geht es aber um Amazon und ungebildete Arbeiter und da frage ich mich
    > doch oft warum man die Bezahlung nicht im Kontext sehen will. Amazons
    > Aufgabe ist es nicht die Fehler der Gesellschaft und des Kapitalismus
    > auszubügeln.

    Na, wieder schön wegschauen? Wessen Aufgabe denn? A. profitiert vom jetzigen System und herrschenden konservativen Regierungen. Und die kleinen Leute dürfen mit so wenig Geld nachhause gehen. Es ist harte Arbeit, gelernt oder nicht. Wenn wieder die Mieten steigen, fragt auch kein Vermieter, zu welcher Einkommensgruppe ich gehörte. Absolut jeder ist Teil der Gesellschaft und hat Fehler mitauszubügeln im Rahmen seiner Möglichkeiten.

  17. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: KnutRider 19.04.21 - 20:46

    slax schrieb:
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    > KnutRider schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Vor allem blendest du scheinbar die Gewinnmaximierung einiger Konzerne
    > aus,
    > > welche Teile ihrer Gehälter auf die Allgemeinheit abwälzen. Teilweise
    > schon
    > > während des Arbeitslebens in Form von Aufstockung (Hartz4, Wohngeld etc)
    > > oder eben später per Grundsicherung.
    > >
    > > Während Konzerne wie zB Amazon hier so gut wie keine Steuern zahlen,
    > werden
    > > deine Steuern dafür genutzt um genau jene Leistungen zu finanzieren.
    > Sprich
    > > du zahlst indirekt für die Gewinnmaximierung solcher Konzerne anstatt
    > das
    > > diese vernünftige Stundenlöhne zahlen.
    >
    > Zufälligerweise kenne ich so einen Subsubunternehmer eines Großkonzerns.
    > Also dort wo die Arbeitsbedingungen richtig schlecht sind und der Lohn
    > gerade so über dem Minimum liegt.
    > Zur Wahrheit gehört auch, dass so ein Arbeitgeber bei 12 Euro Stundenlohn
    > gar keine Aufträge mehr vergeben würde und die Firma binnen Monatsfrist
    > insolvent wäre.
    Und du fragst dich nicht wie es möglich ist das ein Subunternehmer eines Subunternehmers eines Großkonzerns noch Leute beschäftigen kann und dabei noch selber Profit macht?
    Nicht das da noch Leute ausgebeutet werden....

  18. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: gardener 19.04.21 - 20:56

    Irgendwer hat es mal ganz passend auf den Punkt gebracht "Wir zahlen denen Menschen mehr, welche auf unser Geld aufpassen, als jenen, welchen wir unseren Nachwuchs anvertrauen.".

    Das ein Markt der sich selbst überlassen wird, kontraproduktiv für eine gesunde Gesellschaft ist, sieht man in den USA und das eine Wirtschaft nur gesund ist, wenn sie dogmatisch den Regeln des Kapitalismus folgt, ist ausgesprochener Unsinn und zum Glück schon an einigen Stellen erfolgreich widerlegt.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 19.04.21 20:59 durch gardener.

  19. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: KnutRider 19.04.21 - 21:04

    gardener schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Irgendwer hat es mal ganz passend auf den Punkt gebracht "Wir zahlen denen
    > Menschen mehr, welche auf unser Geld aufpassen, als jenen, welchen wir
    > unseren Nachwuchs anvertrauen.".
    >
    > Das ein Markt der sich selbst überlassen wird, kontraproduktiv für eine
    > gesunde Gesellschaft ist, sieht man in den USA und das eine Wirtschaft nur
    > gesund ist, wenn sie dogmatisch den Regeln des Kapitalismus folgt, ist
    > ausgesprochener Unsinn und zum Glück schon an einigen Stellen erfolgreich
    > widerlegt.
    >
    > Leider kommt auch in dieser Diskussion immer wieder die Idee durch, dass
    > Menschen mit weniger Bildung anfälliger für Faulheit seien und besser
    > Gebildete "für sie zahlen" müssen.
    > Tatsächlich ist es umgekehrt, unseren "Wohlstand" sichern Tag für Tag
    > Paketboten:innen, Frisör:innen, Verkäufer:innen, Lagerarbeiter:innen,
    > Fabrikarbeiter:innen, Pfleger:innen und viele viele mehr, welchen wir nicht
    > mehr Lohn für ihre Arbeit zugestehen als "der Markt" angeblich hergeben
    > würde.
    > Und um das rechtfertigen zu können, wird ihnen auch noch der Vorwurf
    > gemacht sich nicht gebildet zu haben, selbst Schuld zu sein, dass sie
    > arbeiten was sie arbeiten.
    Danke für deine Worte. So sehe ich das nämlich auch. Scheinbar haben hier schon viele verdrängt als nur mal die Friseure zu hatten, was da los war.

    Ich kenne das von meinem Job als Sozialarbeiter. Ich werde auch oft nur mit "Du quatscht doch eh nur den ganzen Tag bei Kaffee mit kaputten Leuten" belächelt. Das ich dabei versuche diese Menschen insofern zu mobilisieren das sie eigenständig wieder ein vollwertiger Teil dieser Gesellschaft werden, das sehen viele Leute nicht - und verstehen es auch nicht.

  20. Re: Hab mich mal bei DHL auf einen Lagerjob beworben... < 4¤ Stundenlohn

    Autor: Oktavian 19.04.21 - 21:09

    > Irgendwer hat es mal ganz passend auf den Punkt gebracht "Wir zahlen denen
    > Menschen mehr, welche auf unser Geld aufpassen, als jenen, welchen wir
    > unseren Nachwuchs anvertrauen.".

    Ach so schlecht verdient ein Gymnasiallehrer oder ein Uni-Professor ja nicht. Mit einem Bankangestellten oder einem Anlageberater durchaus vergleichbar.

    Aber ja, ich weiß worauf du hinaus willst, die Erzieher. Übrigens hat man das Gehalt inzwischen deutlich angehoben, es liegt zwischen 2800 und 3800 für eine Vollzeitstelle im ÖD. Die Leitung kann bis zu 4900 EUR verdienen.

    Man muss aber auch sehen, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist Erzieher bei uns ein eher niederschwellig angesiedelter Ausbildungsberuf. Ein Hauptschulabschluss reicht in der Regel. In vielen anderen Ländern ist der Beruf nahe bei den Grundschullehrern angesiedelt, verlangt aber auch Abitur und ein Studium. Personen, die bei uns Erzieher sind, sind da dann allenfalls Kinderpfleger.

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Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

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