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Verhältnismäßigkeit

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
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  1. Verhältnismäßigkeit

    Autor: Oktavian 26.11.21 - 09:18

    Greenpeace berichtet also, bei Amazon würde jede Woche eine LKW-Ladung an Ware vernichtet.

    Okay, lassen wir mal so stehen, stimmt ganz bestimmt. Hat nur als solches wenig Aussagewert. Von Journalisten hätte ich jetzt schon erwartet, diese Zahl in ein sinnvolles Verhältnis zu setzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob das viel oder wenig ist. Hey, das war doch Euer Job, Hintergrund geben, Dinge ins Verhältnis setzen, Recherche betreiben!

    So wie ich verstanden habe, hat Amazon so eine Destroy-Station nicht an jedem Standort sondern nur an bestimmten. Ein sinnvolles Verhältnis wäre also, "wie viele LKW-Ladungen verlassen diese Lager pro Woche Richtung Kunde" im Verhältnis zu "eine LKW-Ladung aus diesen Lagern wird pro Woche vernichtet".

    Käme man jetzt zum Ergebnis "3 LKW zum Kunden, 1 LKW in die Presse", das wäre dramatisch. Ist aber das Ergebnis "300 LKW zum Kunden, 1 LKW in die Presse", entlockt das nicht mal ein Schulterzucken.

    Ach übrigens, hat eigentlich einer eine Idee, was zum Saisonwechsel mit den Bergen an Klamotten passiert, die noch in den Geschäften hängen?

  2. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Private Paula 26.11.21 - 09:53

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ach übrigens, hat eigentlich einer eine Idee, was zum Saisonwechsel mit den
    > Bergen an Klamotten passiert, die noch in den Geschäften hängen?

    Du meinst wenn Pink out ist, und Blau hip wird?

    Wurde letztes Jahr waehrend des ersten Lockdowns berichtet: Weil die Botiquen die ganzen Sachen nicht los wurden, mussten sie die vernichten. Weil Pink war schliesslich out, und Blau war hip.

    Nein, konnten die nicht auf Lager liegen lassen und nach dem Lockdown fuern Euro verkaufen, sondern mussten vernichtet werden. Pink war ja out...haette ich keiner mehr fuern Euro genommen.

    --
    Warum UNIX/Linux schaedlich ist:
    'kill' macht Menschen zu brutalen, blutruenstigen Bestien,
    'killall' zuechtet regelrecht Massenmoerder,
    'whoami' loest bei psychisch labilen Personen Existenzkrisen aus!

  3. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: nightmar17 26.11.21 - 10:08

    Private Paula schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Oktavian schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Ach übrigens, hat eigentlich einer eine Idee, was zum Saisonwechsel mit
    > den
    > > Bergen an Klamotten passiert, die noch in den Geschäften hängen?
    >
    > Nein, konnten die nicht auf Lager liegen lassen und nach dem Lockdown fuern
    > Euro verkaufen, sondern mussten vernichtet werden. Pink war ja out...haette
    > ich keiner mehr fuern Euro genommen.

    Ja, weil Lagerplatz Geld kostet und wenn man Platz schaffen muss für neues, dann muss das Zeug weg.
    Wer gibt dir denn die Garantie, dass du das Zeug nächstes Jahr noch verkauft bekommst?

  4. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Oktavian 26.11.21 - 11:36

    > Ja, weil Lagerplatz Geld kostet und wenn man Platz schaffen muss für neues,
    > dann muss das Zeug weg.
    > Wer gibt dir denn die Garantie, dass du das Zeug nächstes Jahr noch
    > verkauft bekommst?

    Genau das beschreibt das Problem bei Amazon sehr gut.

  5. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Truster 26.11.21 - 12:21

    Bei Textilien mach ich mir noch wenigen Gedanken, verbrennt im Wesentlichen eh sauber und brauchen die Deponien durchaus auch für die Fernwärme, wenn sie wiedermal zuwenig Biomasse haben.

    Viel Schlimmer sind die Altkleidersammelstellen. Wer denkt, das Zeug wird bei uns verteilt, der Irrt. Gibt gute Dokus darüber.

    Schlimmer wirds bei Plastik & Elektroschrott.

    Verifizierter Top 500 Poster!

    Signatur von quineloe geklaut!

    Signatur von Gunslinger Gary geraubmordkopiert!



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 26.11.21 12:23 durch Truster.

  6. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Clown 26.11.21 - 13:18

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Käme man jetzt zum Ergebnis "3 LKW zum Kunden, 1 LKW in die Presse", das
    > wäre dramatisch. Ist aber das Ergebnis "300 LKW zum Kunden, 1 LKW in die
    > Presse", entlockt das nicht mal ein Schulterzucken.

    Quatsch. Es ist völlig unerheblich, ob der Verursacher 3 oder 300 LKWs ausliefert. Was macht denn das für einen Unterschied? Eine LKW-Ladung voll mit Neuware wird vernichtet. Mehr muss man nicht wissen, um auf erster Ebene zu erkennen, dass da etwas falsch läuft.

    If they have to advertise it, you either don't need it or it's crap.

  7. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: DowneasterAlexa 26.11.21 - 15:02

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > (...)
    >
    > Käme man jetzt zum Ergebnis "3 LKW zum Kunden, 1 LKW in die Presse", das
    > wäre dramatisch. Ist aber das Ergebnis "300 LKW zum Kunden, 1 LKW in die
    > Presse", entlockt das nicht mal ein Schulterzucken. (...)

    Genau für diese Betrachtung haben die meisten keine Zeit.

    Die Rohstoffe entnimmt man der Erdkruste, steckt menschliche Arbeitskraft und Zeit rein und macht daraus Dinge, die fast alle Verwendung finden. Und wenn nicht, dann werden sie der Erde zurückgegeben, und nur die Arbeitszeit ist futsch. Wieviel Prozent des eigenen Tages verbringt man mit Nutzlosem? Machen dann die Prozente an weggeworfenen Artikeln wirklich so viel aus?

    Das wird in Szene gesetzt von Akteuren wie Greenpeace, instrumantalisiert von Leuten wie den Grünen und voller demonstrativer Demut von den Menschen, die so gerne grün und gut sein wollen, nachgebetet.

    Hier etwas die Effizienz bei der Herstellung verbessern, da ein Ding mal etwas länger nutzen und - ja - auch aufpassen, was man bestellt oder auch mal nicht. Dann haben wir es, ohne Sündenböcke und vor allem: ohne Weltretter, die uns das Leben zur Hölle machen!

  8. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: yumiko 26.11.21 - 15:29

    DowneasterAlexa schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Käme man jetzt zum Ergebnis "3 LKW zum Kunden, 1 LKW in die Presse", das
    > > wäre dramatisch. Ist aber das Ergebnis "300 LKW zum Kunden, 1 LKW in die
    > > Presse", entlockt das nicht mal ein Schulterzucken. (...)
    >
    > Genau für diese Betrachtung haben die meisten keine Zeit.
    >
    > Die Rohstoffe entnimmt man der Erdkruste, steckt menschliche Arbeitskraft
    > und Zeit rein und macht daraus Dinge, die fast alle Verwendung finden. Und
    > wenn nicht, dann werden sie der Erde zurückgegeben, und nur die Arbeitszeit
    > ist futsch. Wieviel Prozent des eigenen Tages verbringt man mit Nutzlosem?
    > Machen dann die Prozente an weggeworfenen Artikeln wirklich so viel aus?
    Das ist imho zu simpel betrachtet.
    Wenn Amazon den Drittanbietern nicht so die finanzielle Pitole auf die Brust setzen würde könnte - nach dem Bericht - das Problem stark entschärft werden.
    Auch das "Argument" verschenken würde ein bischen kosten und stattdessen erhöht man den Schadstoffausstoß ist unverständlich - eine bessere Lösung kostet etwas mehr, kennt man ja von überall: bessere CPU kostet mehr, besseres Auto usw.

    > Das wird in Szene gesetzt von Akteuren wie Greenpeace, instrumantalisiert
    > von Leuten wie den Grünen und voller demonstrativer Demut von den Menschen,
    > die so gerne grün und gut sein wollen, nachgebetet.
    > Hier etwas die Effizienz bei der Herstellung verbessern, da ein Ding mal
    > etwas länger nutzen und - ja - auch aufpassen, was man bestellt oder auch
    > mal nicht. Dann haben wir es, ohne Sündenböcke und vor allem: ohne
    > Weltretter, die uns das Leben zur Hölle machen!
    Es geht ja ums Konzept die Ere für Menschen bewohnbar zu erhalten.
    Da muss man mal alles kritisch hinterfragen und wenn das Entsorgen teurer als das Verschenken ist fällt deine ganze "Argumentationskette" plötzlich in sich zusammen, da Amazon dann komischerweise verschenkt (siehe andere Länder), trotz deiner "tollen" Argumente.

    Dieses ganze Rechtfertigung a la "wenn hunderte Leute sterben, damit ein Euro gespart wird ist das schon ok so, weil Hauptsache gespart" hat nichts mit linksgrünversifften kommunistischen Gutmenschen zu tun, sondern ist direkt das Ticket in den Untergang (aller Beteiligten) - im kleine und mittleren bereits in der Gechichte zu beobachten und nach dem "großen Vorfall" gibt es immerhin keine weiteren mehr, aber das kann man vermutlich nur verhindern wenn überall ein solches Gedankengut erkannt und angeprangert wird.

  9. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: DowneasterAlexa 26.11.21 - 16:27

    yumiko schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    (...)
    > Es geht ja ums Konzept die Ere für Menschen bewohnbar zu erhalten.
    > Da muss man mal alles kritisch hinterfragen(...)

    Das ist das neue "Kehrt um und tuet Buße" - nein, es geht dabei nicht immer gleich um die Erde sondern um die Verhältnismäßigkeit, Dieses eine Argument, die Erde zu retten, schlägt jedes andere tot und erlaubt gerade nicht das "Kritisch hinterfragen", was ja immer richtig ist, auch und besonders gegenüber solchen Riesenfirmen wie Amazon.

  10. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Oktavian 26.11.21 - 16:30

    > Wenn Amazon den Drittanbietern nicht so die finanzielle Pitole auf die
    > Brust setzen würde könnte - nach dem Bericht - das Problem stark entschärft
    > werden.

    Inwiefern "Pistole auf die Brust". Amazon macht ein Angebot, nicht mehr, nicht weniger. Die Händler kennen alle Randbedingungen vorher, da ist nichts überraschendes (außer man liest nicht, was man unterschreibt). Man weiß sehr genau, welche Fristen für was gelten, und was was kostet.

    Wenn nun ein Artikel nicht verkauft wurde, bietet Amazon dem Händler vier Optionen:
    1. Liegen lassen (zu erhöhten Lagerkosten)
    2. Abholen (ja auch die Auslagerung kostet, den Transport muss man selbst organisieren)
    3. Liefern lassen (das kostet etwas mehr als 2)
    4. Vernichten lassen (das ist oft die günstigste Lösung)

    Ein Händler weiß das vorher, er hat sich nur in der Attraktivität seines Produktes verkalkuliert. Das ist sein geschäftliches Risiko. Wer das nicht tragen will, sollte nicht Händler werden. Und wer mit den Preisen seines Logistik- und Vertriebspartner nicht einverstanden ist, sollte sich einen anderen suchen.

  11. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Booth 26.11.21 - 18:17

    Oktavian schrieb:
    -------------------------------------------------------------------------------

    > Ein Händler weiß das vorher, er hat sich nur in der Attraktivität seines
    > Produktes verkalkuliert. Das ist sein geschäftliches Risiko. Wer das nicht
    > tragen will, sollte nicht Händler werden. Und wer mit den Preisen seines
    > Logistik- und Vertriebspartner nicht einverstanden ist, sollte sich einen
    > anderen suchen.

    Diese BWL-Brille ist ja aus individueller Sicht nicht falsch. Aber es ist nur die individuelle Sicht - genauso wie der anfangs gemacht Punkt "ein LKW oder 100".

    Denn es gibt auch eine VWL-Brille. Wie oft passiert das auf gesellschaftlicher Ebene. Gar weltweit? Welche externen Kosten fallen hier gar nicht an, wie eben Umweltkosten, aber auch soziale Kosten?

    Diese Diskussion ist ohne weitere globale Infos sehr schwer zu führen. Zu behaupten, die VWL-Ebene wär aber irrelevant sollte in einer politischen Diskussion immer als falsch deklariert werden.

    Es geht letztlich hier um das ganze Konstrukt dass ein "Markt-Betreiber" für Unternehmen nicht nur den Markt sondern auch die Lagerhaltung durchführt. Welche Kosten gehen damit einher, die auf die Gesellschaft abgewälzt werden? Wollen wir solche Geschäftsmodelle tatsächlich am Ende haben? Wie lassen sich diese vermeiden, denn dass sie existieren hat ja betriebswirtschaftliche Gründe.

    Diese Fragen sind in einer politischen Diskussion prinzipiell von Interesse. Wer diese Fragen nicht zulassen will, will auch keine politische Diskussion. Was übrigens auch völlig OK ist. Aber wenn einer politisch diskutieren will und der andere nicht... hat eine Diskussion eigentlich gar keinen Sinn, oder? ;)

  12. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Dr.trax 27.11.21 - 01:43

    Die Frage ist doch was wird eigentlich entsorgt?
    Das ist fast nur billig Kram. Das will niemand geschenkt haben, die eigentliche Sauerei ist das so ein Plastikmüll überhaupt erst produziert wird.

    Amazon hat sicher nicht nur eine weiße Weste, aber weil es nun Mal der größte am Markt ist lässt sich da gut drauf bashen.

    Kennt ihr "the climate pledge"? Das ist Amazons versprechen bis 2040 CO2 neutral zu werden.
    Abgesehen davon ist amazon schon jetzt ein hoch effizientes Unternehmen. Jeder individuelle Einkauf in der Stadt wo privat mit dem Auto hingefahren wird ist schlechter für die Umwelt als eine Bestellung bei Amazon wo alles gebündelt transportiert wird.

  13. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: gloqol 27.11.21 - 09:40

    Was meint ihr was bei Bahuas, Ikea und so weiter mit Ware passiert die zurück kommt oder nicht mehr im Trend liegt?
    Genau.
    Die landet im Mülleimer.
    Aber wenn Amazon dass macht ist es Hexerei weil's ein US Konzern ist.
    Ich arbeite selber im Handel und wenn bei uns ein Teil beschädigt angeliefert wird kommt's in die Presse und es gibt vom Hersteller ein neues.
    Selbst wenn es nur Mini Macken hat.

    Der Kunde will es nicht
    Wir haben keine Lagerkapazität dafür
    Der Hersteller will es auch nicht mehr

    -> Abfall

  14. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Eheran 27.11.21 - 10:36

    >Mehr muss man nicht wissen, um auf erster Ebene zu erkennen, dass da etwas falsch läuft.
    Was soll denn deiner Meinung nach alternativ passieren?

  15. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Oktavian 27.11.21 - 15:48

    > Denn es gibt auch eine VWL-Brille. Wie oft passiert das auf
    > gesellschaftlicher Ebene. Gar weltweit? Welche externen Kosten fallen hier
    > gar nicht an, wie eben Umweltkosten, aber auch soziale Kosten?

    Genau diese Frage stelle ich ja, deshalb "Verhältnismäßigkeit". Wenn Amazon auf 1000 ausgelieferte LKW-Ladungen eine Ladung vernichtet, das wäre doch traumhaft. 0,1% Vernichtung, da könnte kein anderer Händler auch nur ansatzweise mithalten.

    Wenn hingegen jeder dritte LKW in die Presse geht, dann haben wir ein massives Problem.

    Und genau deshalb ist die Aussage "da wird jede Woche eine LKW-Ladung vernichtet" völlig sinnfrei. Es fehlt der Vergleichsmaßstab.

    > Diese Diskussion ist ohne weitere globale Infos sehr schwer zu führen.

    Deshalb mahne ich genau die Arbeit des Journalisten an. Hintergrund schaffen, Vergleiche schaffen, und nicht auf dumpfe Emotionen abzielen, das sollte Journalismus tun.

  16. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Clown 27.11.21 - 16:07

    Weiß ich nicht. Ich weiß allerdings, dass es nicht nicht sinnvoll ist, endliche Ressourcen erst zu verbrauchen, um Güter zu produzieren, die offenbar keinen oder zu wenige Leute interessieren und diese danach zu vernichten, wenn das eine künstlich geschaffene, im Grunde unendliche Ressource (Geld) diktiert.

    If they have to advertise it, you either don't need it or it's crap.

  17. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Oktavian 27.11.21 - 17:18

    > Weiß ich nicht.

    Zumindest ehrlich. :-)

    > Ich weiß allerdings, dass es nicht nicht sinnvoll ist,
    > endliche Ressourcen erst zu verbrauchen, um Güter zu produzieren,
    [...]
    > und diese danach zu vernichten,

    Da sind wir uns einig. Wäre schön, wenn man das weitestgehend vermeiden könnte. Ich glaube, wir sind uns auch einig, dass kein Produzent vorsätzlich Produkte herstellt, von denen er sicher weiß, dass er sie nicht verkauft bekommt und dann vernichten muss. Da er Geld für die Produktion bezahlt, können wir uns glaube ich darauf einigen, er macht das nicht mit Vorsatz.

    > die
    > offenbar keinen oder zu wenige Leute interessieren

    Und hier wird die Story plötzlich interessant. Ich gehe mal davon aus, die Kristallkugel ist gerade zur Reparatur, der Produzent muss also mit Annahmen arbeiten.

    Er muss sich folgende Fragen beantworten:
    Zu welchem Preis kann ich welcher Stückzahl von einem Gut produzieren?
    Zu welchem Preis kann ich welche Stückzahl von einem Gut verkaufen?
    Gibt es Faktoren der Unsicherheit, produziert z.B. gerade in einer anderen Fabrik jemand anders das gleiche Gut und ich weiß nichts davon?

    Könnte er all diese Fragen sicher beantworten, könnte er exakt die benötigte Menge produzieren, und alles ist toll. Kann er aber nicht. Schade.

    Jetzt könnte er natürlich weniger produzieren, und dann später bei Bedarf nachproduzieren, also eine sehr konservative Produktionsstrategie fahren. Das wirft aber ein paar Probleme auf:
    a) Kunden sind unglücklich, da Ware ausverkauft
    b) Kunden geben Geld, dass die für das Gut ausgeben wollten, für etwas anderes aus
    c) Ein Konkurrent ist schneller und springt in die Lücke
    d) Der Hype um mein Produkt ist zu schnell vorbei, das Interesse erlahmt
    e) Produktion in vielen kleinen Chargen ist deutlich teurer als Produktion in weniger großen. Das verschiebt alle Überlegungen aus dem ersten Fragenblock.

    Wie Du siehst, der Produzent ist nicht blöd. Er kann nur einfach auch nicht in die Zukunft gucken. Dazu kommt noch, dass Kunden sehr wählerisch sind. Schon kleinste Beschädigungen gehen zurück. Schon minimales Alter des Produkte wird abgestraft.

  18. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Clown 27.11.21 - 18:36

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Zumindest ehrlich. :-)

    Selbstverständlich! :) Was wäre es auch für eine Diskussion, wenn jeder gleich die perfekte Lösung direkt parat hätte? ;)

    > Da sind wir uns einig. Wäre schön, wenn man das weitestgehend vermeiden
    > könnte. Ich glaube, wir sind uns auch einig, dass kein Produzent
    > vorsätzlich Produkte herstellt, von denen er sicher weiß, dass er sie nicht
    > verkauft bekommt und dann vernichten muss. Da er Geld für die Produktion
    > bezahlt, können wir uns glaube ich darauf einigen, er macht das nicht mit
    > Vorsatz.

    Hm, ja und nein. Sicherlich ist es nicht per se gewollt zuviel produzierte Produkte zu vernichten, aber es wird sehr wohl miteingeplant und dementsprechend auch eingepreist. Ich erkenne da durchaus einen Vorsatz ;)

    > Und hier wird die Story plötzlich interessant. [...]

    Damit hast Du aus BWL-Sicht vollkommen recht! Aber das reicht eben nicht (mehr).
    Wir wissen, dass wir zuviel konsumieren. Wir wissen auch, dass wir als Kunden gewisse Erwartungen an den Handel stellen, der genau das Gegenteil von nachhaltig ist. Das ist halt mittlerweile leider keine Frage mehr des Preises. Wir müssen langsam anfangen uns die gesamte Kette und die Konsequenzen daraus anzuschauen. Und dann stellen wir bspw fest, dass das mittlerweile gewohnte "ich geh um 19:55 in den Supermarkt und bekomme da noch alles an frischem internationalen Obst & Gemüse" ökologisch desaströs ist.

    Ich habs auch schon an anderer Stelle zur Mobilität geschrieben: Wir werden unsere Gewohnheiten ändern müssen. Das gilt genauso für die Mobilität und natürlich auch (wenn nicht sogar noch mehr) für die Konsum- und insb. Wegwerfgesellschaft.

    If they have to advertise it, you either don't need it or it's crap.

  19. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Oktavian 27.11.21 - 18:47

    > Wir wissen, dass wir zuviel konsumieren.

    Das liegt an jedem ganz persönlich. Kann man ändern, ist gar nicht so schwer.

    > Wir wissen auch, dass wir als
    > Kunden gewisse Erwartungen an den Handel stellen, der genau das Gegenteil
    > von nachhaltig ist.

    Auch hier wieder, kann jeder ändern, ist nicht schwer. Einfach in der Gemüsekiste im Supermarkt immer das vermackte nehmen und die einwandfreie Ware liegen lassen. Einfach im Kühlregal immer die Produkte nehmen, die kurz vorm Ablauf sind. Das kann jeder tun.

    > Das ist halt mittlerweile leider keine Frage mehr des
    > Preises. Wir müssen langsam anfangen uns die gesamte Kette und die
    > Konsequenzen daraus anzuschauen.

    Wie gesagt, es liegt an jedem persönlich. Jeder darf da gerne mit gutem Beispiel voran gehen.

    > Und dann stellen wir bspw fest, dass das
    > mittlerweile gewohnte "ich geh um 19:55 in den Supermarkt und bekomme da
    > noch alles an frischem internationalen Obst & Gemüse" ökologisch desaströs
    > ist.

    Natürlich, einfach nicht um diese Zeit gehen. Und immer regional und saisonal einkaufen. Im Winter wird die Ernährung natürlich etwas eintönig, damit muss man dann klar kommen. Es liegt an jedem einzelnen.

    > Ich habs auch schon an anderer Stelle zur Mobilität geschrieben: Wir werden
    > unsere Gewohnheiten ändern müssen.

    Auch hier, nur zu.

    Das Problem ist meist der Unterschied zwischen Anspruch und persönlicher Wirklichkeit. Da gab es doch kürzlich die Studie "Jugend in Deutschland". Deutlich mehr als die Hälfte unserer FFF-Jugend hält Klimaschutz für ein total wichtiges Thema.

    Aber nur 27% wären bereit, auf Flugreisen zu verzichten dafür. Nur 19% auf ein eigenes Auto. Nur 26% wären bereit, auf Fleisch zu verzichten, nur 40% könnten sich vorstellen, gebrauchte Waren zu kaufen.

    Die Industrie liefert, was der Kunde möchte. Solange der Kunde günstige Ware möchte, wird die produziert. Und nein, das ist nicht Aufgabe des Staates, das zu regeln. Wir sind der Staat, wir können das selber, jeder einzelne. Der Ruf nach der großen Lösung für alles führt eigentlich nur dazu, dass gar nichts gelöst wird.

  20. Re: Verhältnismäßigkeit

    Autor: Clown 28.11.21 - 00:39

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Problem ist meist der Unterschied zwischen Anspruch und persönlicher
    > Wirklichkeit.

    Nein, das ist nur eine Frage der Verantwortung und der eigenen Bequemlichkeit.

    > Die Industrie liefert, was der Kunde möchte. Solange der Kunde günstige
    > Ware möchte, wird die produziert.

    Ja, die dumme Mehrheit eben. Das ist ja keine Neuigkeit ;)

    > Und nein, das ist nicht Aufgabe des
    > Staates, das zu regeln. Wir sind der Staat, wir können das selber, jeder
    > einzelne.

    Also ist es doch Aufgabe des Staates, wenn wir selber Staat sind?!

    > Der Ruf nach der großen Lösung für alles führt eigentlich nur
    > dazu, dass gar nichts gelöst wird.

    Eigentlich ist das der blanke Hohn. Seit Jahrzehnten wird von verhältnismäßig kleinen Schritten geredet, die ebenso lang belächelt, ignoriert und sogar mit exakt gegenteiligem Verhalten beantwortet werden. Jetzt wird langsam der Kragen eng, die Forderungen werden in logischer Konsequenz größer und dann heißt es, dass die Forderungen zu groß sind.. Eigenartige (persönliche) Realität ;)

    Aber warum in die Ferne schweifen.. Die aktuelle Pandemielage und die Menge an Volltrotteln, die das Ganze sehr erfolgreich am Leben erhalten sind ein Paradebeispiel dafür, wie mit größeren Themen als der persönlichen Abendgestaltung umgegangen wird.

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