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Gleich kommmen wieder die Leute...

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  1. Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Argbeil 08.04.15 - 08:30

    ..die erzählen dass diese Leute "schon genug verdienen", "die Bezahlung eigentlich ganz gut ist" und "sie doch selbst schuld sind wenn sie Lagerarbeiter sind." Dann reg ich mich wieder auf.

  2. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Argbeil 08.04.15 - 08:32

    Oder die sagen "Die Gewerkschaft wäre schlecht für die Arbeitnehmer". Da reg ich mich dann auch wieder auf.

  3. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: AndyMt 08.04.15 - 08:39

    Sind manche Gewerkschaften ja auch. Wer hat 2003 Honsel und ZF in die Insolvenz gestreikt, wie die Autohersteller sich dann zuverlässigere Lieferanten gesucht haben? Selbst im Verwandtenkreis erlebt. War das gut für die Arbeitnehmer?

  4. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: jajaja 08.04.15 - 08:41

    Warum kämpft die Gewerkschaft dann nicht für bessere Behandlung der Arbeitnehmer und kürzere Pausenwege?

  5. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Argbeil 08.04.15 - 08:48

    Der Vergleich hinkt in allen Belangen.

    Das ein Unternehmen nach einem Streik Pleite ist nicht die Regel sondern eine Ausnahme. Im Falle Honsel war das Unternehmen erst 2010 insolvent hatte aber bereits 2003 ca. 500 Millionen Euro Schulden

    Zudem streikt nie die Gewerkschaft sondern die in der Gewerkschaft organisierten Arbeitnehmer die vorher selbst dem Streik zugestimmt haben. Jeder einzelne hätte die Option gehabt nicht mitzustreiken - du müsstest also sagen die Arbeitnehmer sind mit Ihrem Streik von 2003 Schuld dass Honsel in 2010 in die Insolvenz gegangen ist.

  6. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Argbeil 08.04.15 - 08:52

    Phänomenal ausgerechnet Honsel als Beispiel zu nehmen. Mit der Insolvenz hat natürlich die Übernahme durch Heuschrecken in 1999 gar nichts zu tun. Wofür haben die Arbeitnehmer eigentlich damals gestreikt?

  7. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: AndyMt 08.04.15 - 08:57

    Ja sicher sind die Arbeitnehmer am Schluss selbst schuld. Sie wurden von der IG Metall aber dazu verleitet und der Gruppendruck etc.... Dass sich der Streik erst viel später auswirkt war auch klar. Aber "dank" der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer wurde sich z.B. BMW erst bewusst dass sie sich besser Alternativen suchen. Nach wenigen Jahren waren die gefunden, aufgebaut und das Auftragsvolumen für den alten Zulieferer sank so weit, dass eine Sanierung nicht mehr möglich war.
    Wenn es der Firma schon schlecht geht bestreikt man sie nicht auch noch! Seither sind Gewerkschaften für mich unten durch.

  8. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: _moriarty_ 08.04.15 - 10:03

    Ich finde diese Sprüche auch Blöd. Aber ich höre genau die gleichen, nur eben nicht Lagerarbeiter sondern Softwareentwickler. Noch dazu meint jeder ich verdiene die fette Kohle, dabei ist es nicht so viel mehr als der Lagerarbeiter und wenn ich meine Unbezahlten Überstunden noch einrechne, sind es nicht mehr als 12¤ die Stunde.

  9. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Lucamarc 08.04.15 - 10:05

    Argbeil schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ..die erzählen dass diese Leute "schon genug verdienen", "die Bezahlung
    > eigentlich ganz gut ist" und "sie doch selbst schuld sind wenn sie
    > Lagerarbeiter sind." Dann reg ich mich wieder auf.

    Warum regt dich das denn auf ? Bist du für einen Einheitslohn?
    Ich finde es muss ich lohnen Jahre lang zu studieren.
    Ich glaube nicht das sie selbst schuld daran sind, vielleicht hatten sie ja nicht die Möglichkeit etwas anderes zu lernen.
    Aber mein Bruder ist Karosseriebauer, er den Beruf gelernt, sich jahrelang fortgebildet und verdient nicht mehr als ein Lagerarbeiter bei Amazon.

    "Es scheint nicht immer nur die Sonne.
    Der Regen fällt auf den Gerechten, genau wie auf den Ungerechten."

  10. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Mingfu 08.04.15 - 10:28

    Lucamarc schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Warum regt dich das denn auf ? Bist du für einen Einheitslohn?
    > Ich finde es muss ich lohnen Jahre lang zu studieren.

    Sehe ich nicht so. Wer nur wegen des Geldes einen Beruf ergreift, taugt in der Regel nichts. Hinzu kommt, dass studieren auch so bereits lohnt, denn man hat dann später normalerweise keinen Beruf, bei dem man bei Wind und Wetter draußen ist oder sich mit physisch schweren Tätigkeiten die Knochen ruiniert.

    Nebenbei würde eine realistische Kompensation für die Studienzeit (die übrigens meist doch sehr angenehm ist) dann bei höchstens 20 Prozent zusätzlich liegen. Man sollte sich also auf sein Studium mal nicht zu viel einbilden.

  11. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Dhakra 08.04.15 - 11:05

    Lucamarc schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Warum regt dich das denn auf ? Bist du für einen Einheitslohn?
    > Ich finde es muss ich lohnen Jahre lang zu studieren.
    > Ich glaube nicht das sie selbst schuld daran sind, vielleicht hatten sie ja
    > nicht die Möglichkeit etwas anderes zu lernen.
    > Aber mein Bruder ist Karosseriebauer, er den Beruf gelernt, sich jahrelang
    > fortgebildet und verdient nicht mehr als ein Lagerarbeiter bei Amazon.

    Die Meinung teile ich nur so halb. Warum sollte theoretische Erfahrung höher entlohnt werden als die Praxiserfahrung? Nur weil einer X-Jahre studiert hat, hat er nicht zwangsläufig mehr auf den Kasten. Ich kann es aber auch nachvollziehen, dass Leute mit einem längeren "Bildungsweg" eine höhere Entlohnung bekommen, weil sonst letztendlich ziemlich wenig Leute studieren gehen würden.
    Eine höhere Gehaltsstufe zu verlangen, für die man "theoretisch" nicht die gefroderten Zettelchen hat, ist immer schwierig.
    Leider heulen nur immer alle sie wollen mehr verdienen, aber was nun GENAU verdient wird und ob es irgendwelche Sonderzuschläge oder ähnliches gibt, erfährt man auch nicht wirklich.

    Einzelhandelstarif ist ja quasi von 9¤-30¤ pro Stunde, da ist eine ziemlich dicke Spanne. Ich weiß ein Tarif beinhaltet nicht nur den Lohn, aber darum - so liest es sich - geht es ja wohl den meisten Streikenden. Was wird nun bei Amazon verdient? Hat jemand da GENAUE Informationen?

  12. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Lucamarc 08.04.15 - 11:05

    Mingfu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Nebenbei würde eine realistische Kompensation für die Studienzeit (die
    > übrigens meist doch sehr angenehm ist) dann bei höchstens 20 Prozent
    > zusätzlich liegen. Man sollte sich also auf sein Studium mal nicht zu viel
    > einbilden.

    Jedoch kostet auch ein Studium eine menge Geld.
    Ich persöhnlich habe auch nicht studiert. Ich liebe meinen Beruf als (Fach)Informatiker und wollte ihn so schnell wie möglich ausüben. Jedoch kommt man um diverese Schulungen und Fortbildungen nicht herum. Und aus dem lernen kommt man auch nicht raus da sich die Technik Welt ständig verändert. Ich finde das ich mir den Lohn den ich mehr bekomme ,als z.B. Lagerarbeiter , verdient habe.
    Diese üben zwar ein körperliche Arbeit aus die aber keinerlei (und das soll nicht zu hart klingen) Bildung geschweige denn Fortbildung braucht. Sie kriegen für das was sie tun (Achtung : Eigene Meinung) genug Geld.

    Und wie du sagtest. Einen Beruf sollte man nicht nur aus Geld Gründen machen. Aber genau darum geht es doch hier. Mein Bruder macht sein Job gerne und auch wenn er wenig verdient streikt er nicht und beschwert sich nicht.

    "Es scheint nicht immer nur die Sonne.
    Der Regen fällt auf den Gerechten, genau wie auf den Ungerechten."

  13. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: Dwalinn 08.04.15 - 11:09

    Weil wir alle Prostituierte sind... alles nur ne frage des Preises.

    Verdi geht es nicht um die Mitarbeiter bei Amazon sondern um alle Lagerarbeiter die bei Versandhändlern arbeiten (Otto, Quelle usw.), zumindest habe ich das neulich gehört, mit den tatsächlichen Forderungen habe ich mich nicht auseinandergesetzt.

  14. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: aLpenbog 08.04.15 - 13:35

    Argbeil schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ..die erzählen dass diese Leute "schon genug verdienen", "die Bezahlung
    > eigentlich ganz gut ist" und "sie doch selbst schuld sind wenn sie
    > Lagerarbeiter sind." Dann reg ich mich wieder auf.


    Selbstverständlich nicht. Die Leute wurden alle unter vorgehaltener Waffe gezwungen genau diesen Beruf zu ergreifen und bei diesem Unternehmen tätig zu werden. Natürlich stand zum Zeitpunkt der Unterschrift auch ein ganz anderer Lohn im Vertrag, welchen man zugestimmt hat.

    Gerade heutzutage ist es leichter als je zuvor sich selbstständig zu machen. Das Internet hat dazu geführt, dass man in etlichen Bereichen quasi ohne Startkapital was starten kann. Die Zeiten als man eine Menge schwerer Maschinen, eine große Halle und ein halbes Dorf brauchte sind vorbei, zumindest in sehr vielen Branchen gibt es heute auch andere Möglichkeiten. Natürlich bedeutet das Risiko und Engagement, da ist es natürlich leichter für Summe Xy ins fertig gemachte Nest zu gehen und hinterher, nachdem die Unterschrift steht zu sagen Summe Xy wäre unmenschlich und zuwenig, man hätte ja auch nicht ahnen können, dass man sowenig verdient, stand ja schließlich nicht im Vertrag.

    Und was Bildung angeht kann man sich in .de auch net beschweren. Man kann sogut wie alles nachmachen, kriegt in den meisten Fällen, sofern finanziell nicht machbar entsprechende Unterstützung usw. Ganz abgesehen davon, dass die Leute entsprechend das leisten müssten, was der Einzelhandel leistet, um dieses Gehalt zu bekommen. Bei Amazon beraten mich die Kunden, nicht die Logistikmitarbeiter, wenn dann steht denen eine entsprechende Entlohnung oder Rabatte zu.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 08.04.15 13:37 durch aLpenbog.

  15. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: SoniX 08.04.15 - 18:17

    Argbeil schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ..die erzählen dass diese Leute "schon genug verdienen", "die Bezahlung
    > eigentlich ganz gut ist" und "sie doch selbst schuld sind wenn sie
    > Lagerarbeiter sind." Dann reg ich mich wieder auf.

    Na dann reg dich auf ^^

    Triffst mit all deinen Punkten voll ins Schwarze. :)

  16. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: RapidStrikeCS-18 09.04.15 - 21:47

    Dhakra schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Meinung teile ich nur so halb. Warum sollte theoretische Erfahrung
    > höher entlohnt werden als die Praxiserfahrung? Nur weil einer X-Jahre
    > studiert hat, hat er nicht zwangsläufig mehr auf den Kasten.

    Erlebe ich regelmäßig bei diversen Vorgesetzten. ;-)

    Frisch von der Uni, "So, jetzt bist du Chef. Mach mal." Mit absehbaren Folgen in einigen Fällen.

    > Einzelhandelstarif ist ja quasi von 9¤-30¤ pro Stunde, da ist eine ziemlich
    > dicke Spanne. Ich weiß ein Tarif beinhaltet nicht nur den Lohn, aber darum
    > - so liest es sich - geht es ja wohl den meisten Streikenden. Was wird nun
    > bei Amazon verdient? Hat jemand da GENAUE Informationen?

    Von Standort zu Standort unterschiedlich, neue Mitarbeiter verdienen weniger als Kollegen, die schon über ein Jahr dabei sind. Nach zwei Jahren gibt's noch mal etwas mehr. Aktuell liegen wir bei uns nach zwei Jahren bei 12,16 Euro pro Stunde bzw. 2042,88 Euro brutto im Monat. Hinzu kommt eine variable "leistungsbezogene Prämie", die sehr intransparent ist und kollektiv angewandt wird, sprich: Hat ein Kollege aus der Partnerschicht einen Arbeitsunfall, wird meine Prämie gekürzt. Zusätzlich gibt es noch ein jährliches Aktienpaket, auf das man aber erst nach zwei Jahren Zugriff hat. Scheidet man vor Ablauf aus dem Unternehmen aus (egalob durch Kündigung, Auslaufen einer Befristung oder Erreichen des Rentenalters), sackt sich Amazon die Aktien wieder ein.


    aLpenbog schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Argbeil schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > Selbstverständlich nicht. Die Leute wurden alle unter vorgehaltener Waffe
    > gezwungen genau diesen Beruf zu ergreifen und bei diesem Unternehmen tätig
    > zu werden. Natürlich stand zum Zeitpunkt der Unterschrift auch ein ganz
    > anderer Lohn im Vertrag, welchen man zugestimmt hat.

    Solange es in Deutschland mehr Arbeitslose als Arbeitsplätze gibt, sind solche verächtlichen Aussagen absurd.

    Nein, niemand hat mich gezwungen, bei Amazon zu arbeiten. Ja, ich wusste, worauf ich mich einlasse. Heißt dass, das ich auf Dauer zufrieden sein muss? Gibt es nur die Optionen "die Arbeit so akzeptieren, wie sie ist" und "sich anderweitig bewerben"? Wieso nicht das, was man hat, verbessern?

    Zudem: Selbst wenn ich einen neuen Job finde, was ist dann mit den Kollegen, die immer noch bei Amazon sind? "Nicht mein Problem"? "Nach mir die Sintflut"? Ich kämpfe nicht nur für mich. Ich kämpfe für die Familienväter, die nicht wissen, wie sie mit ihrem Amazon-Lohn ihre Familie ernähren sollen. Hier mit Plattitüden wie "sucht euch doch was Besseres" oder "Hättet ihr mal was gelernt" um sich zu werfen, grenzt für mich an Menschenverachtung.

    Es ist wie beim Lotto: Jeder kann gewinnen - aber nicht alle. Ebenso hat theoretisch jeder die Möglichkeit, einen besseren Job zu finden - aber nicht alle! Denn irgendwer muss den Job ja immer noch machen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 09.04.15 21:54 durch RapidStrikeCS-18.

  17. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: SoniX 10.04.15 - 12:54

    RapidStrikeCS-18 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Von Standort zu Standort unterschiedlich, neue Mitarbeiter verdienen
    > weniger als Kollegen, die schon über ein Jahr dabei sind. Nach zwei Jahren
    > gibt's noch mal etwas mehr. Aktuell liegen wir bei uns nach zwei Jahren bei
    > 12,16 Euro pro Stunde bzw. 2042,88 Euro brutto im Monat. Hinzu kommt eine
    > variable "leistungsbezogene Prämie", die sehr intransparent ist und
    > kollektiv angewandt wird, sprich: Hat ein Kollege aus der Partnerschicht
    > einen Arbeitsunfall, wird meine Prämie gekürzt. Zusätzlich gibt es noch ein
    > jährliches Aktienpaket, auf das man aber erst nach zwei Jahren Zugriff hat.
    > Scheidet man vor Ablauf aus dem Unternehmen aus (egalob durch Kündigung,
    > Auslaufen einer Befristung oder Erreichen des Rentenalters), sackt sich
    > Amazon die Aktien wieder ein.

    Ist doch in Summe ein guter Verdienst.

    > Solange es in Deutschland mehr Arbeitslose als Arbeitsplätze gibt, sind
    > solche verächtlichen Aussagen absurd.
    >
    > Nein, niemand hat mich gezwungen, bei Amazon zu arbeiten. Ja, ich wusste,
    > worauf ich mich einlasse. Heißt dass, das ich auf Dauer zufrieden sein
    > muss?

    Wenn man vorausschauend gehandelt hat, eher schon.

    > Gibt es nur die Optionen "die Arbeit so akzeptieren, wie sie ist" und
    > "sich anderweitig bewerben"? Wieso nicht das, was man hat, verbessern?

    Verbesserung aus deiner Sicht. Alles was der Arbeiter mehr verdient bleibt der Firma weniger.

    Ausserdem hats doch eh keinen Sinn. Wieviele Streiks gabs da in den letzten Jahren und was haben sie gebracht? Das sollte man als Streikender auch mal bedenken.

    Wenn Amazon da wirklich was illegales täte, dann wärs längst vor Gericht. Tun sie aber nicht.

    > Zudem: Selbst wenn ich einen neuen Job finde, was ist dann mit den
    > Kollegen, die immer noch bei Amazon sind? "Nicht mein Problem"? "Nach mir
    > die Sintflut"? Ich kämpfe nicht nur für mich. Ich kämpfe für die
    > Familienväter, die nicht wissen, wie sie mit ihrem Amazon-Lohn ihre Familie
    > ernähren sollen. Hier mit Plattitüden wie "sucht euch doch was Besseres"
    > oder "Hättet ihr mal was gelernt" um sich zu werfen, grenzt für mich an
    > Menschenverachtung.

    Richtig, nicht dein Problem. Oder willst du dich um alle Probleme kümmern?

    Und wenn du das schon machen willst, dann fange doch da an wo wirklich Armut herrscht.

    Ein Familienvater der mit seinem Gehalt seine Familie nicht ernähren kann, sollte vielleicht mal überlegen. Hätte er seine Kinder bekommen sollen? Sollte die Frau vielleicht auch arbeiten gehen? Hätte er vielleicht eine Ausbildung machen sollen? etc

    Keine Ausbildung machen, Kinder in die Welt setzen und dann meinen mit simpler Lagerarbeit könne man mehrere Menschen ernähren ist doch weltfremd.

    > Es ist wie beim Lotto: Jeder kann gewinnen - aber nicht alle. Ebenso hat
    > theoretisch jeder die Möglichkeit, einen besseren Job zu finden - aber
    > nicht alle! Denn irgendwer muss den Job ja immer noch machen.

    Ist doch n guter Job. Viele sind froh ihn zu haben.

    Diejenigen die es nicht sind sollten sich halt was suchen wo sie zufrieden sind.

  18. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: RapidStrikeCS-18 10.04.15 - 19:52

    SoniX schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ist doch in Summe ein guter Verdienst.

    "Gut" ist relativ. Nur weil andere noch schlechter dran sind, muss ich mich nicht mit dem abfinden, was ich habe.

    Wie viel verdienen Sie denn? Wir können ja mal tauschen.

    > Wenn man vorausschauend gehandelt hat, eher schon.

    "Vorausschauend" ist etwas, was sich im Rückblick immer leicht sagt! Vor allem aus einer (vermeintlich) sicheren Position.

    > Verbesserung aus deiner Sicht. Alles was der Arbeiter mehr verdient bleibt
    > der Firma weniger.

    Ich komme gleich auf diesen Punkt zurück.

    > Ausserdem hats doch eh keinen Sinn. Wieviele Streiks gabs da in den letzten
    > Jahren und was haben sie gebracht? Das sollte man als Streikender auch mal
    > bedenken.

    Bei Ikea hat's sieben Jahre gedauert. Hat aber am Ende trotzdem geklappt. Ver.di stellt sich auf einen langen Kampf ein. Ich auch.

    > Wenn Amazon da wirklich was illegales täte, dann wärs längst vor Gericht.
    > Tun sie aber nicht.

    Nö, sonst würden wir ja nicht streiken, sondern klagen.

    Die Bundesregierung tut auch nichts Illegales. Trotzdem gehe ich mal davon aus, dass Sie wählen gehen.

    Beides sind Grundrechte.

    > Richtig, nicht dein Problem. Oder willst du dich um alle Probleme kümmern?

    Wie versprochen, komme ich auf den Punkt von weiter oben zurück:

    Das Einkommen meiner Arbeitskollegen (also derjenigen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, unter denen ich viele Freunde gewonnen habe) soll mir egal sein, aber dass die Firma weniger Geld verdienen würde, wenn sie mir (und meinen Kollegen) mehr Lohn zahlen würde, soll mich interessieren?

    Soll ich jetzt Egoist sein oder nicht? Irgendwie widersprechen Sie sich hier selbst.

    > Und wenn du das schon machen willst, dann fange doch da an wo wirklich
    > Armut herrscht.

    Ich kehre erst mal vor der eigenen Haustür.

    > Ein Familienvater der mit seinem Gehalt seine Familie nicht ernähren kann,
    > sollte vielleicht mal überlegen. Hätte er seine Kinder bekommen sollen?
    > Sollte die Frau vielleicht auch arbeiten gehen? Hätte er vielleicht eine
    > Ausbildung machen sollen? etc
    >
    > Keine Ausbildung machen, Kinder in die Welt setzen und dann meinen mit
    > simpler Lagerarbeit könne man mehrere Menschen ernähren ist doch weltfremd.

    Hätte hätte Fahrradkette. Abgesehen davon - ich habe Kollegen, die waren mal selbstständig und haben ausgehend von ihrem damaligen Verdienst eine Familie gegründet. Dann wurden sie (ausgerechnet!) durch die Konkurrenz von Amazon in die Insolvenz gedrängt und sehen jetzt ihre einzige Chance, sich und ihre Familie einigermaßen über Wasser zu halten, darin, für den früheren Konkurrenten zu arbeiten.

    Gerade in einer derartigen Notlage nimmt man jeden Job an, der sich anbietet.

    Wer sagt, dass die Kinder geplant waren? Vielleicht ist die Frau abgehauen oder gestorben.

    Woher maßen Sie sich an, über Leute zu urteilen, deren Schicksale sie nicht kennen?

    > Ist doch n guter Job. Viele sind froh ihn zu haben.
    >
    > Diejenigen die es nicht sind sollten sich halt was suchen wo sie zufrieden
    > sind.

    Ich bin froh, den Job zu haben. Das heißt aber nicht, dass ich damit zufrieden bin.

    Nur mal als Denkanstoß: Wenn die einzigen Optionen bei Unzufriedenheit im Job wären, entweder klein beizugeben oder sich etwas anderes zu suchen, gäbe es nur noch Leute, die irgendwann innerlich kündigen, und solche, deren Lebenslauf aussieht wie ein Flickenteppich.

    Und wenn es unsere Väter und deren Väter ebenfalls so gehandhabt hätten, gäbe es heute mit Sicherheit keine Fünf-Tage-Woche, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mitbestimmung im Betrieb und sonstige Annehmlichkeiten, die vergangene Generationen von Arbeitnehmern und deren Vertretungen erkämpft haben.

  19. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: SoniX 11.04.15 - 09:13

    Guten morgen.

    Du hast Argumente, keine schlechten.

    Nur...

    Ich bekomme auch nur n zweistelligen Betrag mehr raus als der von dir geschriebene Amazonverdienst. Ich bin die rechte Hand der Firma, trage viel Verantwortung, ohne mich gehts nicht auf Dauer.

    Meine Frau hat Diplom gemacht, hat Schichtdienste (Tags, Nachts; auch oft 13, 14.. Stunden am Stück). Sie ist im Gesundheitsbereich und macht Ihren Job gut. Es hängen Leben davon ab. Sie bekommt bis auf ein paar Zulagen auch nicht mehr als ich.

    Wir beschweren uns nicht.

    Wozu auch? Wir können damit wohnen, Essen, haben allerlei nicht lebensnotwendigen Schnickschnack wie TV Internet Auto etc. Wir können uns kaufen was wir möchten , mehrmals im Jahr in Urlaub fahren... kurz uns scheint die Sonne ausm Arsch. Und dabei bleibt sogar n Haufen Geld am Ende übrig...

    Verdienen tun wir kaum mehr als n Amazonmitarbeiter. Tragen aber weit mehr Verantwortung und leisten mehr Wochenstunden.

    Ja.. ich halte die Amazonstreiks für erste Weltprobleme. Von Gier getrieben und Inkompetenz mit dem Zufrieden zu sein was man hat.

    Geld wächst nicht auf Bäumen, man muss es sich verdienen.

  20. Re: Gleich kommmen wieder die Leute...

    Autor: RapidStrikeCS-18 11.04.15 - 16:59

    SoniX schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Guten morgen.
    >
    > Du hast Argumente, keine schlechten.
    >
    > Nur...
    >
    > Ich bekomme auch nur n zweistelligen Betrag mehr raus als der von dir
    > geschriebene Amazonverdienst. Ich bin die rechte Hand der Firma, trage viel
    > Verantwortung, ohne mich gehts nicht auf Dauer.

    In Unkenntnis des Arbeitgebers würde ich zumindest den Verdacht äußern, dass Verantwortung das einzige zu sein scheint, das der Arbeitgeber bereitwillig abgibt.

    > Meine Frau hat Diplom gemacht, hat Schichtdienste (Tags, Nachts; auch oft
    > 13, 14.. Stunden am Stück). Sie ist im Gesundheitsbereich und macht Ihren
    > Job gut. Es hängen Leben davon ab. Sie bekommt bis auf ein paar Zulagen
    > auch nicht mehr als ich.

    13-14 Stunden am Stück? Das ist doch ein eklatanter Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz, damit macht sich der Arbeitgeber sogar strafbar! Gibt es keinen Betriebsrat, der über die Einhaltung der gesetzlichen Höchstgrenzen wacht?

    "Leben hängen davon ab" - das wird meiner Erfahrung nach sehr, sehr gerne von Arbeitgebern im Gesundheitsbereich als Totschlagargument genutzt, um Arbeitnehmer emotional zu erpressen. Mich wundern diverse Meldungen über schwerwiegendes Fehlverhalten in der Branche nicht - dass bei der Arbeitsbelastung die Leute irgendwann durchdrehen, ist nachvollziehbar. Und schuld sind natürlich am Ende wieder die bösen Arbeitnehmer, die gegen geltende Vorschriften verstoßen haben. Dass diese Arbeitnehmer durch endlose Mörderschichten völlig fertig mit den Nerven sind, interessiert niemanden.

    Wie heißt es so schön? Zur Ausbeutung gehören immer zwei - die Ausbeuter und die, die sich ausbeuten lassen und das auch noch in Ordnung finden.

    > Wir beschweren uns nicht.
    >
    > Wozu auch? Wir können damit wohnen, Essen, haben allerlei nicht
    > lebensnotwendigen Schnickschnack wie TV Internet Auto etc. Wir können uns
    > kaufen was wir möchten , mehrmals im Jahr in Urlaub fahren... kurz uns
    > scheint die Sonne ausm Arsch. Und dabei bleibt sogar n Haufen Geld am Ende
    > übrig...

    Wenn es mit dem Geld klappt, ist es ja gut. Aber nur, weil es bei einer Familie funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass dies auch auf andere Familien zutrifft bzw. diejenigen, bei denen es nicht klappt, "selbst schuld" sind.

    Noch ein Beispiel: Es ist ja nicht alles bei Amazon schlecht. Amazon gibt tatsächlich jedem eine Chance - sogar Arbeitnehmern fortgeschrittenen Alters. Was wollen Sie einem Mitmenschen jenseits der 50, der unverschuldet seinen vorigen Arbeitsplatz verloren hat und jetzt bei Amazon seine letzte Chance sieht, noch bis zur Rente sein Geld zu verdienen, vorwerfen? Dass er es vor 30 Jahren versäumt hat, einen Beruf zu erlernen, den es damals noch nicht gab? Dass er den Fehler begangen hat, zu früh zur Welt zu kommen?

    > Verdienen tun wir kaum mehr als n Amazonmitarbeiter. Tragen aber weit mehr
    > Verantwortung und leisten mehr Wochenstunden.

    Unter Berücksichtigung der oben erwähnten Arbeitsumstände: Hier gilt für mich tatsächlich mal "selbst schuld"!

    > Ja.. ich halte die Amazonstreiks für erste Weltprobleme. Von Gier getrieben
    > und Inkompetenz mit dem Zufrieden zu sein was man hat.

    "Gier" sehe ich an ganz anderer Stelle. Bei Weltkonzernen, die immer mehr Leistung von ihren Mitarbeitern sehen wollen und überall eine Führungsposition beanspruchen - außer bei der Bezahlung der eigenen Mitarbeiter.

    "Inkompetenz" - sagt Ihnen das "Peter-Prinzip" etwas? ;-)

    > Geld wächst nicht auf Bäumen, man muss es sich verdienen.

    Wir verdienen es uns ja. Wenn wir nicht gerade streiken, arbeiten wir. Gerne und fleißig. Nur sind wir der Ansicht, die Bezahlung stehe in keinem gesunden Verhältnis zu unserer Leistung.

    Wer dies anders sieht, ist ja nicht gezwungen zu streiken. Allerdings: Nur weil man sich selbst bereitwillig ausbeuten lässt, muss man nicht von anderen erwarten, dies ebenfalls klaglos hinzunehmen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.04.15 17:06 durch RapidStrikeCS-18.

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