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Ist eine interessante Praxis
Autor: Füchslein 26.05.16 - 13:16
30% inländisch zu produzieren finde ich eine interessante Praxis. Ist ja so wie manche Unternehmen das machen: Teile im Ausland produzieren lassen, und im Inland zusammenbauen.
Dann hat man auch nicht so viele Probleme mit Steuerflucht - immerhin sind die 30% dann sicher ;-) -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: Mingfu 26.05.16 - 13:27
Das ist einfach nur Quatsch und überhaupt nicht praktikabel. Die Geräte sind üblicherweise für den internationalen Markt gedacht. Man kann also nicht in jedem Land der Welt 30 Prozent Wertschöpfung haben. Es bringt auch nichts, die Produktion aufzuspalten und in jedem Land genau dessen Geräte zu produzieren, weil man damit überhaupt nicht auf entsprechende Mengen kommt. Man hat damit nur unglaublich hohe Fix- und Logistikkosten, die am Ende der Verbraucher zahlen müsste. Der wird davon aber nicht begeistert sein, wenn er durch diese Reibungsverluste deutlich höhere Preise zahlen muss.
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Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: yoyoyo 26.05.16 - 13:42
Wenn er dafür einen Arbeitsplatz hat womöglich schon. Indien spielt halt einfach seine Marktmacht aus, genau wie es die USA demnächst auch tun werden.
EU bekommt halt nichts gebacken, da wird das ausfallen. (wenn es sie überhaupt noch gibt) -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: plutoniumsulfat 26.05.16 - 13:44
Für andere Produkte ist das aber gar nicht so blöd.
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Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: Mingfu 26.05.16 - 14:28
Das ist auch für andere Produkte einfach nur nationalistischer Unsinn. Sachen sollten dort produziert werden, wo die besten Voraussetzungen dafür existieren, sei es in Form natürlicher Gegebenheiten, kurzer Lieferketten, bestehender Fertigungsinfrastruktur... Es ist überhaupt nicht sinnvoll, Ressourcen extra dafür zu verschwenden, damit jeder sein eigenes nationales Süppchen kochen kann. Im Gegenteil, wir müssen auf dieser Welt ganz dringend über Ressourceneffizienz und Ressourcensparsamkeit sprechen, weil nach und nach nicht mehr alles nur für ein paar Europäer und Nordamerikaner reichen muss, sondern mehr Menschen ihren fairen Anteil einfordern. Das kann die Erde aber nicht auf dem Niveau bereitstellen, ohne dass es zu größten Verwerfungen kommt.
Den Blick nur noch bis zum nationalen Gartenzaun können wir uns schlicht nicht leisten, wenn es nicht zu größeren Katastrophen kommen soll. -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: plutoniumsulfat 26.05.16 - 14:31
Warum sollten z.B. Lebensmittel nicht national produziert werden? Tomaten und Fleisch um die halbe Welt zu karren verbrennt wesentlich mehr Ressourcen, als wenn man das im eigenen Garten macht, sie aber nicht ganz so groß werden.
Was den Ressourcenverbrauch angeht: Den müssen ganz alleine die Europäer und Nordamerikanger eindämmen. Wer einen Großteil verbraucht, muss auch selbst sparen können. Aber das wird nicht funktionieren, solange unser komplettes Wirtschaftssystem auf Ausbeutung aufbaut. -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: sofries 26.05.16 - 14:46
Indien hat schon seit jeher eine Protektionistische Linie gefahren und ist bisher sehr oft auf die Schnauze gefallen. Man muss die wirtschaftliche Entwicklung Indiens nur mit der Chinas vergleichen und dann weiß man relativ schnell, wessen Methoden mehr gefruchtet haben. China hat auch bestimmte Regelungen (etwa vorgeschriebene Joint Ventures), konnte aber wesentlich schneller eine bürgerliche Mitte aufbauen trotz der politischen Gradwanderung zwischen Öffnung und Zensur. Das einzige, was in Indien bisher großartig geklappt hat, war die Schaffung von Millionen Jobs in der Call Center Industrie (dank der Pionierleistung von American Express, die Geld sparen mussten).
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Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: Mingfu 26.05.16 - 14:55
plutoniumsulfat schrieb:
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> Warum sollten z.B. Lebensmittel nicht national produziert werden? Tomaten
> und Fleisch um die halbe Welt zu karren verbrennt wesentlich mehr
> Ressourcen, als wenn man das im eigenen Garten macht, sie aber nicht ganz
> so groß werden.
Das gehört durchaus zu meinen Betrachtungen dazu: Welche natürliche Voraussetzungen existieren und welche Lieferketten resultieren daraus? Das muss man dann insgesamt betrachten. Während ein Tomaten- oder Kartoffelanbau in Deutschland für den eigenen Verzehr dann vermutlich die sinnvollste Lösung ist, werden Kaffee oder Bananen nicht sonderlich ertragreich sein. Dort könnte man höchstens hinterfragen, ob es sinnvoll ist, eine für Deutschland derart aufwändig zu beschaffende Ressource ziemlich achtlos in solchen Mengen zu konsumieren.
> Was den Ressourcenverbrauch angeht: Den müssen ganz alleine die Europäer und
> Nordamerikanger eindämmen. Wer einen Großteil verbraucht, muss auch selbst
> sparen können. Aber das wird nicht funktionieren, solange unser komplettes
> Wirtschaftssystem auf Ausbeutung aufbaut.
Das ist genau der Punkt: So langsam dämmert es am Horizont, dass es die bisherige "Erste Welt" ist, die teilen lernen muss und ihr Niveau wird senken müssen, damit alle Menschen fair an den Ressourcen der Erde partizipieren können. Aber genau das schmeckt vielen nicht, deshalb sind nationalistische Ansätze derzeit wieder so unglaublich populär. Man will damit das hiesige Wohlstandsniveau einzäunen. Abgesehen davon, dass das nicht funktionieren wird, haben wir weltweit auch nicht die Zeit, uns mit solchem Schmarrn aufzuhalten, weil die schon jetzt durch den Ressourcenverbrauch erzeugten Problem ziemlich drängen. Und es wird nur schlimmer, wenn man nicht gegensteuert. -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: Moe479 26.05.16 - 15:16
die höheren kosten zahlt der bürger sowieso, oder meinst du 100% der einsparungen werden an den kunden weitergereicht? da kommt als aller erstes der aktionär und dann eine ganze weile niemand anderes! wenn du das von der volkswirtschaftlichen seite siehst wird jede erspaarnis durch günstigere bedingungen anderswo durch den daraus entstehenden transferbedarf zunichte gemacht, du bezahlst dann 3 geld 80 weniger fürs importeil musst aber ein vielfaches an steuern aufwenden um die entgangene wertschöpfung bei dir auszugleichen.
lokal produzierte waren aus lokal geforderten rohstoffen sind dahin gehend das beste was du haben kannst, die sind der motor für eine gesunde mittelstands- und kleinbetriebs kultur, die ebend nicht weiterziehen blos weil die anteilseigner von multinationelen riesen ihr geld so günstig und schnell wie nur irgend möglich vermehrt sehen wollen.
ein mittelweg sind hürden für den weitergzug von kapital zu schaffen:
„Die Einführung einer nicht unerheblichen Verkehrssteuer auf alle Transaktionen könnte sich als die brauchbarste Reform im Hinblick auf die Abschwächung der Vorherrschaft der Spekulation [...] erweisen.“
– John Maynard Keynes: The General Theory of Employment, Interest and Money
man muss das nicht an nationalen grenzen, die imho eh was von vorgestern sind, festmachen sondern könnte auch über die örtliche entfernung in km schlüssel zur verkehrsbesteuerung aufstellen.
3 mal bearbeitet, zuletzt am 26.05.16 15:32 durch Moe479. -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: Maddix 26.05.16 - 15:25
Mingfu schrieb:
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> Das ist auch für andere Produkte einfach nur nationalistischer Unsinn.
> Sachen sollten dort produziert werden, wo die besten Voraussetzungen dafür
> existieren, sei es in Form natürlicher Gegebenheiten, kurzer Lieferketten,
> bestehender Fertigungsinfrastruktur... Es ist überhaupt nicht sinnvoll,
> Ressourcen extra dafür zu verschwenden, damit jeder sein eigenes nationales
> Süppchen kochen kann. Im Gegenteil, wir müssen auf dieser Welt ganz
> dringend über Ressourceneffizienz und Ressourcensparsamkeit sprechen, weil
> nach und nach nicht mehr alles nur für ein paar Europäer und Nordamerikaner
> reichen muss, sondern mehr Menschen ihren fairen Anteil einfordern. Das
> kann die Erde aber nicht auf dem Niveau bereitstellen, ohne dass es zu
> größten Verwerfungen kommt.
>
> Den Blick nur noch bis zum nationalen Gartenzaun können wir uns schlicht
> nicht leisten, wenn es nicht zu größeren Katastrophen kommen soll.
Sehe ich auch so. Local Content Bestimmungen sind in solchen Ländern üblich. In China etc. ging das, weil man eben der Meinung war, dass man unbedingt in diesen tollen Markt muss. Leider ist Indien kein so toller Markt und die Möglichkeit Güter über das Internet zu kaufen (gerade kleinere) hebelt die localization von Anteilen ab. Gerade in der Automobilindustrie ist die local content Forderung üblich, um die eigene Zuliefererindustrie in den Schwellen/Entwicklungsländern zu fördern. China und auch die osteuropäischen Staaten sind damit sehr gut gefahren, bis jemand auf die Idee von CKD und SKD Sätzen gekommen ist. Das ist nur bei Elektronik schwer möglich. Schlussendlich sollte Apple in Indien einfach auf Online Handel setzen, das kurbelt die Nachfrage sowieso an. -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: plutoniumsulfat 26.05.16 - 15:37
Gut, das ist klar, weil Bananen wohl nur schwerlich in Deutschland zu züchten sind ;)
Aber Rinder kannst du nahezu überall halten. Oder Salat anbauen. Warum kommt unser Salat aus Spanien, wenn wir ihn genauso vor der Haustür anbauen können? -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: flauschi123 27.05.16 - 05:52
Die Diskussion hier ist bizarr.
Kaum ein Land exportiert so viele Gueter wie Deutschland - mit massivem Handelsueberschuss - und es gibt hier im Forum tatsaechlich Leute, die dann auch noch vorschlagen, dass D noch weniger importieren soll als ohnehin schon der Fall ist.
Arroganter geht's kaum noch. -
Re: Ist eine interessante Praxis
Autor: plutoniumsulfat 27.05.16 - 13:51
Es geht nicht um Rohstoffe zur Weiterverarbeitung. Importierte Lebensmittel wie Tomaten werden da eher zum Essen importiert. Warum soll man die nicht selbst anbauen?



