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die Realität einer Migrantin ist immer politisch

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  1. Der Wert von "Bildung"

    Autor: Extrawurst 09.04.22 - 12:21

    Nutzer-name schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Monsder schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >
    > > Hab erst letztens eine Doku über Fernfahrer gesehen. War spannend, 3
    > Jahre
    > > Ausbildung, Schlechter Lohn und Miese Arbeitszeiten.
    >
    > Tja und manch einer macht diesen Job ganz ohne Ausbildung. Und für die
    > Ausbildung an sich wird auch kein Schulabschluss benötigt.

    Schulabschlüsse sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Es hat einen Grund, warum viele Arbeitgeber selbst noch mal Einstellungstests durchführen lassen. Und auch in den ganzen Handwerksbetrieben nehmen alle lieber jemanden mit mittelmäßigem Abschluss, der dafür die Arbeit auch wirklich (lernen) kann, als irgendeinen Akademiker.

    Und ja, das können auch Migranten sein.

    > Ich spreche keine Expertise ab. Die für den Job benötigte Expertise ist jedoch leicht und schnell zu erlangen.
    Weitestgehend geht es auch ganz ohne.

    Und sollte es nicht darum gehen, was man am Ende bei der Arbeit real leistet? In den USA (deren kulturelle Bewegungen ja gern irgendwann auch nach Europa schwappen) wenden sich auch zunehmend junge Menschen von den klassischen Bildungswegen ab, und sammeln stattdessen reale Arbeitserfahrungen - weil man damit mitunter mehr gefragt ist. Was nützt nen Bewerber mit Top Abitur und Studium, wenn er am Ende die eigentliche Arbeit schlechter macht, als der ungelernte Quereinsteiger?

    Ich finde, dass wir da gesellschaftlich einen ziemlich alten Dogma hinterherhinken.
    Kein Wunder, dass so viele Branchen einen "Fachkräftemangel" beweinen. Vielleicht mal das Klammern an für viele Branchen eben doch unwichtigere Abschlüsse reduzieren, dann wird man erstaunt sein, was manche Menschen abseits der etablierten Bildungswege eigentlich für Talente haben.

    Die grottigen Bedingungen in der Pflege zu stemmen und gute Arbeit zu leisten ist z.B. so eine Fähigkeit, die man in keiner Schule lernt.

    > Definiere das "gut leben".

    Trotz Arbeit nicht auf Hartz 4 Niveau am Existenzminimum rumkrepeln müssen.

    > Nur als Gedankenanreiz: Werden ungelernte Jobs stark subventioniert, so fehlt ein wesentlicher Anreiz für eine vernünftige Ausbildung für bessere Jobs.

    "Bessere Jobs" ist selbst eine ziemlich polemische Aussage für jemanden, der anderen Polemik vorwirft. Ist ein akademischer Job automatisch besser? Ich habe da etwas andere Vorstellungen, zumindest nach einigen Jahren an Lebenserfahrung. Habe oft mit angesehen, wie sich teils ungelernte Quereinsteiger in so manchen Job reingefuchst haben und am Ende bessere Arbeit abgeliefert haben, als so manche "offizielle" Fachkraft.

    Und da gerade in den "einfachen Berufen" wie Handwerker oder Pflege ein Personalmangel herrscht, müsste nach dem Prinzip von Angebot & Nachfrage, diese Jobs auch besser bezahlt werden. Aber da wir als Gesellschaft uns immer noch auf Zeugnissen einen runter holen, statt reale Arbeitsleistung entsprechend zu vergüten, brauchen wir uns auch nicht darüber wundern, dass viele lieber den pseudo-akademischen Weg gehen und sich dann für diese "einfachen Jobs für den Pöbel" zu fein sind.

    Die (Pseudo-)Akademisierung ist das Problem, nicht die Lösung.

    > Ich würde nicht tauschen. Für meinen derzeitigen Job habe ich viel gelernt, gearbeitet und buchstäblich mir den A... aufgerissen. Deswegen stehe ich nun da wo ich bin. Was hat die andere Person getan?

    Ja, das ist ein Argument, dass ich oft höre: "Ich bin diesen harten Weg gegangen, also muss es auch jeder andere tun! Wer das nicht tut, dem gönne ich nichts, egal ob diese Person am Ende eine ähnliche reale Arbeitsleistung abliefert!".

    Wie gesagt:
    Meiner Meinung nach sollte zählen, was ein Mensch real bei der Arbeit abliefert. Wenn ich einen Handwerker meine Rohrleitungen reparieren lasse, will ich dass der Kram am Ende zuverlässig repariert wird. Ob der Handwerker ne (in Deutschland anerkannte) Ausbildung gemacht hat oder alles "inoffiziell" in der Praxis gelernt hat, interessiert mich nicht die Bohne. Hauptsache das Resultat überzeugt.

    Und früher oder Später wird der Fachkräftemangel auch dazu hinführen, dass wir den Begriff "Fachkraft" überdenken müssen. Und ja, das betrifft vor allem Migranten. Denn oft haben die sehr wohl eine Ausbildung - sie ist nur nicht immer in Deutschland anerkannt. Würde man einfach nur die reale Arbeitsleistung zur Entlohnung betrachten, würde sich das Problem von selbst lösen. Aber die Pseudo-Akademisierung, unter der viele Helikopter-Eltern ihr Kind mit ner 3,4 noch aufs Gymnasium geprügelt haben, wird man so schnell nicht aus den Köpfen bekommen. Aber es wäre dringend nötig.

  2. Re: Der Wert von "Bildung"

    Autor: BlueBird12 09.04.22 - 13:22

    Extrawurst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wie gesagt:
    > Meiner Meinung nach sollte zählen, was ein Mensch real bei der Arbeit
    > abliefert. Wenn ich einen Handwerker meine Rohrleitungen reparieren lasse,
    > will ich dass der Kram am Ende zuverlässig repariert wird. Ob der
    > Handwerker ne (in Deutschland anerkannte) Ausbildung gemacht hat oder alles
    > "inoffiziell" in der Praxis gelernt hat, interessiert mich nicht die Bohne.
    > Hauptsache das Resultat überzeugt.

    Es geht darum gewissen Standard sicherzustellen. Das Szenario was du beschriebst, wo Abschlüsse im Prinzip nichts mehr wert wären, würde über kurz oder lang katastrophale Folgen haben. Da würde nicht nur die Qualität der Arbeit am Ende drunter leiden.
    Natürlich kann das im Einzelfall immer funktionieren, vor allem wenn man im Team sonst Leute hat die keine "Abkürzungen" genommen haben. Aber besetzt ein ganzes Team mit Leuten die alle autodidaktische Quereinsteiger sind und schon hast du den Salat.

  3. Re: Der Wert von "Bildung"

    Autor: Nutzer-name 09.04.22 - 15:47

    Extrawurst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Schulabschlüsse sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Es hat einen
    > Grund, warum viele Arbeitgeber selbst noch mal Einstellungstests
    > durchführen lassen. Und auch in den ganzen Handwerksbetrieben nehmen alle
    > lieber jemanden mit mittelmäßigem Abschluss, der dafür die Arbeit auch
    > wirklich (lernen) kann, als irgendeinen Akademiker.
    >
    > Und ja, das können auch Migranten sein.
    >

    Vollkommen richtig. Was willst du jedoch von einem erwarten, der nicht mal einen einfachen Schulabschluss schaffen will? Und auch keine Ausbildung?


    > Und sollte es nicht darum gehen, was man am Ende bei der Arbeit real
    > leistet? In den USA (deren kulturelle Bewegungen ja gern irgendwann auch
    > nach Europa schwappen) wenden sich auch zunehmend junge Menschen von den
    > klassischen Bildungswegen ab, und sammeln stattdessen reale
    > Arbeitserfahrungen - weil man damit mitunter mehr gefragt ist. Was nützt
    > nen Bewerber mit Top Abitur und Studium, wenn er am Ende die eigentliche
    > Arbeit schlechter macht, als der ungelernte Quereinsteiger?
    >

    Ist auch alles richtig aus meiner Sicht. Das letzte was ich mir bei einer Bewerbung (oder Headhunter-Empfehlung) anschaue, sind die Zeugnisse, bzw. welche Abschlüsse derjenige hat. Sondern vielmehr woran er schon gearbeitet hat und wie häufig er die Arbeitsstelle gewechselt hat.


    > Ich finde, dass wir da gesellschaftlich einen ziemlich alten Dogma
    > hinterherhinken.
    > Kein Wunder, dass so viele Branchen einen "Fachkräftemangel" beweinen.
    > Vielleicht mal das Klammern an für viele Branchen eben doch unwichtigere
    > Abschlüsse reduzieren, dann wird man erstaunt sein, was manche Menschen
    > abseits der etablierten Bildungswege eigentlich für Talente haben.

    Nochmals. Ich rede gar nicht von irgendwelchen Abschlüssen. Sondern eher vom Willen sich fortzubilden und auch was anderes als einfache Tätigkeiten zu verrichten.

    >
    > Die grottigen Bedingungen in der Pflege zu stemmen und gute Arbeit zu
    > leisten ist z.B. so eine Fähigkeit, die man in keiner Schule lernt.
    >
    > > Definiere das "gut leben".
    >
    > Trotz Arbeit nicht auf Hartz 4 Niveau am Existenzminimum rumkrepeln
    > müssen.

    Das wirst du in bestimmten Berufszweigen gar nicht anders machen können. Es kann nicht mehr bezahlt werden, als die Arbeitsstelle erwirtschaften kann.

    > "Bessere Jobs" ist selbst eine ziemlich polemische Aussage für jemanden,
    > der anderen Polemik vorwirft.

    Ich denke es sollte hier in dem Zusammenhang jedem klar sein, dass mit besseren Jobs hier solche gemeint sind, welche besser bezahlt werden und ggf. bessere Arbeitszeiten haben.

    Ist ein akademischer Job automatisch besser?
    > Ich habe da etwas andere Vorstellungen, zumindest nach einigen Jahren an
    > Lebenserfahrung. Habe oft mit angesehen, wie sich teils ungelernte
    > Quereinsteiger in so manchen Job reingefuchst haben und am Ende bessere
    > Arbeit abgeliefert haben, als so manche "offizielle" Fachkraft.

    Warum hackst du so auf den akademischen Jobs herum? Ich habe an keiner Stelle von Akademikern etc. geschrieben.

    > Und da gerade in den "einfachen Berufen" wie Handwerker oder Pflege ein
    > Personalmangel herrscht, müsste nach dem Prinzip von Angebot & Nachfrage,
    > diese Jobs auch besser bezahlt werden. Aber da wir als Gesellschaft uns
    > immer noch auf Zeugnissen einen runter holen, statt reale Arbeitsleistung
    > entsprechend zu vergüten, brauchen wir uns auch nicht darüber wundern, dass
    > viele lieber den pseudo-akademischen Weg gehen und sich dann für diese
    > "einfachen Jobs für den Pöbel" zu fein sind.

    Die guten Handwerker werden auch gut bezahlt. Ich kenne einige gute und denen geht es auch blendend.
    Dank Hausbau und sonst habe ich jedoch auch einige weitere kennengelernt. Da möchte man sogar teilweise entschädigt werden für deren Treiben.

    > Ja, das ist ein Argument, dass ich oft höre: "Ich bin diesen harten Weg
    > gegangen, also muss es auch jeder andere tun! Wer das nicht tut, dem gönne
    > ich nichts, egal ob diese Person am Ende eine ähnliche reale
    > Arbeitsleistung abliefert!".

    Na klar gönne ich es jedem, der bereit ist (und es auch kann) ähnliche Leistung zu liefern. Jedoch niemanden, der erwartet eine gute Vergütung für keinerlei Leistung zu bekommen.
    Und in gewisse Positionen kommst du halt nur dann, wenn du bereits davor geleistet hast.


    > Wie gesagt:
    > Meiner Meinung nach sollte zählen, was ein Mensch real bei der Arbeit
    > abliefert. Wenn ich einen Handwerker meine Rohrleitungen reparieren lasse,
    > will ich dass der Kram am Ende zuverlässig repariert wird.

    Klar. Was du jedoch oft siehst ist eher das Gegenteil. Passend dazu aus meiner Erfahrung. Duschrohr tropft. Der Handwerker kommt eine Stunde später als vereinbart, schaut sich das an und sagt.. Ja es tropft. Ich fahre los eine Dichtung und Werkzeug holen... weitere Stunde später kommt er und kündigt an, dass er nun eine Mittagspause machen muss..


    > Ob der
    > Handwerker ne (in Deutschland anerkannte) Ausbildung gemacht hat oder alles
    > "inoffiziell" in der Praxis gelernt hat, interessiert mich nicht die Bohne.
    > Hauptsache das Resultat überzeugt.

    Da bin ich bei dir.

  4. Re: die Realität einer Migrantin ist immer politisch

    Autor: forenuser 09.04.22 - 16:11

    Monsder schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Blumenkohl schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > 486dx4-160 schrieb:
    > > > Es fehlt oft auch der Wille, zu integrieren.
    > > Nicht so voreilig!
    > > Was ist Ursache, was ist Wirkung?
    > >
    > > Beispiel: Wie wäre dein Wille dich zu integrieren, wenn du allein aus
    > > Gründen für sie du nichts kannst (Herkunft, Aussehen) vorverurteilt
    > wirst.
    > > Ständig, in jeder Situation.
    > >
    > > Genauso ständig genießt du (vermutlich männlich, weiß, hetero,
    > christlich
    > > erzogen) ständig die Vorteile deiner Privilegien ohne dir dessen bewusst
    > zu
    > > sein. Nicht alle Menschen haben dieses Glück.
    > >
    > > Davon abgesehen ist das von dir genannte Narrativ (angeblich mangelnder
    > > Wille zur Integration) ein gern von Rechten genutztes Argument. Es
    > > unterstellt pauschal Unwillen oder Faulheit einer vulnerablen Gruppe
    > > Menschen. Kurz: Rassismus
    >
    > "Es fehlt oft auch der Wille, zu integrieren." hab ich als fehlender Wille
    > der Gesellschaft gelesen. Da würde ich dann auch voll zustimmen.

    Jupp, so hätte ich den Satz auch interpretiert.
    Hallo, es gibt Kreise, in denen noch immer von "Gastarbeitern" gesprochen wird. Die vierte (oder schon fünfte?) Generation Gastarbeiter? Die sind hier geboren, das sind Deutsche - wenn man sie lässt...

    --
    Für Computerforen: Ich nutze RISC OS - und wünsch' es bleibt auch so.
    Für Mob.-Tel.-Foren: Ich nutze <del>Windows 10 Mobile</del> iOS - und bin froh, dass es kein Android ist. Aber es ist leider auch kein Windows 10 Mobile oder gar webOS.

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