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  5. › Banken: Die Finanzbranche braucht…

Game Over

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  1. Game Over

    Autor: Symposium 30.09.19 - 09:30

    Es ist sehr offensichtlich, das die Banken ihren veralteten IT-Gaul viel zu lange geritten haben und jetzt arg in Bedrängnis geraten. Darüber hinaus: Die Aktien sind im Keller, die Beschwerden über Banken bei der Bafin auf Rekordhoch, ganz zu schweigen von den enormen Bußgeldern wegen Geldwäsche, Marktmanipulationen und ähnlichen kriminellen Machenschaften der Banken (aber ₿itcoin ist sooo böse!!111).

    Wenn man in 2019 so Dinge liest wie "von Hand Daten noch einmal eingegeben" fühlt man sich in der Annahme bestätigt, das die Chefs und Manager all die Jahre nur die veralteten Systeme noch mit fetten Boni maximal abgemolken statt modernisiert haben, um letztlich einen alten Schrotthaufen zu hinterlassen. Bietet sich ja auch an mit der Sicherheit im Rücken, das der Staat im Ernstfall eh alles auffängt und man selber ungeschoren davon kommt.

    Neuerdings versuchen die ersten Banken, sich mit eigenen Stablecoins ein modernes Cryptocoin-Image zu verschaffen, aber das ist auch nicht mehr als ein neuer Anstrich eines maroden Hauses – es ändert an den veralteten Kernsystemen nichts.

  2. Re: Game Over

    Autor: BenStein 30.09.19 - 09:56

    Symposium schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > es ändert an den veralteten
    > Kernsystemen nichts.

    Weil sich da keiner ran traut. Ein kleiner Bug im neuen System und Milliarden gehen über den Jordan. Übernimmst Du als Programmierer die Verantwortung dafür?

  3. Re: Game Over

    Autor: freebyte 30.09.19 - 10:05

    Symposium schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > [...]
    > fühlt man sich in der Annahme bestätigt, das die Chefs und Manager all die
    > Jahre nur die veralteten Systeme noch mit fetten Boni maximal abgemolken
    > statt modernisiert haben, [...]

    Du hast 2 Bingokärtchen mit einem Posting vollbekommen, Respekt!

    fb

  4. Re: Game Over

    Autor: Oktavian 30.09.19 - 10:10

    > Es ist sehr offensichtlich, das die Banken ihren veralteten IT-Gaul viel zu
    > lange geritten haben und jetzt arg in Bedrängnis geraten.

    Naja, jetzt wäre dann doch übertrieben. Ich habe von 25 Jahren für ein Unternehmen gearbeitet, das SOftware für Banken gemacht hat. Schon damals jammerten alle über die alten Kernbanksysteme, die noch Host-basiert waren und rein für den Batch-Betrieb ausgelegt...

    > Darüber hinaus:
    > Die Aktien sind im Keller,

    Da wir eigentlich nur eine wirklich relevante, börsengehandelte Bank haben, ist das etws kurz gegriffen. Das deutsche Bankwesen stützt sich sehr stark auf lokale Strukturen wie Sparkassen, RundV-Banken und viele Spezialanbieter. Wenn es nur die Deutsche Bank als relevante Größe gibt und deren Aktien im Keller sind, dann ist das natürlich eine recht verkürzte Darstellung. Insbesondere ist das schwierig, da die derzeitige Zinssituation allen Banken und Versicherungen gehörig auf die Bilanz drückt.

    > die Beschwerden über Banken bei der Bafin auf
    > Rekordhoch,

    Die Zahlen der Bafin sprechen von 5791 Eingaben für 2018, in 2017 waren es 5597. Eine langfristige Statistik habe ich nur zu Versicherungen gefunden auf der Seite der BaFin. Hast Du da offizielle Zahlen zu Banken?

    > ganz zu schweigen von den enormen Bußgeldern wegen Geldwäsche,

    Das hat meiner Erinnerung nach auch wieder nur die Deutsche Bank getroffen. Daraus auf das gesamte Bankwesen schließen zu wollen ist schon etwas verkürzt.

  5. Re: Game Over

    Autor: Symposium 30.09.19 - 10:16

    Ich spreche nicht vom deutschen Bankenwesen, sondern weltweit.

    Zu den Bafin-Beschwerden habe ich die Tage gelesen, das die 2018er-Zahl bereits jetzt überschritten wurde, finde aber gerade die Quelle nicht mehr.

  6. Re: Game Over

    Autor: Shred 30.09.19 - 10:20

    BenStein schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Weil sich da keiner ran traut. Ein kleiner Bug im neuen System und
    > Milliarden gehen über den Jordan.

    Sichere Software zu schreiben ist kein Hexenwerk. In der Luft- und Raumfahrt kostet ein Bug auch schnell Millionen oder sogar Menschenleben. Dementsprechend gehen die Entwickler halt an die Sache ran.

    So eine sichere Entwicklung kostet allerdings mehr Geld. Alleine schon, weil passende Entwickler nicht für einen Appel und ein Ei auf dem Markt zu kriegen sind, und klassische Banken außerdem nicht gerade als attraktive IT-Arbeitgeber gelten.

    > Übernimmst Du als Programmierer die Verantwortung dafür?

    Warum sollte er? Entwickler sind auch nur Angestellte und haften entsprechend.

    Das Problem dürfte eher sein, dass sich kein Manager traut, Millionen in so eine Entwicklung zu "versenken". Arbeiten am Backend sind immer undankbar, denn man sieht kaum Ergebnisse. Da gibt es keine neue Oberfläche, keine bunten Bildchen, nichts was man nicht-IT-lern gut verkaufen könnte. Also wird niemand Geld investieren, solange das alte System es noch irgendwie tut.

    Solche Ausgaben gefährden doch nur den Shareholder Value und den eigenen Bonus. Also reiten sie weiter auf einem toten Pferd. Der Nachfolger wird's schon richten.

  7. Re: Game Over

    Autor: robinx999 30.09.19 - 10:26

    Symposium schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich spreche nicht vom deutschen Bankenwesen, sondern weltweit.
    >
    > Zu den Bafin-Beschwerden habe ich die Tage gelesen, das die 2018er-Zahl
    > bereits jetzt überschritten wurde, finde aber gerade die Quelle nicht mehr.

    Das hatte ich zwar auch gelesen nur war das so wie ich es verstanden habe, dass viele Beschwerden letztendlich auf die PSD2 Richtlinie zurück zu führen waren. Also von Kunden die alle E-Mails der Banken ignoriert hatten und dann nicht mehr mit iTAN auf ihr Konto zugreifen konnten bis hin zu Banken die technische Probleme bei der Umstellung hatten war hier wohl alles dabei, aber dies dürfte ein einmaliges Problem gewesen sein

  8. Re: Game Over

    Autor: freebyte 30.09.19 - 11:10

    Shred schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Sichere Software zu schreiben ist kein Hexenwerk. In der Luft- und
    > Raumfahrt kostet ein Bug auch schnell Millionen oder sogar Menschenleben.
    > Dementsprechend gehen die Entwickler halt an die Sache ran.

    Bei Software der Luft-&Raumfahrt, Steuerung von Tomographen, Lebenserhaltungssystemen etc. hat jede Variable seinen Platz, fortlaufende Daten sind Ringe und alle verlassen sich darauf, dass die eingehenden Daten in einer definierten Zone liegen.

    Wenn da aber nun Poundforce statt Newton reinkommt, macht es "Päng" (siehe auch https://www.golem.de/news/softwarefehler-in-der-raumfahrt-in-den-neunzigern-stuerzte-alles-ab-1511-117537.html )

    Kaufmännische Software (von WaWi über FiBu bis Aktienemission): Dort muss man an jeder Stelle Murxdaten im Input und Probleme beim Output erwarten, viel Fliegendreck über Tage bis Jahre archivieren, Datenmonitoring aufbauen und zweifelhafte Sätze für die manuelle Bearbeitung ausleiten (z.B. verdächtige Transaktionen, die Geldwäsche oder Abgreifen des Kontos bedeuten könnten).

    Und das scheint doch Hexenwerk zu sein: in der Masse der eingehenden EDI-Daten (zb. Rechnungen) habe ich permanent Rundungsdifferenzen weil irgendein "kluger Kopf" intern Euro-Cent Beträge mit 4 Nachkommastellen führt, an den falschen Stellen rundet und dann die Summen (insb. Steuerbeträge) nicht aufgehen. Und das passiert viel zu oft bei Großkonzernen, welche die Datenkonvertierung an ein "renommiertes" Unternehmen outsourcen - wo ein 21 Jähriger Praktikant damit erste Erfahrungen sammeln darf ("XML - das kenn ich!")

    fb

  9. Re: Game Over

    Autor: Oktavian 30.09.19 - 16:53

    > Zu den Bafin-Beschwerden habe ich die Tage gelesen, das die 2018er-Zahl
    > bereits jetzt überschritten wurde, finde aber gerade die Quelle nicht mehr.

    Das Zauberwort heißt PSD2. Solche neuen Regularien, die etwas für den Kunden ändern, führen immer zu einer Fülle an Eingaben. Manchmal gehen Dinge tatsächlich schief, meist ist aber eher die Kundenseiten ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen und rebelliert.

    Selbst wenn sich für den Kunden nichts ändert, führt es oft zu einer Fülle an Eingaben:

    Schönes Beispiel ist die DSGVO. Für den Kunden in Deutschland in einem Verhältnis zu deutschen Unternehmen hat sich wenig geändert. Die DSGVO ist in weiten Teilen zum BDSG identisch. Die Unternehmen verhalten sich nicht anders, sie speichern nicht mehr oder weniger Daten. Sie sind auch ihren Informationspflichten, die tatsächlich neu sind, weitestgehend nachgekommen. Trotzdem ersticken die Landesämter für Datenschutz an Beschwerden. Nicht weil sich etwas geändert hätte, sonder weil das Thema einfach präsenter ist bei den Kunden.

    Insbesondere ist die Zahl der unberechtigten Beschwerden dramatisch gestiegen. Früher haben sich Kunden informiert beschwert, die sich auch mit dem Thema auskannten. Seit jede Menge Gerüchte über die DSGVO verbreitet wurden, kaum aber jemand das Werk mal wirklich gelesen hat, meint jeder, sich bei der Aufsicht beschweren zu müssen, auch wenn die Verarbeitung der Daten vollkommen legal ist.

  10. Re: Game Over

    Autor: holgerscherer 30.09.19 - 18:58

    BenStein schrieb:

    > Weil sich da keiner ran traut. Ein kleiner Bug im neuen System und
    > Milliarden gehen über den Jordan. Übernimmst Du als Programmierer die
    > Verantwortung dafür?

    Kenne ich. Hatte erst neulich eine Anfrage aus Luxembourg (ok, der Kunde kursiert immer wieder mal rum, einige kennen den bestimmt). Update einer Kernanwendung fahren. Software-Hersteller gibts wohl zwar noch, kann aber nicht helfen. Derzeit eingesetztes Release ist von 2003.
    Da will sich keiner die Finger verbrennen. Man hat viele Jahre Geld gespart und nun muss es irgend ein Externer richten?

  11. Re: Game Over

    Autor: ibsi 01.10.19 - 09:08

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nicht weil sich etwas geändert hätte, sonder weil das Thema
    > einfach präsenter ist bei den Kunden.
    Was, es hat sich für den Kunden nichts geändert? Hast Du nicht aufgepasst? Vorher war es SCHEIß EGAL was die Firmen mit den Daten gemacht haben. Achso, 1 Mio Datensätze frei zugänglich im Netz? Naja... uns egal

    Jetzt sieht das alles anders aus. Denn jetzt gibt es Strafen. Das es deshalb mehr Beschwerden gibt, sollte ja klar sein.

    >
    > Insbesondere ist die Zahl der unberechtigten Beschwerden dramatisch
    > gestiegen. Früher haben sich Kunden informiert beschwert, die sich auch mit
    > dem Thema auskannten. Seit jede Menge Gerüchte über die DSGVO verbreitet
    > wurden, kaum aber jemand das Werk mal wirklich gelesen hat, meint jeder,
    > sich bei der Aufsicht beschweren zu müssen, auch wenn die Verarbeitung der
    > Daten vollkommen legal ist.
    Ja und? Wo ist das Problem? Kann ja nicht jeder Jura studiert haben und Zeit haben sich da rein zu arbeiten. Ist für die Datenschützer schon nicht leicht.

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