1. Foren
  2. Kommentare
  3. Wirtschaft
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Bombardier Primove: Die BVG hat…

Obus und Straßenbahn sind schon serienreif – warum nicht die verwenden?

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Obus und Straßenbahn sind schon serienreif – warum nicht die verwenden?

    Autor: Spaghetticode 07.11.17 - 14:11

    Es gibt schon serienreife elektrische Verkehrsmittel: Sie heißen „Obus“ und „Straßenbahn“ und fahren schon Jahrzehnte in vielen europäischen Städten.

    Vorteile sind:
    - Serienreife: Diese Technologien sind bewährt, mit „Kinderkrankheiten“ ist eher nicht zu rechnen. Es gibt viele verschiedene Hersteller, die kurzfristig und günstig Fahrzeuge und Streckenbauten liefern können.
    - Verzicht auf einen großen Akku: Die Akkunachteile (hohe Kosten, hohe Masse, begrenzte Lebensdauer, Ressourcenverbrauch bei der Akkuherstellung, Brandgefahr) entfallen.
    - Verzicht auf Ladestationen zugunsten einer kontinuierlichen Stromzuführung: Die Ladestationsnachteile (Beeinträchtigung des Stadtbilds, hohe Kosten, Störanfälligkeit, benötigte Weiterfahrtsmöglichkeit bei Defekt, Lastspitzen im Stromnetz, keine gleichzeitige Nutzung durch mehrere Busse, Ladezeit) entfallen.

    Deswegen sollte man die Elektromobilitätsförderung im ÖPNV in vier Teilbereiche aufteilen:
    1. Erweiterung von Straßenbahn-Bestandsnetzen: Höchstbelastete Buslinien in Straßenbahnstädten werden auf Straßenbahn umgebaut, z. B. in Dresden, München, Berlin.
    2. Neubau von Straßenbahnnetzen: Höchstbelastete Buslinien werden durch ein neues Straßenbahnnetz abgelöst, z. B. in Hamburg, Aachen, Wiesbaden.
    3. Obus: Häufig verkehrende Buslinien werden auf Obus umgebaut, sofern die Straßenbahn dafür nicht in Frage kommt. Passende Buslinien findet man wohl in fast jeder deutschen Großstadt.
    4. Neue Technologien (Akkubus, Brennstoffzellenbus): Für selten verkehrende Buslinien, Quartierbusse und dort, wo weder der Obus noch die Straßenbahn in Frage kommt.

    Diese Einteilung in die vier Kategorien dürften vernünftiger und nachhaltiger sein als die einseitige Konzentration auf Akkubusse. Nur weil etwas neu ist, heißt es nicht, dass es besser ist als etwas „Altes“.

    Die Fallentscheidung Straßenbahn/Obus/Neue Technologie sollte einem politisch unabhängigen Expertengremium übertragen werden, wobei die lokalen Akteure (Politiker, Verkehrsunternehmen, Anwohner) angehört werden sollen. Damit soll verhindert werden, dass die lokalen Akteure sich für eine unpassende Präferenz entscheiden (z. B. Hamburg: Akkubus statt Straßenbahn).

  2. Re: Obus und Straßenbahn sind schon serienreif – warum nicht die verwenden?

    Autor: redmord 07.11.17 - 16:49

    Eines der Argumente für Primove lautet "visual polution". Sprich das Verschwinden von Oberleitungen.

  3. Re: Obus und Straßenbahn sind schon serienreif – warum nicht die verwenden?

    Autor: as (Golem.de) 07.11.17 - 16:57

    Hallo,

    Spaghetticode schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es gibt schon serienreife elektrische Verkehrsmittel: Sie heißen
    > „Obus“ und „Straßenbahn“ und fahren schon
    > Jahrzehnte in vielen europäischen Städten.

    Pauschal lässt sich das nicht sagen. Jedes Verkehrsmittel hat seine Vor- und Nachteile. In Berlin haben wir deswegen eine Mischung. Die Anzahl der Systeme parallel ist allerdings immer ein Problem, weil Kleinteiligkeit Geld kostet. In Japan werden oft Insel-Systeme installiert, aber auch deswegen, weil es nicht anders geht. Da wird die teure Kleinteiligkeit zum Vorteil.

    Straßenbahn wird in Berlin eingesetzt und stark ausgebaut (parallel zu E-Bus _versuchen_). Es geht nur nicht überall. Der Wiederaufbau muss vom Osten in den Westen und so langsam wird es auch. Aber die Infrastruktur muss wieder aufgebaut werden. Ohne Betriebshof im Westteil wird es langfristig schwierig.

    O-Busse haben auch große Vorteile, in Berlin will man aber offenbar kein weiteres System mit eigener Beschaffung, geschultem Personal usw. usf. Eberswalde fährt hingegen hervorragend mit dem System.

    Das Grundproblem ist aber: O-Busse und Straßenbahnen können Busse nicht zu 100 Prozent ersetzen. Es wird immer den Bedarf an Bussen geben, dementsprechend müssen die sich auch fortentwickeln. Gerade beim 204er ist eine Straßenbahn etwa nicht möglich. Und ob ein O-Bus wirtschaftlich ist, wenn die Oberleitung nur alle 20 Minuten verwendet wird und der Aufbau aufgrund der Enge schwierig ist? Und in den Speckgürtel, wenn die Busse nur einmal die Stunde fahren, wäre ein E-Bus sicher eher eine Alternative als eine teure Straßenbahn. Rufbus- und Nachtbussysteme mit flexibler Route sind mit O-Bus oder Straßenbahn gar nicht umsetzbar. Beides haben wir im VBB.

    Es gibt IMHO für fast jedes Verkehrsmittel eine Rechtfertigung. Das einzige System bei dem ich persönlich sehr skeptisch bin sind BRT-Systeme alias Busway. Ich kenn das System in Kuala Lumpur, Bangkok und in Auckland. Der Aufwand ist gigantisch. Da kann man eigentlich gleich eine Straßenbahn bauen. Allenfalls die Kurvenradien sprechen dafür, dass kann aber auch ein People Mover als Lightrail machen. Und dann wäre da noch die Mischnutzung. Etwas Busway, etwas Straße. Aber da muss man sich schon sehr sicher sein, wenn sich das lohnen soll. Kuala Lumpur sehe ich als teuren Flop. Auckland könnte was schienengebundenes vertragen. Bangkok ist schwer, weil die Hälfte des Systems überlaufen ist, die andere total leer.

    gruß

    -Andy (Golem.de)

    --
    Okuna alias Openbook: @marble
    Instagram: @aroundthebluemarble
    Twitter: @AndreasSebayang
    ( Vorsicht, Bahn- und Flugzeugbilder ;) )

    https://www.golem.de/specials/autor-andreas-sebayang/

  4. Re: Obus und Straßenbahn sind schon serienreif – warum nicht die verwenden?

    Autor: Spaghetticode 08.11.17 - 07:35

    as (Golem.de) schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Rufbus- und Nachtbussysteme mit flexibler Route
    > sind mit O-Bus oder Straßenbahn gar nicht umsetzbar.

    Diverse Straßenbahnstädte (z. B. Leipzig, Chemnitz) ersetzen nachts teilweise oder vollständig ihre Straßenbahnen durch Nachtbusse. In der Hinsicht ist die Straßenbahn- oder Obusinfrastruktur kein Hindernis für ein Nachtbussystem. Die passenden (Batterie-)Busse können hier von den Buslinien kommen, die nachts nicht oder seltener fahren, z. B. den Quartierbussen.

    In Dresden fährt man wiederum auch nachts mit der Straßenbahn, weil die Fahrgastanzahl nicht in den Bus passt und weil das leichter merkbar ist: Wenn jemand abends mit der 13 von Prohlis in die Neustadt fährt, so fährt ihn nachts die 13 auch wieder zurück nach Prohlis. Er muss sich kein völlig anderes Nachtliniennetz merken und die abweichende Nachtbushaltestelle finden.

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Limbach Gruppe SE, Heidelberg, Leipzig
  2. Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz
  3. CITTI Handelsgesellschaft mbH & Co. KG, Kiel
  4. Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden Württemberg (ZSW), Stuttgart Vaihingen

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Workflows: Wenn Digitalisierung aus 2 Papierseiten 20 macht
Workflows
Wenn Digitalisierung aus 2 Papierseiten 20 macht

Die Digitalisierung von Prozessen scheitert selten an der Technik. Oft ist es Unwissenheit über wichtige Grundregeln, die Projekte nach hinten losgehen lässt - ein wichtiges Change-Modell hilft dagegen.
Ein Erfahrungsbericht von Markus Kammermeier

  1. Digitalisierung Aber das Faxgerät muss bleiben!
  2. Arbeitswelt SAP-Chef kritisiert fehlende Digitalisierung und Angst
  3. Deutscher Städte- und Gemeindebund "Raus aus der analogen Komfortzone"

Galaxy Z Flip im Hands-on: Endlich klappt es bei Samsung
Galaxy Z Flip im Hands-on
Endlich klappt es bei Samsung

Beim zweiten Versuch hat Samsung aus seinen Fehlern gelernt: Das Smartphone Galaxy Z Flip mit faltbarem Display ist alltagstauglicher und stabiler als der Vorgänger. Motorolas Razr kann da nicht mithalten.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Faltbares Smartphone Schutzfasern des Galaxy Z Flip möglicherweise wenig wirksam
  2. Isocell Bright HM1 Samsung verwendet neuen 108-MP-Sensor im Galaxy S20 Ultra
  3. Smartphones Samsung schummelt bei Teleobjektiven des Galaxy S20 und S20+

Nitropad im Test: Ein sicherer Laptop, der im Alltag kaum nervt
Nitropad im Test
Ein sicherer Laptop, der im Alltag kaum nervt

Das Nitropad schützt vor Bios-Rootkits oder Evil-Maid-Angriffen. Dazu setzt es auf die freie Firmware Coreboot, die mit einem Nitrokey überprüft wird. Das ist im Alltag erstaunlich einfach, nur Updates werden etwas aufwendiger.
Ein Praxistest von Moritz Tremmel und Sebastian Grüner

  1. Nitropad X230 Nitrokey veröffentlicht abgesicherten Laptop
  2. LVFS Coreboot-Updates sollen nutzerfreundlich werden
  3. Linux-Laptop System 76 verkauft zwei Laptops mit Coreboot

  1. Startup: Rückenschmerzen-App Kaia verzwölffacht ihren Preis
    Startup
    Rückenschmerzen-App Kaia verzwölffacht ihren Preis

    Eine E-Health-App hat am Montag drastisch höhere Preise eingeführt, obwohl sie mit 96 Euro jährlich schon viel kostete: Ab jetzt zahlen Neukunden 99 Euro - aber nicht im Jahr, sondern pro Monat. Dafür könne Kaia bei chronischen Rückenschmerzen wirklich helfen, glauben nicht nur viele Krankenkassen.

  2. Bundesnetzagentur: Telefónica erhält Millionenstrafe wegen schlechten Netzes
    Bundesnetzagentur
    Telefónica erhält Millionenstrafe wegen schlechten Netzes

    Die Bundesnetzagentur wird Telefónica Deutschland wohl zu einer Strafe im zweistelligen Millionenbereich verurteilen. Der Netzbetreiber nennt dies "kontraproduktiv für die Netzversorgung in Deutschland".

  3. Konsolen: Microsoft bestätigt 12 Teraflops für Xbox Series X
    Konsolen
    Microsoft bestätigt 12 Teraflops für Xbox Series X

    Nun ist es offiziell: Die GPU der Xbox Series X schafft eine Leistung von 12 Teraflops - ungefähr das Doppelte der Xbox One X. Damit treffen einige Leaks zu, außerdem hat der zuständige Manager Phil Spencer eine Reihe weiterer Neuheiten vorgestellt.


  1. 18:37

  2. 17:31

  3. 16:54

  4. 16:32

  5. 16:17

  6. 15:47

  7. 15:00

  8. 15:00