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Wer nicht will der hat schon...
Autor: kazhar 26.05.16 - 14:45
Die Branche braucht also immer noch den Deppen, der sein Netz vermietet?
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Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: WoainiLustig 26.05.16 - 15:25
Muss die Telekom auch ihr Glasfasernetz vermieten oder nur das DSL Netz?
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Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: DerDy 26.05.16 - 15:47
Die Telekom muss alles vermieten. Egal, ob es ADSL, VDSL, VDSL+Vectoring oder FTTH ist.
Leider hat man diesen Zwang bei den Kabelanbietern vergessen und die sitzen damit auf einem gesetzlich erlaubten Monopol.
Andere Anbieter, die Ihr Netzausbauen können ihr Netz zur Vermietung freigeben, müssen sie aber nicht. Zumindest war es bis letztes Jahr so. -
Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: sneaker 26.05.16 - 15:50
Zumindest Vectoring muß jeder Anbieter öffnen.
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Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: Yeeeeeeeeha 26.05.16 - 15:51
kazhar schrieb:
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> Die Branche braucht also immer noch den Deppen, der sein Netz vermietet?
Nein, da verwechselst du was. Bei Buglas sind tatsächlich Provider, die eigene Netze aufbauen, wenn auch nur sehr kleine. Von den bundesweit agierenden Providern (die meistens Reseller sind und somit auf eigene Entscheidung am Tropf der Telekom hängen) ist kein einziger dabei. Siehe: [www.buglas.de]
Im Endeffekt ist der Buglas hier (wie im Artikel erwähnt) eigentlich beleidigt über Kritik der Telekom, die gar nicht gegen die Buglas-Mitglieder ging. m)
Aus der Liste der Buglas-Provider kann man übrigens noch etwas interessantes herauslesen, das in dem Zusammenhang recht wichtig ist: Die Provider hängen allesamt an Stadtwerken.
Warum ist das wichtig? Das Problem bei FTTH (und sogar FTTB) ist nicht einmal so das Verlegen der Fasern an sich (das ist zwar teuer, aber überschaubar), sondern die Fasern in die Häuser und - noch schwieriger - in die Wohnungen zu bringen. Denn um das zu machen, muss mit jedem Hauseigentümer / jeder Hausverwaltung (FTTB) bzw. im Extremfall sogar jedem Wohnungseigentümer (FTTH bei Eigentumswohnungen) verhandelt werden.
Stadtwerke haben hier einen großen Vorteil: Aufgrund der Stromversorgung haben die bereits Infrastruktur in den Kellern stehen (ergo Platz für die benötigte Technik, einen Stromanschluss und einen Weg, Kabel dort hin zu legen) und Zugang zu diesen. Das erklärt auch, warum zum Beispiel M-Net bevorzugt FTTB* ausbaut: Die können in die Keller zu ihren eigenen Schaltschränken und dort die bereits im Haus verbauten Kupferkabel anschließen - ohne sich extra großartig mit den Hausverwaltungen abzusprechen. Die Telekom hingegen muss auf dem Gehsteig stoppen.
(* Bei M-Net ist das so, dass Einfamilienhäuser grundsätzlich [kostenlos] FFTH bekommen, da im eigenen Keller FTTH mit FTTB identisch ist, weitere Verkabelung muss der Eigentümer per Ethernet selbst machen. Kleine Mehrfamilienhäuser können [kostenlos] einen Concentrator in den Keller und extra verlegte Fasern in die Wohnungen bekommen, bei größeren Mietshäusern muss der Hauseigentümer o.ä. die Verlegung der Fasern durchs Haus initiieren [und bezahlen], ansonsten gibt es nur VDSL vom Keller ab.)
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Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: DerDy 26.05.16 - 16:04
Eine kleine Ergänzung. Die Provider, die sich in der Buglas organisieren, waren früher bei der Breko. Doch da die Breko und auch die VATM eigentlich nur jammern und statt wirklich auszubauen, ist ihre (gefühlt) einzige Forderung die TAL-Miete ("Letze Meile") möglichst stark zu senken.
Doch gab es einige Breko Mitglieder, die tatsächlich ein eigenes Netz aufbauen und fanden es daher nicht gut, dass die (VATM und) Breko ständig nur die TAL-Miete drücken wollen.
Daher sind einige Provider aus der Breko ausgestiegen und haben die Buglas gegründet. In der Buglas sind heute viele lokale Provider organsisiert, zum Teil sind auch Zulieferer wie die Alcatel-Lucent dabei.
Bei den lokalen Providern wie netcologne, M-net, wilhelm.tel, etc handelt es sich um Tochterfirmen der hiesigen Stadtwerken, die zusammen mit den lokalen Banken (meistens Sparkassen) einen lokalen Provider gegründet haben. Damit bekommen die lokalen Provider das Netz und Leerrohre billig von den Stadtwerken und die Kredite billig von dem anderen Eigner. -
Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: sneaker 26.05.16 - 16:05
Yeeeeeeeeha schrieb:
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> Stadtwerke haben hier einen großen Vorteil: Aufgrund der Stromversorgung
> haben die bereits Infrastruktur in den Kellern stehen (ergo Platz für die
> benötigte Technik, einen Stromanschluss und einen Weg, Kabel dort hin zu
> legen) und Zugang zu diesen. Das erklärt auch, warum zum Beispiel M-Net
> bevorzugt FTTB* ausbaut: Die können in die Keller zu ihren eigenen
> Schaltschränken und dort die bereits im Haus verbauten Kupferkabel
> anschließen - ohne sich extra großartig mit den Hausverwaltungen
> abzusprechen. Die Telekom hingegen muss auf dem Gehsteig stoppen.
Machen die Anbieter das denn tatsächlich im Zweifel auch ohne Nutzungsvereinbarung?
NetCologne/NetAachen holen meines Wissens immer eine Vereinbarung. Die Telekom hat ja eigentlich auch bereits Infrastruktur im Keller - so wie der Stromversorger auch, aber die macht es auch nicht ohne. Bei M-net finde ich zumindest eine über Google.
Wäre interessant zu wissen, ob das tatsächlich irgendwo ein Anbieter ohne den ausdrücklichen Willen des Eigentümers durchführt. Da habe ich meine Zweifel. Letztendlich geht es ja auch nicht nur um die Einwilligung zum Legen der Faser in den Keller, sondern auch um die Gestattung zur Nutzung der Inhouse-Verkabelung. (Wobei letzteres ab nächstem(?) Jahr gesetzlich neu geregelt wird.)
1 mal bearbeitet, zuletzt am 26.05.16 16:06 durch sneaker. -
Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: sneaker 26.05.16 - 16:08
DerDy schrieb:
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> Bei den lokalen Providern wie netcologne, M-net, wilhelm.tel, etc handelt
> es sich um Tochterfirmen der hiesigen Stadtwerken, die zusammen mit den
> lokalen Banken (meistens Sparkassen) einen lokalen Provider gegründet
> haben. Damit bekommen die lokalen Provider das Netz und Leerrohre billig
> von den Stadtwerken und die Kredite billig von dem anderen Eigner.
Und den nötigen lokalen Politikerklüngel. Bei den Sparkassen und Stadtwerken drücken sich die Politiker ja die Türklinken in die Hand. ;) -
Re: Wer nicht will der hat schon...
Autor: Yeeeeeeeeha 26.05.16 - 18:22
sneaker schrieb:
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> Machen die Anbieter das denn tatsächlich im Zweifel auch ohne
> Nutzungsvereinbarung?
Ja. Also bzw. ich schließe das darauf, dass für einen Ausbau abseits von FTTB zumindest bei M-Net irgendwo entsprechende Nutzungsvereinbarungen zu finden sind und das eben auch sehr viel mehr Aufwand ist (Hauseigentümer sollen / müssen sich dafür selbst an M-Net wenden).
> NetCologne/NetAachen holen meines Wissens immer eine Vereinbarung. Die
> Telekom hat ja eigentlich auch bereits Infrastruktur im Keller - so wie der
> Stromversorger auch, aber die macht es auch nicht ohne. Bei M-net finde ich
> zumindest eine über Google.
Nein, die Telekom nicht. Also bzw. in sehr großen Mietshäusern stehen durchaus mal Verteiler im Keller, in der Regel aber geht das Kupferkabel tatsächlich von der Wohnung direkt zum Schaltkasten auf der Straße.
> Wäre interessant zu wissen, ob das tatsächlich irgendwo ein Anbieter ohne
> den ausdrücklichen Willen des Eigentümers durchführt. Da habe ich meine
> Zweifel. Letztendlich geht es ja auch nicht nur um die Einwilligung zum
> Legen der Faser in den Keller, sondern auch um die Gestattung zur Nutzung
> der Inhouse-Verkabelung. (Wobei letzteres ab nächstem(?) Jahr gesetzlich
> neu geregelt wird.)
Gut, es kann schon sein, dass auch für die FTTB-Geschichten da noch etwas ausgemacht werden muss, das wird aber sehr viel weniger Aufwand sein.
Ich kenne es jetzt nur bei M-Net (weil ich eben Münchner bin ;)) und da ist es nicht so, dass M-Net da einfach in den Häusern rumfuhrwerken kann, sondern dass M-Net einfach in der Infrastruktur der Stadtwerke rumfuhrwerken kann und die ist eben schon in den Gebäuden.
Also im Prinzip, was brauchst du, um (mit möglichst wenig Aufwand, also auch möglichst wenig Kosten) FTTB in ein Haus zu bekommen?
1) Zugang zum Keller: Haben die Stadtwerke, weil dort der Stromverteiler steht.
2) Ein eigenes Rohr um die Faser dort durchzuschießen: Haben die Stadtwerke auch - da liegen nämlich die Stromkabel drin.
3) Platz um einen Outdoor-DSLAM zu installieren: Mit Glück im Strom-Schaltkasten der Stadtwerke bzw. im oft dafür vorhandenen Raum.
4) Stromanschluss für den DSLAM: Äh ja, auch. ;)
Ungeklärt ist aus meiner Sicht einzig und allein, wie das normalerweise durchgehende Kupferkabel im Keller an die genannte Infrastruktur kommt. Das ist IMO aber ein wesentlich kleineres Problem (nämlich nur ein Teilproblem) in Vergleich zu der Latte an Problemen, die andere Provider (die nichts mit Stadtwerken zu tun haben) haben.
Vergleichen könnte man das übrigens mit den TV-Kabel-Anbietern. Die haben die gleichen Vorteile und nutzen sie auch. Die haben eben ebenfalls schon ihr Zeug im Keller stehen, müssen das nur ausbauen und brauchen dafür noch nicht einmal eine Genehmigung vom Haus, weil sie die eh schon haben.
Yeeeeeeeeha - Nur echt mit 2^3 e
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