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Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: fanreisender 21.12.20 - 12:57
Dafür gibt es mehrere Gründe. Aber egal, welche das sind, eine "Strafgebühr" hebt diese Gründe nicht auf.
Ich weiß nicht, wie es in den USA jetzt aussieht. Während meiner Reisen vor 10 ... 20 Jahren boten die Innenstädte vieler Großstädte ein desaströses Bild. Imposante Hochhäuser, aber auf Straßenniveau eher eine Müllhalde. Gut, etwas übertrieben.
Es soll wieder besser geworden sein, wie weit und weshalb kann ich nicht sagen. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: Anonymer Nutzer 21.12.20 - 13:03
Was würde die Innenstädte denn wieder attraktiv machen? Denn das ist ja die eigentliche Frage.
Zudem: Amerikanische Innenstädte sind nicht mit deutschen zu vergleichen. Dort fährt man mit dem Wagen von Laden zu Laden, weil sich diese über mehrere Blocks verteilen. Typische Fussgängerzonen gibt es kaum. Und bevor man überlegt, wie man amerikanische Innenstädte rettet, sollte man sich vielleicht mehr um die eigenen kümmern. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: Anonymer Nutzer 21.12.20 - 13:23
Das größte Problem der Innenstädte war doch das Problem: "Es ist viel zu viel los hier in der Stadt. Wir brauchen Gewerbegebiete, um die Geschäfte dort anzusiedeln und den Verkehr aus der Stadt heraus zu bekommen."
Tja... Und nun sterben die ganzen kleinen Geschäfte in den Innenstädten weg, weil die großen die Kohle hatten, im Gewerbegebiet ein neues Geschäft aufzubauen. Das Publikumsmagnet "Shopping-Center" ist auch im Gewerbegebiet. Na klar... Also verlaufen sich ein paar wenige in die Innenstadt, der Rest bleibt im Gewerbegebiet oder bestellt online.
Was die uns da gerade in Rechnung zu stellen versuchen, deren Ursache liegt in den 90er-Jahren! Und nicht im Online-Handel. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: Frenko 21.12.20 - 13:24
Ist die Frage ob überhaupt eine Maßnahme die Läden in der Innenstadt atraktiver machen kann.
Pro Geschäft vor Ort:
- Barzahlung
- Ware gleich zum Mitnehmen
Contra:
- meist geringe Auswahl
- meist höhere Preise als online
- Viel Zeitaufwand (Fahrt dort hin und Suche der Ware)
- Eventuelle Parkgebürhen/ Kosten für Transport
Meiner Meinung nach können die Cons auch nicht so einfach mit kleinen Abgaben kompensiert werden. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: lestard 21.12.20 - 13:27
Ich glaube, dass die Attraktivität auch mit den Mieten zu tun hat. Wenn sich die Leute die Innenstädte nicht mehr leisten können, werden sie auch nicht nur zum Einkaufen dort hinzufahren. Wenn man dagegen direkt in der Innenstadt auch wohnt, kann man viele Einkäufe zu Fuß erledigen und sich so möglicherweise sogar das Auto sparen.
Ein anderer Aspekt ist, dass viele Fussgängerzonen in Deutschland gleich aussehen weil überall die gleichen Ketten sind. Überall die gleichen Klamottenläden, die gleichen Fast-Food-Geschäfte.
Bei uns in der Stadt gibts auch eine solche Einkaufsmeile aber es gibt zusätzlich auch die Altstadt, wo durch die Stadtverwaltung verhindert wird, dass dort große Ketten ihre Geschäfte aufmachen. In der Altstadt gibts stattdessen nur Inhabergeführte kleine Läden und Gaststätten und das macht das Ganze auch attraktiv. In normalen Zeiten flanieren da viele Leute. Leider hat die CDU angekündigt, das zu kippen. Mal schauen. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: d0p3fish 21.12.20 - 13:53
Es stinkt. Es ist dreckig. Bettler. Kratzer und Dellen im Auto. Auto Scheibe eingeschlagen und Radio geklaut. Aggressive scheibenputzer. Grillen I.d.r. verboten. Horrende parkplatzgebühren.(und sehr enge Parkplätze) Verrückte Leute. Hohe Mieten. Einkaufen ist Stress pur. Das ist ok, wenn einige das sich unbedingt antun wollen, aber ich muss diesen hippen Lifestyle ja nicht mitfinanzieren. Bei uns wird schon gemosert ob die Straße oder Straßenbeleuchtung überhaupt Noch repariert werden soll aus kostegründen. Während wir von den urbanen überflutet worden die in ihrer Wohnung ohne das Ganze bling bling Käffchen im Kaffee für 5¤ die midlife crisis mit 25 bekommen haben. Alle schön wandern gegangen während der Ausgangssperre. Und dann nicht mal die 3¤ Parkgebühren bezahlt weil auf dem Land eh keiner kontrolliert. :D
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Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: mke2fs 21.12.20 - 13:57
Es gibt dafür keine Lösung.
Entweder sie tragen sich von alleine/werden von alleine attraktiv oder sie sterben.
Es ist nicht die Aufgabe einer Gesellschaft Geschäftsmodelle zu verbessern.
Die Hufschmiede, fahrenden Kaufleute, reitende Boten, Telegraphenstationen sind auch ausgestorben.
Die Welt verändert sich, damit muss man leben. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: mke2fs 21.12.20 - 14:04
lestard schrieb:
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> Ich glaube, dass die Attraktivität auch mit den Mieten zu tun hat. Wenn
> sich die Leute die Innenstädte nicht mehr leisten können, werden sie auch
> nicht nur zum Einkaufen dort hinzufahren.
Das würde bedeuten in Innenstädten wohnt niemand.
Dem ist aber nicht so, wir haben Wohnungsmangel in allen größeren Städten.
Außerdem ist der Wohnungsmarkt meines Wissens ein funktionierender Markt, gäbe es Leerstand würden die Mieten sinken.
>Wenn man dagegen direkt in der
> Innenstadt auch wohnt, kann man viele Einkäufe zu Fuß erledigen und sich so
> möglicherweise sogar das Auto sparen.
Das tun die Leute auch bei alltäglichen Besorgungen, also hauptsächlich Lebensmitteln usw.
Aber bereits für Bekleidung musst du dich zu einem Center begeben um Auswahl zu haben und häufig must du dann auch durch mehrere Läden laufen um was passendes zu finden.
Aber das wird noch bleiben.
Was verschwindet ist alles was darüber hinaus geht, vor allem alles was standardisiert ist.
Also Elektronik, weiße Ware, Musik, Filme usw. kann man problemlos im Internet kaufen, da geht es nur um Fakten, nicht um Dinge die man sich ansehen muss oder anprobieren. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: ds4real 21.12.20 - 14:40
Ich finde nicht, dass man für Bekleidung in die Innenstadt muss. Bei Amazon, Zalando und Co., aber auch spezialisierten Online- und Mischläden hat man sehr gute Auswahl und sofern man seine Maße kennt, kann man problemlos bestellen. Habe ich mit Hemden und Hosen regelmäßig gemacht.
Bezahlbaren Lebensraum in der Innenstadt für jene, die das möchten, wäre super. Vor allem angesichts des Wohnungsmangels. Aber die Mieten wären halt nicht mehr so horrend. Und das Wetter eine Immobilie ab. Rate mal wet davon nicht profitiert? Richtig... Die Reichen/Politiker usw. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: lestard 21.12.20 - 18:09
mke2fs schrieb:
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> Das würde bedeuten in Innenstädten wohnt niemand.
> Dem ist aber nicht so, wir haben Wohnungsmangel in allen größeren Städten.
> Außerdem ist der Wohnungsmarkt meines Wissens ein funktionierender Markt,
> gäbe es Leerstand würden die Mieten sinken.
Das ist doch kein Widerspruch. Der Wohnungsmangel führt dazu, dass die Mieten steigen, weshalb sich viele Leute dort keine Wohnungen mehr leisten können und stattdessen in den Speckgürtel ziehen. Und vom Speckgürtel fahren sie höchstens noch zum Arbeiten wieder in die Stadt (was sicherlich abnehmen dürfte, da dieses Jahr für viele offenbart hat, dass man auch im Home-Office arbeiten kann).
Aber wer tut sich das denn freiwillig an und fährt zum Bummeln in die Innenstadt wenn er außerhalb wohnt?
In den Innenstädten verbleiben dann nur noch die, die hohe Mieten bezahlen können. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: LH 21.12.20 - 20:32
lestard schrieb:
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> In den Innenstädten verbleiben dann nur noch die, die hohe Mieten bezahlen
> können.
Was allerdings nicht weniger Leute sind, als vorher dort gewohnt haben, zumal diese in diesem Szenario sogar Zahlungskräftiger sein sollten. In einem solchen Szenario müsste der Einzelhandel also eigentlich höhere Umsätze machen.
Es gibt viele Erklärungen, warum dies am Ende nicht der Fall ist, höhere Mieten für Wohnungen sind im Kern aber kein Nachteil für den Einzelhandel. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: violator 21.12.20 - 21:36
PieMan schrieb:
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> Was würde die Innenstädte denn wieder attraktiv machen? Denn das ist ja die
> eigentliche Frage.
Die eigentliche Frage wäre erstmal, warum Innenstädte überhaupt Einkaufsmeilen sein müssen. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: McWiesel 21.12.20 - 22:52
Frenko schrieb:
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> Pro Geschäft vor Ort:
> - Barzahlung
Das gehört zu Contra. Bei einem Onlineshop kann ich fast immer die für mich beste Zahlungsart auswählen und muss nicht meine Ware auf der Theke stehen lassen, weil das mittelalterliche Kassensystem nur Bares akzeptiert und ich somit nicht bezahlen kann. Soll der Ladeninhaber von mir aus für mich zum nächsten Geldautomat gehen, ich als Kunde mach den unnötigen Weg jedenfalls nicht. Zugegeben, solche komischen Läden sind mittlerweile selten geworden, selbst beim Flohmarkt geht mittlerweile schon PayPal.
> - Ware gleich zum Mitnehmen
Aber nur im Ausnahmefall. Die Regel ist eher "gerne können wir das zu einem Mondpreis bestellen, rufen Sie mal in 14 Tagen an und fragen nach, ob es eingetroffen ist. Rückgabe geht dann aber natürlich nicht". Klar, natürlich rufe ich als Kunde an und fahr dann nochmal hin und verzichte auf jegliches Rückgaberecht, wenn das Produkt nach unendlicher Lieferzeit nicht hält was es verspricht.
> Contra:
> - meist geringe Auswahl
jap.
> - meist höhere Preise als online
Kann sein, muss nicht sein, wenn man bisschen vergleicht kann man je nach Produkt durchaus auch lokal ein Schnäppchen kriegen, was es online nicht gibt.
> - Viel Zeitaufwand (Fahrt dort hin und Suche der Ware)
Das wäre bei einem vernünftigen Laden der einzige Vorteil zum Onlineshop. Um 9 Uhr hab ich ein Bedarf festgestellt, um 10 Uhr hab ich die Ware.
> - Eventuelle Parkgebürhen/ Kosten für Transport
Jup, steht in keinem Verhältnis zur Versandgebühr.
> Meiner Meinung nach können die Cons auch nicht so einfach mit kleinen
> Abgaben kompensiert werden.
Das kann nur kompensiert werden, wenn der lokale Handel endlich mal im 21. Jahrhundert ankommen würde D.h.: Ich geb in Google "Bohrmaschine" ein, und statt dass mir 4 Angebote von Amazon entgegenspringen und ich bestenfalls erst morgen eine Bohrmaschine habe, sehe ich 10 lokale Angebote, wo ich entweder direkt mir eine Bohrmaschine reservieren & abholen kann oder sie innerhalb von 2h von einem Kurierfahrer geliefert bekomme. Dagegen hat kein Onlineshop eine Chance und viele Kunden sind bereit ein höheren Preis zu bezahlen, um entweder nur ihre Ungeduld zu befriedigen oder ihre Arbeit direkt fortsetzen zu können, statt 1-3 Tage auf eine Lieferung zu warten.
3 mal bearbeitet, zuletzt am 21.12.20 22:56 durch McWiesel. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: lestard 22.12.20 - 10:21
Steigende Mieten führen doch nicht dazu, dass die Leute zahlungskräftiger sind. Im Gegenteil, wenn die Miete steigt bleibt weniger fürs Einkaufen übrig.
Bei den wirklich wohlhabenden macht das sicherlich keinen großen Unterschied aber bei vielen, die sich gerade noch so die Wohnung in der Innenstadt leisten können, eben schon. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: tralalala 22.12.20 - 12:52
McWiesel schrieb:
> Das kann nur kompensiert werden, wenn der lokale Handel endlich mal im 21.
> Jahrhundert ankommen würde D.h.: Ich geb in Google "Bohrmaschine" ein, und
> statt dass mir 4 Angebote von Amazon entgegenspringen und ich bestenfalls
> erst morgen eine Bohrmaschine habe, sehe ich 10 lokale Angebote, wo ich
> entweder direkt mir eine Bohrmaschine reservieren & abholen kann oder sie
> innerhalb von 2h von einem Kurierfahrer geliefert bekomme.
Tatsächlich setzt das aber die Anbindung sämtlicher Warenwirtschaftssysteme (sofern überhaupt vorhanden) an eine Zentralinstanz voraus. Das ist sicherlich etwas, was die kleinen Händler nicht wollen: Transparenz über den gesamten aktuellen Warenbestand, für alle Konkurrenten.
Den größten Hebel könnte dann vermutlich Amazon ansetzen, um auch noch die letzten kleinen Händler auszustechen.
Aber ja, die Idee wäre charmant und käme mir entgegen. Für mich sind die Händler um mich herum bisher eine Black Box, mit der ich meist nichts zu tun haben will - viel zu viel Aufwand. -
Re: Innenstadteinkäufe sind einfach unattraktiv geworden
Autor: Oktavian 22.12.20 - 12:59
> Tatsächlich setzt das aber die Anbindung sämtlicher Warenwirtschaftssysteme
> (sofern überhaupt vorhanden) an eine Zentralinstanz voraus. Das ist
> sicherlich etwas, was die kleinen Händler nicht wollen: Transparenz über
> den gesamten aktuellen Warenbestand, für alle Konkurrenten.
Dann müssen sie sterben. Wer nicht begreift, wie der Markt funktioniert, welche Nischen man besetzen kann und welchen Service der Kunde braucht, hat auf dem Markt nicht verloren.
So ein kleiner Händler sollte doch allmäglich begriffen habe, sein wahrer Konkurrent ist nicht der andere kleine Händler. Es ist auch nicht der Baumarkt auf der grünen Wiese. Es ist Amazon.
Günstiger sein als Amazon ist schwierig, also muss man besser sein. Und wenn dieses "besser" Transparenz erfordert, dann muss man die schaffen. Bei Amazon habe ich diese Transparenz. Ich weiß, ob das Modell vorrätig ist und wann es bei mir ist. Und der kleine Händler verspricht sich einen Marktvorteil, diese Information zu verschleiern?
> Aber ja, die Idee wäre charmant und käme mir entgegen. Für mich sind die
> Händler um mich herum bisher eine Black Box, mit der ich meist nichts zu
> tun haben will - viel zu viel Aufwand.
Wenn sie den nicht reduzieren, werden sie sterben. Bald.



