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"Meine Prozesse sind besonders"

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  1. "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: PerilOS 05.02.19 - 14:02

    Das Hauptproblem bei allen Projekten dieser Art mit ERP System is, dass jeder Betrieb denkt er sei was besonderes. "Best Practice" wird gekonnt ignoriert und das System solange gebrochen und gebogen bis es in die eigene Prozessunlogik passt. Solche Systeme sollten vorher mit einer Prozessmodellierung intern einhergehen. Dann kann man auch was neues schaffen.
    Das Problem haben nämlich auch alle anderen Platform Systeme. SAP ist nur gerne der Aufhänger.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 05.02.19 14:03 durch PerilOS.

  2. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: Vanger 05.02.19 - 14:57

    Getreu dem Motto: "Nicht SAP passt sich ans Unternehmen an, das Unternehmen passt sich an SAP an."

    Diese Sichtweise ist für sich genommen schon absurd genug. Während man unternehmensindividuelle Sonderwege wohl tatsächlich sehr genau analysieren muss ob sie tatsächlich einen Mehrwert bieten, ist das bei Branchenbesonderheiten etwas anders. Was "Best Practice" ist, unterscheidet sich von Branche zu Branche - SAP nimmt diese Unterscheidung aber nicht vor, es kennt nur seinen eigenen Weg. Das hat mit "Best Practice" nichts zu tun, sondern damit, dass SAP zwar die eierlegende Wollmilchsau sein will, dann aber doch regelmäßig an Branchenbesonderheiten scheitert. Das ist nicht der Fehler des Anwenders, sondern der von SAP - und "Best Practice" ist es erst recht nicht.

    Daher: Besser kein SAP, sondern eine Branchenlösung.
    https://forum.golem.de/kommentare/wirtschaft/enterprise-resource-planning-drei-gruende-fuer-das-scheitern-von-sap-projekten/noch-besser-kein-sap/123788,5290368,5290368,read.html



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 05.02.19 14:58 durch Vanger.

  3. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: thorben 05.02.19 - 20:22

    Word.
    Buchhaltung ist Buchhaltung, da gibt wenig Kreativität.
    Materialwirtschaft ist Materialwirtschaft.
    Und auch Produktion ist selten sonderlich speziell.
    Material A kommt zu Maschine X und dort wird y gemacht. Anschließend geht es in Maschine Z.
    Die Abfolge und was ich genau in den Schritten mache, ist dann das spannende und dort gibt es das spezielle Wissen. Das Produkt ist speziell. Der Weg dahin eher selten.

    Und sonst gibt es ja auch noch zig Branchenlösungen, die spezielle Bedarfe abdecken. Kostet halt extra.
    Meine Erfahrung sagt mir tatsächlich, dass der Prozess seltenst wirklich so speziell sein muss, viel öfters war es eher ein „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „MIR erspart das Arbeit“. Dafür muss dann der Kollege aus Abteilung x aber deutlich mehr machen.
    Dafür brauchst du dann aber einen Berater, der auch weiß was der Standard kann und auch Prozesse mal kritisch hinterfragt.
    Das ist gerade meine Aufgabe in der neuen Firma - kritisch hinterfragen, warum macht ihr das so und wäre anders nicht besser.
    Oft gehörte Antwort „Geht bestimmt besser, aber ich weiß nicht wie“ und genau da fängt die Arbeit eines guten Beraters an. Prozess aufnehmen, optimieren und dann auch die User abholen und Schulen, wie man das System richtig nutzt.

    Ja, unser Produkt ist eher speziell, aber der Weg zum Produkt ist trotzdem ERP-technisch nicht sonderlich speziell.
    Die Spezialität liegt in der Konstruktion und in der Qualitätssicherung...

  4. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: Filius 05.02.19 - 22:15

    Vanger schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    Was "Best Practice" ist, unterscheidet
    > sich von Branche zu Branche - SAP nimmt diese Unterscheidung aber nicht
    > vor, es kennt nur seinen eigenen Weg. Das hat mit "Best Practice" nichts zu
    > tun, sondern damit, dass SAP zwar die eierlegende Wollmilchsau sein will,
    > dann aber doch regelmäßig an Branchenbesonderheiten scheitert.

    Das stimmt nicht, es gibt nicht einen "SAP Best Practice" Weg. Im Gegenteil, das ERP ist umfangreich anpassbar, es gibt verschiedene branchenspezifische Erweiterungen, branchenspezifische Produkte, Erweiterungen von Drittanbietern usw.
    Die vielfältigen Möglichkeiten sind eher ein Problem, da hat niemand mehr einen vollen Überblick und so werden öfter suboptimale Wege eingeschlagen.

  5. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: chris_at 05.02.19 - 23:31

    Sie wissen dass SAP sehr viele Branchenlösungen hat:
    https://www.sap.com/austria/industries.html

    Dazu kommen noch Lösungen von SAP Partnern die sich auf Nischen spezialisiert haben.

    Und es ist nicht absurd die Prozesse der Software anzupassen. Es gibt Prozesse die haben bei den allermeisten Unternehmen kein Potential einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Da gehört z.B. die ganze FIBU dazu. Dann gibt es Prozesse die haben bei viele Unternehmen ebenfalls kaum Potential wie z.b. der Einkauf, Instandhaltung, HR (Lohnverrechnung etc.).

    Und trotzdem deckt der Standard nicht alles ab - dort wo man Potential hat kann man ja durchaus investieren. Sofern sich das in vernünftigen Grenzen hält.

    Man muss bedenken SAP baut ERP Software nun seit 46 Jahren, hat über 400.000 Kunden und über 18.000 Partner. Da kommt über die Zeit schon sehr viel Know-How auch was Prozesse betrifft zusammen und es gibt im Standard wirklich sehr sehr viel Gestalltungsspielraum.

    Persönlich glaube ich auch nicht, dass es viel Unterschied macht welche der großen Lösungen man einsetzt. Bei den kleinen Softwarehäusern bin ich aber eher vorsichtig.

    Die Produkte dieser sind in Teilbereichen durchaus sehr sehr gut. Haben aber natürlich bei anderen Teilbereichen sehr starke Einschränkungen gegenüber den Großen ( SAP, MS, Oracle, etc.).
    Das ist Bashing sondern kann gar nicht anders sein denn keine Softwareschmiede kann es sich leisten eine eierlegende Wollmilchsau mit dem Umfang von SAP ERP neu zu baun. Nicht einmal SAP hat es geschafft das ERP System komplett auf neue Beine zu stellen S/4 basiert, was die Anwendungskomponenten betrifft, im wesentlich auf der Codebase von SAP ERP.

    Und hier liegt auch die Krux - es kann mir niemand erzählen, dass man mit einer spezialisierten Branchenlösung in allen Bereichen besser dran ist wie mit einer der Großen und das zu einem günstigeren Preis. Klar kann man sich alles Programmieren lassen - aber das kostet Zeit und Geld und ich bin damit auch nicht mehr in der Wartung wenn das Softwarehaus meine Sonderwünsche nicht zum Standard erhebt.
    Bei SAP bekomme ich den gesamten Funktionsumfang - ob ich den dann sofort nutze ist eine andere Sache aber ich kann z.B. nachträglich Instandhaltung einführen, ich kann Qualitätsmanagement einführen, u.s.w. alles im Standard hochgradig anpassbar enthalten UND mit den anderen Modulen integriert.

    Zusätzlich begibt man sich in eine sehr starke Abhängigkeit.

    Bei SAP muss ich auch an SAP für die Wartung zahlen - klar - aber Berater dafür und Anpassungen bekomme ich von unzähligen SAP Partnern. Bei der kleinen Branchenlösung habe ich mitunter genau einen Ansprechpartner und wenn das nicht harmoniert habe ich als Unternehmen ein riesen Problem.

  6. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: glsaft 06.02.19 - 07:14

    Vanger schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Getreu dem Motto: "Nicht SAP passt sich ans Unternehmen an, das Unternehmen
    > passt sich an SAP an."
    >
    > Diese Sichtweise ist für sich genommen schon absurd genug. Während man
    > unternehmensindividuelle Sonderwege wohl tatsächlich sehr genau analysieren
    > muss ob sie tatsächlich einen Mehrwert bieten, ist das bei
    > Branchenbesonderheiten etwas anders. Was "Best Practice" ist, unterscheidet
    > sich von Branche zu Branche - SAP nimmt diese Unterscheidung aber nicht
    > vor, es kennt nur seinen eigenen Weg. Das hat mit "Best Practice" nichts zu
    > tun, sondern damit, dass SAP zwar die eierlegende Wollmilchsau sein will,
    > dann aber doch regelmäßig an Branchenbesonderheiten scheitert. Das ist
    > nicht der Fehler des Anwenders, sondern der von SAP - und "Best Practice"
    > ist es erst recht nicht.
    >
    > Daher: Besser kein SAP, sondern eine Branchenlösung.
    > forum.golem.de
    Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass Best Practice sich von Unternehmen zu Unternehmen unterscheidet - gerade innerhalb der Branche. Wie soll man sich sonst von der Konkurrenz abheben? In dem man genau diesselben Prozesse verwendt und alles gleich macht? Und da hat SAP den Vorteil, man kann es anpassen bis zur Unkenntlichkeit - wenn man das braucht. geht das bei dedizierten Branchenlösungen auch, dass ich das selber kann, weil ich den Quellcode habe?

    glsaft

  7. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: deefens 06.02.19 - 08:02

    PerilOS schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Hauptproblem bei allen Projekten dieser Art mit ERP System is, dass
    > jeder Betrieb denkt er sei was besonderes. "Best Practice" wird gekonnt
    > ignoriert und das System solange gebrochen und gebogen bis es in die eigene
    > Prozessunlogik passt. Solche Systeme sollten vorher mit einer
    > Prozessmodellierung intern einhergehen. Dann kann man auch was neues
    > schaffen.

    SAP wird überwiegend bei sehr großen Unternehmen eingesetzt, also mit mindestens 10.000 Mitarbeitern. Da können Sie nicht über Nacht die Prozesse ändern, weil ja noch hunderte andere Systeme im Einsatz sind, welche von diesen Prozessen abhängen.

    Aus meiner Erfahrung hört man bei minimalsten Abweichungen von den vielzitierten Best Practices beim Thema SAP immer als Erstes: zu kompliziert, dauert ewig, wird teuer. Manchmal hat man den Eindruck, SAP wird als Generalausrede genutzt warum Projekte ewig dauern und das Budget zigfach überzogen wird.

    Bei Dynamics-Projekten (Navision) hört man solche Dinge seltsamerweise relativ selten. Scheint also wohl doch eher an SAP zu liegen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 06.02.19 08:05 durch deefens.

  8. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: Filius 06.02.19 - 08:35

    deefens schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > SAP wird überwiegend bei sehr großen Unternehmen eingesetzt, also mit
    > mindestens 10.000 Mitarbeitern. Da können Sie nicht über Nacht die Prozesse
    > ändern, weil ja noch hunderte andere Systeme im Einsatz sind, welche von
    > diesen Prozessen abhängen.

    Sehr große Unternehmen führen normalerweise auch nicht in einem Schritt konzernweit SAP über alle Abteilungen ein. Das wird modulweise und/oder Divisionsweise und/oder nach Standort gestaffelt gemacht. Da kann man auch endlich mal seinen Prozesswildwuchs konsolidieren.

    > Aus meiner Erfahrung hört man bei minimalsten Abweichungen von den
    > vielzitierten Best Practices beim Thema SAP immer als Erstes: zu
    > kompliziert, dauert ewig, wird teuer. Manchmal hat man den Eindruck, SAP
    > wird als Generalausrede genutzt warum Projekte ewig dauern und das Budget
    > zigfach überzogen wird.

    Man kauft sich auch nicht die eierlegende Wollmilchsau, um dann erst seine Sonderlocken dazuzuprogrammieren die man dann erst selbst warten muss. Klar, manchmal braucht es das, aber wenn man alles so macht wie es die Fachbereiche wünschen, kann man gleich eine komplette Eigenentwicklung machen. Da muss man einfach dagegenhalten, um das Projekt nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

    Aber als Generalausrede eignet sich SAP gut, das stimmt.

  9. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: Trollversteher 06.02.19 - 11:02

    >Aus meiner Erfahrung hört man bei minimalsten Abweichungen von den vielzitierten Best Practices beim Thema SAP immer als Erstes: zu kompliziert, dauert ewig, wird teuer. Manchmal hat man den Eindruck, SAP wird als Generalausrede genutzt warum Projekte ewig dauern und das Budget zigfach überzogen wird.

    Haha, ja, da habe ich eine nette Anekdote zu - mein letzter Arbeitgeber war als 100%ige Tochter aus dem Mutterkonzern ausgegliedert worden, was dazu führte, dass wir nur noch an den Tarifvertrag des Mutterkonzerns "angelehnt" waren, d.H. bei Betriebsvereinbarungen und konzernweiten Sonderboni konnte unsere Geschäftsführung vor Ort entscheiden, ob diese für unsere kleine Niederlassung übernommen werden oder nicht. Trotzdem waren wir natürlich weiterhin zu 100% an die Prozesse (und damit auch das SAP) des Mutterkonzerns gebunden.

    Ich war damals "Nachrücker" im Betriebsrat und als eines Tages der Konzernvorstand einen konzernweiten Sonderbonus für alle Mitarbeiter versprach, verriet unser lokaler Geschäftsführer uns (dem BR) , dass er eigentlich vorhatte, diesen Bonus nicht für uns zu übernehmen, weil das die Quartalszahlen nicht hergegeben hätten, aber dass der Aufwand, die Bonuszahlungen für unsere kleine Niederlassung bei der Gehaltsabrechnung aus dem SAP System herauszunehmen größer und teurer gewesen wäre, als uns 40-50 Kollegen das Geld auszuzahlen - also kamen wir nur dank der Unflexibilität von SAP, in den Genuss des Bonus ;-)



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 06.02.19 11:04 durch Trollversteher.

  10. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: Simplizius 06.02.19 - 12:24

    Filius schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > deefens schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > SAP wird überwiegend bei sehr großen Unternehmen eingesetzt, also mit
    > > mindestens 10.000 Mitarbeitern. Da können Sie nicht über Nacht die
    > Prozesse
    > > ändern, weil ja noch hunderte andere Systeme im Einsatz sind, welche von
    > > diesen Prozessen abhängen.
    >
    > Sehr große Unternehmen führen normalerweise auch nicht in einem Schritt
    > konzernweit SAP über alle Abteilungen ein. Das wird modulweise und/oder
    > Divisionsweise und/oder nach Standort gestaffelt gemacht. Da kann man auch
    > endlich mal seinen Prozesswildwuchs konsolidieren.

    Wenn dein Standort aber von den Zahlen im globalen Vergleich besonders positiv hervor sticht, weil du deine Prozesse seit Jahren immer wieder hinterfragst und anpasst, dann kann dir nichts schlimmeres passieren, als wenn dann jemand Global SAP einführen will.
    Alles eine Frage der Perspektive.

  11. Re: "Meine Prozesse sind besonders"

    Autor: Ulrich Schauer 06.02.19 - 13:30

    Das Versprechen, man erstehe eine eierlegendewollmilchsau, kann auch von SAP nicht eingehalten werden. Zu viele Stellschrauben sind in Form von Parametern zu beherrschen und der Entwickler steht immer zwischen Baum und Borke. Der Nutzer kann seine Anforderungen nur bröckchenweise formulieren, ergänzt und modifiziert die Anforderungen und das System muß ständig angepasst werden - und das von einem mangelhaft ausgebildeten Einsatz-Analytiker. Da passiert es dann leicht, dass man das, was man eben mit dem Kopf aufgebaut hat, mit dem Ar... wieder umstößt.
    Systeme wie SAP sind nur dann gut, wenn alle Beteiligten sich an feste Regeln halten.

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