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Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

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  1. Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: elknipso 02.12.20 - 22:41

    Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden. Die deutsche Mentalität das Thema oft als Tabu zu betrachtet schadet einem selbst am meisten.

    Seit wir im Arbeitskollegenkreis, auf der halbwegs gleichen Hierarchiestufe, das Thema mal etwas transparenter angegangen sind und uns ausgetauscht haben sind teilweise gravierende Missstände aufgefallen die kurze Zeit später abgeschafft werden konnten. Das geht aber nur wenn man weiß wo man selbst steht, und wo andere stehen.

  2. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: NaTopp 03.12.20 - 07:29

    Volle Zustimmung. Ich finde das schrecklich wie in Deutschland die "Über Geld spricht man nicht"-Mentalität zu herrschen scheint. Mag vielleicht auch nur mein Umfeld sein, aber es wirkt oft so dass sich andere entweder schlecht fühlen oder neidisch sind.
    Gegönnt wird selbst den engsten Verwandten selten die Butter auf dem Brot, wenn es um das Thema Geld geht. Eher geht es um Parolen wie "was man verdient und was man bekommt sind zwei unterschiedliche Sachen"..
    Schönes Aufregerthema am Morgen!

  3. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: amagol 03.12.20 - 08:01

    NaTopp schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Volle Zustimmung. Ich finde das schrecklich wie in Deutschland die "Über
    > Geld spricht man nicht"-Mentalität zu herrschen scheint.

    Nicht nur in Deutschland :(
    Wobei mir hier offizielle Zahlen wie h1bdata.info oder inoffizielle von z.B. glassdoor schon helfen.

    > Gegönnt wird selbst den engsten Verwandten selten die Butter auf dem Brot,
    > wenn es um das Thema Geld geht.

    Kenn ich nur zu gut. Ich wuerde mich freuen wenn in Deutschland IT gut bezahlt wuerde. Irgendwann wuerde ich schon gern zuerueck. Aber solange es gut laeuft ... und danach kann ich mich vermutlich auch in Rente begeben (ach ne, brauche ja noch nen Job fuer KV bis 65 oder was auch immer das Rentenalter jetzt so ist).

  4. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: elknipso 03.12.20 - 08:08

    NaTopp schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Volle Zustimmung. Ich finde das schrecklich wie in Deutschland die "Über
    > Geld spricht man nicht"-Mentalität zu herrschen scheint. Mag vielleicht
    > auch nur mein Umfeld sein, aber es wirkt oft so dass sich andere entweder
    > schlecht fühlen oder neidisch sind.

    In Deutschland gibt es viele Neider, das stimmt. Aber es kommt dann doch auch sehr auf dem persönlichen Preis an.
    Bei uns im Freundeskreis wird z.B. auch offen über Geld gesprochen. Wenn ein Freund wissen möchte was ich verdiene und mich danach fragt, bekommt er eine ehrliche Antwort.
    Als wir letztens das Thema vor ein paar Wochen hatten ging das dann auch direkt rund wie ein Laubfeuer, sobald einer mal damit angefangen hatte mit offenen Karten zu spielen :).

    > Eher geht es um Parolen wie "was man
    > verdient und was man bekommt sind zwei unterschiedliche Sachen"..

    Ganz generell bekommt man nicht das was man verdient - sondern das was man verhandelt. Das ist ein wichtiger Unterschied, den man sich tief einprägen sollte.

  5. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Oktavian 03.12.20 - 08:28

    > Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden.

    Und ich kann nur jedem raten, genau das nicht zu tun. Das Gehalt wird von verdammt vielen Faktoren bestimmt, teils messbar, teils auch eher Perspektiven, Plänen mit der Person, Verhandlungsgeschick, etc.

    Nun sind viele gerade beim Thema Geld von Neid zerfressen. Man kann es auch hier wieder schön sehen. Wenn ich jetzt sage, ich verdiene im Jahr ca. 115k ohne Personalverantwortung, kommt sofort.
    - "kann gar nicht sein"
    - "niemand verdient so viel"
    - "also bist du Oberunterdrücker"
    - "das Geld steht eher den kleinen Angestellten zu"
    - "wenn das Erich wüsste"

    Es gibt kaum eine Möglichkeit, so schnell eine Diskussion eskalieren zu lassen. In manchen anderen Ländern erzeugt ein hohes Gehalt Anerkennung. Es kommen dann eher Fragen in die Richtung "Was muss ich tun, damit ich auch dahin komme?". Hier bei uns herrscht der blanke Neid, man kann es schön hier im Forum nachverfolgen.

  6. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: elknipso 03.12.20 - 08:42

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden.
    >
    > Und ich kann nur jedem raten, genau das nicht zu tun. Das Gehalt wird von
    > verdammt vielen Faktoren bestimmt, teils messbar, teils auch eher
    > Perspektiven, Plänen mit der Person, Verhandlungsgeschick, etc.

    Ganz generell

    >
    > Nun sind viele gerade beim Thema Geld von Neid zerfressen. Man kann es auch
    > hier wieder schön sehen. Wenn ich jetzt sage, ich verdiene im Jahr ca. 115k
    > ohne Personalverantwortung, kommt sofort.

    Glaube ich Dir direkt, im Vertrieb sind das z.B. absolut erreichbare Gehälter auch ohne direkte Personalverantwortung, wobei man sie da schon indirekt hat in der Regel in solchen Gehaltsregionen.
    Aber selbst in der Industrie kenne ich einige Beispiele. Selbst einfachere Tätigkeiten werden da gut bezahlt.

    > - "kann gar nicht sein"
    > - "niemand verdient so viel"
    > - "also bist du Oberunterdrücker"
    > - "das Geld steht eher den kleinen Angestellten zu"
    > - "wenn das Erich wüsste"
    >
    > Es gibt kaum eine Möglichkeit, so schnell eine Diskussion eskalieren zu
    > lassen. In manchen anderen Ländern erzeugt ein hohes Gehalt Anerkennung. Es
    > kommen dann eher Fragen in die Richtung "Was muss ich tun, damit ich auch
    > dahin komme?". Hier bei uns herrscht der blanke Neid, man kann es schön
    > hier im Forum nachverfolgen.

    Es gab schon immer Neider und es wird immer welche geben. Das sind nach meiner persönlichen Erfahrung die Leute die selbst fachlich und oft auch persönlich unteres Mittelmaß sind. Da ist es natürlich einfacher die Neid Karte zu spielen, statt sich mal ehrlich zu fragen ob man nicht selbst, und man selbst alleine, an seiner aktuellen Situation Schuld ist. Die Opferrolle ist ja soviel bequemer.

  7. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: John2k 03.12.20 - 08:46

    elknipso schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden. Die deutsche
    > Mentalität das Thema oft als Tabu zu betrachtet schadet einem selbst am
    > meisten.
    >
    > Seit wir im Arbeitskollegenkreis, auf der halbwegs gleichen
    > Hierarchiestufe, das Thema mal etwas transparenter angegangen sind und uns
    > ausgetauscht haben sind teilweise gravierende Missstände aufgefallen die
    > kurze Zeit später abgeschafft werden konnten. Das geht aber nur wenn man
    > weiß wo man selbst steht, und wo andere stehen.

    Sehe ich genauso. Ich definiere mich nicht durch die Arbeit oder das Geld, was ich verdiene. Klar ist man erst mal etwas down, wenn ein Verkäufer bei Mercedes sechstellig erwirtschaftet. Ihr wollt auch nicht wissen, wie viel Hausbaufirmen an Euch verdienen (Es ist unverschämt viel). Aber zumindest im gleichen Bereich weiß man, wo man liegt und ob es sich lohnt in eine andere Firma zu wechseln.

  8. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: kommentar4711 03.12.20 - 08:50

    elknipso schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Seit wir im Arbeitskollegenkreis, auf der halbwegs gleichen
    > Hierarchiestufe, das Thema mal etwas transparenter angegangen sind und uns
    > ausgetauscht haben sind teilweise gravierende Missstände aufgefallen die
    > kurze Zeit später abgeschafft werden konnten. Das geht aber nur wenn man
    > weiß wo man selbst steht, und wo andere stehen.

    Im Freundeskreis halte ich es für sinnvoll. Im Kollegenkreis nur bedingt. Das Problem ist, dass viele Menschen nur den Betrag sehen, nicht aber was andere ggf. auch mehr leisten. Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung der Arbeitsleistung geht bei vielen Leuten teils sehr gravierend auseinander und kann eine größere Gehaltsdifferenz bei nominell gleicher Arbeitsplatzbeschreibung erklären. Und wenn die Eigenwahrnehmung dann eben nicht ganz justiert ist, dann kann eine solche Diskussion im Kollegenkreis auch die Stimmung gewaltig stören. Sätze wie "Du bekommst zwar 10k¤ weniger, aber sei mal ehrlich, Du leistest in 5 Tagen auch nur das wie andere in 4" verträgt nicht jeder.

  9. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Oktavian 03.12.20 - 08:57

    > Glaube ich Dir direkt, im Vertrieb sind das z.B. absolut erreichbare
    > Gehälter auch ohne direkte Personalverantwortung, wobei man sie da schon
    > indirekt hat in der Regel in solchen Gehaltsregionen.

    Bei mir ist es das Thema Beratung.
    - Ich bin bereit durch Deutschland zu reisen, meine Familie oft nur am Wochenende zu sehen.
    - immer wieder mit neuen Kollegen zu arbeiten und mich auch selbst in einem neuen Umfeld immer wieder zu behaupten, mir einen Ruf zu erarbeiten
    - mich immer wieder schnell in neue Themen einzuarbeiten und immer wieder neu zu lernen
    - zu kommunizieren auf allen Ebenen, jetzt gerade mit einem Azubi FIAE des Kunden und in der nächsten Stunde mit dem Vorstand einer mittelgroßen Versicherung
    - usw.

    > Es gab schon immer Neider und es wird immer welche geben. Das sind nach
    > meiner persönlichen Erfahrung die Leute die selbst fachlich und oft auch
    > persönlich unteres Mittelmaß sind.

    Und genau deshalb bin ich damit eher zurückhaltend. Wenn ein junger Kollege mich fragt im persönlichen Gespräch, dann bin ich da ganz offen, nenne auch Zahlen, erkläre ihm meinen Weg, meine Tätigkeit und Verantwortung, aber auch den Preis, den ich zahle dafür, gebe ihm Tipps, coache ihn vielleicht auch etwas. Aber ich würde das Gehalt nicht zum Thema der Kaffee-Runde machen.

  10. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Trollversteher 03.12.20 - 09:24

    Volle Zustimmung. Bei meinem letzten Arbeitgeber hat der Betriebsrat einmal im Jahr eine "Gehaltslesung" durchgeführt, bei dem für jeden Mitarbeiter anhand seiner Tätigkeit und Qualifikation geprüft wurde, ob seine aktuelle tarifliche Einordnung gerecht bzw. passend ist. Dann wurde eine Vorschlagsliste mit Kandidaten für eine Gehaltserhöhung für die Firmenleitung erstellt und verhandelt. Das kam vor allem eher schüchternen Kollegen zugute, die sich selbst nicht getraut hätten, den Mund aufzumachen.

    Ein Betriebsrat hat nämlich im Gegensatz zum "einfachen Kollegen" das Recht, die Gehälter sämtlicher Mitarbeiter einzusehen - dafür muss es natürlich erst mal einen Betriebsrat geben...



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.12.20 09:24 durch Trollversteher.

  11. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Oktavian 03.12.20 - 09:32

    > Volle Zustimmung. Bei meinem letzten Arbeitgeber hat der Betriebsrat einmal
    > im Jahr eine "Gehaltslesung" durchgeführt, bei dem für jeden Mitarbeiter
    > anhand seiner Tätigkeit und Qualifikation geprüft wurde, ob seine aktuelle
    > tarifliche Einordnung gerecht bzw. passend ist. Dann wurde eine
    > Vorschlagsliste mit Kandidaten für eine Gehaltserhöhung für die
    > Firmenleitung erstellt und verhandelt.

    Gab es denn auch das Gegenteil, dass für Kollegen festgestellt wurde, dass sie anhand ihrer gelieferten Qualität und Performance, sowie ihre mangelnden Motivation überbezahlt sind? Und dann wurde eine Vorschlagslisten erstellt mit Kandidaten für eine Gehaltssenkung oder eine Kündigung? Ansonsten wäre das ja eine sehr einseitige Liste.

  12. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: kommentar4711 03.12.20 - 09:34

    Trollversteher schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Volle Zustimmung. Bei meinem letzten Arbeitgeber hat der Betriebsrat einmal
    > im Jahr eine "Gehaltslesung" durchgeführt, bei dem für jeden Mitarbeiter
    > anhand seiner Tätigkeit und Qualifikation geprüft wurde, ob seine aktuelle
    > tarifliche Einordnung gerecht bzw. passend ist. Dann wurde eine
    > Vorschlagsliste mit Kandidaten für eine Gehaltserhöhung für die
    > Firmenleitung erstellt und verhandelt. Das kam vor allem eher schüchternen
    > Kollegen zugute, die sich selbst nicht getraut hätten, den Mund
    > aufzumachen.
    >
    > Ein Betriebsrat hat nämlich im Gegensatz zum "einfachen Kollegen" das
    > Recht, die Gehälter sämtlicher Mitarbeiter einzusehen - dafür muss es
    > natürlich erst mal einen Betriebsrat geben...

    Der Ansatz ist mir ehrlich gesagt zu "sozialistisch". Zumal der BR nur die Arbeitsplatzbeschreibung, aber wohl in den meisten Fällen nicht die tatsächliche Arbeitsleistung beurteilen kann.

  13. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: elknipso 03.12.20 - 09:35

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und genau deshalb bin ich damit eher zurückhaltend. Wenn ein junger Kollege
    > mich fragt im persönlichen Gespräch, dann bin ich da ganz offen, nenne auch
    > Zahlen, erkläre ihm meinen Weg, meine Tätigkeit und Verantwortung, aber
    > auch den Preis, den ich zahle dafür, gebe ihm Tipps, coache ihn vielleicht
    > auch etwas. Aber ich würde das Gehalt nicht zum Thema der Kaffee-Runde
    > machen.

    Genau so wie Du das handhabst, habe ich das auch gemeint. In dem Rahmen ist das vollkommen in Ordnung und sinnvoll, aber man sollte es natürlich nicht jedem auf die Nase binden :).

  14. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: elknipso 03.12.20 - 09:36

    kommentar4711 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > elknipso schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Seit wir im Arbeitskollegenkreis, auf der halbwegs gleichen
    > > Hierarchiestufe, das Thema mal etwas transparenter angegangen sind und
    > uns
    > > ausgetauscht haben sind teilweise gravierende Missstände aufgefallen die
    > > kurze Zeit später abgeschafft werden konnten. Das geht aber nur wenn man
    > > weiß wo man selbst steht, und wo andere stehen.
    >
    > Im Freundeskreis halte ich es für sinnvoll. Im Kollegenkreis nur bedingt.
    > Das Problem ist, dass viele Menschen nur den Betrag sehen, nicht aber was
    > andere ggf. auch mehr leisten. Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung der
    > Arbeitsleistung geht bei vielen Leuten teils sehr gravierend auseinander
    > und kann eine größere Gehaltsdifferenz bei nominell gleicher
    > Arbeitsplatzbeschreibung erklären. Und wenn die Eigenwahrnehmung dann eben
    > nicht ganz justiert ist, dann kann eine solche Diskussion im Kollegenkreis
    > auch die Stimmung gewaltig stören. Sätze wie "Du bekommst zwar 10k¤
    > weniger, aber sei mal ehrlich, Du leistest in 5 Tagen auch nur das wie
    > andere in 4" verträgt nicht jeder.

    Das stimmt natürlich, da ist etwas Fingerspitzengefühl bei der Auswahl der gesprächspartner im Arbeitskollegenkreis gefragt :).

  15. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Trollversteher 03.12.20 - 09:58

    >Gab es denn auch das Gegenteil, dass für Kollegen festgestellt wurde, dass sie anhand ihrer gelieferten Qualität und Performance, sowie ihre mangelnden Motivation überbezahlt sind? Und dann wurde eine Vorschlagslisten erstellt mit Kandidaten für eine Gehaltssenkung oder eine Kündigung? Ansonsten wäre das ja eine sehr einseitige Liste.

    Eine individuelle tarifliche Abstufung ist bei einem Tarifvertrag afaik nicht möglich, dazu müsste der AG die Stelle des betroffenen Kollegen abbauen und ihn mit neuem Vertrag auf einer neuen Stelle einstellen.

    Für so etwas ist die individuelle Leistungszulage gedacht, die unverbindlich ist und auf die kein Rechtsanspruch besteht. Zudem ist ein Betriebsrat, auch wenn ein guter Betriebsrat immer den Ausgleich zwischen Führung und Angestellten anstrebt, nun mal in erster Linie für die Vertretung von Mitarbeiter-Interessen da, und nicht um die Firmenführung "Abschusslisten" zu erstellen. Solche Maßnahmen haben in einem umgekehrten Prozess von der Führung auszugehen und werden dann mit dem Betriebsrat diskutiert.

  16. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Oktavian 03.12.20 - 10:06

    > Zudem ist ein
    > Betriebsrat, auch wenn ein guter Betriebsrat immer den Ausgleich zwischen
    > Führung und Angestellten anstrebt, nun mal in erster Linie für die
    > Vertretung von Mitarbeiter-Interessen da, und nicht um die Firmenführung
    > "Abschusslisten" zu erstellen.

    Naja, ich als Mitarbeiter habe ja nicht so das Interesse, ständig für Minderleister mitzuschaffen, und deren Gehalt auch noch mitzuerwirtschaften. Klar hat jeder mal nen Durchhänger, aber es gibt halt Spezialisten, bei denen ist das Dauerzustand. Insofern wäre es für das Gros der Belegschaft schon von Interesse, diese Dauerminderleister zu benennen und entweder deutlich niedriger einzugruppieren oder ihnen die Chance zur Neuorientierung in einem anderen Unternehmen zu geben.

    Und wenn der Betriebsrat, der ja durch Mehrheit gewählt wurde, sich als Vertretung der Mitarbeiter in ihrer Gesamtheit sieht, sollte er so eine Aufgabe doch aktiv unterstützen, zum Nutzen der breiten Mehrheit der Belegschaft.

  17. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Trollversteher 03.12.20 - 10:19

    >Der Ansatz ist mir ehrlich gesagt zu "sozialistisch".

    Was bitte ist daran "sozialistisch" ??
    Das ist keine verbindliche Liste mit Erfolgsgarantie, sondern eine Verhandlungsgrundlage bei der die Führung bei jedem einzelnen vorgeschlagenen Mitarbeiter die Möglichkeit hat, sie vorbehaltslos abzulehnen. So sind auch bei uns in der Regel nur zwei, frei von zehn oder mehr Fällen nach harten Verhandlungen durchgekommen. Im Übrigen stand es natürlich jedem weiterhin frei, ohne BR im Rücken selbst zum Chef zu gehen und eine Gehaltserhöhung auszuhandeln.

    >Zumal der BR nur die Arbeitsplatzbeschreibung, aber wohl in den meisten Fällen nicht die tatsächliche Arbeitsleistung beurteilen kann.

    Das mag beim übergeordneten Konzernbetriebsrat der Fall sein, der mehrere hundert oder tausend Mitarbeiter an verschiedenen Standort betreut, bei unserem kleinen Standort-Betriebsrat vor Ort war aber genau das Gegenteil der Fall: Da ist der Betriebsrat sehr viel näher an den Projektteams und zT selbst in den Projekten involviert als es ein viel Beschäftigter Filialleiter sein kann, zudem wurden natürlich in den betreffenden Fällen vorher auch Teamkollegen, Projektleiter und Abteilungsleiter befrfagt.

  18. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: Trollversteher 03.12.20 - 10:31

    >Naja, ich als Mitarbeiter habe ja nicht so das Interesse, ständig für Minderleister mitzuschaffen, und deren Gehalt auch noch mitzuerwirtschaften.

    Ich weiß ja nicht, in welchen Unternehmen Du so tätig warst, aber in der betreffenden Niederlassung von der ich spreche gab es, zumindest unter uns "Produktivkräften" keine "Minderleister", die sich dauerghaft einfach mitschleppen ließen. Und solche, die dann doch im konkreten Projekt mal die nötige Motivation haben vermissen lassen, haben das im Team zu spüren bekommen und waren ganz sicher keine Kandidaten für die "Gehaltsdiskussion".

    >Klar hat jeder mal nen Durchhänger, aber es gibt halt Spezialisten, bei denen ist das Dauerzustand. Insofern wäre es für das Gros der Belegschaft schon von Interesse, diese Dauerminderleister zu benennen und entweder deutlich niedriger einzugruppieren oder ihnen die Chance zur Neuorientierung in einem anderen Unternehmen zu geben.

    Tatsächlich konnte man auch in einem solchen Fall entweder zum Projektleiter oder zum Betriebsrat gehen, und sich über mangelnden Teamgeist beschweren - das hat dann in der Regel ein Gespräch nach sich gezogen, in der nach den Gründen für den spürbaren Leistungsnachlass gefragt und ggf. Unterstützung zur Verbesserung angeboten wurde. Aber wie gesagt, solche Kollegen, die schon grundsätzlich vom Charakter her eine klischeehafte "Beamtenmentalität" gezeigt hätten, gab es nicht, denn solche wurden erst gar nicht eingestellt. Und ich habe es zumindest bei extern angemieteten "Leiharbeiter" Kräften, die bei extremen Termindruck zur Verstärkung ins Team geholt wurden mehrfach erlebt, dass diese dann bei mangelndem Teamgeist, Selbstständigkeit oder unterirdischer Leistung nicht mehr weiter beauftragt wurden.

    >Und wenn der Betriebsrat, der ja durch Mehrheit gewählt wurde, sich als Vertretung der Mitarbeiter in ihrer Gesamtheit sieht, sollte er so eine Aufgabe doch aktiv unterstützen, zum Nutzen der breiten Mehrheit der Belegschaft.

    Wie gesagt, es gab bei uns weder neidische Denunzianten, die mit dem Finger auf andere gezeigt hätten weil sie selbst ihre Gehaltsforderrungen nicht durchbekommen hätten, noch dauerhafte "Underperformer" die sich für ein zu hohes Gehalt auf Kosten anderer "durchgemogelt" hätten.
    In diesem Fall hätte der Betriebsrat auch sicher gegen disziplinarische Maßnahmen als letztes Mittel keinen Einspruch erhoben.

    Der Fall, dass gutmütige Kollegen Aufgabenbereiche oberhalb ihrer tariflichen Einstufung widerspruichslos hingenommen haben, war hingegen tatsächlich häufiger der Fall.

  19. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: NaTopp 03.12.20 - 12:05

    elknipso schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > In Deutschland gibt es viele Neider, das stimmt. Aber es kommt dann doch
    > auch sehr auf dem persönlichen Preis an.
    > Bei uns im Freundeskreis wird z.B. auch offen über Geld gesprochen. Wenn
    > ein Freund wissen möchte was ich verdiene und mich danach fragt, bekommt er
    > eine ehrliche Antwort.
    > Als wir letztens das Thema vor ein paar Wochen hatten ging das dann auch
    > direkt rund wie ein Laubfeuer, sobald einer mal damit angefangen hatte mit
    > offenen Karten zu spielen :).

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht, da ich schon seit langem dafür einstehe offen und ehrlich über das Gehalt zu sprechen. Möchte jemand wissen was ich verdiene, fragt er/sie und bekommt eine ehrliche Antwort. In meinem Bekanntenkreis fällt mir das Antworten manchmal allerdings auch schwer. Als ITler habe ich teilweise Brutto das 1.5-fache als Alleinverdiener im Vergleich zu zwei Arbeitenden (Pärchen). Da merke ich schon, dass es die beiden etwas schmerzt (nicht im Sinne von Neid, sondern eher Unverständnis warum sie so wenig verdienen).
    Am Ende profitieren aber alle vom Reden - außer vielleicht die profitgeilen Firmen.

  20. Re: Ich kann jedem nur den Rat geben über Gehälter offen zu reden

    Autor: kommentar4711 03.12.20 - 12:17

    NaTopp schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > In meinem Bekanntenkreis fällt mir das Antworten manchmal allerdings auch
    > schwer. Als ITler habe ich teilweise Brutto das 1.5-fache als
    > Alleinverdiener im Vergleich zu zwei Arbeitenden (Pärchen). Da merke ich
    > schon, dass es die beiden etwas schmerzt
    Kenne ich. Habe einen Einzelhändler mit eigenem Supermarkt im Freundeskreis. Trägt das ganze Risiko, schuftet in der Woche in etwa doppelt so viel wie ich und zahlt sich als GF Gehalt in etwa die Hälfte meines Gehaltes aus. Und viel mehr bleibt am Jahresende auch nicht auf dem Geschäftskonto als das noch eine große Gewinnausschüttung möglich wäre.

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