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prinzipiell völlig in Ordnung
Autor: DatLicht 12.08.16 - 15:06
Auch auf die Gefahr, hier als Troll angesehen zu werden, aber ...
Die Einrichtung der Gema sei hier mal nicht weiter berücksichtigt, das würde wohl den Rahmen sprengen. Aber prinzipiell finde ich das Vorgehen, einen Sharehoster (endlich mal!) zur Rechenschaft zu ziehen, völlig in Ordnung (so denn ihm klar ist, was seine User da treiben und - ganz im Gegenteil - sein Geschäftsmodell sogar großteils darauf basiert).
Zum einen:
Warum soll es denen besser gehen als anderen Wettbewerbern mit User generated Content? Dieses Betriebsmodell ist durchaus nicht neu, und Youtube & Co. müssen auch Gebühren bezahlen - oder dafür sorgen, dass geschützte Inhalte gesperrt werden. Gleiches Recht für alle.
Zum anderen:
Bevor man sich nun über die "großen, geldgierigen Softwarekonzerne" aufregt, hier mal die Sicht aus einer eher kleinen Softwareschmiede (ich bin sowohl Programmierer als auch Musiker):
Klar, auf der einen Seite möge man denken: "Freie Bürger, freie Downloads", aber man stelle man sich doch einfach mal folgendes, realistisches Bild vor: Man entwickelt ein Jahr lang an einer Software bis sie eine angemessene Marktreife hat. Sprich, man arbeitet erstmal ein Jahr, ohne bis dahin auch nur einen einzigen Cent zu sehen. Ganz im Gegenteil: erst einmal musste man selbst ordentlich tief in die Tasche greifen, um Lizenzen zu kaufen, Markenrechte zu klären, externe Anbieter wie Grafiker, Webdesigner, etc. bezahlen, usw.
Man macht eine Marktanalyse, legt einen Preis fest und fängt an, Lizenzen zu verkaufen. Nach kurzer Zeit stellt man fest: wow, 100.000 User, aber nur 15.000 Lizenzen verkauft. Dann stellt man aber fest, dass eine Drittfirma das Produkt zum Download anbietet und sich damit auch noch ordentlich die Taschen vollstopft. Das soll fair sein?
Ein anderes Beispiel:
Man hat eine tolle Melodie im Kopf und ungefähr eine Idee, was textlich dazu passen würde. Schnell auf dem Keyboard nachgespielt und die Noten festgehalten. Texter engagiert, der aus der Idee einen einschlägigen Text macht. Da die eigene Stimme nicht sooo CD-verdächtig klingt, per Casting einen Sänger besorgt, vernünftige Instrumente gemietet (da so ein günstiges Keyboard ja auch nicht sooo toll klingt), ein Studio gemietet, den Song eingespielt. Ob nun zusätzliche Kosten durch klassische CD-Produktion oder moderneres MP3-Vertriebsmodell entstehen, sei mal dahingestellt. Jedenfalls wird per Werbeagentur auch noch mal ordentlich Reklame gemacht, Demos an Radiosender verschickt, usw. ... gleiches Spiel wie oben: um bis zu diesem Punkt zu kommen, muss schon mal ordentlich Geld in die Hand genommen werden.
Jetzt stellt man allerdings fest: Zwar findet jeder den Song toll, aber kaufen werden ihn eher wenige, weil man diesen umsonst bei einem Sharehoster runterladen kann, der mit dieser Dienstleistung ordentlich Geld "verdient". Du schreibst den Sharehoster an, der löscht die Datei aber nicht.
In beiden Fällen:
Andere "verdienen" Geld mit DEINER Arbeit, ohne dich überhaupt gefragt zu haben (geschweige denn, dass sie Verträge mit dir abgeschlossen haben und dich in irgendeiner Form entlohnen). Eventuell hast du dein investiertes Geld dadurch gar nicht mehr raus, so dass du Privatinsolvenz anmelden musst und es billiger gewesen wäre, sich mit dem Geld einfach eine Zigarre anzuzünden.
Da erzähl mir noch mal einer, der Sharehoster hätte es nicht verdient, wenigstens Schadenersatz zu leisten... -
Re: prinzipiell völlig in Ordnung
Autor: SoniX 12.08.16 - 16:56
Naja... Zwei Haken.
Die Gema fördert gerade kleine Talente (so nenne ich es mal) nicht wirklich. Meine Mutter zB hat n Buch geschrieben, hat sich letztes Jahr knapp 1000mal verkauft. Sie bekam n Scheck über rund 40Euro... Ist eh egal, ihr gings nicht ums Geld. Aber 40Euro waren einfach lächerlich.
Die Unbekannten Künstler wird man auch eher weniger bei Sharehostern finden. Da findet man eher alles was viel gesehen und gehört wird. Die Uploader wollen ja was verdienen.
Aber im Grunde, dein Gedanke dahinter der passt schon. :) -
Re: prinzipiell völlig in Ordnung
Autor: megaheld 15.08.16 - 21:52
Naja, dass beides nicht wirklich fair ist, sollte klar sein. Aber es geht ja nicht um Fairness im Business-Dschungel sondern um das, was Geld einbringt. Keine Bank würde dir Geld geben, weil es fair wäre sondern nur, wenn sie denken, dass du es zurückzahlen wirst und sie noch etwas dabei verdienen werden.
Der Clou ist es, Geld zu verdienen, ohne sich strafbar zu machen.
Grundsätzlich sollte solch eine Plattform legal sein - ist sie ja per sé auch erstmal. Jemand nimmt Geld dafür, dass ich etwas hochladen kann und andere sich kostenfrei daran bedienen können, eine gute Idee.
Wenn man es so macht wie Rapidshare und man den Uploadern Geld gibt, dann ist das fragwürdig. Ob die Fa. weiß, dass da illegales Material hochgeladen wird ist insofern irrelevant als dass diese davon Kenntnis haben muss. ich betreibe beispielsweise so einen Hoster und meine Kunden laden Daten hoch. Sagt mir einer "die Datei xyz unter Link xyz" ist illegal, dann muss ich diese (habe ja nun Kenntnis davon) entfernen. Allerdings habe ich die Möglichkeit, mich vorher davon zu überzeugen, kann ja jeder sowas sagen und dann sind meine Urlaubsvideos weg.
Da i.d.R. der Hoster zwar ziemlich sicher ist, dass da illegales Zeug liegt, es aber i.d.R. in handliche Häppchen zerteilt und mit einem Passwort versehen ist, kann er zurecht sagen, dass er nicht weiß, was da liegt.
Wenn jetzt Fa. A sagt, unter dem Link liegen illegale Inhalte, wird der Hoster die Dateien wohl löschen - oder halt nicht. Wenn die Erklärung, warum das illegal sein soll, nicht klar wird, dann wird er sie ggfs. auch da liegen lassen - gerade wenn die Fa. A hunderte oder tausende Links schickt, wie man oft hört, dass es so wäre.
Die Frage ist also: Was genau ist passiert - und das ist hier noch völlig unklar.
Vieles sehe ich übrigens positiv bei solchen Hostern. Dort liegt sehr viel Kram, den man, selbst wenn man wollte, nicht käuflich erwerben kann weil es eine nur kleine Zielgruppe gibt, es an einer Lizenz für ein Lied im Film/Serienfolge/Serie fehlt (passiert erschreckend oft) oder sonstwas.
Vieles hätte den Weg zu mir gar nicht geschafft, wenn es nicht diese Friedhöfe für kaum Verwertbares gäbe. Andererseits distanziere ich mich aber von aktueller Musik oder Filmen, die gerade erst im Kino laufen, das ist einfach nicht nötig. Kann man kaufen oder ins Kino gehen - meist die Qualität (Film) eh nicht so toll und das Erlebnis im Kino viel besser oder (Musik) man sichert den Künstlern zumindest anfangs einen Ertrag. Ob sie ihr Leben lang Millionen für einen Song erhalten müssen ("last christmas" darf man sich aber auch mal fragen.



