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Mathematik überbetont....

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  1. Mathematik überbetont....

    Autor: KlugKacka 24.01.21 - 15:09

    Ja, Bäckerkunde, das wär eine Alternative zu Mathe.

    Die nächste Studie stellt fest, daß in der Informatik Twittern nicht als Fach gewertet wird und deshalb Frauen das nicht Studieren.

  2. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: demon driver 24.01.21 - 15:46

    KlugKacka schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ja, Bäckerkunde, das wär eine Alternative zu Mathe.
    >
    > Die nächste Studie stellt fest, daß in der Informatik Twittern nicht als
    > Fach gewertet wird und deshalb Frauen das nicht Studieren.

    Es sind nicht nur Geschlechterforscher, die Umfang und Ausprägung der verpflichtenden mathematischen Inhalte im Informatikstudium als kontraproduktiv ansehen. Es war einer meiner Informatikprofs damals, es gab zu der Zeit noch "Grund-" und "Hauptstudium" an den Unis, der offen sagte, die Mathematik-Anteile vor allem im Grundstudium gebe es in dieser Form nur, um möglichst schnell und effektiv die Zahl der Studierenden zu reduzieren. Einen Nutzen hätten die nicht. (Wenn ich mich recht erinnere, wurde das Ziel damals damit auch sehr gut erreicht; nach dem "Vordiplom" – notwendige Prüfungen, um mit dem Hauptstudium weitermachen zu dürfen, aber ohne jeden Wert außerhalb der Uni – blieben im Schnitt so um die 20% von den Studienanfänger/inne/n übrig, wenn ich mich recht erinnere.)



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 24.01.21 15:51 durch demon driver.

  3. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: kaesekuchen 24.01.21 - 15:51

    Es ist aber doch wahr.

    Bei uns hat v.a. im Bachelor (wegen zahlreicher Mathe-Pflichtvorlesungen) die Mathematik gefühlte 80% der gesamten Lernzeit ausgemacht und war grob geschätzt zu ebenso 80% der Grund für freiwillig oder prüfungsordnungsbedingt abgebrochene Studien (bitte nicht auf die konkreten Zahlen festnageln, ich will damit nur "sehr hoher Anteil" sagen).

    Und das alles wegen Inhalten, die man in den allermeisten Softwareentwickler-Jobs niemals mehr braucht. Sachen wie Beweisführung in mehrdimensionaler Infinitesimalrechnung sind, wenn überhaupt, fast nur für Leute relevant, die eine akademische oder in anderer Form sehr stark wissenschaftlich geprägte Informatikkarriere anstreben.

    Allerdings, ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass man für einen durchschnittlichen Softwareentwicklerjob eigentlich überhaupt kein Informatikstudium braucht. Ich hab praktisch nichts von dem, was ich heute an fachlich-inhaltlichem für meine tägliche Arbeit brauche, an der Uni gelernt. Und der Trend geht ja auch tatsächlich immer mehr in diese Richtung.

    Was man im Informatikstudium und v.a. in den Mathematikvorlesungen aber tatsächlich lernt und auch später gut gebrauchen kann, ist Disziplin und Durchhaltevermögen, also die berühmten "Soft Skills". In diesem Bereich wird man da wirklich GESTÄHLT.

  4. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: demon driver 24.01.21 - 16:21

    kaesekuchen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei uns hat v.a. im Bachelor (wegen zahlreicher Mathe-Pflichtvorlesungen)
    > die Mathematik gefühlte 80% der gesamten Lernzeit ausgemacht und war grob
    > geschätzt zu ebenso 80% der Grund für freiwillig oder
    > prüfungsordnungsbedingt abgebrochene Studien [...]

    Danke; es hat sich seit meiner Studienzeit also in der Hinsicht genau nichts geändert... Abgesehen davon, dass man, wenn man auf Master studiert, mit den Bachelor, wenn man ihn denn schafft, schon mal was in der Hand hat, im Unterschied zum "Vordiplom" damals...

    > Allerdings, ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass man für einen
    > durchschnittlichen Softwareentwicklerjob eigentlich überhaupt kein
    > Informatikstudium braucht [...]

    "Eigentlich". Das Problem ist nur, dass sich – wohl umsomehr, je größer und potenziell existenzsichernder der Arbeitgeber – Gehalts- und Aufstiegsmöglichkeiten tendenziell immer noch sehr nach dem Abschluss richten. Selbst nach vielen Jahren erfolgreicher praktischer Tätigkeit.

  5. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: EifX 24.01.21 - 16:23

    @kaesekuchen: Ich stimme dir in deinen Aussagen vollkommen zu (so ne +1 Funktion hier wäre nicht schlecht :D)

    Was ich hinzufügen möchte ist, dass ein Studium an einer normalen Hochschule dich auch nicht auf das Standard-Berufsleben vorbereiten soll, sondern auf eine (universitäre) Forscher-Laufbahn. Von daher ist es verständlich, dass man das, was in der Uni gelernt hat, nur bedingt im Beruf anwenden kann (geht mir auch so). Wenn man daran etwas ändern möchte, steht jedem frei, auf ne FH zu wechseln oder ein duales Studium zu machen. Da ist der Blick in die Berufswelt gegeben oder sogar darauf hin gerichtet.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 24.01.21 16:23 durch EifX.

  6. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: 43rtgfj5 24.01.21 - 16:55

    EifX schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was ich hinzufügen möchte ist, dass ein Studium an einer normalen
    > Hochschule dich auch nicht auf das Standard-Berufsleben vorbereiten soll,
    > sondern auf eine (universitäre) Forscher-Laufbahn. Von daher ist es
    > verständlich, dass man das, was in der Uni gelernt hat, nur bedingt im
    > Beruf anwenden kann (geht mir auch so).

    Sehe ich ähnlich, leider sieht der Markt das anders. Bei uns auf der Arbeit geht es jetzt leider doch auch vermehrt in die Richtung, dass ein Studium quasi Voraussetzung wird/ist, zumindest für einen guten Teil der IT. Stört mich sehr, da das Studium nur sehr begrenzt auf den Arbeitsalltag vorbereitet, je nachdem wo/als was man arbeitet, auch gar nicht. IT ist ja nicht nur Softwareentwickler, da gibt es noch deutlich mehr andere Berufssparten. Und da verstehe ich 0, warum ein Studium hier sein muss.

    > Wenn man daran etwas ändern möchte,
    > steht jedem frei, auf ne FH zu wechseln oder ein duales Studium zu machen.
    > Da ist der Blick in die Berufswelt gegeben oder sogar darauf hin gerichtet.

    Auch das FH Studium ist aus meiner Sicht nicht praktisch genug, bzw. gehen viele Themen weiterhin am Berufsalltag vorbei. Mathe wurde genau so zum aussieben benutzt, und die ersten 3 Semester bestanden vom Arbeitsaufwand bei den meisten auch zu 70% aus Mathe lernen. 20% waren Softwareentwicklung (Also richtiges Programmieren) was viele ohne Vorerfahrung sehr schwer fanden, und die restlichen 10% waren dann Einführung BWL & Co.

    Ich finde ein Studium nicht schlecht, aber es ist oft einfach nicht relevant für den Beruf. In meiner Ausbildung vor dem Studium habe ich deutlich mehr gelernt, was ich später in der Praxis anwenden konnte. Was man in der Uni/FH zum Großteil lernt, ist wissenschaftliches arbeiten. Und das braucht man in der Form sehr selten im Berufsalltag.

  7. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: demon driver 24.01.21 - 17:05

    EifX schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > @kaesekuchen: Ich stimme dir in deinen Aussagen vollkommen zu (so ne +1
    > Funktion hier wäre nicht schlecht :D)
    >
    > Was ich hinzufügen möchte ist, dass ein Studium an einer normalen
    > Hochschule dich auch nicht auf das Standard-Berufsleben vorbereiten soll,
    > sondern auf eine (universitäre) Forscher-Laufbahn.

    Ich weiß nicht... Natürlich soll es das auch. Aber was wäre denn das für ein Quatsch, jedes Jahr eine sechsstellige Zahl von Akademikern auszubilden, von denen immer nur eine Handvoll jemals in der akademischen Forschung unterkommen kann. Zumal die Prioritäten spätestens seit Bologna auch für die "normalen Hochschulen" bzw. Universitäten andere geworden sind – eben gezielt hin zu mehr Ausbildung statt Bildung (was auch immer man davon am Ende halten mag). Dass sich im Informatikstudium trotzdem so wenig verändert hat, liegt wohl eher daran, dass das man beim verwertbarkeitsorientierten Streamlining der Studiengänge erst mal hauptsächlich nichttechnische Studienrichtungen im Visier gehabt hat. Die technischen Fächer kamen diesen Zielen ohnehin schon immer eher entgegen, bei allem, was dort immer noch an praxisfremden Inhalten gelehrt wurde und weiter wird.

    > Von daher ist es
    > verständlich, dass man das, was in der Uni gelernt hat, nur bedingt im
    > Beruf anwenden kann (geht mir auch so). Wenn man daran etwas ändern möchte,
    > steht jedem frei, auf ne FH zu wechseln oder ein duales Studium zu machen.
    > Da ist der Blick in die Berufswelt gegeben oder sogar darauf hin gerichtet.

    Man soll also nicht das Hochschulstudium für seine zweifelhaften Studieninhalte kritisieren, sondern einfach darauf verzichten, eins zu machen, einen Bildungsweg eine Stufe tiefer wählen und damit auch die eigenen Gehalts- und Aufstiegschancen gleich mal eine Stufe niedriger legen. Okay, kann man machen. Gesellschaftlicher Fortschritt entsteht so aber garantiert nicht.

  8. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: Datalog 24.01.21 - 17:38

    kaesekuchen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Allerdings, ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass man für einen
    > durchschnittlichen Softwareentwicklerjob eigentlich überhaupt kein
    > Informatikstudium braucht.

    Völlig richtig. Wer nur z.B. normale Anwendungen programmieren will, braucht kein großes Wissen in Mathematik. Der/die braucht aber auch kein Informatikstudium.

    Ein Informatikstudium vermittelt wie jedes andere Studium neben Fachkenntnissen vor allem Kenntnisse im wissenschaftlichem Arbeiten. Letztlich sollte man am Ende des Masters in der Lage sein, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Und hier gehört das Mathematikwissen dann zwingend dazu.

  9. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: Datalog 24.01.21 - 17:52

    kaesekuchen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei uns hat v.a. im Bachelor (wegen zahlreicher Mathe-Pflichtvorlesungen)
    > die Mathematik gefühlte 80% der gesamten Lernzeit ausgemacht und war grob
    > geschätzt zu ebenso 80% der Grund für freiwillig oder
    > prüfungsordnungsbedingt abgebrochene Studien (bitte nicht auf die konkreten
    > Zahlen festnageln, ich will damit nur "sehr hoher Anteil" sagen).

    Das ist in der Physik ähnlich. Oder auch in BWL oder Wirtschaftswissenschaften wird über die Mathematik "gesiebt". Und in Fächern wie Biologie oder Medizin bricht vielen Studienanfänger*innen die Physik das Genick. Viele informieren sich vorher nicht ausführlich, was im Studium alles erwartet wird.

    Ich finde das aber auch völlig normal. Ein Hochschulstudium ist nun mal keine normale (Fach)ausbildung, sondern soll möglichst viele Grundlagen vermitteln. Mathematik gehört da auch in der Informatik zu den wesentlichen Bausteinen.

    Zurück zu Studie... Deren Ergebnisse sind ja nicht neu. Ähnliches habe ich auch schon vor 10 Jahren gelesen.

    Das Problem mit dem Image von Studienfächern fängt ja bereits sehr viel früher in der Schule an. Wer gilt denn da als Helden? Die Mathe- oder Physik-Cracks etwa? Und wer wählt diese Fächer dann freiwillig als Leistungsfächer? Ich hatte beide... Ich kann mich noch gut erinnern, dass man damit nicht unbedingt als cool galt. Anerkennung, weil beides als schwierige Fächer gelten, ja. Aber allein dafür wurde man noch nicht auf Parties eingeladen. Und wir waren schon in der Schule in diesen Leistungskursen fast alles Jungs. Kein Wunder also, dass sich das an der Uni in den MINT-Fächern dann fort setzt.

    Man müsste also schon sehr viel früher anfangen, gewisse Fächer für alle interessant zu machen. Es müsste schon in der Grundschule genauso als cool gelten, gut in Mathe zu sein wie gut in Sport zu sein. Aber mir ist schon klar, dass das sehr utopisch ist. Aber anders wird sich die Situation auch in der Informatik nicht ändern.

  10. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: kaesekuchen 24.01.21 - 18:04

    Datalog schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ein Informatikstudium vermittelt wie jedes andere Studium neben
    > Fachkenntnissen vor allem Kenntnisse im wissenschaftlichem Arbeiten.
    > Letztlich sollte man am Ende des Masters in der Lage sein, eine
    > wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Und hier gehört das
    > Mathematikwissen dann zwingend dazu.

    Ich versteh, was Du meinst, aber ehrlich gesagt bezweifle ich sogar das, bzw. denke "es kommt stark drauf an".

    Informatik ist bekanntlich ein sehr, sehr, weites Feld. Bestimmt gibt es Informatik-Forschungsbereiche, in denen man tatsächlich einen signifikanten Teil des gelernten Mathematik-Stoffs braucht. Aber genau so gibt es sicherlich auch viele Forschungsbereiche, in denen man ihn nicht, oder nur zu einem geringen Teil, braucht. Vielleicht dienen die endlosen bockschweren Beweisaufgaben im Mathestudium auch nur dazu, das Verständnis für die Zusammenhänge an sich zu festigen. Von den didaktischen Strategien, auf denen die Lehrpläne aufbauen, hab ich keine Ahnung.

    Jedenfalls ist mir das, woran wir uns damals die Zähne ausgebissen haben (Beweise, Beweise, Beweise, ... ), seitdem wirklich nicht mal "am Horizont" mehr über den Weg gelaufen. Und ich hab sogar eine Zeit lang in der akademischen Forschung gearbeitet, wenn auch nicht in der Kern-Informatik, sondern interdisziplinär. Aber durchaus auch mit einem nicht unerheblichen Mathematik-Anteil, doch von den Anforderungen her völlig anderer Natur als die üblichen Übungsaufgaben.

  11. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: dontcare 24.01.21 - 19:24

    Ein Studium ist keine Berufsausbildung sondern soll fürs Forschen vorbereiten.
    Wenn ihr weniger Mathe wollt werdet Anwendungsentwickler...

  12. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: 43rtgfj5 24.01.21 - 19:54

    dontcare schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ein Studium ist keine Berufsausbildung sondern soll fürs Forschen
    > vorbereiten.
    > Wenn ihr weniger Mathe wollt werdet Anwendungsentwickler...

    Wäre schön wenn man ohne Studium eine Stelle als Anwendungsentwickler findet, aber immer mehr Firmen wollen ein Studium, denen reicht die Ausbildung auf dem Papier nicht.

  13. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: kaesekuchen 24.01.21 - 20:29

    43rtgfj5 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > dontcare schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Ein Studium ist keine Berufsausbildung sondern soll fürs Forschen
    > > vorbereiten.
    > > Wenn ihr weniger Mathe wollt werdet Anwendungsentwickler...
    >
    > Wäre schön wenn man ohne Studium eine Stelle als Anwendungsentwickler
    > findet, aber immer mehr Firmen wollen ein Studium, denen reicht die
    > Ausbildung auf dem Papier nicht.

    Ich glaube, der Trend in der IT geht tatsächlich in die andere Richtung, schon allein wegen des vielbeschworenen Fachkräftemangels.

    Trotzdem ist die Aussage natürlich Quatsch. Es wurde hier an anderer Stelle schon darauf hingewiesen, wie absurd es wäre, wenn tatsächliche alle Personen mit abgeschlossenem Studium auch hinterher an der Uni (oder auch nur allgemein an einer reinen Forschungseinrichtung) bleiben würden. Das entspricht einfach nicht im Entferntesten der Realität, egal ob das vielleicht theoretisch eigentlich mal primär so gedacht war oder nicht.

    Zudem ist auch Forschen ein Beruf, der Satz ist also auch schon rein sprachlich Unsinn. Und last but not least gibt es eine Menge hochinteressanter Jobs an der Schnittstelle bzw. im "Übergangsbereich" von Wissenschaft und Industrie (Firmen und andere Organisationen, die viel forschen, oder umgekehrt kommerzielle Ausgründungen aus der Uni). In dieses Umfeld führt in der Regel nur ein Hochschulstudium, schon alleine weil man mit einer klassischen Berufsausbildung vermutlich kaum auf die Idee kommt bzw. vermutlich nicht mal erfährt, welche Arbeitsmöglichkeiten es da gibt. Dazu kommt das Netzwerk bzw. ein bisschen vielleicht auch der "Stallgeruch".


    Nachtrag:

    Und NATÜRLICH, (komplett vergessen!) : Medizin, Rechtswesen, Schule! Sind das etwa keine "Berufe"?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 24.01.21 20:34 durch kaesekuchen.

  14. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: 43rtgfj5 24.01.21 - 20:49

    kaesekuchen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich glaube, der Trend in der IT geht tatsächlich in die andere Richtung,
    > schon allein wegen des vielbeschworenen Fachkräftemangels.

    Die Erfahrung die viele aus meiner Ausbildungsklasse gemacht haben, spricht eine andere Sprache. Gibt genug die mit Ausbildung nicht mal eingeladen werden, aber mit einem 3,0 Bachelor von der FH kriegst du die Gespräche. Eingestellt werden ist dann nochmal was anderes, durchaus zurecht.

    > Trotzdem ist die Aussage natürlich Quatsch. Es wurde hier an anderer Stelle
    > schon darauf hingewiesen, wie absurd es wäre, wenn tatsächliche alle
    > Personen mit abgeschlossenem Studium auch hinterher an der Uni (oder auch
    > nur allgemein an einer reinen Forschungseinrichtung) bleiben würden. Das
    > entspricht einfach nicht im Entferntesten der Realität, egal ob das
    > vielleicht theoretisch eigentlich mal primär so gedacht war oder nicht.

    Darum geht es mir ja auch gar nicht. Der Grund warum viele in der IT studieren, ist, weil man damit a) ein besseres Gehalt bekommt obwohl man die gleiche Arbeit verrichtet, und b) weil man deutlich bessere Chancen hat einen Job zu kriegen.

    > Zudem ist auch Forschen ein Beruf, der Satz ist also auch schon rein
    > sprachlich Unsinn. Und last but not least gibt es eine Menge
    > hochinteressanter Jobs an der Schnittstelle bzw. im "Übergangsbereich" von
    > Wissenschaft und Industrie (Firmen und andere Organisationen, die viel
    > forschen, oder umgekehrt kommerzielle Ausgründungen aus der Uni). In dieses
    > Umfeld führt in der Regel nur ein Hochschulstudium, schon alleine weil man
    > mit einer klassischen Berufsausbildung vermutlich kaum auf die Idee kommt
    > bzw. vermutlich nicht mal erfährt, welche Arbeitsmöglichkeiten es da gibt.
    > Dazu kommt das Netzwerk bzw. ein bisschen vielleicht auch der
    > "Stallgeruch".
    > Nachtrag:
    > Und NATÜRLICH, (komplett vergessen!) : Medizin, Rechtswesen, Schule! Sind
    > das etwa keine "Berufe"?

    Siehe Absatz hier vor. Die Berufe meine ich nicht, mir geht es rein um IT. Und auch da hat die Forschung bzw. der Wissenschaftliche Weg absolut seine Daseinsberechtigung. Das sieht auf dem IT-Markt generell aber anders aus. Da gibt es wie gesagt genug Jobs wo ein Studium absolut Sinnvoll ist, aber am Ende mehr Jobs, wo das nicht so ist. Allein First-Level Support, Netzwerk und Arbeitsplatzeinrichtung. Das sind alles IT Jobs, ein Studium brauchst du dafür aber an keiner Stelle. Trotzdem bekommen Leute auch in diesen Berufen mit Studium ein besseres Gehalt als mit Ausbildung.
    Das sehe ich als großes Problem an. Die Studenten/Schüler werden dazu gedrängt zu studieren, was aber oft nicht nötig ist.

  15. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: EifX 24.01.21 - 22:22

    43rtgfj5 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Sehe ich ähnlich, leider sieht der Markt das anders. Bei uns auf der Arbeit
    > geht es jetzt leider doch auch vermehrt in die Richtung, dass ein Studium
    > quasi Voraussetzung wird/ist, zumindest für einen guten Teil der IT. Stört
    > mich sehr, da das Studium nur sehr begrenzt auf den Arbeitsalltag
    > vorbereitet, je nachdem wo/als was man arbeitet, auch gar nicht. IT ist ja
    > nicht nur Softwareentwickler, da gibt es noch deutlich mehr andere
    > Berufssparten. Und da verstehe ich 0, warum ein Studium hier sein muss.

    Gebe dir zum einen Recht, zum anderen kann ich hier aber auch die Firmen verstehen. Wer nen Informatik-Studium hinter sich hat, hat gelernt, sich auch mit komplexen Problemen zu beschäftigen. Außerdem ist die Person Stressresistent, hat ne gewisse Leidsnsbereitschaft, ist Durchsetzungsstark,... (100 weitere Manager-Soft-Skillz hier einfügen :D). Man stellt also jemanden ein, der "Gut" ist und sich auch noch im Fach auskennt. Das man auch jemanden einstellen könnte, der auf die Jobbeschreibung passt, sei mal dahin gestellt :D

    Ich finde diesen Trend traurig und irgendwie wiedersinnig und begrüße daher Duale Studien, die eine modernere Form der Ausbildung darstellen. Meines Erachtens darf ein universitäres Studium sich aber auch nicht dem Druck der Wirtschaft beugen und ihre Themen "verwässern". Eine Person, die Informatik studiert, braucht im Studium bspw nun mal kein Projektmanagement zu lernen - ist nicht Teil des Aufgabenfeldes (aber hilfreich im Berufsleben)

  16. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: EifX 24.01.21 - 22:29

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich weiß nicht... Natürlich soll es das auch. Aber was wäre denn das für
    > ein Quatsch, jedes Jahr eine sechsstellige Zahl von Akademikern
    > auszubilden, von denen immer nur eine Handvoll jemals in der akademischen
    > Forschung unterkommen kann.

    Das eine rechtfertigt das andere ja nicht. Die Wirtschaft will Leute, die Leistung zeigen können - und das können MINT-StudentInnen mit abgeschlossen Studium sehr wohl. Von daher werden die auch gern genommen. Ob die fachlich für die Stelle dann auch geeignet sind, ist eine andere Frage. Ich würde auch mal unterstellen, dass die meisten, die ein Studium anfangen, nicht an eine Karriere als ProfessorIn denken, sondern eher an die Wirtschaft. Von daher ist die Forschung eher gekniffen von den leider wenigen InteressentInnen, die zu ihr wechseln (bzw dort bleiben).

  17. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: demon driver 24.01.21 - 23:05

    EifX schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > demon driver schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Ich weiß nicht... Natürlich soll es das auch. Aber was wäre denn das für
    > > ein Quatsch, jedes Jahr eine sechsstellige Zahl von Akademikern
    > > auszubilden, von denen immer nur eine Handvoll jemals in der akademischen
    > > Forschung unterkommen kann.
    >
    > Das eine rechtfertigt das andere ja nicht. Die Wirtschaft will Leute, die
    > Leistung zeigen können - und das können MINT-StudentInnen mit abgeschlossen
    > Studium sehr wohl. Von daher werden die auch gern genommen. Ob die fachlich
    > für die Stelle dann auch geeignet sind, ist eine andere Frage. Ich würde
    > auch mal unterstellen, dass die meisten, die ein Studium anfangen, nicht an
    > eine Karriere als ProfessorIn denken, sondern eher an die Wirtschaft. Von
    > daher ist die Forschung eher gekniffen von den leider wenigen
    > InteressentInnen, die zu ihr wechseln (bzw dort bleiben).

    Unter dem Strich scheint mir zu bleiben, was ich mit meinem Kommentar eigentlich andeuten wollte, dass in Sachen Unistudium bis heute doch das eine oder andere nicht ganz optimal eingerichtet ist. Dass es nicht viel Sinn macht, dass von jemandem, der oder die sich für IT-Topjobs und Top-Gehälter qualifizieren möchte, verlangt wird, dafür erst mal zwei Jahre lang abtörnenden Ballast pauken zu müssen, der nie wieder gebraucht wird, und ohne daraus wirklich eine bessere Eignung für die Tätigkeit zu ziehen...

  18. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: demon driver 24.01.21 - 23:15

    dontcare schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ein Studium ist keine Berufsausbildung sondern soll fürs Forschen
    > vorbereiten.
    > Wenn ihr weniger Mathe wollt werdet Anwendungsentwickler...

    Aha. Man soll nur Informatik studieren, wenn man in die Forschung gehen will? Warum hat einem das über Jahrzehnte nie jemand gesagt?

    Wenn das Studium "keine Berufsausbildung" für Informatiker sein soll, dann stimmt im Bildungssystem ja noch viel mehr nicht, als wenn nur das informatikstudium an sich an der einen oder anderen Stelle mangelhaft ausgestaltet wäre. Denn das Studium ist nun mal die Zugangsvoraussetzung für die besten Stellen (wenn man's vom Gehalt aus definiert) der zugehörigen Berufe.

  19. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: dontcare 25.01.21 - 00:07

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > dontcare schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Ein Studium ist keine Berufsausbildung sondern soll fürs Forschen
    > > vorbereiten.
    > > Wenn ihr weniger Mathe wollt werdet Anwendungsentwickler...
    >
    > Aha. Man soll nur Informatik studieren, wenn man in die Forschung gehen
    > will? Warum hat einem das über Jahrzehnte nie jemand gesagt?
    >
    > Wenn das Studium "keine Berufsausbildung" für Informatiker sein soll, dann
    > stimmt im Bildungssystem ja noch viel mehr nicht, als wenn nur das
    > informatikstudium an sich an der einen oder anderen Stelle mangelhaft
    > ausgestaltet wäre. Denn das Studium ist nun mal die Zugangsvoraussetzung
    > für die besten Stellen (wenn man's vom Gehalt aus definiert) der
    > zugehörigen Berufe.

    Also sollen alle nur BA / MA machen um Java zu lernen und dann gibt es am Ende nur schlechte Forscher oder gar keine ? Und nein Forscher sind für mich nur nicht die Leute an der Uni. Forschungsarbeit findet sicher auch z.B. bei Space X statt. Oder sollen sie dann in der Firma erstmal paar Udemy-Kurse in Mathe machen ?

    Ist doch nicht die Schuld der Uni wenn auf jede Stelle sich 10 BA melden, ist doch klar das diese eher eingeladen werden. Liegt halt auch daran das gefühlt jedes Dorf mittlerweile eine Uni / FH hat...

    Übrigens: In meinen 4 Firmen bei denen ich bis jetzt tätig war, gab es in jedem Team meistens einen der von einen ganz anderen Studienfeld kommt, Quereinsteiger ist oder von einer Ausbildung kommt.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 25.01.21 00:09 durch dontcare.

  20. Re: Mathematik überbetont....

    Autor: demon driver 25.01.21 - 00:31

    dontcare schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > demon driver schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > dontcare schrieb:
    > >
    > ---------------------------------------------------------------------------
    >
    > > -----
    > > > Ein Studium ist keine Berufsausbildung sondern soll fürs Forschen
    > > > vorbereiten.
    > > > Wenn ihr weniger Mathe wollt werdet Anwendungsentwickler...
    > >
    > > Aha. Man soll nur Informatik studieren, wenn man in die Forschung gehen
    > > will? Warum hat einem das über Jahrzehnte nie jemand gesagt?
    > >
    > > Wenn das Studium "keine Berufsausbildung" für Informatiker sein soll, dann
    > > stimmt im Bildungssystem ja noch viel mehr nicht, als wenn nur das
    > > informatikstudium an sich an der einen oder anderen Stelle mangelhaft
    > > ausgestaltet wäre. Denn das Studium ist nun mal die Zugangsvoraussetzung
    > > für die besten Stellen (wenn man's vom Gehalt aus definiert) der
    > > zugehörigen Berufe.
    >
    > Also sollen alle nur BA / MA machen um Java zu lernen und dann gibt es am
    > Ende nur schlechte Forscher oder gar keine ? Und nein Forscher sind für
    > mich nur nicht die Leute an der Uni. Forschungsarbeit findet sicher auch
    > z.B. bei Space X statt. Oder sollen sie dann in der Firma erstmal paar
    > Udemy-Kurse in Mathe machen ?

    Nochmal, Studium (MA! BA reicht ja für die Topjobs nicht mal) ist eben nicht nur Vorbereitung für Forschungstätigkeit, egal wo, sondern Zugangsvoraussetzung (Ausnahmen bestätigen nur die Regel) für die Tobjobs in den Informatik-Berufsfeldern. Als gelernter Anwendungsentwickler kriegt man die nicht. Wo ist der Sinn? Und wo ist der Sinn, dass man dafür richtig viel Zeit für Quatsch verbraten muss, den niemand jemals braucht?

    > Ist doch nicht die Schuld der Uni wenn auf jede Stelle sich 10 BA melden,
    > ist doch klar das diese eher eingeladen werden. Liegt halt auch daran das
    > gefühlt jedes Dorf mittlerweile eine Uni / FH hat...

    Es ist die Schuld des Bildiungssystems, wenn es zulässt, dass Informatik-Topjobs nur bekommt, wer dieses dafür in zu vielen Teilen ungeeignete Studium bis zum bitteren Ende absolviert. (Und dass es heute soviel mehr Unis gäbe als vor zwanzig, dreißig Jahren, das wäre mir neu.)

    > Übrigens: In meinen 4 Firmen bei denen ich bis jetzt tätig war, gab es in
    > jedem Team meistens einen der von einen ganz anderen Studienfeld kommt,
    > Quereinsteiger ist oder von einer Ausbildung kommt.

    Siehe oben (Ausnahme, Regel).

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    The Legend of Zelda von 1986 hat das Genre geprägt. Wir haben den 8-Bit-Klassiker erneut gespielt - und waren hin- und hergerissen.
    Von Benedikt Plass-Fleßenkämper


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      Für den Preis hatten wir beim Surface Laptop Go nicht viel erwartet, wurden jedoch positiv überrascht. Vorsicht aber beim günstigsten Modell.
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