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Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

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  1. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: flow77 12.11.21 - 18:26

    Sofern die Sparte (die letzte) für die Geier denn interessant gewesen wäre, dann hätte man sie gekauft, so wie die anderen Sparten.

    Schade, habe mit Grundig schöne Erinnerungen aus meiner Jugend (TV/Radio/etc) und hoffe die Angestellten kommen gut wo anders unter und ich finde es irgendwie seltsam dass ich keine Infos bzgl. Corona-Hilfen für das Unternehmen finde.

  2. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: elknipso 12.11.21 - 19:18

    Der Spruch ist mir auch direkt eingefallen. Da wurden leider viele Fehler begangen die zum Untergang von Grundig geführt haben.

  3. [gelöscht]

    Autor: [gelöscht] 12.11.21 - 20:11

    [gelöscht]

  4. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: __M 12.11.21 - 22:26

    flow77 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Sofern die Sparte (die letzte) für die Geier denn interessant gewesen wäre,
    > dann hätte man sie gekauft, so wie die anderen Sparten.
    >
    > Schade, habe mit Grundig schöne Erinnerungen aus meiner Jugend
    > (TV/Radio/etc) und hoffe die Angestellten kommen gut wo anders unter und
    > ich finde es irgendwie seltsam dass ich keine Infos bzgl. Corona-Hilfen für
    > das Unternehmen finde.

    Die letzte produzierende Sparte am Standort Nürnberg.
    In Bayreuth wird noch produziert unter anderem als EMS Dienstleister, in Nürnberg wird noch ausgebildet an der Grundig Akademie.

  5. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: AllDayPiano 12.11.21 - 22:35

    Ich glaube, Grundig (oder auch Schneider) hat sich sehr schwer damit getan, zu akzeptieren, dass der Deutsche "Blue Ocean Market" langsam aber sicher verschwindet. Dann kamm die japanische Konkurrenz, die den Markt mit günstiger brauenen Ware geflutet hat. Und als dann die Produktion in Taiwan begann (inkl. dem ganzen BWL-Porno "Outsourcing"), und die Gestehungskosten immer niedriger wurden, hat man einfach immernoch zu lange daran festgehalten, deutsche Wertarbeit aus Deutschland herzustellen, anstatt sich - wie WMF & Co. von diesem Land zu verabschieden.

    Dass eine Elektronikproduktion hier keinen Sinn mehr hatte, war eigentlich allen klar. Nur niemand wollte der Böse sein, und tausende Mitarbeiter auf die Straße zu setzen, um billig in Taiwan, Indonesien, Vietnam und dann China herzustellen.

    Mittlerweile sind wir so daran gewöhnt, dass wir bei unseren hohen Lohnkosten keine Elektronik mehr herstellen können (abseits vom Industrieumfeld), dass wir das gar nicht mehr hinterfragen. Damals aber war dieses Paradigma noch nicht in den Köpfen der Leute angekommen. Daher war das damalige Zögern durchaus nachvollziehbar.

    Lustigerweise ist auch asiatische Ware nicht mehr billig. Habe gestern einen 7.2 Receiver von Denon für knapp 700 Euro bestellt. Das ist umgerechnet kaum weniger, als Blaupunkt damals kostete, auch wenn die Geräte heute mehr können, und daher nur wenig vergleichbar sind.

    Grundig & Co. hätten schon eine Chance gehabt, wenn sie die Entwicklung in Deutschland gelassen hätten, und den Rest verlagert hätten, so wie es die anderen Großen heute machen. Und selbst da ist es kaum möglich, Niedrigpreisprodukte anzubieten. Aber das wollen die bekannten Deutschen auch gar nicht. Sie platzieren sich ganz bewusst abseits der Billigheimer. Dass dann schlussendlich die Qualität einer Moulinette oder einem Kenwood-Pendant ziemlich identisch die gleiche Chinarotze ist, hinterfragt dann allerdings auch irgendwie niemand.

  6. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: budweiser 12.11.21 - 23:12

    Artikel gelesen? Leere Auftragsbücher waren nicht das Problem….

  7. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: elknipso 12.11.21 - 23:26

    Boandlgramer schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Auch die Idee mit Premium - Loewe oder auch BSH mit den
    > Premium-Küchengeräten - zieht nicht mehr, weil unsere Märkte dafür nicht
    > mehr genug Käufer haben. Selbst wenn man sich's eventuell Leisten könnte -
    > wer kauft sich denn noch für 1.000 Euro einen Kaffeevollautomaten, wenn er
    > mit Kurzarbeit rechnen muss...

    Ja, es trifft einzelne Bereiche und Arbeitsplätze werden abgebaut.
    Aber insgesamt steigen die Löhne deutlich, und die Menschen haben durchaus viel Geld locker sitzen, das sieht man gerade aktuell vielfältig.

    Loewe und andere "Premium" Hersteller funktionieren nicht weil sie eben nicht Premium sind. Das sind Produkte die technisch maximal 25% des Preises wert sind, maximal, und dann einen optisch schönen Standfuß verpasst bekommen. Da empfinde ich persönlich eher Mitleid wenn jemand so dumm/unwissend war sich einen Loewe Fernseher andrehen zu lassen.
    Hatte den Fall zuletzt bei einer Freundin, sie hat mir ganz stolz ihren Loewe Fernseher gezeigt. Musste schon schlucken als ich den Preis in Anbetracht der winzigen Größe gehört habe, aber als ich dann die Umsetzung der Menüs und Bedienung gesehen habe war es komplett vorbei. Vor 20 Jahren wäre sowas noch "okay" gewesen, aber halt nicht mehr im Jahr 2021, und erst recht nicht für den Preis.

  8. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: 486dx4-160 13.11.21 - 00:49

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich glaube, Grundig (oder auch Schneider) hat sich sehr schwer damit getan,
    > zu akzeptieren, dass der Deutsche "Blue Ocean Market" langsam aber sicher
    > verschwindet. Dann kamm die japanische Konkurrenz, die den Markt mit
    > günstiger brauenen Ware geflutet hat. Und als dann die Produktion in Taiwan
    > begann (inkl. dem ganzen BWL-Porno "Outsourcing"), und die Gestehungskosten
    > immer niedriger wurden, hat man einfach immernoch zu lange daran
    > festgehalten, deutsche Wertarbeit aus Deutschland herzustellen, anstatt
    > sich - wie WMF & Co. von diesem Land zu verabschieden.
    >
    > Dass eine Elektronikproduktion hier keinen Sinn mehr hatte, war eigentlich
    > allen klar. Nur niemand wollte der Böse sein, und tausende Mitarbeiter auf
    > die Straße zu setzen, um billig in Taiwan, Indonesien, Vietnam und dann
    > China herzustellen.
    >
    > Mittlerweile sind wir so daran gewöhnt, dass wir bei unseren hohen
    > Lohnkosten keine Elektronik mehr herstellen können (abseits vom
    > Industrieumfeld), dass wir das gar nicht mehr hinterfragen. Damals aber war
    > dieses Paradigma noch nicht in den Köpfen der Leute angekommen. Daher war
    > das damalige Zögern durchaus nachvollziehbar.
    >
    > Lustigerweise ist auch asiatische Ware nicht mehr billig. Habe gestern
    > einen 7.2 Receiver von Denon für knapp 700 Euro bestellt. Das ist
    > umgerechnet kaum weniger, als Blaupunkt damals kostete, auch wenn die
    > Geräte heute mehr können, und daher nur wenig vergleichbar sind.
    >
    > Grundig & Co. hätten schon eine Chance gehabt, wenn sie die Entwicklung in
    > Deutschland gelassen hätten, und den Rest verlagert hätten, so wie es die
    > anderen Großen heute machen. Und selbst da ist es kaum möglich,
    > Niedrigpreisprodukte anzubieten. Aber das wollen die bekannten Deutschen
    > auch gar nicht. Sie platzieren sich ganz bewusst abseits der Billigheimer.
    > Dass dann schlussendlich die Qualität einer Moulinette oder einem
    > Kenwood-Pendant ziemlich identisch die gleiche Chinarotze ist, hinterfragt
    > dann allerdings auch irgendwie niemand.

    Es gibt in Deutschland reihenweise Elektronikfertigung. Weil's hier um die Ecke ist: Bosch und Continental fertigen hier und verkaufen das auch nach China.

    Der Fehler der deutschen Unterhaltungselektronikhersteller war, nicht rechtzeitig auf Automatisierung zu setzen. War ihnen zu teuer, lief ja gut. FDP-Lindner-Style.

  9. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: Profi_in_allem 13.11.21 - 08:49

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    >
    > Lustigerweise ist auch asiatische Ware nicht mehr billig. Habe gestern
    > einen 7.2 Receiver von Denon für knapp 700 Euro bestellt. Das ist
    > umgerechnet kaum weniger, als Blaupunkt damals kostete, auch wenn die
    > Geräte heute mehr können, und daher nur wenig vergleichbar sind.
    >
    > Grundig & Co. hätten schon eine Chance gehabt, wenn sie die Entwicklung in
    > Deutschland gelassen hätten, und den Rest verlagert hätten, so wie es die
    > anderen Großen heute machen. Und selbst da ist es kaum möglich,
    > Niedrigpreisprodukte anzubieten. Aber das wollen die bekannten Deutschen
    > auch gar nicht. Sie platzieren sich ganz bewusst abseits der Billigheimer.
    > Dass dann schlussendlich die Qualität einer Moulinette oder einem
    > Kenwood-Pendant ziemlich identisch die gleiche Chinarotze ist, hinterfragt
    > dann allerdings auch irgendwie niemand.

    Sicher? Gigaset Smartphones wurden als Billig-Geräte platziert, hat nicht funktioniert weil die Konkurrenz in diesem Preisbereich einfach um Welten besser ist.

    Die Entwicklung von Elektronikgeräten ist weitgehen abgeschlossen, da braucht man keinen Standort in Deutschland wo dann 50 Ingenieure die Arbeit von 3 Ingenieuren in China machen. In Deutschland hat man bei jedem Standort auch immer eine riesige Verwaltung am Bein, auf die 50 Ingenieure kommen dann noch einmal 100 Verwaltungsmitarbeiter (viele davon sind Bullshit-Jobs, die eigentlich unnötig sind).

    Und dein Denon Receiver würde bei Herstellung in DE locker mal das Doppelte kosten. Wie gesagt, Verwaltung, Gewerkschaften, Lohnkosten, Bullshit-Jobs, Quoten.

    Da ich IT-Profi bin und überaus intelligent, zählt meine Meinung mehr als alle anderen. Dies begründe ich ganz einfach, meine Meinung ist immer gut durchdacht, ich habe also einen Denkvorsprung vor allen anderen. Ich bitte dies bei etwaigen Antworten auf meine Posts zu bedenken, ich habe und hatte bisher immer Recht. Wer also anderer Meinung ist wie ich, sollte vorher bedenken, dass er höchstwahrscheinlich im Unrecht ist.

  10. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: Lehmmanbnhb 13.11.21 - 10:23

    __M schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >
    > Die letzte produzierende Sparte am Standort Nürnberg.
    > In Bayreuth wird noch produziert unter anderem als EMS Dienstleister, in
    > Nürnberg wird noch ausgebildet an der Grundig Akademie.

    So vor zehn, fünfzehn Jahren (?) gab es von einer Firma mit "Grundig" im Namen wohl auch noch Meßgeräte, z.B. für das Kraftfahrzeughandwerk.

    Gibt es die noch?

    Bei der Suche danach habe ich eine Seite zutage gefördert, die das Potential hat, den gesetzteren Beobachter der Entwicklung von Webtechnologien in nostalgisches Schwärmen zu versetzen:

    https://www.fahrzeug-elektrik.de/Eaed.htm

    Und ja, früher war alles besser - zumindest hat es länger gehalten!

    ;-)

  11. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: drseltsam84 13.11.21 - 15:01

    So sehe ich das auch, die Premium-Marken sind bereits lange keine mehr... Mein Vater hatte einen Metz-Fernseher, als der nach 30 Jahren den Geist aufgegeben hatte, tauschte er ihn gegen einen Flachbildschirm von Metz ein. Seit 5 Jahren hatte er bereits 2 Reparaturen. Ich hätte mir für beide Reparaturen jeweils 2 neue Flachbildschirme gekauft... Eine weitere wird selbst er als Fan deutscher Wertarbeit nicht mehr durchführen und dann wohl doch zu asiatischem Produkten greifen.

    Verarbeitung, Design, Abmessungen, Menüführung, Kosten, ... Ich sehe nur Nachteile.
    Wenn es denn Premiumprodukte wären, gäbe es genug Leute die dafür bezahlen!
    (und meine Eltern sind nicht wohlhabend)

  12. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: AllDayPiano 13.11.21 - 15:15

    Meine Fähigkeiten den Artikel zu lesen übersteigen offensichtlich Deine Fähigkeiten, den vorangegangenen Beitrag zu lesen, bei weitem.

  13. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: AllDayPiano 13.11.21 - 15:17

    Es geht ja nicht um Elektronik allgemein. Ich schrieb ja nicht umsonst, dass Industrieprodukte ausgenommen sind (abgesehen von weißer Ware wird kaum noch etwas in Deutschland für den Endkunden produziert).

  14. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: AllDayPiano 13.11.21 - 15:23

    > Sicher? Gigaset Smartphones wurden als Billig-Geräte platziert, hat nicht
    > funktioniert weil die Konkurrenz in diesem Preisbereich einfach um Welten
    > besser ist.

    Bei Billigtelefonen sind wir im Bereich der Haifischgewässer. Das ist ein derart hart umkämpfter Markt, dass man lebensmüde sein muss, wenn man nicht spottbillig verkaufen kann, daran zu partizipieren. Habe den Einstieg von Gigaset in diesen Bereich nie verstanden. Offensichtlich aus gutem Grund.

    > Die Entwicklung von Elektronikgeräten ist weitgehen abgeschlossen, da
    > braucht man keinen Standort in Deutschland wo dann 50 Ingenieure die Arbeit
    > von 3 Ingenieuren in China machen.

    Abgesehen davon, dass auch in China keine drei Ingenieure reichen, ist auch die erste Aussage schlichtweg falsch. Außer Du redest von Mixern. Da hast Du natürlich recht.

    > In Deutschland hat man bei jedem
    > Standort auch immer eine riesige Verwaltung am Bein, auf die 50 Ingenieure
    > kommen dann noch einmal 100 Verwaltungsmitarbeiter (viele davon sind
    > Bullshit-Jobs, die eigentlich unnötig sind).

    Öhm ne, eigentlich nicht.

    > Und dein Denon Receiver würde bei Herstellung in DE locker mal das Doppelte
    > kosten. Wie gesagt, Verwaltung, Gewerkschaften, Lohnkosten, Bullshit-Jobs,
    > Quoten.

    Wir reden hier nicht mehr von Herstellung. Das sollte eigentlich klar sein.

  15. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: George99 13.11.21 - 16:43

    elknipso schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Loewe und andere "Premium" Hersteller funktionieren nicht weil sie eben
    > nicht Premium sind. Das sind Produkte die technisch maximal 25% des Preises
    > wert sind, maximal, und dann einen optisch schönen Standfuß verpasst
    > bekommen.

    Loewe funktioniert momentan eigentlich gut in ihrer Nische. Über die Preise
    muss man nicht diskutieren, die sind natürlich heftig, finden aber ihre Käufer.

    Bzgl. der Menüs fand ich es eigentlich sehr gut, dass sie bisher diesen Smart-TV Shice
    mit 1000 Apps nicht mitgemacht haben, bei den aktuellen Geräten prangt jetzt aber
    auch die Netflix, Youtube and Amazon Tasten auf der FB. Mein Ding ist das nicht...



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 13.11.21 16:43 durch George99.

  16. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: jonasz 13.11.21 - 17:08

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich glaube, Grundig (oder auch Schneider) hat sich sehr schwer damit getan,
    > zu akzeptieren, dass der Deutsche "Blue Ocean Market" langsam aber sicher
    > verschwindet. Dann kamm die japanische Konkurrenz, die den Markt mit
    > günstiger brauenen Ware geflutet hat. Und als dann die Produktion in Taiwan
    > begann (inkl. dem ganzen BWL-Porno "Outsourcing"), und die Gestehungskosten
    > immer niedriger wurden, hat man einfach immernoch zu lange daran
    > festgehalten, deutsche Wertarbeit aus Deutschland herzustellen, anstatt
    > sich - wie WMF & Co. von diesem Land zu verabschieden.
    >
    > Dass eine Elektronikproduktion hier keinen Sinn mehr hatte, war eigentlich
    > allen klar. Nur niemand wollte der Böse sein, und tausende Mitarbeiter auf
    > die Straße zu setzen, um billig in Taiwan, Indonesien, Vietnam und dann
    > China herzustellen.
    >
    > Mittlerweile sind wir so daran gewöhnt, dass wir bei unseren hohen
    > Lohnkosten keine Elektronik mehr herstellen können (abseits vom
    > Industrieumfeld), dass wir das gar nicht mehr hinterfragen. Damals aber war
    > dieses Paradigma noch nicht in den Köpfen der Leute angekommen. Daher war
    > das damalige Zögern durchaus nachvollziehbar.
    >
    > Lustigerweise ist auch asiatische Ware nicht mehr billig. Habe gestern
    > einen 7.2 Receiver von Denon für knapp 700 Euro bestellt. Das ist
    > umgerechnet kaum weniger, als Blaupunkt damals kostete, auch wenn die
    > Geräte heute mehr können, und daher nur wenig vergleichbar sind.
    >
    > Grundig & Co. hätten schon eine Chance gehabt, wenn sie die Entwicklung in
    > Deutschland gelassen hätten, und den Rest verlagert hätten, so wie es die
    > anderen Großen heute machen. Und selbst da ist es kaum möglich,
    > Niedrigpreisprodukte anzubieten. Aber das wollen die bekannten Deutschen
    > auch gar nicht. Sie platzieren sich ganz bewusst abseits der Billigheimer.
    > Dass dann schlussendlich die Qualität einer Moulinette oder einem
    > Kenwood-Pendant ziemlich identisch die gleiche Chinarotze ist, hinterfragt
    > dann allerdings auch irgendwie niemand.

    Die Frage ist eher wie lang man noch derzeitige Entwicklung durch die EU duldet, wenn man für Elektronik eine mindest 4 jährige Garantie einführt, würde sich einiges ändern. Produkte würden teuer werden, aber zumindest diejenigen mit hochwertigen Produkten könnten eher bestehen, anstatt selbst Waschmaschinen und Fernseher zu Wegwerfartikel zu machen.

  17. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: Reiner_Zufall 13.11.21 - 17:33

    elknipso schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Spruch ist mir auch direkt eingefallen. Da wurden leider viele Fehler
    > begangen die zum Untergang von Grundig geführt haben.

    Auch wenn sicher bis zum Jahre 2003 einige Fehler zum Untergang der Grundig AG geführt haben, so geht es bei dieser Meldung doch um eine ganz andere Firma!

    Leider wird hier wieder einmal alles durcheinander gewürfelt. Aber daran ist leider auch der Golem-Redakteur schuld, der mit einer reißerischen Überschrift mehr Klicks erzielen wollte, indem er über einer Grundig Insolvenz berichtet und gleichzeitig eine andere Firma benennt, die seit 4 Jahre nicht mehr gibt.

    Bei der aktuellen Insolvenz ist keinesfalls der Unterhaltungselektronik-Hersteller Grundig gemeint. Die Grundig AG war bereits 2003 insolvent. Die Unterhaltungselektronik-Sparte wurde dann an die türkische Arçelik A.S. (die in Teilen zur türkischen Koç Holding gehört) verkauft. Mit dieser Firma hat diese Insolvenz-Meldung überhaupt nichts zu tun!

    Korrekterweise sollte sich die Meldung aber auf den Insolvenzantrag der GSS Grundig Systems GmbH (ohne den Zusatz SAT im Namen) beziehen. Fälschlicherweise berichtet der Autor aber über die Insolvenz einer Firma namens GSS Grundig SAT Systems GmbH. Letztere war einst die Empfangstechniksparte (und nur die!) der ehemaligen Grundig AG und zu Zeiten der AG 2003 sicher kein Grund für die Insolvenz, weil sehr profitabel.

    Die Empfangstechniksparte wurde damals als MBO (Management-Buy-Out) aus der Insolvenz herausgekauft und bis 2012 hochprofitabel. Immerhin nimmt man für sich in Anspruch, die Kopfstelle erfunden zu haben, mit der, meist über Satellit empfangene Signale, zentral in ein damals noch analoges PAL-TV-Signal (in manchen Ländern auch Secam oder NTSC) umgesetzt, und in große Haus- oder Breitbandkabelnetze eingespeist werden konnte. Nach dem Höhepunkt (2011 mit der Analogabschaltung auf dem Satellitensystem Astra) begann dann der Abstieg.

    Ein Problem war damals leider auch eine sehr schwierige Anteilseignerstruktur, mit den 3 Managern und einer Vielzahl stiller Teilhaber. Solange es gut lief, kein Problem. Aber irgendwann war das dann sehr schwierig geworden. Lange Rede kurzer Sinn: 2017 endete das für die Grundig SAT Systems GmbH in der Insolvenz und die GmbH wurde abgewickelt.

    Danach wurde 2017 die GSS Grundig Systems GmbH gegründet. Mit einem der ehemaligen Anteilseigner und Mitgründer sowie einer außenstehenden Person. Durch die Insolvenz um gut ein Drittel Personal reduziert, vor allem aber mit einer erheblich einfacheren Anteilseignerstruktur, sollte der Neustart gelingen. Allerdings gab es sicher auch ein Generationenproblem, da die Herren alle aus der "guten alten Zeit" gekommen waren, und dachten, man könne einfach so weitermachen wie bisher, ging ja früher auch mal. Aber der Markt hatte sich deutlich verändert. Die Pandemie hat damit rein gar nichts zu tun. Taugt aber wunderbar, das eigene Versagen zu kaschieren.

    Nun, die GSS Grundig Systems GmbH wurde dann vor 3 Wochen, von der Realität eingeholt. Am 18.11.21 wurde in Nürnberg der Insolvenzantrag gestellt. 4 Tage später, am 22.10.21 dann im Insolvenzenportal des Bundes und der Länder veröffentlicht. 3 Wochen lang hat die Presse nichts davon mitbekommen. Seit gestern berichten nun mehrere Online-Magazine darüber. Eigentlich ist es schon wieder ein alter Hut.

    Schade nur, dass der Golem-Redakteur, wohl in eigener Unwissenheit, einige Dinge durcheinander gebracht hat, oder es absichtlich reißerischer darstellen wollte, als es ist! Hier wäre eine Richtigstellung absolut gerechtfertigt.



    3 mal bearbeitet, zuletzt am 13.11.21 17:42 durch Reiner_Zufall.

  18. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: AllDayPiano 13.11.21 - 17:54

    Danke.

  19. Re: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

    Autor: Dai 15.11.21 - 09:22

    @Reiner_Zufall
    danke für die Aufklärung! Diese Informationen und Recherche wünsche ich mir für einen guten Artikel.
    Golem sucht doch gerade neue Redakteure, das wär doch was für dich ;)

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