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Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

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  1. Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

    Autor: Hoh6Xo 22.07.20 - 13:20

    Also so langsam stelle ich mir die Frage, was der deutsche Staat hier eigentlich verschlafen hat.

    Die Bafin ermittelte gegen Journalisten, die frühzeitig Misstände angeprangert haben. Sie erließ ein Leerverkaufs-Verbot für Wirecard Aktien, was ohne Beispiel ist. Das zusammen dürfte viele Anleger in die Falle gelockt haben, im Sinne von: "wenn die Bafin sich so positioniert, hat sie bestimmt gut Gründe und tiefere Einblicke, dass hier alles solide ist". Man könnte sogar überlegen, ob das nicht als Beihilfe zum Betrug zu werten wäre.

    Und nun dieser Marsalek. Was man so liest, hat er wohl gute Beziehungen zu Söldnertruppen gehabt, die letztlich ein Proxy für russische Staatsinteressen sind. Und da kann man sich nun fragen: war er wissentlich oder unwissentlich ein Agent für diese – möglicherweise auch wissentlich aber ungewollt. Der Fakt, dass er sich im Fall von diesem Artikel hier als Repräsentant eines fremden Staates ausgeben wollte, passt dazu natürlich sehr gut ins Bild, das ansonsten auch von seine Aktivitäten etwa in Libyen gezeichnet wir. Das war kein einfaches Investment einer Privatperson. Hier ging es auch um Milizen, Geheimdienste, Machtpolitik und damit eine gewisse "Halbstaatlichkeit".

    Vielleicht hat er sich auch einfach nur wie ein Superreicher geefühlt, wo die Grenzen zwischen Kapital, Macht, Wissen, Einflussnahme, etc. zu verschimmen scheinen. Jedenfalls ist das sicher nichts, wo ein deutscher BND in Libyen oder auch hier in Deutschland nicht hellhörig geworden sein müsste. Vielleicht war er ja auch involviert, konnte oder wollte aber keine Informationen mit anderen Behörden austauschen. Dann wäre auch das eine Baustelle, die man wohl in Zukunft gesetzgeberisch anpacken müsste. Denn zwielichtige Gestalten sollten einfach keine Bank gründen oder leiten dürfen.

  2. Re: Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

    Autor: TrollNo1 22.07.20 - 14:13

    Hoh6Xo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Denn zwielichtige Gestalten sollten einfach keine Bank gründen oder leiten
    > dürfen.

    Ha, dann wäre es aber arg dürftig, welche Bank es noch geben würde.

    Menschen, die mich im Internet siezen, sind mir suspekt.

  3. Re: Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

    Autor: jankapunkt 22.07.20 - 19:58

    Banken und deren hohe Mitarbeiter sind eben ein klassisches Ziel von Spionage und Subversion. Kaum eine krumme Machenschaft im internationalen Bereich ist ohme entsprechende Unterstützung durch eine Bank zu vollbringen. Wer weiss wobei der Marsalek im hotel gefilmt wurde, klingt zumindest bisher alles nach einer Bilderbuch-Marionette eines Dienstes.

  4. Re: Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

    Autor: yoyoyo 22.07.20 - 21:28

    Was heißt gefühlt, gab bestimmt den einen oder andern handler, der ihm erzählt hat wie toll er ist. Ist ja nicht so, dass die nicht psychologisch geschult wären.

  5. Re: Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

    Autor: Hoh6Xo 22.07.20 - 23:17

    TrollNo1 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ha, dann wäre es aber arg dürftig, welche Bank es noch geben würde.

    Dass einige Banken krumme Geschäfte machen, ist klar und bekannt. Aber ich gehe nicht davon aus, dass das mehr als einen einstelligen Prozentsatz der Menschen auf der Leitungsebene betrifft. Dennoch ist dieser Anteil schon genug, um einen schlimmen Schaden anzurichten. Und da bräuchten wir vielleicht eine Aufsicht mit Biss. Neidisch blicke ich da auf die (ja – Börsen-) Aufsicht SEC in Amerika. (Wobei ich mich z.B. auch im Falle "Elon Musk" frage, was für "Deals" die mittlerweile eingehen und Verstöße dagegen dann nicht drastisch ahnden.)

    jankapunkt schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Banken und deren hohe Mitarbeiter sind eben ein klassisches Ziel von
    > Spionage und Subversion. Kaum eine krumme Machenschaft im internationalen
    > Bereich ist ohme entsprechende Unterstützung durch eine Bank zu
    > vollbringen. Wer weiss wobei der Marsalek im hotel gefilmt wurde, klingt
    > zumindest bisher alles nach einer Bilderbuch-Marionette eines Dienstes.

    Ja, Erpressung wäre denkbar. Vielleicht hätte es dafür gar kein schmutziges Video gebraucht sondern sogar nur das Wissen über die Scheingeschäfte, die er bei Wirecard wohl verantwortet hat.

    yoyoyo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was heißt gefühlt, gab bestimmt den einen oder andern handler, der ihm
    > erzählt hat wie toll er ist. Ist ja nicht so, dass die nicht psychologisch
    > geschult wären.

    Das stimmt. Seine kolportierten Prahlereien (etwa die Formel von Nowitschok zu kennen) deuten für mich darauf hin, dass er stolz darauf war, sich in dieser Geheimdienst-nahen Szene zu bewegen. Schon denkbar, dass bei ihm ein Hang zur Geltungssucht ausgenutzt wurde, so dass er gar nicht merkte, wie er instrumentalisiert wurde.


    Ja, der Wille zeigen zu können, was für ein toller Hecht man ist. Damit fängt es im Kleinen ja schon bei uns an (Instagram, Facebook, Twitter, Github). Die digitalen Mikrobelohnungen machen süchtig. Der Kick muss größer werden. Und auf einmal hast du dein "Unicorn" in den Sand gesetzt, weil aus den kleinen Lügen große wurden, ja, ein Betrug von unglaublichem Ausmaß. Und nebenbei noch ein Ausflug zu den russischen Freunden nach Syrien und Libyen. Story of his life. Kann er bestimmt einen Bestseller drüber schreiben. Dabei müsste er wohl zum ersten Mal in seinem Leben nicht lügen um trotzdem stark zu beeindrucken. Weil seine Lebenslüge einfach (auf negative Weise) so beeindruckend ist. Hoffentlich kann er das Buch im Knast schreiben, auch wenn ich nicht ganz daran glauben mag.

  6. Re: Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

    Autor: AllDayPiano 23.07.20 - 08:20

    Naja schau mal, wie Marsalek sich geflüchtet hat. Ohne russischem Geheimdienst wäre er längst in Deutschland in U-Haft.

    Das auf die BRD eine Klagewelle zukommt, würde ich erwarten.

    Immerhin hat die BaFin ganz maßgeblich mitgeholfen und die Politik mehr gewusst. Und keiner hat was unternommen. Auch durch Unterlassung macht man sich strafbar.

    Alles, was oben steht, ist eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich eine absolute Aussage treffe, dann ist das ebenfalls eine Meinung. Meine Meinung. Wenn ich etwas mit Quellen belege, ist es entsprechend gekennzeichnet und damit keine Meinung, sondern eine Schlussfolgerung oder Tatsachendarstellung. Gut, dass wir das jetzt abschließend geklärt haben. Springen wird Golem.de trotzdem weiterhin.

  7. Re: Staatsversagen bei Bankenaufsicht UND Spionageabwehr?

    Autor: chefin 24.07.20 - 10:42

    Jeder Mensch, auch Gründer von Banken sind erstmal Menschen. Und hier gilt: keine Datenspeicherung, keine Datensammlung ohne Anfangsverdacht.

    Wir wissen nicht, wer von den 82 Millionen Menschen morgen zum Verbrecher wird. Wir wissen aber das morgen mindestens einer sein moralisches Umfeld ändert. Jeden Morgen. Meistens sogar mehr als einer. Wie also will man rausfinden wer, wenn man jeden erstmal als Unschuldig ansieht und nicht hinterfragen darf. Natürlich werden Bankengründer genauer durchleuchtet. Aber wo nichts gespeichert, da nichts zu finden. Dieser Mensch war also mal ein völlig weisses Blatt, weil er sich nichts zu schulden kommen hat lassen.

    Erst wenn etwas gefunden wird, darf man Daten auch aus Quellen sammeln, die sonst verschlossen sind. Würde man dauernd stochern und jeden Ct Umsatz genau nachverfolgen, würden all die Anleger Zeter und Mordio schreien. Man muss aber Input und Output vergleichen um eine Unregelmässigkeit aufzudecken.

    Aber wie immer: wenn etwas passiert, war der Staat zu schlampig und wenn der Staat kontrolliert, ist es Verstoss gegen Alles mögliche, vom Datenschutz über Grundgesetz zu den Menschenrechten.

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