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  1. Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Iugh787 16.08.22 - 09:27

    Ich habe alle möglichen Modelle in meinem Leben erlebt. Am besten funktioniert es meiner Meinung nach, wenn die Leute zu 50% am Arbeitsplatz sind, und zwar möglichst gleichzeitig. Das bedeutet ja nicht, dass man bei Vorliegen eines speziellen Grundes weitere Homeoffice Tage nicht auch mal ausnahmsweise genehmigen kann. Hier sollten’ Arbeitgeber auch nachsichtig sein.

    Das Problem mit der vollständigen Büroabstinenz ist, dass der soziale Zusammenhalt der Kollegen verloren geht. Auch führt es - und die Erfahrung habe ich selbst mit einigen Mitarbeitern gemacht - bei einigen Leuten zu psychischen Problemen, komplett isoliert zu sein. Gerade bei älteren Mitarbeitern ist das ein Problem.

    Wenn der Grund „Kontrollwahn“ ist, ist es natürlich schlecht. Das sollte es nicht sein.

    Ich kenne es eher so, dass Unternehmen, die generell an Attraktivität verlieren und daher eine hohe Fluktuation haben, die 100%-Homeoffice-Regel als Möglichkeit sehen, die Leute doch noch besser halten zu können.
    Das wird aber auch nicht dauerhaft funktionieren.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 16.08.22 09:35 durch Iugh787.

  2. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: thrust26 16.08.22 - 09:31

    100% Zustimmung

  3. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Sybok 16.08.22 - 10:01

    Iugh787 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich habe alle möglichen Modelle in meinem Leben erlebt. Am besten
    > funktioniert es meiner Meinung nach, wenn die Leute zu 50% am Arbeitsplatz
    > sind, und zwar möglichst gleichzeitig. Das bedeutet ja nicht, dass man bei
    > Vorliegen eines speziellen Grundes weitere Homeoffice Tage nicht auch mal
    > ausnahmsweise genehmigen kann. Hier sollten’ Arbeitgeber auch
    > nachsichtig sein.
    >
    > Das Problem mit der vollständigen Büroabstinenz ist, dass der soziale
    > Zusammenhalt der Kollegen verloren geht.

    Das kann ich definitiv nicht bestätigen, der Kollegenzusammenhalt wird sicherlich niemals besser, wenn man die Leute zu etwas zwingt.

    > Auch führt es - und die Erfahrung
    > habe ich selbst mit einigen Mitarbeitern gemacht - bei einigen Leuten zu
    > psychischen Problemen, komplett isoliert zu sein. Gerade bei älteren
    > Mitarbeitern ist das ein Problem.

    Das mag ja sein, aber niemand redet hier von einer Home-Office-Pflicht.

    > Wenn der Grund „Kontrollwahn“ ist, ist es natürlich schlecht.
    > Das sollte es nicht sein.

    Ist es aber praktisch immer.

    > Ich kenne es eher so, dass Unternehmen, die generell an Attraktivität
    > verlieren und daher eine hohe Fluktuation haben, die 100%-Homeoffice-Regel
    > als Möglichkeit sehen, die Leute doch noch besser halten zu können.
    > Das wird aber auch nicht dauerhaft funktionieren.

    Natürlich nicht. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, das Unternehmen attraktiver wären, die einem nicht die Wahl lassen. Und ohne Remote-Option werden viele Unternehmen langfristig ihre Stellen nicht besetzt bekommen - das ist ja jetzt schon vielerorts so. Mir ist egal wie die Firma heißt, ich ziehe für den Job nicht um.

  4. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: stealth_axg 16.08.22 - 10:02

    Wobei niemand "gezwungen" wird im Homeoffice zu sein. Bei mir gibt es einige Kolleginnen und Kollegen, die trotz Corona und co zu 100% im Büro sind. Ich persönlich möchte gerne die Wahl haben, wann und wo ich arbeite. Klar gibt es dann Kandidaten, die das extrem ausreizen und zwischen den Meetings in Portugal surfen gehen. Aber 90% der Belegschaft hält sich ja an die Kernarbeitszeiten und ist 1-2 Mal in der Woche im Büro.
    Bei vorab festgelegten Tagen, ist das Chaos im Parkhaus und in der Buchung von Meetingräumen vorprogrammiert und wenn dann noch floating desk im Unternehmen vorgeschrieben ist, ist die Motivation bei mir komplett im Eimer. Zumal an den Tagen garantiert, das Kind sich in der Kita ein Zahn ausschlägt oder ein absoluter Schneestrom alles lahm legt :-/

  5. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: M.P. 16.08.22 - 10:21

    Das kommt doch sicherlich auf die zu erledigenden Arbeiten an ...
    Autos bauen wird niemand im Homeoffice ...
    Software entwickeln kann man sicherlich auch im Homeoffice - außer es ist hardwarenah, und man braucht ein Labor.
    Selbst agile Methoden funktionieren recht geschmeidig mit heutigen Kolaborationswerkzeugen ...

    Ich wohne aber mit meiner Familie recht geräumig, und habe in den vergangenen zwei Jahren einen funktionaleren Arbeitsplatz aufgebaut, als er mir in der Firma bereitgestellt wird (Drei-Monitor-Betrieb mit KVM-Umschaltung zwischen Dienst-Notebook und Privat-PC).

    In der Firma ist angedacht, dass man keinen festen Arbeitsplatz mehr hat ... (Morgens leeren Schreibtisch suchen, Rollcontainer holen, Notebook andocken, abends Schreibtisch wieder leerräumen)

  6. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Jalousie 16.08.22 - 10:37

    Wenn, wie bekannt sein dürfte, 90 % der Mitarbeiter Indianer sind und 10 % Häuptlinge (proaktiv schonmal Entschuldigung an die First Nation), dann ist klar, dass Home Office für alle nicht funktionieren kann. Das Ziel ist es NICHT sich selbst zu optimieren, sondern die gesamte Firma. Bezeichnend ist also, wenn das Hauptargument von Befürwortern ist, dass man weniger Fahrtweg hat und produktiver ist, weil man Fahrtweg spart und niemand mehr rumnervt im Büro. Ich kenne aber keine Firma, wo alles nach Spock-Logik perfekt abläuft. Wird es auch nie geben. Siehe Indianer (verpeilt) und Häuptlinge (durchgeknallt). Warum das im Home Office nun funktionieren soll? Wenn nun im Golem-Forum tagsüber die ganzen Outperformer und Double-Whole-Nighter sitzen und die Projekte wegdonnern ist das natürlich super. Nutzt der Firma aber nichts, wenn die anderen 90 % Probleme haben.

    Dieser Beitrag kann zugespitzte Gedanken enthalten.

  7. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Lemo 16.08.22 - 11:18

    Ich finde es immer witzig wie viele Leute meinen sie können das Thema überblicken und aus ihrer anekdotischen Erfahrung heraus eh schon alles zum Thema wissen :D

    Ich habe mich die letzten 3 Monate intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt (wissenschaftliche Arbeit verfasst) und unzählige Studien durchgekaut.
    Es wird euch überraschen, aber 100% HO steigert die durchschnittliche Produktivität und durchschnittliche Zufriedenheit nachweislich, wenn gleichzeitig weitere Aspekte von New Work umgesetzt werden. Wer das nicht macht, erlebt aber keinen Produktivitätsnachteil und die Zufriedenheit steigt trotzdem an.
    Das hat sich auch schon vor Corona so abgezeichnet, das ist kein Phänomen der Pandemie.
    Und btw das war auch schon bei Telearbeit Ende der 80er, in den 90ern und Anfang der 2000er so.
    Seit Jahrzehnten wird wissenschaftlich belegt, dass 100% Home Office keine Nachteile sondern im Durchschnitt Vorteile bringt und bestimmt im gleichen Zeitraum meckern Menschen gegen 100% Home Office.

    Was aber sinnvoll sein kann, ist die Umgestaltung der Büros in Social Spaces, um eine Bindung an die Kultur der Firma zu schaffen. Aber Arbeitsergebnisse erzielt man hauptsächlich im Home Office bei diesem Modell. Wer im Büro arbeiten möchte, kann das natürlich weiterhin, aber letztendlich stellt das Büro dabei keinen großen Vorteil oder andere Art des Arbeitens dar

  8. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Iugh787 16.08.22 - 11:18

    M.P. schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >
    > In der Firma ist angedacht, dass man keinen festen Arbeitsplatz mehr hat
    > ... (Morgens leeren Schreibtisch suchen, Rollcontainer holen, Notebook
    > andocken, abends Schreibtisch wieder leerräumen)

    Einen der ganz wesentlichen Hauptgründe, warum viele Leute nicht ins Büro wollen, sind Organisationen wie diese oder generell auch Großraumbüros. Bei der Vielzahl von Calls sind Großraumbüros eine Pest. Und da verwundert es kaum, dass die Produktivität im Home Office steigt.

    Wenn die Firma aber Räumlichkeiten bereitstellt, in denen die Leute gerne sind, nämlich Einzelbüros, bei denen die Tür in der Regel zwar offen steht, man diese aber auch mal schließen kann, wenn man seine Ruhe braucht, dann sieht das anders aus.

    Soll heißen: Wenn die Alternative zum Home Office ein Großraumbüro ist, dann stimme ich zu, dass ersteres die bessere Wahl ist.

    Ich bin aber der Meinung, dass Unternehmen in der Pflicht sind, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiter gerne aufhalten. Leider ist dies insbesondere bei deutschen Firmen aber die absolute Ausnahme.

  9. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Iugh787 16.08.22 - 11:25

    Lemo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich finde es immer witzig wie viele Leute meinen sie können das Thema
    > überblicken und aus ihrer anekdotischen Erfahrung heraus eh schon alles zum
    > Thema wissen :D
    >
    > Ich habe mich die letzten 3 Monate intensiv mit dem Thema
    > auseinandergesetzt (wissenschaftliche Arbeit verfasst) und unzählige
    > Studien durchgekaut.
    > Es wird euch überraschen, aber 100% HO steigert die durchschnittliche
    > Produktivität und durchschnittliche Zufriedenheit nachweislich, wenn
    > gleichzeitig weitere Aspekte von New Work umgesetzt werden. Wer das nicht
    > macht, erlebt aber keinen Produktivitätsnachteil und die Zufriedenheit
    > steigt trotzdem an.
    > Das hat sich auch schon vor Corona so abgezeichnet, das ist kein Phänomen
    > der Pandemie.
    > Und btw das war auch schon bei Telearbeit Ende der 80er, in den 90ern und
    > Anfang der 2000er so.
    > Seit Jahrzehnten wird wissenschaftlich belegt, dass 100% Home Office keine
    > Nachteile sondern im Durchschnitt Vorteile bringt und bestimmt im gleichen
    > Zeitraum meckern Menschen gegen 100% Home Office.
    >
    > Was aber sinnvoll sein kann, ist die Umgestaltung der Büros in Social
    > Spaces, um eine Bindung an die Kultur der Firma zu schaffen. Aber
    > Arbeitsergebnisse erzielt man hauptsächlich im Home Office bei diesem
    > Modell. Wer im Büro arbeiten möchte, kann das natürlich weiterhin, aber
    > letztendlich stellt das Büro dabei keinen großen Vorteil oder andere Art
    > des Arbeitens dar

    Erstens ist Produktivität alleine nicht alles, wenn sich viele Mitarbeiter dabei schlecht fühlen. Es ist auch bekannt, dass die Leute zuhause potentiell mehr arbeiten, was zwar kurzfristig die Produktivität steigert, langfristig aber zu vermehrten psychischen Problemen führt.

    Zweitens kommt es darauf an, was der Vergleich ist. Es hat sich insbesondere in Deutschland eingebürgert, Büroflächen zu schaffen, in denen man praktisch nicht produktiv arbeiten kann (laute Großraumbüros). Das darf aber nicht der Vergleich sein. Der Vergleich muss sein, wie die Produktivität in einem ruhigen Umfeld am Arbeitsplatz ist.

    Ich zweifle die hohe/höhere Produktivität im Home Office also nicht an. Jedoch entstehen andere Probleme psychologischer Natur, die sich erst nach längerer Zeit zeigen.

    Das schlimmste ist, wenn die Unternehmen dann alle Leute einmal im Monat notdürftig zu Brainstorming-Sessions und für irgendwelche mit einer Alibi-Agenda gespickten Workshops zusammen holen, um den sozialen Zusammenhalt „zu verbessern“. Das ist dann richtiges Waste of Time und bringt für den sozialen Zusammenhalt genau gar nichts.

    Ich würde viel Geld darauf wetten, dass gerade die hippen Tech-Companies, wie Apple, Google, Amazon und Tesla die Leute wieder zu mindestens 50% ins Büro zurückholen werden.

    Für alle anderen kann 100% Home Office ein Argument sein, mit schlechteren Gehältern durchzukommen. Mal sehen wie lange.



    4 mal bearbeitet, zuletzt am 16.08.22 11:36 durch Iugh787.

  10. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: M.P. 16.08.22 - 11:38

    Und wenn man das "Thema angeht" werden Feigenblätter angeschafft ...

    Schallschluck-Elemente für die Großraumbüros oder Noise-Cancelling Headsets.
    Kicker/Playstation für den Pausenraum
    Kaffee-Vollautomaten mit Gratis-Kaffe in der Küche ...

    Und dann soll man sich gefälligst Wohlfühlen ...

  11. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Fettoni 16.08.22 - 11:38

    Sybok schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das kann ich definitiv nicht bestätigen, der Kollegenzusammenhalt wird
    > sicherlich niemals besser, wenn man die Leute zu etwas zwingt.

    Als jemand, der vor ein paar Monaten das Unternehmen gewechselt hat und sich bei 100% Homeoffice sehr schwer getan hat, Anschluss zu finden:
    Es geht nicht darum, ob man zu Zusammenhalt gezwungen wird, oder nicht. Es geht darum soziale Interaktion mit den Kollegen zu haben, Leute kennenzulernen, mal nebenbei mitzubekommen, wenn jemand schlecht drauf ist und mal nachzufragen, ob alles passt. Sich mal bei nem Kaffee oder in der Kantine über private Themen zu unterhalten.
    Klar wird man immer Kollegen haben, mit denen man sich besser oder schlechter versteht, aber unabhängig davon ist persönlicher Kontakt einfach wichtig. Auch für die Psyche, wie der TO schon schrieb.

    > Das mag ja sein, aber niemand redet hier von einer Home-Office-Pflicht.

    Es bringt halt nichts, wenn der neue Mitarbeiter alleine im Büro steht und alle anderen (bis auf die eine Kontaktperson, mit der man sich gezielt verabredet) nicht die Notwendigkeit sehen. Wie gesagt, ich spreche da aus kürzlich selbst gemachter Erfahrung.

    > Ist es aber praktisch immer.

    Eigentlich nicht. Wie schon geschrieben sind auch andere Faktoren wichtig. Identifikation mit dem Unternehmen, Einarbeitung von Kollegen, soziale Interaktion, vor Ort Termine usw.
    Und selbst *wenn* ein Stück Kontrollwahn dabei sein sollte... das ist das gute Recht eines Arbeitgebers. Und ganz ehrlich, bei all den Leuten, die ich im Berufsleben schon kennenlernen durfte, wäre ich bei mindestens 30% auch skeptisch.

    > Natürlich nicht. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, das Unternehmen
    > attraktiver wären, die einem nicht die Wahl lassen. Und ohne Remote-Option
    > werden viele Unternehmen langfristig ihre Stellen nicht besetzt bekommen -
    > das ist ja jetzt schon vielerorts so. Mir ist egal wie die Firma heißt, ich
    > ziehe für den Job nicht um.

    Es ist ein Geben und Nehmen. Leider sind gerade ITler dank der angespannten Marktsituation der Meinung, dass sie das gottgegebene Recht auf alles haben.
    Man möchte als Unternehmen Leute, die mit Herzblut ihren Job machen, sich mit dem Unternehmen identifizieren, Bindung zu Kollegen aufbauen und im Zweifelsfall viel dafür tun, dass das Unternehmen weiter läuft. Was man nicht möchte sind Leute mit Heuschrecken-Mentalität.
    Klar, aktuell hat man keine Wahl, aber spätestens wenn sich die Marktsituation entspannt, würde ich eher ungern Leute in unser Team integrieren, die mehrere Jahre (5+) ohne sozialen Teamkontakt vor sich hin gedümpelt haben. Das hatte ich schonmal mit nem Kollegen, der zuvor quasi 10 Jahre seine Wohnung (beruflich) nicht verlassen hat. Nie. Wieder.

  12. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: kellemann 16.08.22 - 11:39

    Iugh787 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Erstens ist Produktivität alleine nicht alles, wenn sich viele Mitarbeiter
    > dabei schlecht fühlen. Es ist auch bekannt, dass die Leute zuhause
    > potentiell mehr arbeiten, was zwar kurzfristig die Produktivität steigert,
    > langfristig aber zu vermehrten psychischen Problemen führt.
    >
    > Zweitens kommt es darauf an, was der Vergleich ist. Es hat sich
    > insbesondere in Deutschland eingebürgert, Büroflächen zu schaffen, in denen
    > man praktisch nicht produktiv arbeiten kann (laute Großraumbüros). Das darf
    > aber nicht der Vergleich sein. Der Vergleich muss sein, wie die
    > Produktivität in einem ruhigen Umfeld am Arbeitsplatz ist.
    >
    > Ich zweifle die hohe/höhere Produktivität im Home Office also nicht an.
    > Jedoch entstehen andere Probleme psychologischer Natur, die sich erst nach
    > längerer Zeit zeigen.

    Der ganze Psychologische Aspekt ist aber (imho) auch extrem von den Gegebenheiten abhängig, oder? Aktuell kann ich dank Homeoffice jeden Mittag 45 Minuten mit meinem Essen auf der Terrasse in der Sonne sitzen und richtig gut abschalten. Danach gerne noch ne Runde durch den Garten gehen. Das geht zB auch in netten Stadtteilen mit viel grün, wenn man nun kein EFH hat.

    Bei mir im Büro ist zB die Kantine mittlerweile nicht mehr vorhanden und ich sitze mit meinem mitgebrachten Brot am Schreibtisch und "schieb mir eben was zum satt machen rein".

    Soziale Kontakte habe ich in meiner Freizeit mehr als genug, ich mag meine Kollegen auch, aber bin nun auch kein extremer Freund von viel "Networking und Socializing". Dann lieber mit ein paar Kumpels und nem Bier auf der Terrasse.

    > Das schlimmste ist, wenn die Unternehmen dann alle Leute einmal im Monat
    > notdürftig zu Brainstorming-Sessions und für irgendwelche mit einer
    > Alibi-Agenda gespickten Workshops zusammen holen, um den sozialen
    > Zusammenhalt „zu verbessern“. Das ist dann richtiges Waste of
    > Time und bringt für den sozialen Zusammenhalt genau gar nichts.
    >
    > Ich würde viel Geld darauf wetten, dass gerade die hippen Tech-Companies,
    > wie Apple, Google, Amazon und Tesla die Leute wieder zu mindestens 50% ins
    > Büro zurückholen werden.

    Bin auch gespannt wie sich das entwickelt, abschätzen kann ich es wirklich nicht. Ich hoffe einfach, dass sich eine gesunde Mischung etabliert und jeder einfach entscheiden kann wie er es möchte. Aber am Ende reicht es mir auch, wenn ich einen Arbeitgeber mit 100% HO finde und da gibt es in der IT aktuell mehr als genug. Was die anderen Unternehmen dann machen ist mir gar nicht mehr so wichtig.

    Aber gegen gut geplante und durchgeführte Events, ohne viel Zwang, habe ich persönlich nichts und das ist dann, meiner Meinung nach auch keine stärkere Zeitverschwendung als der Plausch in der Teeküche.

  13. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: kellemann 16.08.22 - 11:51

    Fettoni schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Sybok schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Das kann ich definitiv nicht bestätigen, der Kollegenzusammenhalt wird
    > > sicherlich niemals besser, wenn man die Leute zu etwas zwingt.
    >
    > Als jemand, der vor ein paar Monaten das Unternehmen gewechselt hat und
    > sich bei 100% Homeoffice sehr schwer getan hat, Anschluss zu finden:
    > Es geht nicht darum, ob man zu Zusammenhalt gezwungen wird, oder nicht. Es
    > geht darum soziale Interaktion mit den Kollegen zu haben, Leute
    > kennenzulernen, mal nebenbei mitzubekommen, wenn jemand schlecht drauf ist
    > und mal nachzufragen, ob alles passt. Sich mal bei nem Kaffee oder in der
    > Kantine über private Themen zu unterhalten.
    > Klar wird man immer Kollegen haben, mit denen man sich besser oder
    > schlechter versteht, aber unabhängig davon ist persönlicher Kontakt einfach
    > wichtig. Auch für die Psyche, wie der TO schon schrieb.
    >
    > > Das mag ja sein, aber niemand redet hier von einer Home-Office-Pflicht.
    >
    > Es bringt halt nichts, wenn der neue Mitarbeiter alleine im Büro steht und
    > alle anderen (bis auf die eine Kontaktperson, mit der man sich gezielt
    > verabredet) nicht die Notwendigkeit sehen. Wie gesagt, ich spreche da aus
    > kürzlich selbst gemachter Erfahrung.

    Das Thema der Integration neuer Kollegen lässt sich aber, wenn die Firma sich mit dem Thema beschäftigt, auch lösen. Grundsätzlich bin ich bei dir, es ist sicherlich schwer dort den passenden Anschluss zu finden. Aber das sind halt die Herausforderungen die mit dem Thema Homeoffice kommen. Das sind Dinge, die in den modernen Onboarding Prozess gehören.

    > > Ist es aber praktisch immer.
    >
    > Eigentlich nicht. Wie schon geschrieben sind auch andere Faktoren wichtig.
    > Identifikation mit dem Unternehmen, Einarbeitung von Kollegen, soziale
    > Interaktion, vor Ort Termine usw.
    > Und selbst *wenn* ein Stück Kontrollwahn dabei sein sollte... das ist das
    > gute Recht eines Arbeitgebers. Und ganz ehrlich, bei all den Leuten, die
    > ich im Berufsleben schon kennenlernen durfte, wäre ich bei mindestens 30%
    > auch skeptisch.
    >
    > > Natürlich nicht. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, das Unternehmen
    > > attraktiver wären, die einem nicht die Wahl lassen. Und ohne
    > Remote-Option
    > > werden viele Unternehmen langfristig ihre Stellen nicht besetzt bekommen
    > -
    > > das ist ja jetzt schon vielerorts so. Mir ist egal wie die Firma heißt,
    > ich
    > > ziehe für den Job nicht um.
    >
    > Es ist ein Geben und Nehmen. Leider sind gerade ITler dank der angespannten
    > Marktsituation der Meinung, dass sie das gottgegebene Recht auf alles
    > haben.
    > Man möchte als Unternehmen Leute, die mit Herzblut ihren Job machen, sich
    > mit dem Unternehmen identifizieren, Bindung zu Kollegen aufbauen und im
    > Zweifelsfall viel dafür tun, dass das Unternehmen weiter läuft. Was man
    > nicht möchte sind Leute mit Heuschrecken-Mentalität.
    > Klar, aktuell hat man keine Wahl, aber spätestens wenn sich die
    > Marktsituation entspannt, würde ich eher ungern Leute in unser Team
    > integrieren, die mehrere Jahre (5+) ohne sozialen Teamkontakt vor sich hin
    > gedümpelt haben. Das hatte ich schonmal mit nem Kollegen, der zuvor quasi
    > 10 Jahre seine Wohnung (beruflich) nicht verlassen hat. Nie. Wieder.

    Nichts für ungut, aber Identifikation mit dem Unternehmen bringt nur dem Arbeitgeber Vorteile, da die Arbeitnehmer sich dann zwangsläufig schwerer mit einem Wechsel tun. Man kann auch gerne für sein Unternehmen arbeiten, ohne dieses gleich als zweites zu Hause anzusehen.
    Ich sehe meinen Homeoffice Arbeitsplatz hier eher als Vorteil, ein theoretischer Wechsel fällt mir viel leichter, da sich meine Umgebung kaum ändert.

    Dein Kollege ist da vermutlich ein Extremfall, aber war er denn zufrieden und hat seine Arbeit gemacht? Dann war doch alles super.
    Wenn er sich eher gewährt und Quer gestellt hat, dann ist das aber ein Problem, welches auch im Büro passiert wäre.

    Nichts für ungut, aber du klingst sehr wie ein klassischer Arbeitgeber, der nach Argumenten sucht warum Homeoffice nun nicht so toll ist. Die Heuschreckenmentalität gibt es übrigens als Extrema auf beiden Seiten, der AG der seine AN verschleißt und genauso gibt es auch AN die es drauf anlegen. Weder die eine, noch die andere Variante heiße ich gut, aber nur, weil man nicht im Büro übernachten will, ist man noch lange keine Heuschrecke (Vorsicht, das war bewusst überspitzt mit dem Übernachten).

  14. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Iugh787 16.08.22 - 12:00

    kellemann schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Der ganze Psychologische Aspekt ist aber (imho) auch extrem von den
    > Gegebenheiten abhängig, oder? Aktuell kann ich dank Homeoffice jeden Mittag
    > 45 Minuten mit meinem Essen auf der Terrasse in der Sonne sitzen und
    > richtig gut abschalten. Danach gerne noch ne Runde durch den Garten gehen.
    > Das geht zB auch in netten Stadtteilen mit viel grün, wenn man nun kein EFH
    > hat.
    >
    > Bei mir im Büro ist zB die Kantine mittlerweile nicht mehr vorhanden und
    > ich sitze mit meinem mitgebrachten Brot am Schreibtisch und "schieb mir
    > eben was zum satt machen rein".
    >
    > Soziale Kontakte habe ich in meiner Freizeit mehr als genug, ich mag meine
    > Kollegen auch, aber bin nun auch kein extremer Freund von viel "Networking
    > und Socializing". Dann lieber mit ein paar Kumpels und nem Bier auf der
    > Terrasse.
    >
    > > Das schlimmste ist, wenn die Unternehmen dann alle Leute einmal im Monat
    > > notdürftig zu Brainstorming-Sessions und für irgendwelche mit einer
    > > Alibi-Agenda gespickten Workshops zusammen holen, um den sozialen
    > > Zusammenhalt „zu verbessern“. Das ist dann richtiges Waste
    > of
    > > Time und bringt für den sozialen Zusammenhalt genau gar nichts.
    > >
    > > Ich würde viel Geld darauf wetten, dass gerade die hippen
    > Tech-Companies,
    > > wie Apple, Google, Amazon und Tesla die Leute wieder zu mindestens 50%
    > ins
    > > Büro zurückholen werden.
    >
    > Bin auch gespannt wie sich das entwickelt, abschätzen kann ich es wirklich
    > nicht. Ich hoffe einfach, dass sich eine gesunde Mischung etabliert und
    > jeder einfach entscheiden kann wie er es möchte. Aber am Ende reicht es mir
    > auch, wenn ich einen Arbeitgeber mit 100% HO finde und da gibt es in der IT
    > aktuell mehr als genug. Was die anderen Unternehmen dann machen ist mir gar
    > nicht mehr so wichtig.
    >
    > Aber gegen gut geplante und durchgeführte Events, ohne viel Zwang, habe ich
    > persönlich nichts und das ist dann, meiner Meinung nach auch keine stärkere
    > Zeitverschwendung als der Plausch in der Teeküche.

    Bei jungen Leuten ohne Familie geht das mit den sozialen Kontakten in der Freizeit noch besser. Aber glaube mir: Je älter du wirst, und wenn du zuhause Kinder hast, dann wirst du das zunehmend anders sehen. Da ist es wertvoll, wenn der Arbeitsplatz auch ein Ort sozialer Interaktion ist.
    Ich habe es selbst erlebt, wie es ist, wenn ein Unternehmen ein attraktives Arbeitsumfeld bietet, und in dem Office 90% der Leute auch mal spontan was unternehmen, obwohl sie aus mehr als 25 verschiedenen Ländern und Kulturen stammen. In meinen Augen kann das durch nichts ersetzt werden und ist ein ganz wesentlicher Faktor, um die Arbeit nicht nur als notwendiges Übel, sondern als schöne Beschäftigung zu sehen.

  15. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Fettoni 16.08.22 - 12:19

    kellemann schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Thema der Integration neuer Kollegen lässt sich aber, wenn die Firma
    > sich mit dem Thema beschäftigt, auch lösen. Grundsätzlich bin ich bei dir,
    > es ist sicherlich schwer dort den passenden Anschluss zu finden. Aber das
    > sind halt die Herausforderungen die mit dem Thema Homeoffice kommen. Das
    > sind Dinge, die in den modernen Onboarding Prozess gehören.

    Es geht halt nicht nur um "onboarding" im Sinne, dass ich fachlich reinkomme. Es geht darum die Menschen kennezulernen, mit denen ich zu tun habe. Es geht darum einschätzen zu können, wie jemand drauf ist, und wie man mit den Leuten am besten umgehen kann. Es geht darum zu wissen, warum jetzt vielleicht ein Kollege zur Zeit nicht die beste Leistung bringt, weil man vielleicht mal nebenbei in der Kantine drüber geredet hat, dass er gerade in seinem Scheidungsprozess hängt, usw.
    Mag sein, dass es Leute gibt, denen das nicht so wichtig ist. Ich persönlich glaube, dass das alles für ein gut eingespieltes und funktionierendes Team sehr wichtig ist. Für mich persönlich ist das alles alleine schon aus dem Grund wichtig, dass ich selbst mehr Spaß bei der Arbeit habe. Sei es, weil man mit dem Zimmerkollegen gemeinsame Hobbies hat, über die man mal kurz spricht (ohne jedes Mal anrufen zu müssen), oder auch mal im Büro einfach so Spaß macht oder ich mich selbst mit der Arbeit besser identifizieren kann und dadurch mehr Sinn in dem sehe, was ich tue.

    > Nichts für ungut, aber Identifikation mit dem Unternehmen bringt nur dem
    > Arbeitgeber Vorteile, da die Arbeitnehmer sich dann zwangsläufig schwerer
    > mit einem Wechsel tun. Man kann auch gerne für sein Unternehmen arbeiten,
    > ohne dieses gleich als zweites zu Hause anzusehen.
    > Ich sehe meinen Homeoffice Arbeitsplatz hier eher als Vorteil, ein
    > theoretischer Wechsel fällt mir viel leichter, da sich meine Umgebung kaum
    > ändert.

    Das sehe ich anders. Die Identifikation mit dem Unternehmen bringt auch den Arbeitnehmern etwas. Ich baue gerne Bindung zu den Kollegen auf, und will mich inhaltlich auch damit identifizieren bzw. begeistern, für das was ich mache. Andernfalls würde es mir schwer fallen, jeden Tag meine Zeit abzusitzen für Dinge, die mich einfach nicht interessieren und zu denen ich absolut keinen Draht habe, bis auf die technische Komponente.

    > Dein Kollege ist da vermutlich ein Extremfall, aber war er denn zufrieden
    > und hat seine Arbeit gemacht? Dann war doch alles super.
    > Wenn er sich eher gewährt und Quer gestellt hat, dann ist das aber ein
    > Problem, welches auch im Büro passiert wäre.

    Er war ein Einzelgänger, die Kommunikation war schwer, er hat nur auf seine eigene Meinung gebaut, wenn er etwas übernommen hat, hat er das bestehende weggeworfen und alles neu nach seinen Maßstäben gebaut. Das kann natürlich auch im Büro passieren. Ich denke allerdings, dass man soziale Interaktion im Team durchaus auch lernt mit der Zeit. Und wenn es nur ist, dass du deine Kollegen so gut kennst, dass du ihnen vertraust und nicht immer alles so machen musst, wie du es für richtig hältst, weil alles andere sowieso Schrott ist.
    Er hat seine Pull Requests selbst reviewed, damit ihm nicht ein anderer sagt, was an seinem Code geändert werden muss. Er nannte das "power programming". Es gibt viele solcher Beispiele.

    > Nichts für ungut, aber du klingst sehr wie ein klassischer Arbeitgeber, der
    > nach Argumenten sucht warum Homeoffice nun nicht so toll ist. Die
    > Heuschreckenmentalität gibt es übrigens als Extrema auf beiden Seiten, der
    > AG der seine AN verschleißt und genauso gibt es auch AN die es drauf
    > anlegen. Weder die eine, noch die andere Variante heiße ich gut, aber nur,
    > weil man nicht im Büro übernachten will, ist man noch lange keine
    > Heuschrecke (Vorsicht, das war bewusst überspitzt mit dem Übernachten).

    Ich bin kein klassischer Arbeitgeber (eigentlich bin ich garkein Arbeitgeber), sondern arbeite auch gerne im Homeoffice. Mein Anfahrtsweg beträgt 40 Minuten (einfach) und wenn ich das jeden Tag machen müsste, würde ich evtl. auch nach anderen Unternehmen suchen. Hier geht es aber um eine 50% Regel und ich persönlich halte das durchaus für sehr fair. Wir haben bei uns eine 50% Regel aufs Jahr verteilt. Das heißt ich kann theoretisch ein halbes Jahr am Stück zuhause bleiben und das andere halbe Jahr ins Büro fahren. Ich habe so genug Flexibilität und auf der anderen Seite weiß ich es auch sehr zu schätzen, dass auch andere Leute da sind, wenn ich ins Büro fahre. Aus meiner Sicht ist das ein guter Kompromiss aus den Interessen des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer.
    100% Homeoffice halte ich auf lange Sicht gesehen für kontraproduktiv. Auf kurze Sicht scheint es schon ok zu sein. Ich finde allerdings, dass sich (bei meiner alten Firma) in den letzten zwei Jahren das Arbeitsklima verschlechtert hat und ich hatte weniger Spaß an der Arbeit. Ich schreibe das unter anderem auch der 100% Regelung zu. Klar spiel(t)en da mit Corona auch andere Faktoren mit rein, z.B. dass eh alle schon eine genervtere Grundhaltung hatten.

  16. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: thrust26 16.08.22 - 12:27

    M.P. schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das kommt doch sicherlich auf die zu erledigenden Arbeiten an ...
    > Autos bauen wird niemand im Homeoffice ...
    > Software entwickeln kann man sicherlich auch im Homeoffice - außer es ist
    > hardwarenah, und man braucht ein Labor.
    > Selbst agile Methoden funktionieren recht geschmeidig mit heutigen
    > Kolaborationswerkzeugen ...

    Technische geht das alles. Und wenn man weitgehend mit virtueller Interaktion groß geworden ist, bemerkt man den Unterschied vielleicht nicht. Aber meiner Meinung nach ist virtuelle Kommunikation immer nur die zweitbeste Lösung. Direkte Kommunikation Face-to-Face ist wesentlich entspannter und aussagekräftiger.

    > In der Firma ist angedacht, dass man keinen festen Arbeitsplatz mehr hat
    > ... (Morgens leeren Schreibtisch suchen, Rollcontainer holen, Notebook
    > andocken, abends Schreibtisch wieder leerräumen)

    Habe ich auch erlebt. Es gab sogar Studien, die behaupteten das wäre effizienter. Keine Ahnung wer die bezahlt hat, aber das Gegenteil ist absolut der Fall.

  17. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: thrust26 16.08.22 - 12:30

    Als jemand der seit gut 2 Jahren zum Homeoffice gezwungen ist, kann ich dem nur 100% zustimmen. Ich könnte theoretisch zu ~50% ins Office, nur was soll ich da, wenn keiner meiner Kollegen vor Ort ist?

  18. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Sybok 16.08.22 - 12:31

    Fettoni schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Als jemand, der vor ein paar Monaten das Unternehmen gewechselt hat und
    > sich bei 100% Homeoffice sehr schwer getan hat, Anschluss zu finden:
    > Es geht nicht darum, ob man zu Zusammenhalt gezwungen wird, oder nicht.

    Wird man aber in der von Euch bevorzugten Variante. Andere Gründe für einen Officezwang lese ich hier nicht (außer den wenigen Ewiggestrigen, die tatsächlich denken, dass Mitarbeiter nur arbeiten, wenn man sie fortwährend peitscheschwingend überwacht).

    > Es geht darum soziale Interaktion mit den Kollegen zu haben, Leute
    > kennenzulernen, mal nebenbei mitzubekommen, wenn jemand schlecht drauf ist
    > und mal nachzufragen, ob alles passt.

    Das kann ich alles ganz wunderbar per Videocall machen - mache ich übrigens auch täglich. Der kleine Plausch zum Tagesstart zwischen mir und einem guten Kollegen ist mitlerweile zum Ritual geworden, mit den meisten anderen Kollegen rede ich nicht zwingend täglich, aber gerne auch mal spontan zwischendurch.

    > Sich mal bei nem Kaffee oder in der Kantine über private Themen zu unterhalten.

    Das kann man machen, ist aber absolut optional. So was macht man allenfalls mit Leuten, die man wirklich gut kennt, nicht mit dem 08/15-Kollegen aus einer anderen Abteilung.

    > Klar wird man immer Kollegen haben, mit denen man sich besser oder
    > schlechter versteht, aber unabhängig davon ist persönlicher Kontakt einfach
    > wichtig. Auch für die Psyche, wie der TO schon schrieb.

    Ja und? Dann sollte man ihn haben, ist doch alles möglich. Das muss aber nicht am Arbeitsplatz geschehen, und der Arbeitsplatz ist auch nicht der richtige Ort für den seelischen Ausgleich.

    > Es bringt halt nichts, wenn der neue Mitarbeiter alleine im Büro steht und
    > alle anderen (bis auf die eine Kontaktperson, mit der man sich gezielt
    > verabredet) nicht die Notwendigkeit sehen. Wie gesagt, ich spreche da aus
    > kürzlich selbst gemachter Erfahrung.

    Na wenn alle anderen lieber von daheim arbeiten, dann kann es so schrecklich wohl für die Mehrheit nicht sein, und es klingt mal wieder so, als würde eine laute Minderheit der Mehrheit ihren Willen aufzwingen wollen.

    > Eigentlich nicht. Wie schon geschrieben sind auch andere Faktoren wichtig.
    > Identifikation mit dem Unternehmen, Einarbeitung von Kollegen, soziale
    > Interaktion, vor Ort Termine usw.

    Mit dem Unternehmen identifiziere ich mich, wenn mir die Arbeit da Spaß macht und mir die Produkte gefallen. Kollegen kann man Remote ganz problemlos onboarden (habe ich mehrfach erfolgreich getan), soziale Interaktion muss man wollen (auch im Büro) dann ist die immer möglich. Und was soll das Problem mit Vor-Ort-Terminen sein? Die finden - wie der Name schon sagt - *vor Ort* statt!

    > Und selbst *wenn* ein Stück Kontrollwahn dabei sein sollte... das ist das
    > gute Recht eines Arbeitgebers. Und ganz ehrlich, bei all den Leuten, die
    > ich im Berufsleben schon kennenlernen durfte, wäre ich bei mindestens 30%
    > auch skeptisch.

    Wenn man als Arbeitgeber nicht ohne ständige Kontrolle sagen kann, ob der Mitarbeiter gute Arbeit leistet (z.B. indem man das Produkt seiner Arbeit bewertet), dann sehe ich für das Unternehmen reichlich schwarz.

    > Es ist ein Geben und Nehmen. Leider sind gerade ITler dank der angespannten
    > Marktsituation der Meinung, dass sie das gottgegebene Recht auf alles
    > haben.

    Nein, sie haben nur die gleichen Rechte wie die Arbeitgeber - übrigens nicht nur ITler. Leider sind gerade die Deutschen eine Gesellschaft von Duckmäusern, die sich gar nicht trauen, in Verhandlungen auch mal zu sagen was sie denn wollen. Dabei ist es doch ein *Geben und Nehmen*, und eben nicht nur ein Geben!

    > Man möchte als Unternehmen Leute, die mit Herzblut ihren Job machen, sich
    > mit dem Unternehmen identifizieren, Bindung zu Kollegen aufbauen und im
    > Zweifelsfall viel dafür tun, dass das Unternehmen weiter läuft.

    Das schafft man, indem man den Mitarbeitern vertraut und ihnen auch Freiräume lässt.

    > Was man nicht möchte sind Leute mit Heuschrecken-Mentalität.

    Wie Du meinst - ich möchte keine Unternehmen mir Heuschrecken-Mentalität, das macht mich aber nicht selbst zur Heuschrecke.

    > Klar, aktuell hat man keine Wahl, aber spätestens wenn sich die
    > Marktsituation entspannt, würde ich eher ungern Leute in unser Team
    > integrieren, die mehrere Jahre (5+) ohne sozialen Teamkontakt vor sich hin
    > gedümpelt haben. Das hatte ich schonmal mit nem Kollegen, der zuvor quasi
    > 10 Jahre seine Wohnung (beruflich) nicht verlassen hat. Nie. Wieder.

    Was für eine Rolle soll es spielen, ob man seine Wohnung beruflich oder privat verlässt? Meinst Du, dass solche Typen sich in ihrem Büro nicht genauso eingraben (was ich übrigens wesentlich mehr als ein Mal erlebt habe)? Andersrum gibt es die Kaffeeküchen-Dampfplauderer, die immer zu allem was zu sagen haben, nur zu ihrer eigentlichen Arbeit nicht. Wer sich verstecken will, der findet immer Wege.

  19. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: Sybok 16.08.22 - 12:45

    Fettoni schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es geht halt nicht nur um "onboarding" im Sinne, dass ich fachlich
    > reinkomme. Es geht darum die Menschen kennezulernen, mit denen ich zu tun
    > habe. Es geht darum einschätzen zu können, wie jemand drauf ist, und wie
    > man mit den Leuten am besten umgehen kann. Es geht darum zu wissen, warum
    > jetzt vielleicht ein Kollege zur Zeit nicht die beste Leistung bringt, weil
    > man vielleicht mal nebenbei in der Kantine drüber geredet hat, dass er
    > gerade in seinem Scheidungsprozess hängt, usw.

    Dann rede mit den Leuten - Problem gelöst. Sehe jetzt nicht, weshalb man dazu aufeinanderhocken müsste.

    > Mag sein, dass es Leute gibt, denen das nicht so wichtig ist. Ich
    > persönlich glaube, dass das alles für ein gut eingespieltes und
    > funktionierendes Team sehr wichtig ist.

    Ein gut eingespieltes Team redet von sich aus über private Dinge, mit meinem Manager reder ich über sowas allenfalls am Rande. Und ich würde auch nie ein Teammitglied schlechter betrachten, nur weil er oder sie privates lieber daheim lässt.

    > Für mich persönlich ist das alles
    > alleine schon aus dem Grund wichtig, dass ich selbst mehr Spaß bei der
    > Arbeit habe. Sei es, weil man mit dem Zimmerkollegen gemeinsame Hobbies
    > hat, über die man mal kurz spricht (ohne jedes Mal anrufen zu müssen), oder
    > auch mal im Büro einfach so Spaß macht oder ich mich selbst mit der Arbeit
    > besser identifizieren kann und dadurch mehr Sinn in dem sehe, was ich tue.

    Nochmal: Sprechen kann man heutzutage ohne im selben Raum zu sitzen, und das sogar mit Leuten die sehr weit weg sind - mit denen man andernfalls gar keinen Kontakt hätte.

    > Das sehe ich anders. Die Identifikation mit dem Unternehmen bringt auch den
    > Arbeitnehmern etwas. Ich baue gerne Bindung zu den Kollegen auf, und will
    > mich inhaltlich auch damit identifizieren bzw. begeistern, für das was ich
    > mache. Andernfalls würde es mir schwer fallen, jeden Tag meine Zeit
    > abzusitzen für Dinge, die mich einfach nicht interessieren und zu denen ich
    > absolut keinen Draht habe, bis auf die technische Komponente.

    Weil mir mein Job Spaß macht identifiziere ich mich noch lange nicht mit meinem Unternehmen. Ich kann einen tollen Job in einem lausigen Unternehmen haben oder einen lausigen Job in einem ansonsten tollen Unternehmen.

    > Er war ein Einzelgänger, die Kommunikation war schwer, er hat nur auf seine
    > eigene Meinung gebaut, wenn er etwas übernommen hat, hat er das bestehende
    > weggeworfen und alles neu nach seinen Maßstäben gebaut. Das kann natürlich
    > auch im Büro passieren. Ich denke allerdings, dass man soziale Interaktion
    > im Team durchaus auch lernt mit der Zeit.

    Von allein lernt ein Einzelgänger sowas nicht, auf die muss man immer wieder eingehen und mit ihnen zusammen Wege finden um die Zusammenarbeit zu verbessern.

    > Und wenn es nur ist, dass du
    > deine Kollegen so gut kennst, dass du ihnen vertraust und nicht immer alles
    > so machen musst, wie du es für richtig hältst, weil alles andere sowieso
    > Schrott ist.
    > Er hat seine Pull Requests selbst reviewed, damit ihm nicht ein anderer
    > sagt, was an seinem Code geändert werden muss. Er nannte das "power
    > programming". Es gibt viele solcher Beispiele.

    Das hat definitiv nichts mit Home Office zu tun, solche Leute kenne ich seit dem Beginn meiner beruflichen Laufbahn, und da war eine Vollzeit-Remotestelle für mich noch gar nicht zu denken.

    > Ich bin kein klassischer Arbeitgeber (eigentlich bin ich garkein
    > Arbeitgeber), sondern arbeite auch gerne im Homeoffice. Mein Anfahrtsweg
    > beträgt 40 Minuten (einfach) und wenn ich das jeden Tag machen müsste,
    > würde ich evtl. auch nach anderen Unternehmen suchen. Hier geht es aber um
    > eine 50% Regel und ich persönlich halte das durchaus für sehr fair. Wir
    > haben bei uns eine 50% Regel aufs Jahr verteilt. Das heißt ich kann
    > theoretisch ein halbes Jahr am Stück zuhause bleiben und das andere halbe
    > Jahr ins Büro fahren. Ich habe so genug Flexibilität und auf der anderen
    > Seite weiß ich es auch sehr zu schätzen, dass auch andere Leute da sind,
    > wenn ich ins Büro fahre. Aus meiner Sicht ist das ein guter Kompromiss aus
    > den Interessen des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer.

    Mir fehlt immernoch der Punkt weshalb mein Arbeitgeber Interesse daran haben sollte, teuren Büroraum für mich zu mieten und mich jeden Tag dahin fahren zu lassen.

    > 100% Homeoffice halte ich auf lange Sicht gesehen für kontraproduktiv. Auf
    > kurze Sicht scheint es schon ok zu sein. Ich finde allerdings, dass sich
    > (bei meiner alten Firma) in den letzten zwei Jahren das Arbeitsklima
    > verschlechtert hat und ich hatte weniger Spaß an der Arbeit. Ich schreibe
    > das unter anderem auch der 100% Regelung zu. Klar spiel(t)en da mit Corona
    > auch andere Faktoren mit rein, z.B. dass eh alle schon eine genervtere
    > Grundhaltung hatten.

    Eventuell waren die Leute auch einfach alle total überlastet, so wie vielerorts derzeit. Das wird dann gerne dem Home-Office in die Schuhe geschoben, liegt aber eher daran, dass immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern verteilt wird. Wenn ich im Home-Office in 10 Stunden am Tag meine Arbeit nicht schaffe, dann werde ich sie im Büro in 8 Stunden sicher nicht schaffen - und ich arbeite dort sicher keine 10 Stunden, wenn ich noch An- und Abfahrt habe.

  20. Re: Andere Unternehmen werden folgen

    Autor: roberto 16.08.22 - 12:51

    Interessant, der Diskussion hier zu folgen, gerne weitermachen :-)

    Ich bin persönlich auch eher beim OP. Die Argumente von (100%-)HO-Befürwortern erinnern mich immer ein bisschen an die Anhänger der Sozialismus:

    Wenn es nicht funktioniert, war es kein richtiger Sozialismus.

    Wenn es nicht funktioniert, war es kein richtiges Remote-Work-Unternehmen.

    Man scheitert einfach immer wieder an der nervigen Realität des Menschen.

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