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Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

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  1. Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: Keepo 07.07.17 - 17:36

    Wie konnte denn ein Weltmarktführer plötzlich insolvent gehen? DRAM wird doch praktisch immer und überall benötigt. Der Markt wurde sogar noch sehr viel größer dank der Smartphones.

  2. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: leMatin 07.07.17 - 17:43

    Hier ein kurzer Abriss des Niedergangs: http://www.zeit.de/online/2009/05/Quimonda-insolvenz

    Hauptursache waren wohl die stark sinkenden Weltmarktpreise für Speicherchips.

  3. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: NIKB 07.07.17 - 17:51

    Eine Insolvenzquote von quasi 100% ist natürlich traurig. Der Laden war also nie Zahlungsunfähig.

  4. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: picaschaf 07.07.17 - 17:52

    NIKB schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Eine Insolvenzquote von quasi 100% ist natürlich traurig. Der Laden war
    > also nie Zahlungsunfähig.


    Wäre er nie zahlungsunfähig gewesen, bzw. absehbar gewesen hätte kein Insolvenzverfahren eröffnet werden müssen ;)

  5. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: StefanGrossmann 07.07.17 - 18:17

    Sagen wir es so: Es waren halt zuviele Aussenstände offen so daß nicht alle Kredite richtig bedient werden konnten.
    Man braucht halt ein gewisses Polster um Zahlungsausfälle mal abfangen zu können.

  6. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: Keepo 07.07.17 - 18:28

    leMatin schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Hier ein kurzer Abriss des Niedergangs: www.zeit.de
    >
    > Hauptursache waren wohl die stark sinkenden Weltmarktpreise für
    > Speicherchips.

    Dort steht lediglich, dass der Umsatz für Halbleiter gesunken ist. Das erklärt aber nicht, wieso Qimonda pleite geht, wärend zur gleichen Zeit mehrere Südkoreanische und Taiwanische Unternehmen mit Halbleitertechnik Milliarden scheffeln. Vorallem weil Qimonda laut Artikel einer der Weltmarktführer war.

  7. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: leMatin 07.07.17 - 18:35

    Keepo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > leMatin schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Hier ein kurzer Abriss des Niedergangs: www.zeit.de
    > >
    > > Hauptursache waren wohl die stark sinkenden Weltmarktpreise für
    > > Speicherchips.
    >
    > Dort steht lediglich, dass der Umsatz für Halbleiter gesunken ist. Das
    > erklärt aber nicht, wieso Qimonda pleite geht, wärend zur gleichen Zeit
    > mehrere Südkoreanische und Taiwanische Unternehmen mit Halbleitertechnik
    > Milliarden scheffeln. Vorallem weil Qimonda laut Artikel einer der
    > Weltmarktführer war.

    Naja, es steht ein wenig verschlüsselt im Text.
    Zum einen konnte man nicht kostendeckend produzieren durch die stark gefallenen Weltmarktpreise. Zum anderen waren die Banken in den Krisenjahren extrem vorsichtig mit Kreditvergaben bzw. Verlängerungen. Diese selbstauferlegte Hyperregulierung der Banken hat die Krise damals nochmal (besonders für den Mittelstand) verschärft, als man die Konjunkturflaute mit Krediten überbrücken wollte.

    Dieser Artikel beschreibt auch, dass in der Branche seit Jahren extreme Überkapazitäten vorhanden waren (den Microsoft-Teil halte ich jedoch für ziemlichen Stuss): http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/qimonda-pleite-moerderisches-spiel-1.467206

    Ergo: Hat Quimonda schon seit Jahren Schulden angesammelt. Den Banken war das dann in der Zeit irgenwann zu viel und die haben dann den Geldhahn zugedreht.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 07.07.17 18:38 durch leMatin.

  8. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: Netzweltler 07.07.17 - 18:39

    Keepo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wie konnte denn ein Weltmarktführer plötzlich insolvent gehen? DRAM wird
    > doch praktisch immer und überall benötigt. Der Markt wurde sogar noch sehr
    > viel größer dank der Smartphones.
    Soweit mir ein damaliger Mitarbeiter vor Jahren mal erzählte, wurde damals bei Quimonda ein Sparprogramm aufgelegt. Das führte zu Verzögerungen in der Entwicklung von einem halben Jahr. In der Halbleiterbranche (DRAM) ist das eine Ewigkeit.
    Quimonda hinkte dadurch der Konkurrenz hinterher und konnte das im weiteren Verlauf nicht mehr wettmachen. Die Insolvenz war dann die letzte Konsequenz.

  9. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: laserbeamer 07.07.17 - 18:59

    Heute würde es ihnen wieder gut gehen.
    Nachdem RAM um knapp 50% teurer geworden ist.

  10. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: johnripper 07.07.17 - 23:04

    NIKB schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Eine Insolvenzquote von quasi 100% ist natürlich traurig. Der Laden war
    > also nie Zahlungsunfähig.

    Wer lesen kann:

    > Bei Insolvenzantragstellung waren überhaupt keine liquiden Mittel vorhanden

  11. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: johnripper 07.07.17 - 23:06

    Keepo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Dort steht lediglich, dass der Umsatz für Halbleiter gesunken ist. Das
    > erklärt aber nicht, wieso Qimonda pleite geht, wärend zur gleichen Zeit
    > mehrere Südkoreanische und Taiwanische Unternehmen mit Halbleitertechnik
    > Milliarden scheffeln. Vorallem weil Qimonda laut Artikel einer der
    > Weltmarktführer war.

    Ich blättere gerade in der InsO, aber irgendwie steht dort nirgends, dass "Weltmarktführer" keinen Insolvenzantrag stellen müssen/können/dürfen. Im AktG habe ich vorher auch nichts gefunden.

  12. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: GangnamStyle 08.07.17 - 08:32

    Erstens: war Qimonda niemals Weltmarktführer (da ist ein Fehler im Artikel). Zwar hat Qimonda/Infineon in der DRAM-Produktion große Rolle gespielt (hinter Samsung, Hynix, Micron), war aber stets "eine Nummer zu klein".
    Das Genick hat schließlich der mörderische Preiskrieg gebrochen. Als "kleiner" Fisch, konnte das Unternehmen gegen die großen aus der Branche nicht mithalten. Irgendwann ging das Geld aus. Samsung Electronics und Hynix (früher Hyundai Electronics) waren Unternehmen in großen Konglomeraten und konnten außerdem auf staatliche Unterstützung aufbauen. Micron hatte starke Investoren im Hintergrund (Intel und einige Finanzhäuser). Qimonda hatte diese Unterstützungen nicht und dementsprechend sah das Ergebnis aus.

    Neben Qimonda sind zahlreichen taiwanesische und chinesische Unternehmen pleitegegangen bzw. sie wurden von den Konkurenten geschluckt. Übrigens, sieht man ähnliches Bild in der Solarbranche. Weltweit führender (echt) Solarzellhersteller Q-Cells wurde vom südkoreanischen Konglomerat Hanwha geschluckt und Solarworld hat vor wenigen Wochen Insolvenz gemeldet.

  13. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: turingTestPassed 08.07.17 - 12:22

    Ich hatte damals bei denen gearbeitet. Wie schon beschrieben war Qimonda nie Weltmarktführer nach Umsatz. Technologisch war man aber schon gut dabei. Die Qimonda-Chips waren im Vergleich zur Konkurrenz wesentlich stromsparender. Und kurz vor der Pleite ist die "Buried Wordline" Technologie produktionsreif entwickelt worden - damit wäre man technisch wohl noch ein Stück weiter gewesen.

    Das Problem am DRAM-Markt ist der ausgeprägte "Schweinezyklus". Sobald ein neuer DRAM-Typ (jetzt halt DDR4) aufkommt, gibt es kaum Produktionskapazitäten. Damit sind die Preise hoch. Daraufhin stürmen alle Produzenten voran und bauen ihre Kapazitäten aus. Das endet immer wieder in einem Überangebot und damit niedrigen Preisen. So niedrig, dass man davon eigentlich nicht leben kann. In der Boom-Phase verdient man sich hingegen dumm und dusselig :-)

    Qimonda ging dadurch pleite, dass in der damaligen DRAM-Rezession alle ihre Produktion gedrosselt haben um die Preise stabil zu halten. Fast alle...bis auf SAMSUNG. Die haben ihre Produktion erhöht! Geld haben sie damit nicht verdient, aber einige Mitbewerber aus dem Markt gedrängt.
    Als riesiger Mischkonzern kann Samsung es sich leisten, vorübergehend Verluste einzufahren und das durch spätere Gewinne zu kompensieren.
    Qimonda war hingegen auf sich gestellt. Mit der Infineon-Mutter wäre man vermutlich länger im Rennen geblieben. Und wenn Infineon noch zu Siemens gehört hätte, hätte man vielleicht das gleiche Spiel spielen können.

    Rückblickend war es aber absolut korrekt Qimonda nicht staatlich zu retten. Viele sind wie ich einfach zu Globalfoundries oder anderen Technologieunternehmen gewechselt. Lange arbeitslos war wohl keiner.
    Die Reinräume in Dresden sind ohnehin auf dem Infineon-Campus. Mittlerweile sollten die wieder komplett von Infineon genutzt werden.
    Elpida hatte damals Kooperationen mit Qimonda, besonders bei der Buried Wordline Entwicklung. Von der Weltmarktstellung waren sie ähnlich aufgestellt wie Qimonda. Damit hatten sie durch Samsungs Preisdruck das gleiche Problem. Bei Elpida hat allerdings der (koreanische/taiwanesische?) Staat Unterstützung gewährt. Mit dem Ergebnis, dass Elpida etwas später pleite ging als ohne.
    Insofern bin ich sehr froh, dass wir nicht 200 Millionen Euro Steurgelder in ein großes Loch geworfen haben.

  14. Die Konkurrenz aus Fernostniedriglohnländern

    Autor: Kondom 09.07.17 - 13:55

    Qimonda konnte mit der Preisentwicklung am Weltmarkt nicht mithalten, da man nur in teuren Industrieländern und nicht in Billiglohnländern gefertig hat.

  15. Re: Was genau hat Qimonda eigentlich das Genick gebrochen?

    Autor: Keepo 10.07.17 - 12:34

    danke für deine ausführliche antwort turingTestPassed

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