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Verleumdung

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  1. Verleumdung

    Autor: Youssarian 29.08.17 - 06:33

    Betrug ist ein Straftatbestand. Läge also ein Betrug vor, würde eine einfache Strafanzeige dem Problem abhelfen. Da dem offensichtlich nicht so ist, gibt es mithin kein 'Datenratenbetrug'.

    Das ist auch dieser grünen Tante bekannt und dem Redakteur ebenfalls. Und doch wird das Vorliegen dieses Straftatbestandes plakativ in der Überschrift festgestellt und zudem unterstellt, dass die Regierung den fortgesetzten Massenbetrug dulde. Als Beleg für diese Behauptung wird dann angeführt, dass nur 50% der Kunden mehr als 60% der versprochenen Datenrate erreiche. Auch dies ist nachweislich falsch, denn die 'versprochene Datenrate' kann nur die Untergrenze des providerseitig angegebenen Bandbreitenkorridors sein, da die Obergrenze explizit nicht versprochen wird.

    Das ist tendenziös; das ist billiger, beifallsheischender Brachialjournalismus. Und es erfüllt selbst einen Straftatbestand:

    Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

  2. Re: Verleumdung

    Autor: gott_vom_see 29.08.17 - 08:55

    Stimmt die Obergrenze wird mit „bis zu” ja nur skizziert und ist nach gesundem Menschenverstand natürlich überhaupt und gar nicht Vertragsbestandteil.
    Statt dessen wird, wenn überhaupt im Kleinstgedruckten erwähnt, dass man sich bei dem tollen z.B. 400MBit Anschluss am Ende doch glücklich schätzen darf, wenn man mit 1MBit abgespeist wird.

    Die Werte dürfen gern übertrieben angesehen werden, aber auch ich habe mit meinen lächerlichen 64MBit schon Zeiten erlebt, in denen 1,5MBit und weniger durch die Leitung tröpfelten. Das dies dann vorzugsweise genau dann passiert, wenn man die Bandbreite wirklich auch mal braucht (Abends ab 19:00 Uhr kurz bevor man das Streaming anwerfen will) ist zwar technisch bedingt aber dennoch ein „netter” Nebeneffekt..

    Formal mögest du vielleicht sogar recht haben. Genau deswegen hätte die Politik daran auch etwas ändern können bzw. sollen. Das am Ende der Zivilprozess möglich ist, ändert nichts an der Tatsache, dass eben zum Beispiel 50% maximal 60% der Datenrate erhalten.

    Genau das ist ja das Problem. Die Provider können sich darauf ausruhen, weil eh niemand Prozessieren will und somit wird sich an dm Zustand nichts ändern. Genau da hätte die Politik ansetzen können und sollen. Hat sie aber nicht gemacht.

    Und das Züge und Flüge Vorrang haben weil man ja nicht zu spät kommen will ist zwar nett, aber jeden Monat Geld für etwas zu bezahlen, was man am Ende nicht oder maximal zu Teilen erhält ist in meinen Augen genau eines: Betrug. Im Vergleich dazu empfinde ich das zu spät kommen eines Verkehrsmittels auf nach dem 10 Mal nicht als Betrug. Dadurch wird das Medium nämlich nicht unbenutzbar.

  3. Re: Verleumdung

    Autor: Köln 29.08.17 - 11:28

    Nö, Betrug ist erstmal ein Vertrauensbruch zwischen zwei oderer mehreren Parteien. Es ist ja auch kein Straftatbestand wenn sie ihre Frau betrügen oder vice versa.
    Sprachlich kann man den Begriff also auch nicht juristisch verwenden und in den allermeisten Fällen tun wir das auch.
    Sie könnten dem Autor höchstens unterstellen, er impliziere einen Straftatbestand aufgrund des juristischen Kontexts.
    Tatsächlich nutzt der Autor den Begriff hier doppeldeutig, die mangelhafte Belieferung des Kunden stellt einen Vertrauenbruch dar und es wird impliziet der Wunsch geäußert diesen juritisch greifbar zu machen.
    Durchaus geschickt, dass es reißerisch klingt ist natürlich ein schöner und vermutlich gewollter Nebeneffekt.

  4. Re: Verleumdung

    Autor: Youssarian 29.08.17 - 12:43

    gott_vom_see schrieb:

    > Die Werte dürfen gern übertrieben angesehen werden, aber auch ich habe mit
    > meinen lächerlichen 64MBit schon Zeiten erlebt, in denen 1,5MBit und
    > weniger durch die Leitung tröpfelten.

    Na, hör mal: 64 Mbit/s sind bzw. wären sicher nicht 'lächerlich'.

    > Das dies dann vorzugsweise genau dann passiert,
    > wenn man die Bandbreite wirklich auch mal braucht (Abends ab
    > 19:00 Uhr kurz bevor man das Streaming anwerfen will)

    Das ist bitter. Ich kann mir gar keinen Provider vorstellen, der einen Bandbreitenkorridor von einem bis 64 Mbit/s angibt. Unitymedia sichert beispielsweise minimal 70% der maximalen Bandbreite zu, bei Dir also fast 45 Mbit/s. Von daher die Frage: Es geht nicht um spezielle, überlastetete Hosts oder überlaufene Peerings?
    >
    > Formal mögest du vielleicht sogar recht haben. Genau deswegen hätte die
    > Politik daran auch etwas ändern können bzw. sollen. Das am Ende der
    > Zivilprozess möglich ist, ändert nichts an der Tatsache, dass eben zum
    > Beispiel 50% maximal 60% der Datenrate erhalten.

    Das ist in Ordnung, wenn der Bandbreitenkorridor entsprechend angegeben ist. Den größten Korridor fand ich bei der Telekom bei DSL16, dort sind es 6,304 bis 16 Mbit/s. Wer Pech hat, erhält (dauerhaft) nur knapp unter 40% der Spitzenbandbreite. Bei deren Produkten VDSL50/100 und Fiber 100/200 garantiert sie dafür mindestens 90% der Maximalbandbreite. Ein grundlegendes Problem ist, dass die Bundesnetzagentur etwas anderes misst als das, was die Provider verkaufen. zu 100% verantwortlich sind sie nur für das eigene Netz, schon für Peerings besteht nur noch eine Teilverantwortung. (Da ist dann im Zweifelsfall immer einer der anderen schuld.)

    > Genau das ist ja das Problem. Die Provider können sich darauf ausruhen,
    > weil eh niemand Prozessieren will und somit wird sich an dm Zustand nichts
    > ändern. Genau da hätte die Politik ansetzen können und sollen. Hat sie aber
    > nicht gemacht.

    Ich würde es begrüßen, wenn in der Werbung die zugesicherte Minimalbandbreite in den Vordergrund gestellt werden müsste, bei DSL16 der Telekom also 'mindestens 6,304 Mbit/s 'und bei VDSL50 'mindestens 45 Mbit/s'.

    > jeden Monat Geld für etwas zu bezahlen, was man am Ende
    > nicht oder maximal zu Teilen erhält ist in meinen Augen genau eines:
    > Betrug.

    Du müsstest zum einen in den AGB oder der Leistungsbeschreibung nachschauen, welche Bandbreite tatsächlich zugesichert wird und diese dann in Deinem Modem oder Router überprüfen. Wenn das passt, ist es sicher kein 'Betrug'. Treten regelmäßig Engpässe jenseits des Netzes Deines Providers auf, bist Du schlimmstenfalls bei einem schlechten Provider gelandet, hast aber meist keine rechtliche Handhabe.

  5. Re: Verleumdung

    Autor: Youssarian 29.08.17 - 13:00

    Köln schrieb:

    > Nö, Betrug ist erstmal ein Vertrauensbruch zwischen zwei oderer mehreren
    > Parteien. Es ist ja auch kein Straftatbestand wenn sie ihre Frau betrügen
    > oder vice versa.

    Ein Vergleich mit dem sexuellen 'Betrug' fiele mir bei der hier vorliegenden Thematik allerdings eher schwer. Der Kunde ist in den allermeisten Fällen sowieso gef**kt. :-)

    > Sprachlich kann man den Begriff also auch nicht juristisch verwenden und in
    > den allermeisten Fällen tun wir das auch.

    Ja, wir tun das. Wir sind allerdings auch keine MdBs und keine Journalisten. Bei uns reicht es in der Regel, nicht bösartig zu sein.

    > Sie könnten dem Autor höchstens unterstellen, er impliziere einen
    > Straftatbestand aufgrund des juristischen Kontexts.

    In Bezug auf die Überschrift tat ich dies, fast noch mehr ärgere mich aber über die dreiste Falschbehauptung ...

    "Laut Messungen der Bundesnetzagentur erreicht nur die Hälfte aller Nutzer mehr als 60 Prozent der versprochenen Datenrate."

    Im Original klingt das nicht nur völlig anders, es ist auch völlig anders:

    Immerhin aber hat die Hälfte der Nutzer bei allen betrachteten Anbietern im Festnetz mindestens 60 Prozent der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate erreicht, bei einzelnen Anbietern sogar über 90 Prozent.

    > [...] dass es reißerisch klingt ist natürlich ein schöner und
    > vermutlich gewollter Nebeneffekt.

    Eine eindeutige Lüge - nämlich die Verwendung der maximalen Bandbreite am Anschluss als "versprochene Datenrate" zu einem dezidierten Host) ist mit "reißerisch" nicht wirklich korrekt beschrieben.

  6. +1

    Autor: Ovaron 30.08.17 - 17:17

    Wer Text findet darf ihn behalten



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 30.08.17 17:17 durch Ovaron.

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