1. Foren
  2. Kommentare
  3. Wirtschaft
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › IT-Jobs: Bayer lagert fast 1.000 IT…

Großunternehmen ticken alle gleich

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Großunternehmen ticken alle gleich

    Autor: Proxima88 10.12.19 - 10:17

    Geschichte wiederholt sich, sagt man... Mein Arbeitgeber hat's vorgemacht und weite Teile der IT ausgelagert. Auch die Namen der übernehmenden Firmen kommen mir teilweise bekannt vor. Lasst mich kurz berichten, ohne Nennung der Firma selbstverständlich.

    Das Schema:
    - Man identifiziert Mitarbeiter, die man loswerden will. Vorwiegend nimmt man dazu ältere und damit auch teurere Mitarbeiter, am besten welche, die schon in der aktiven ATZ-Phase sind. Diese widersprechen seltener, denn sie sehen bereits ein Licht am Ende des Tunnels.
    - Man überlegt sich eine fadenscheinige Begründung, warum diese Mitarbeiter zu einem externen Dienstleister wechseln sollen. Zum Beispiel: das Arbeitsfeld, für das sie jahrelang zuständig waren, ist nun nicht mehr Kernkompetenz der eigenen Firma, sondern das der Fremdfirma. Erstaunlicherweise spielt es dabei gar keine Rolle, dass Mitarbeiter X und Y annähernd dieselben Aufgaben erfüllen und sich sogar gegenseitig vertreten, aber nur X zum neuen Dienstleister soll, Y hingegen im alten Unternehmen verbleibt.
    - Man bietet den Mitarbeitern, die man rausmobben will, an, zur entsprechenden Fremdfirma zu wechseln. Damit der Betriebsrat mitspielt, hat man ein paar Jahre Status Quo rausgehandelt, d.h. Beschäftigungs- und Lohngarantie.
    - In diversen Gehirnwäsche-Veranstaltungen wird den rauszumobbenden Mitarbeitern sowohl von der alten als auch von der neuen Firma die Zukunft bei der neuen Firma in den schönsten Farben dargestellt.
    - Es wird ein Stichtag festgelegt, an dem die rauszumobbenden Mitarbeiter wechseln sollen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich schon etliche der betroffenen Mitarbeiter entweder eine neue Firma gesucht, oder sind in anderen Abteilungen der alten Firma untergekommen. Etwa 4 Wochen vor Stichtag erhalten die verbliebenen Mitarbeiter ein entsprechendes Schreiben.
    - Eine gewisse Anzahl von Mitarbeitern widerspricht dem Übergang. Diese bleiben somit in der alten Firma. Da aber ihre Aufgabe zur neuen Firma geht, ist für diese Mitarbeiter nichts mehr zu tun. Haben sie noch keinen Kündigungsschutz (weil zu jung, noch nicht lange genug beschäftigt etc.) kann man sie entlassen wegen Wegfall der Aufgabe (=betriebsbedingte Kündigng). Die mit Kündigungsschutz schiebt man in die Friedhofsabteilung, gibt ihnen weder Computer noch adäquate Aufgaben und drangsaliert sie so lange, bis sie von sich aus kündigen.
    - Der Großteil der "Auserwählten" wird aber den Wechsel mitmachen. Damit ist das Ziel des Managements erfüllt, es wurden Arbeitsplätze abgebaut, was fast immer einen Anstieg des Aktienkurses zur Folge hat und sich dadurch direkt als incentive auf dem Konto des "Chief Mobbing Officers" bemerkbar macht.

    Das Spiel ist aber noch nicht zu Ende. Die Aufgaben bleiben ja bestehen, liegen jetzt halt nur (teilweise) beim rausgemobbten Mitarbeiter in der nun Fremdfirma. Nennen wir ihn beispielhaft mal Herrn Müller. Herr Müller nimmt diese Aufgaben natürlich auch wahr, nur wird die Zusammenarbeit mit ihm viel schwieriger. Die Kommunikatonswege verkomplizieren sich, damit nirgendwo der Eindruck entsteht, als handele es sich bei Müller um einen internen Mitarbeiter. Am liebsten würde man sich mit ihm nur noch per Ticket unterhalten, was aber faktisch nicht funktioniert.

    Jetzt kommt Phase 2. Herr Müller kostet die Fremdfirma eine Menge Geld, denn es wurde ja Status Quo verhandelt. Die Altfirma zahlt für seine Arbeit aber deutlich weniger, denn Ziel war ja, sich von teuren Mitarbeitern zu trennen, um Kohle zu sparen. Faktisch entsteht also ein Minus bei der Fremdfirma, und das wird umso größer, je länger das Spiel so weitergeht. Nun fängt die Fremdfirma an, Herrn Müller in anderen, lukrativeren Projekten bei anderen Kunden einzusetzen, die besser zahlen. Herrn Müller ist das eigentlich ganz recht, denn von seinem alten Arbeitgeber ist er bitter enttäuscht und hat eh kein sonderliches Interesse mehr, seine alten Aufgaben dort wahrzunehmen.

    Da Müllers Aufgabe für die alte Firma wie vertraglich vereinbart immer noch durchgeführt werden muss, wird ein neuer Mitarbeiter aus einem Billiglohnland notdürftig angelernt. Wenn es ein EU-Land sein muss: Tschechien, Portugal oder Polen wird gern genommen, das nennt sich dann Near-Shore. Ansonsten, also außerhalb der EU, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt - beliebt ist der Ostblock östlich von Polen, China oder neuerdings natürlich Indien. Nehmen wir als Beispiel also direkt mal einen Inder. Herr Müller darf sein Wissen nun noch in ein paar sogenannter knowledge-transfer-sessions an den IT-Experten aus Bangalore oder Mumbai weitergeben. Dieser kann natürlich kein Deutsch - macht aber nix, vorher hat man Englisch als Unternehmenssprache festgelegt. Das kann Herr Müller nicht so gut, macht aber auch nix - der Inder kann es ebenfalls nicht besonders gut. Herrn Müller ist das wurscht, denn der muss ja nur seine paar meetings mit dem Inder hinter sich kriegen, bevor er sich neuen Aufgaben im neuen Projekt für eine neue Firma widmen darf.

    Nun haben wir also die Situation, dass die Aufgabe, in der Herr Müller 10, 15 oder auch 20 Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, von einem Inder durchgeführt wird, der kein Deutsch und nur mäßig verständliches Englisch spricht. In den Übergabe-Sessions wurde natürlich nur Grundlagenwissen vermittelt - logisch! Was da an Qualität rauskommt könnt Ihr Euch wahrscheinlich vorstellen. Leidtragend sind die in der IT verbliebenen Wissensträger, die neben ihren bisherigen Aufgaben dann in der Regel die Aufgaben von Herrn Müller irgendwie, mehr schlecht als recht, mit durchführen, weil ihnen doch noch ein wenig der Erfolg der Firma und damit der Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes am Herzen liegt.

    Willkommen in der schönen, neuen Welt der globalen Zusammenarbeit!

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Landratsamt Starnberg, Starnberg
  2. über Allgeier Experts Pro GmbH, Bremen
  3. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), München
  4. Hochschule Furtwangen, Furtwangen

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-20%) 47,99€
  2. (-10%) 17,99€
  3. 19,99€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Schenker Via 14 im Test: Leipziger Langläufer-Laptop
Schenker Via 14 im Test
Leipziger Langläufer-Laptop

Dank 73-Wattstunden-Akku hält das 14-Zoll-Ultrabook von Schenker trotz fast komplett aufrüstbarer Hardware lange durch.
Ein Test von Marc Sauter

  1. XMG Neo 15 (E20) Schenker erhöht Akkukapazität um 50 Prozent
  2. XMG Apex 15 Schenker packt 16C-Ryzen in Notebook
  3. XMG Fusion 15 Schenkers Gaming-Laptop soll 10 Stunden durchhalten

Star Trek - Der Film: Immer Ärger mit Roddenberry
Star Trek - Der Film
Immer Ärger mit Roddenberry

Verworfene Drehbücher, unzufriedene Paramount-Chefs und ein zögerlicher Spock: Dass der erste Star-Trek-Film vor 40 Jahren schließlich doch in die Kinos kam, grenzt an ein Wunder. Dass er schön aussieht, noch mehr.
Von Peter Osteried

  1. Machine Learning Fan überarbeitet Star Trek Voyager in 4K
  2. Star Trek - Picard Hasenpizza mit Jean-Luc
  3. Star Trek Voyager Starke Frauen und schwache Gegner

Dell Ultrasharp UP3218K im Test: 8K ist es noch nicht wert
Dell Ultrasharp UP3218K im Test
8K ist es noch nicht wert

Alles fing so gut an: Der Dell Ultrasharp UP3218K hat ein schön gestochen scharfes 8K-Bild und einen erstklassigen Standfuß zu bieten. Dann kommen aber die Probleme, die beim Spiegelpanel anfangen und bis zum absurd hohen Preis reichen.
Von Oliver Nickel

  1. Dell Anleitung hilft beim Desinfizieren von Servern und Clients
  2. STG Partners Dell will RSA für 2 Milliarden US-Dollar verkaufen
  3. Concept Duet und Concept Ori Dells Dualscreen-Geräte machen Microsoft Konkurrenz