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Daseinsberechtigung von digitalen Währungen

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  1. Daseinsberechtigung von digitalen Währungen

    Autor: Bashguy 16.07.19 - 22:36

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum man unbedingt eine neue Währung erfinden muss. Währungen sollten unter normalen Umständen stabil bleiben.

    Kryptos sind nochmal was anderes, weil man sie mit Rechenzeit etc farmen kann, aber welche Lücke soll Libra füllen bzw. welchen Mehrwert generiert Libra für die Gesellschaft, außer dass Facebook dann an den Wechselkursen/Transaktionen auf irgendeine andere Weise damit Geld verdienen kann?

    Ich kann jetzt schon digital mit vorhandenen Währungen zahlen, wozu sollte ich Libra brauchen?



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 16.07.19 22:45 durch Bashguy.

  2. Re: Daseinsberechtigung von digitalen Währungen

    Autor: Psy2063 17.07.19 - 08:16

    Selbst eine Überweisung zwischen zwei deutschen Banken dauert noch immer 2 Tage, vom internationalen Zahlungsverkehr will ich garnicht erst reden. Kreditkarten sind da schon eine praktische Erfindung, sieht allerdings auch nur durch den Zahlungsdienstleister live aus und dauert tatsächlich selbst bei daily charge mehrere Tage bis die Transaktion gebucht wurde. Auch andere Dienstleister wie Paypal funktionieren nicht anders. Und die grade internationale Lahmheit ist auch ein ziemlich lukratives Geschäftsfeld für Läden wie Western Union die mit internationaler Bargeldverschieberei ziemlichen Reibach machen.

    Eine Überweisung in Kryptowährungen (oder im Fall von Facebook einer Stablecoin) dagegen geht innerhalb von wenigen Sekunden bis Minuten. Inklusive diverser Verifizierungsmechanismen, dass der Zahlungspflichtige auch über die Summe verfügt und die Transaktion korrekt durchgeführt wurde, für die Beteiligten denen die Transaktionsdaten bekannt sind transparent nachvollziehbar.

    Kreditkarte/Paypal sieht schnell aus, ist aber tatsächlich ähnlich langsam wie eine Überweisung. Krypto sieht durch den Verifizierungsprozess auf der Blockchain langsamer aus, funktioniert aber tatsächlich wesentlich schneller als bisherige Zahlungsmethoden.

    Ich bin kein Freund dieser Facebook-Währung, weil offensichtlich ihr einziger Zweck ist den Zuckerbergclan noch reicher zu machen, aber im Grundprinzip werden es Kryptowährungen auf Lange sicht den klassischen Banken (und auch Zentralbanken) ziemlich schwer machen. Grundlage eines Geldsystems ist, dass sich die an einem Handel beteiligten Parteien über den Wert der Tauschmittel einig sind. Das waren mal Muscheln, Gewürze, Edelmetalle. Mittlerweile werden mit willkürlichen Werten bedruckte Münzen und Scheine von (virtuellen) Karten abgelöst die mit irgendeinem Koto verknüpft sind das Zahen mit einem ähnlichen Wert abbildet. In Zukunft werden es Einträge auf der Blockchain sein, auf die der Staat keinen Zugriff mehr haben wird.

  3. Re: Daseinsberechtigung von digitalen Währungen

    Autor: taifun850 17.07.19 - 09:06

    Eine Überweisung zwischen zwei deutschen Banken soll zwei Tage dauern? Also 48h?

    Bei mir ist die Überweisung am nächsten grundsätzlich durch und manchmal auch am selben Tag.

    Warum Kryptowährungen gefährlich für die Demokratie sind hat ein anderer hier schon geschrieben. Es würde das Verhindern von Einkommens- und Verbrauchssteuern trivial machen und damit würde der Staat mangels Einnahmen kaputt gehen.

  4. Re: Daseinsberechtigung von digitalen Währungen

    Autor: chefin 17.07.19 - 09:07

    Grundsätzlich absolut korrekt.

    Aber eigentlich nicht wünschenswert und ich bin mir nicht sicher ob das jedem klar ist. Mit Kryptocoins kann man zwar nahezu unendlich viele Konten erzeugen und haben. Und damit scheinbar anonym bezahlen. Aber man kann jede kleinste Zahlung verfolgen. Und es reicht, wenn ein Betrag an einer Stelle mit der Identität verknüpft wird um ihn für ewig dieser Identität zuzuordnen, egal wieoft man es hin und her schiebt.

    Zwar ist da immer wieder von Mixer die rede. Aber dort wird nichts vermischt. Mixer müssen viele Summen zusammen sammeln, folglich sind die Mixerkonten bekannt. Und schon kann man über die Betrachtung von Eingang zu Ausgang wieder zuordnen. Mixer sind nämlich nicht vertrauenswürdig, da es absolut keine Absicherung gibt. Jeder kann ein Mixer aufziehen und sich jederzeit mit dem Geld verdünnisieren. Du kannst ja schlecht einen Vertrag mit dem Mixer schliessen...so das der eine Identität kennt und du seine. Ein Vertrag ohne identitäten kann per Se kein Vertrag sein. Folglich ist alles was du dort reinüberweist mehr oder weniger weg. Keine wirklich Alternative.

    Und in einer firmenkontrollierten Kryptowährung wird das ganze noch schwieriger, da die jedes Transaktionskonto vorher einer Identität zuordnen, sonst wird es nicht bedient.

    Wenn aber jede Transaktion penibel und identifizierbar festgeschrieben wird, ist es ende mit Grauzone. Du zahlst dem Nachbarn 20 Euro für seine Hilfe...kommt schon der Finanzamtsbescheid an den Nachbarn und nimmt sich 5 Euro und die Sozialkasse will dann auch 2 Euro davon und von dir ebenfalls nochmal 2 Euro (AG und AN Teilung). Geringfügigkeit? Ja, bis 600 Euro. Die überschreitest du aber praktisch immer.

    Am Ende läuft es drauf raus, das wir Dinge kaufen und die weiter geben, weil das noch Anonym ist. Genau so waren nach dem Krieg Schwarzmarktgeschäfte. Waren gegen Waren. Wir wären also wieder am Anfang...also es Muscheln gab.

    So beschissen das Giralgeld auch manchmal ist, so überwiegen die Vorteile doch bei weitem.

  5. Re: Daseinsberechtigung von digitalen Währungen

    Autor: Bashguy 17.07.19 - 12:55

    Die Geschwindigkeit der Überweisung oder andere Themen haben rein gar nichts mit der Währung sondern der genutzten Technologie zu tun.

    Paypal-Transaktionen finden in Echtzeit statt und das in jeder beliebigen Währung.
    PSD-Bank bietet seit kurzem auch Echtzeit-Überweisungen (vielleicht nur an ausgewählte Partner bzw. innerhalb der PSD-Gruppe, aber ist schonmal ein Anfang).

    Blockchain etc. ist die genutzte Technologie hat aber rein gar nichts mit der Währung zu tun.
    Ich kann jedes System mit jeder Währung kombinieren. Wofür sollte ich da Libra brauchen?

    Zusätzliche Währungen führen nur dazu, dass sie missbraucht werden können bzw. als Konsequenz eben zusätzlich reguliert und kontrolliert werden können.

    Ich rede hier nicht von dem genutzten System/Technologie der jeweiligen Währung sondern der Währung selbst. Echtzeit-Transaktionen gibt es schon bzw. müssen und werden kommen. Aber davon rede ich nicht.

    Daher wiederhole ich meine Frage: Welche Vorteile soll Libra bringen, die Dollar oder Euro nicht ebenfalls erfüllen können?

    Zum Thema Kryptos: solange eine Währung nicht stabil ist, werden Banken auch nichts zu befürchten haben. Die breite Masse wird niemals eine Währung langfristig akzeptieren bzw. einsetzen, die so starken Schwankungen ausgesetzt ist.
    Blockchain als Technologie hat Vorteile, aber das können und werden normale Banken ebenfalls erkannt haben und entsprechend umsetzen.

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