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30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: Max Level 27.10.20 - 09:55
Das finde ich immer lustig: Da beklagt man sich über de Nichterzielen eingebildeter oder erhoffter Preise. Als hätte ich ein Kunstwerk erschaffen im Werte von drei Millionen, und kaum trage ich das auf den echten Markt, krieg ich nur 10 Euro. Tja, da wurden anscheinend 3 Millionen Börsenwert vernichtet, oder?
Der Punkt ist: Wenn man 30 Milliarden Euro Börsenwert vernichten kann, indem man die Realität mit einbezieht, dann ist das entweder keine marktkonforme Realität oder der "Wert" ist keiner und hätte nie existieren sollen. -
Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: ChristophAugenAuf 27.10.20 - 10:35
Wie kommt man darauf sowas zu schreiben? Der Börsenwert ist der Wert, zu dem ein gelistetes Unternehmen an der Börse gehandelt wird. Da fließen Fakten ein, als auch Erwartungen von Investoren. Diese Erwartungen sind natürlich nicht immer zu halten. An der Aussage der Börsenwert ist um 30 Mrd Euro gesunken ist daher alles korrekt, wenn die Kurse fallen. Ich sehe nicht, dass im Artikel steht, dass jemand jammert. Der tatsächliche Wert des Unternehmens ist durch die Meldung nicht gesunken, leider lässt sich der heutige Wert des Unternehmens erst in ferner Zukunft genau bestimmen.
Der Kommentar von Dir klingt also für mich so, als hättest du den Börsenhandel gar nicht verstanden. Lustig finde ich das nicht. Deutsche Aktienkultur eben ;-/ -
Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: Lemo 27.10.20 - 10:42
ChristophAugenAuf schrieb:
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> Der Kommentar von Dir klingt also für mich so, als hättest du den
> Börsenhandel gar nicht verstanden. Lustig finde ich das nicht. Deutsche
> Aktienkultur eben ;-/
Das Problem haben leider viele Leute, sie denken Börsenwert = Unternehmenswert bzw. Kurssturz = Unternehmen gehts schlecht.
Stimmt nur so eben nicht.
Wenn mir ein Unternehmen sagt es hätte höhere Ausgaben als prognostiziert, dann denke ich eben drüber nach meine Aktien zu verkaufen, weil vermutlich jetzt niemand mehr weitere Aktien kaufen will, weil nicht auf steigende Kurse durch höhere Unternehmenswerte zu hoffen ist.
Es ist eine reine Marktdynamik, jeder will seine Gewinne sichern, also wird verkauft.
Wenn die erste VK-Welle vorbei ist, kann man reinvestieren und hat dann dadurch, dass man seine Gewinne gesichert hat, mehr Anteile als vorher, weil durch die gefallenen Kurse mit der gleichen Summe mehr Anteile erworben werden können.
Und um nichts anderes geht es. -
Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: minnime 27.10.20 - 10:43
Naja, er hat doch recht. Man muss sich das eben so vorstellen dass der Aktienpreis vom tatsächlichen Zustand des Unternehmens entkoppelt ist. Das Unternehmen hat ja mit den Aktien eigentlich nicht mehr viel zu tun, außer wenn es um die Dividende geht. Die Aktienwerden zwischen ganz anderen Parteien gehandelt und die handeln den Preis untereinander aus.
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Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: gelöscht 27.10.20 - 10:56
Und ich finde immer wieder lustig, wie sich Leute darüber beschweren, dass Aktionäre ihre Gewinne mitnehmen. Zuletzt auch bei AMD, wo viele darüber klagen, dass die Kurse doch jetzt hoch gehen müssten. Die Kurse bei AMD haben sich in den letzten Jahren ver-dreißigfacht. Man kauft die Aktien zu einem Zeitpunkt, wo man sich viel vom Unternehmen verspricht und nicht erst, wenn die Sache längst durch ist.
Die Kurse werden auch wieder steigen, aber halt erst, wenn die Aktie so günstig ist, dass "man nichts falsch machen kann"...
Man investiert ja nicht um sein Geld loszuwerden, sondern um mehr rauszuholen.
Und es beklagt sich auch niemand. Dir Medien sind es, die immer meinen eine Korrelation zwischen Kursen und Quartalszahlen oder anderen Ereignissen herzustellen. Da sind immerhin ein paar Milliarden an Gewinnen rausgetragen worden. Wer soll sich da beklagen.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 27.10.20 10:58 durch Spekulant. -
Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: ChristophAugenAuf 27.10.20 - 11:08
Ich verstehe, was du sagen willst. Mit "das Unternehmen hat ja mit den Aktien eigentlich nicht mehr viel zu tun". Genauer gesagt hat das Unternehmen mit den Aktien jede Menge zu tun (Recht auf Dividende, Stimmrechte). Der gehandelte Preis an der Börse wird aber durch die Marktakteure ausgemacht. Zu denen kann das Unternehmen auch selber gehören (z.B. Aktienrückkauf). Aber im wesentlichen sind es andere Marktteilnehmer.
Der Börsenwert eines Unternehmens kann schonmal temporär komplett vom Zustand des Unternehmens entkoppelt sein. Langfristig allerdings nicht. Jüngstes prominentes Extrembeispiel ist die Wirecard-Aktie. Ausgelöst durch kriminelle Berichterstattung des Unternehmens.
Anderes älteres Beispiel war vor Jahren die VW-Aktie, als Marktakteure sich die Finger verbrannt haben und die Aktie leer verkauft hatten. Durch die Versuche von Porsche VW zu übernehmen, stieg die Nachfrage kurzzeitig so stark durch gezwungene Deckungskäufe bei den Leerverkäufern, so dass VW für einen Tag dem Börsenwert nach das wertvollste Unternehmen war. Da hat aber keiner in Wolfsburg die Sektkorken knallen lassen. -
Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: Stergro 27.10.20 - 11:13
Nicht jeder Investor ist nur an Gewinn interessiert, es gibt auch immer mehr Leute, die für den Impact investieren statt für Revenue. Geld ist Macht und diese Macht nur für Geldvermehrung einzusetzen, statt Firmen durch Investments zu unterstützen, deren Handlungsweisen man erhalten oder fördern will ist in meinen Augen dumm. Die Entscheidung wohin man sein Geld investiert hat wahrscheinlich größere Auswirkungen auf die Welt als deine Stimme in politischen Wahlen.
Leider investieren viele Leute immer noch so, dass sie ihr Geld einen Fremden geben und sagen: "Hier mach mal bitte mehr draus." Das werde ich nie verstehen, ein Investment ist in erster Linie eine Unterstützung für ein Unternehmen, dessen Idee man unterstützen möchte. Natürlich sollte man nicht dauerhaft Verlust machen, aber dass man unbedingt dabei verdienen muss ist für mich nicht selbstverständlich.
2 mal bearbeitet, zuletzt am 27.10.20 11:16 durch Stefan Grotz. -
Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: gelöscht 27.10.20 - 11:41
Stefan Grotz schrieb:
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> Nicht jeder Investor ist nur an Gewinn interessiert, es gibt auch immer
> mehr Leute, die für den Impact investieren statt für Revenue. Geld ist
> Macht und diese Macht nur für Geldvermehrung einzusetzen, statt Firmen
> durch Investments zu unterstützen, deren Handlungsweisen man erhalten oder
> fördern will ist in meinen Augen dumm. Die Entscheidung wohin man sein Geld
> investiert hat wahrscheinlich größere Auswirkungen auf die Welt als deine
> Stimme in politischen Wahlen.
>
> Leider investieren viele Leute immer noch so, dass sie ihr Geld einen
> Fremden geben und sagen: "Hier mach mal bitte mehr draus." Das werde ich
> nie verstehen, ein Investment ist in erster Linie eine Unterstützung für
> ein Unternehmen, dessen Idee man unterstützen möchte. Natürlich sollte man
> nicht dauerhaft Verlust machen, aber dass man unbedingt dabei verdienen
> muss ist für mich nicht selbstverständlich.
Das ist richtig. Da reden wir aber von Großinvestoren und Unternehmen, die mit-entscheiden wollen. -
Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: mimimi 27.10.20 - 12:07
Was du beschreibst, nennt sich "Spende". Ich würde jedenfalls neben meinen eigenen Preferenzen nur in Dinge investieren, von denen ich glaube, dass die auch andere gut finden. Dabei ist man ja selbst keine Norm.
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Re: 30 Milliarden Euro Börsenwert
Autor: Stergro 27.10.20 - 15:17
mimimi schrieb:
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> Was du beschreibst, nennt sich "Spende". Ich würde jedenfalls neben meinen
> eigenen Preferenzen nur in Dinge investieren, von denen ich glaube, dass
> die auch andere gut finden. Dabei ist man ja selbst keine Norm.
Klar müssen die Unternehmen in die man investiert zukunftsfähig sein und einen Markt haben, nur imo nicht unbedingt wachsen und Gewinne ausschütten. Bei einer Spende verlierst Du Dein eingesetztes Kapital komplett und kannst es höchstens von der Steuer absetzen. Bei bewussten Investments veränderst Du Dinge mit viel geringeren Verlusten und stellenweisen sogar mit Gewinnen. Deswegen würde ich eine solche Investmentstrategie nicht als Spende bezeichnen, man investiert in eine andere Realität statt in einen höheren Kontostand, aber es bleibt ein Investment und kein Geschenk.



