1. Foren
  2. Kommentare
  3. Wirtschaft
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Onlinehandel: Geburtstagsstreik bei…

so viel elend!

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. so viel elend!

    Autor: jake 19.09.16 - 13:45

    38,75 stunden/pro woche bei über 10 euro/h, plus umfangreiche nebenleistungen - das sind wahrlich miserable arbeitsbedingungen! da lohnt sich wirklich jeder streiktag!

    ehrlich, jetzt?

  2. Re: so viel elend!

    Autor: Mithrandir 19.09.16 - 13:54

    Dazu ja auch noch die 30 Tage Urlaub - DAS ist wirklich ein Skandal!

    Die Bedingungen sich wirklich hundsmiserabel. Denke schon, dass das ein Fall für Amnesty International ist.

    </sarcasm>

  3. Re: so viel elend!

    Autor: DebugErr 19.09.16 - 16:25

    Hihi, ich habe bei den Nebenleistungen zuerst "Penisfonds" gelesen.

    Hihihihihihihihihihihihi!

  4. Re: so viel elend!

    Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 19.09.16 - 21:45

    jake schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > 38,75 stunden/pro woche bei über 10 euro/h, plus
    > umfangreiche nebenleistungen - das sind wahrlich
    > miserable arbeitsbedingungen! da lohnt sich wirklich
    > jeder streiktag!
    >
    > ehrlich, jetzt?

    Offen gestanden, habe ich zuerst auch gestutzt. Dann sind mir aber ein paar Dinge eingefallen, die man - ohne Gewähr auf Richtigkeit - eventuell berücksichtigen müsste:

    Was man so hört, liest und sieht, wird in den Niederlassungen im Akkord gepackt. Und 38,75 Stunden Akkordarbeit sind etwas ganz anderes als die selbe Arbeitszeit mit einer - sagen wir mal - weniger dichten und/oder flexiblen Belastungsstruktur.
    Außerdem bedeuten derart "krumme" Durchnittszahlen in aller Regel, dass einige Mitarbeiter an einigen Standorten weniger Stunden leisten dürfen, während andere tüchtig Mehrarbeit schrubben müssen.

    10,40 Euro/h liest sich viel für eine ungelernte Tätigkeit, ist aber immer noch viel zu wenig für eine Rente, von der man leben kann. Was Amazon jetzt am Stundenlohn einspart, muss später also wieder die Solidargemeinschaft abdrücken - also wir bzw. unsere Kinder.
    Und auch hier ist es wieder ein Mittelwert. Sprich, mancherorts erhalten einige Mitarbeiter mehr als das, andernorts erhalten jedoch Mitarbeiter auch deutlich weniger - mutmaßlich bis runter zum gesetzlichen Mindestlohn, der weder zum Leben ohne Aufstockung uns erst recht nicht für eine ordentliche Rente reicht.
    Weiterhin ist zu bedenken, dass es zwar eine ungelernte Tätigkeit, aber eben auch Knochenarbeit ist. Und meines Wissens wird die tatsächlich geleistete Arbeit vergütet, nicht die Befähigung für bestimmte Tätigkeiten.

    Was die Nebenleistungen angeht: Boni und Weihnachtsgelder scheinen nicht die Regel für alle Mitarbeiter zu sein, denn man streikt ja nicht für etwas, was man bereits bekommt.
    Mitarbeiteraktien sind nicht so sonderlich hilfreich bei einem Konzern, der immer noch regelmäßig rote Zahlen schreibt.
    Bei den Gratisversicherungen müsste man wissen, was da wo für wen versichert wird.
    Ein Pensionsfond an sich ist etwas Feines, sofern man genug Lohn erhält, um überhaupt etwas davon für den Fond abzwacken zu können - schließlich zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen in so einen Fond ein. Was will man denn von durchschnittlich 10,40 Euro/Stunde in einem Fond einzahlen, der dann auch eine wirksame Auszahlung erlaubt?
    Und Mitarbeiterrabatte kann man nur abrufen, wenn man auch etwas bei Amazon bestellt, also bei seinem Arbeitgeber für Umsatz sorgt. Wer davon den größeren Nutzen hat, liegt wohl auf der Hand.

    Wenn man Amazon und Verdi in einen Sack stecken und blind draufhauen würde, träfe man womöglich niemals den Falschen. Beide tragen vermutlich den Kampf als bzw. um ihr "Geschäftsmodell" auf dem Rücken der Arbeitnehmer aus und tun dabei so, als hätten sie nur deren Bestes im Sinn.

  5. Re: so viel elend!

    Autor: DragonHunter 20.09.16 - 00:08

    Der Held vom Erdbeerfeld schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was man so hört, liest und sieht, wird in den Niederlassungen im Akkord
    > gepackt. Und 38,75 Stunden Akkordarbeit sind etwas ganz anderes als die
    > selbe Arbeitszeit mit einer - sagen wir mal - weniger dichten und/oder
    > flexiblen Belastungsstruktur.

    Naja, Akkord is nochmal was anderes... Steh mal die 38,75 Stunden pro Woche an der Großfritteuse und kontrollier die vorbeikommenden Pommes... Das zählt als Akkord und da ist Amazon Picker noch abwechslungsreich gegen.

    > 10,40 Euro/h liest sich viel für eine ungelernte Tätigkeit, ist aber immer
    > noch viel zu wenig für eine Rente, von der man leben kann. Was Amazon jetzt
    > am Stundenlohn einspart, muss später also wieder die Solidargemeinschaft
    > abdrücken - also wir bzw. unsere Kinder.
    > Und auch hier ist es wieder ein Mittelwert. Sprich, mancherorts erhalten
    > einige Mitarbeiter mehr als das, andernorts erhalten jedoch Mitarbeiter
    > auch deutlich weniger - mutmaßlich bis runter zum gesetzlichen Mindestlohn,
    > der weder zum Leben ohne Aufstockung uns erst recht nicht für eine
    > ordentliche Rente reicht.

    Ja was ein elendes Leben is das nur mit hochgerechnet 1400¤ (berechnet bei Mindestlohn, 38,75 Stunden und 4,348 Wochen, bei 10,40¤ sinds schon 1750¤)... zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Wo bleibt da nur der staatliche Zuschuss?
    Sag mal, was erwartest du eigentlich von nem Job, wo man Kisten packt?
    Oder was definierst du eigentlich als Leben? Von 1400¤ leben meine Frau und ich, zusammen. Richtig, wir leben!... Wäre nach deinem Geschwafel ja nicht möglich.

    > Weiterhin ist zu bedenken, dass es zwar eine ungelernte Tätigkeit, aber
    > eben auch Knochenarbeit ist. Und meines Wissens wird die tatsächlich
    > geleistete Arbeit vergütet, nicht die Befähigung für bestimmte
    > Tätigkeiten.
    >
    Öhm, ja... So läuft das... Du wirst bezahlt für das was du leistest... Wenn du schreinern kannst, wird Amazon dich dafür nicht bezahlen... völlig logisch, tust du ja nicht... *kopf kratz*

    > Und Mitarbeiterrabatte kann man nur abrufen, wenn man auch etwas bei Amazon
    > bestellt, also bei seinem Arbeitgeber für Umsatz sorgt. Wer davon den
    > größeren Nutzen hat, liegt wohl auf der Hand.
    Mitarbeiterrabatte sind Standard im Einzelhandel... Aber mal ganz ab davon, wem es mehr nützt. 30% auf den neuen LED-TV nimmt man gerne mit... Nutzt mir auch, mit meinem Lohn, von dem man nicht leben kann. ;-)
    >
    > Wenn man Amazon und Verdi in einen Sack stecken und blind draufhauen würde,
    > träfe man womöglich niemals den Falschen. Beide tragen vermutlich den Kampf
    > als bzw. um ihr "Geschäftsmodell" auf dem Rücken der Arbeitnehmer aus und
    > tun dabei so, als hätten sie nur deren Bestes im Sinn.
    Also so wie ich das lese, ist Amazon nicht mal annähernd so schlimm, wie verdi glauben machen will. Zalando so schlimmer sein und zahlreiche andere Lager auch. Mit den Boni ist Amazon so schlecht gar nicht. Man zerrt das Unternehmen nur in die Öffentlichkeit, wenn was schief läuft... wen juckt es schon, wenn Lagerfirma XY Mist baut, kennen doch 99% gar nicht. Das ist reines Exempel statuieren, nur dass Amazon sich wehrt und nicht vor so nem Clowns-Verein namens verdi einfach einknickt. Fehler wurden schon behoben, aber was verdi fordert ist Irrsinn.

  6. Re: so viel elend!

    Autor: Palerider 20.09.16 - 10:08

    > Was man so hört, liest und sieht, wird in den Niederlassungen im Akkord
    > gepackt. Und 38,75 Stunden Akkordarbeit sind etwas ganz anderes als die
    > selbe Arbeitszeit mit einer - sagen wir mal - weniger dichten und/oder
    > flexiblen Belastungsstruktur.
    > Außerdem bedeuten derart "krumme" Durchnittszahlen in aller Regel, dass
    > einige Mitarbeiter an einigen Standorten weniger Stunden leisten dürfen,
    > während andere tüchtig Mehrarbeit schrubben müssen.
    >
    Glaube kaum, dass es Akkordarbeit ist. Das würde bedeuten dass sie beim Erreichen bestimmter Stückzahlen nochmal extra Geld bekommen würden - das wäre mir neu.

  7. Re: so viel elend!

    Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 21.09.16 - 19:33

    DragonHunter schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Naja, Akkord is nochmal was anderes... Steh mal die
    > 38,75 Stunden pro Woche an der Großfritteuse und
    > kontrollier die vorbeikommenden Pommes... Das
    > zählt als Akkord und da ist Amazon Picker noch
    > abwechslungsreich gegen.

    Es gibt *immer* einen noch härteren Job der womöglich noch schlechter vergütet wird. Meine Frage wäre: Würdest du ohne Murren und Knurren Fliegen fressen, nur weil andere Leute Scheiße fressen müssen, oder würdest du trotzdem versuchen, was Besseres zu bekommen?

    > Ja was ein elendes Leben is das nur mit hochgerechnet 1400¤ (berechnet bei
    > Mindestlohn, 38,75 Stunden und 4,348 Wochen, bei 10,40¤ sinds schon
    > 1750¤)... zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Wo bleibt da nur der
    > staatliche Zuschuss?

    Wenn du als Single einen Job zu diesen Konditionen von deinem 18. bis zum 65. Lebensjahr ausübst, erwirbst du pro Jahr einen halben Entgeltpunkt. Den multiplizierst du mit der Zahl der Erwerbsjahre (also 47) dem aktuellen Rentenwert von 30,45 Euro für Westdeutschland und 28,66 für Ostdeutschland.
    Daraus ergibt macht bestenfalls eine staatliche Rente von 716 Euro. Wie du davon dein Auskommen im Alter ohne weitere Stütze bestreiten willst, müsstest du mir erklären.

    Natürlich kann man auch privat vorsorgen. Bei 1000 Euro netto kann man abzüglich seiner Fixkosten und bei sehr spartanischer Lebensführung sicherlich eine stolze private Altersvorsorge abschließen - bei einem Höchstrechnungszins von derzeit 1,25% und ab Januar 2017 von 0,9% (und weiter sinkend) fällt diese auch todsicher sehr lukrativ aus. Und wer auch bei geringem Einkommen ein Luxus-Rentner werden will, kann ja immer noch mit Aktien handeln ... Wer Sarkasmus findet, darf ihn behalten. ;-)

    > Sag mal, was erwartest du eigentlich von nem Job,
    > wo man Kisten packt? Oder was definierst du eigentlich
    > als Leben? Von 1400¤ leben meine Frau und ich,
    > zusammen. Richtig, wir leben!... Wäre nach deinem
    > Geschwafel ja nicht möglich.

    Wenn ihr jetzt noch mit diesem Betrag auskommt, ohne Transferleistungen zu benötigen, habt ihr zwar meinen aufrichtigen Respekt - aber das ändert nichts daran, dass ihr nicht ewig jung bleibt und Transferleistungen in Anspruch nehmen müsst, sobald ihr nicht mehr arbeiten könnt (bzw. nicht mehr malochen wollt) und lediglich eure kümmerliche Rente bezieht. Ja, auch dann, wenn ihr wider Erwarten bis zu eurem Ableben kerngesund und mobil bleibt, also keine Pflege benötigt.

    Übrigens hilft auch eine bessere Ausbildung nicht zwingend, denn selbst wenn jetzt *alle* Bürger Fachkräfte wären, gäbe es immer noch nicht genug Jobs für so viele Fachkräfte und immer noch viele Jobs, für die niemand als Fachkraft bezahlt wird, selbst wenn er eine wäre. Sprich, auch als Professor bekommst du nicht unbedingt eine Professorenstelle und wenn du als Professor für dein täglich Brot bei Amazon arbeiten musst, wirst du trotzdem genauso bezahlt wie der Hauptschulabbrecher neben dir.

    > Also so wie ich das lese, ist Amazon nicht mal annähernd
    > so schlimm, wie verdi glauben machen will.

    Das sowieso. Es ist allerdings ein Merkmal jedes Konflikts (also auch des Arbeitskampfes), dass man den Gegner möglichst schlecht macht. Das ist nicht schön, aber es ist auch nicht schön, dass man in Deutschland mit mancher Niedriglohn-Vollzeitstelle zwar für den Augenblick über die Runden kommen kann, aber perspektivisch trotzdem gelackmeiert ist. Das wiederum ist nicht Amazons alleinige Schuld, denn die sind nur einer von vielen Konzernen, die von den Missständen profitieren. Aber wenn man etwas bei einem großen Branchenvertreter durchsetzt, zieht sich das normalerweise durch die komplette Branche.

    Dass die Pfeifen von Verdi das aus verschiedenen Gründen nicht schaffen können, steht wieder auf einem anderen Blatt. Nichtsdestotrotz ist deren grundsätzliches Vorgehen das Übliche: Zuerst wird immer das Unmögliche gefordert, damit man sich auf das Realistische herunter handeln lassen kann. Gleich zu Beginn das Realistische zu fordern würde den Verhandlungsspielraum einschränken.

  8. Re: so viel elend!

    Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 21.09.16 - 19:50

    Palerider schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Glaube kaum, dass es Akkordarbeit ist. Das würde
    > bedeuten dass sie beim Erreichen bestimmter
    > Stückzahlen nochmal extra Geld bekommen würden -
    > das wäre mir neu.

    Zum einen kann man natürlich das Ziel auch so hoch ansetzen, dass es gar nicht überschreitbar ist und zum anderen sollte man sich natürlich fragen, wofür es denn wohl die angesprochenen Boni gibt?

    Aber gut, was ich meinte war auch eher: Es ist eine körperlich und nervlich belastende Tätigkeit, die man nur ausüben kann, solange man körperlich fit und nervlich belastbar ist und die *dafür* nicht optimal vergütet wird. Man würde nicht für etwaige besondere (und überflüssige) Kompetenzen, sondern für (tatsächlich existierende) Arbeitsbelastung bezahlt. Man wird diese Tätigkeit ja im Regelfall auch nicht bis zum Erreichen des Rentenalters und erst recht nicht vom Berufseinstieg bis zum Erreichen des Rentenalters ausüben können (Das gilt auch für zahllose andere Tätigkeiten, die stehen jedoch hier nicht zur Debatte ...).

    Ebenso sicher ist aber, dass die Arbeit von irgend jemanden gemacht werden muss. Und dieser jemand muss auch davon leben können, unabhängig davon, ob er von seiner Ausbildung her nur zu dieser Art von Tätigkeit befähigt ist oder trotz einer besseren Ausbildung in dieser Art von Tätigkeit gelandet ist. Und auch ganz und gar unabhängig davon, ob es anderswo noch schlimmer ist, ob Amazon als prominenter Branchenvertreter ein wenig zu oft in den Fokus gerückt wird oder ob man als Mitarbeiter bei Amazon billiger einkaufen kann - das hilft nämlich den Mitarbeitern bereits jetzt nicht, im Alter schon gar nicht und der zwingend eingespannten Solidargemeinschaft erst recht nicht.

  9. Re: so viel elend!

    Autor: Rheanx 22.09.16 - 12:56

    Ähm, einiges muss ich hier mal richtig stellen! Die 10 Euro sind der Grundlohn im ersten Berufsjahr und den gibt es an ostdeutschen Standorten. An westdeutschen Standorten ist der Grundlohn höher. Nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit gibt es eine Lohnerhöhung und nach zwei Jahren noch einmal. Mehr Erfahrung, mehr Lohn! Auf den Grundlohn kommt noch eine Leistungsprämie von bis zu 12% drauf und natürlich zahlt amazon auch Überstunden- bzw Nachtschichtzuschläge. Brutto hat man so 2000 plus x im Monat. Nicht viel aber auch kein Hungerlohn, wie ver.di immer behauptet. Auch gibt es im Herbst eines jeden Jahres eine allgemeine Lohnerhöhung! Neben diversen Vergünstigungen (kostenlose Getränke, bezuschusstes Jobticket, Mitarbeiterrabatt etc), legt amazon bei der betriebl. AV noch mal 100% drauf und alle Mitarbeiter sind kostenlos versichert (Todesfall, Erwerbsunfähigkeit). Zu den Aktien... 2006, als die ersten Aktienpakete an die Mitarbeiter hier ausgegeben wurden, lag der Kurs bei 27 Euro. Heute steht der Kurs bei 705 Euro!!! Wer noch alle Aktien hat, ist um viele 10000 Euro reicher! Sooo schlecht ist es bei amazon also nicht! Zu ver.di... die nimmt hier kaum noch jemand Ernst! Die Zahlen, die ver.di angibt, sind geschönt. Neben den normalen Streikenden zählt man auch ver.di Mitglieder hinzu, die Krank sind oder im Urlaub oder ihren freien Tag haben. Die könnten ja theoretisch auch streiken. ;-) Und 400 klingt in den Medien besser, als 200 oder 250. Zu den Arbeitsbedingungen... ja es ist ein Knochenjob aber in anderen Berufen (Altenpflege, Bau etc) ist die Belastung auch hoch!

  10. Re: so viel elend!

    Autor: Der Held vom Erdbeerfeld 22.09.16 - 20:39

    Rheanx schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ähm, einiges muss ich hier mal richtig stellen! Die 10
    > Euro sind der Grundlohn im ersten Berufsjahr und den
    > gibt es an ostdeutschen Standorten. An westdeutschen
    > Standorten ist der Grundlohn höher. Nach einem Jahr
    > Betriebszugehörigkeit gibt es eine Lohnerhöhung und
    > nach zwei Jahren noch einmal.

    Danke für die Infos; leider gibt es ja nur selten jemanden, der Inneneinsichten hat und diese auch teilt.

    Wie viel betragen die gesamten Lohnerhöhungen nach besagten drei Jahren? Derzeit wird ja ein Stundenlohn von 11,68 Euro/Stunde veranschlagt, damit man im Alter wenigstens die Grenze der Grundsicherung erreicht - wenn die meisten Mitarbeiter bei Amazon signifikant darüber kämen, wäre einer der Kritikpunkt haltlos, denn drei Jahre mit geringerem Lohn und somit geringerer Rentenanwartschaft kann man problemlos privat überbrücken.
    (Das setzt natürlich auch voraus, dass es auch zukünftig zeitnahe und realistische Lohnanpassungen gibt, aber das geht hier zu weit und wir behandeln ja den Ist-Zustand.)

    Mich würde auch interessieren, wie hoch die Fluktuation ist; sprich, wie viele Mitarbeiter lange genug dabei sein können, um in den Genuss der Lohnerhöhungen zu kommen. Wenn Mitarbeiter von sich aus gehen, ist das natürlich deren Entscheidung, aber wenn beispielsweise systematisch Verträge nicht verlängert würden, wären so ein Staffellohn Augenwischerei.

    > Zu ver.di... die nimmt hier kaum noch jemand Ernst!

    Ich wage zu behaupten, diese Gewerkschaft nimmt *niemand* mehr so recht ernst.
    Mich stört allerdings der immer wieder auftauchende und grob fehlerhafte Gedankengang "Verdi ist doof, also muss Amazon automatisch gut sein". Eine mittelmäßige Interessenvertretung bedeute ja nicht zwangsläufig, dass es keine Interessen zu vertreten gäbe.

    Realistisch betrachtet vermute ich ganz stark, dass die Wahrheit wie so oft dazwischen liegt: Unter bestimmten Umständen haben manche (eventuell sogar die meisten) Mitarbeiter an bestimmten (eventuell sogar den meisten) Standorten einen guten Arbeitsplatz, gemessen daran, dass man dafür keinerlei vorangegangene Ausbildung benötigt. Wo die Bedingungen nicht zutreffen, weil beispielsweise ein Standortbetreiber einfach mal nichts taugt, werden Mitarbeiter schnell unzufrieden - und diese Unzufriedenheit nimmt sogar noch zu, wenn sie wissen, dass es andernorts deutlich besser aussieht. Die Schuld sucht man dann beim Konzern, weil dieser solche Diskrepanzen zulässt. Für Gewerkschaftler, die sich profilieren wollen, ist das ein gefundenes Fressen.

  11. Re: so viel elend!

    Autor: Rheanx 23.09.16 - 13:32

    Hallo,

    im ersten Berufsjahr gibt es 10Euro, im zweiten Jahr 10,97Euro und ab dem dritten Jahr 11,61Euro. An den westdeutschen Standorten zahlt man ab dem dritten Jahr über 12 Euro. Und wie gesagt, das ist nur der Grundlohn und da kommt noch eine Leistungsprämie drauf, die im Monatsdurchschnitt 6% beträgt, so dass man auch auf einen Stundenlohn von 12Euro plus x kommt.

    Letztes Jahr gab es eine Lohnerhöhung von 2,6% und auch dieses Jahr rechnen wir mit 2,x%.

    Was die (zukünftige) Rente betrifft... da kann man amazon nicht die Schuld geben. Schuld hat die Bundesregierung, die das Rentenniveau in den nächsten Jahren stark absenkt. Ja und wie im anderen Beitrag schon geschreiben...amazon legt bei der betriebl. AV 100% drauf und es gibt Mitarbeiteraktien. Wenn man die bis zur Rente liegen lässt, dann kommt da auch ein ordentliches Sümmchen zusammen.

    Wie hoch die Fluktuation ist, weiß ich nicht aber am hiesigen Standort haben von den rund 2000 Mitarbeitern rund 90% einen Festvertrag und rund 10% sind befristet. Es ist also keineswegs so, dass bei amazon nur befristete arbeiten.

    Leiharbeiter... bekommen, so fern man sie benötigt, übrigens auch 10Euro die Stunde + Leistungsprämie. Die sind den Berufsanfängern im ersten Jahr gleichgestellt.

    Ver.di... da muss man wissen, dass ver.di seinen eigenen Mitarbeitern einen Tarifvertrag vorenthält aber von amazon einen fordert! ;-) Ansonsten ist vieles bei ver.di und den Streiks hier reine PR. Von den 11000 amazon-Mitarbeitern in D streiken max. 1500...2000. An einem Streiktag wird das Volumen halt nach Polen verschoben und glaub mir, die haben dort Reserven ohne Ende! Ver.di weiß das übrigens auch und deshalb wird es hier in D auch nie einen Tarifvertrag geben. Ver.di hat sich schlicht in eine Sackgasse manövriert und kapituliert man bei amazon, nimmt kein anderes Unternehmen ver.di mehr ernst.
    Laut ver.di sind rund 40% der amazon-Mitarbeiter in der Gewerkschaft und die würden dann wohl austreten. Da würde ver.di auch Unsummen an Beitragszahlungen durch die Lappen gehen. Also streikt man immer mal wieder pro forma.

    Noch eine Geschichte aus dem letzten Weihnachtsgeschäft... amazon weiß, dass ver.di jedes Jahr zu Weihnachten streikt. Also hatte man im letzten Jahr allen Mitarbeitern, die die 2 Wochen vor Weihnachten durcharbeiten, 200Euro Extra-Prämie zugesagt! Ver.di hatte nun (berechtigte) Angst, dass nun kaum einer streiken wollte und hat jedem, der in den 2 Wochen vor Weihnachten streikt, ebenfalls 200Euro (Streik)Prämie versprochen!

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Stellenmarkt
  1. ADAC IT Service GmbH, München
  2. Polizeipräsidium Oberfranken, Bamberg, Hof, Coburg
  3. Universität Passau, Passau
  4. BruderhausDiakonie - Stiftung Gustav Werner und Haus am Berg, Reutlingen

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. 555,55€ (zzgl. Versandkosten)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Mobile-Games-Auslese: Märchen-Diablo für Mobile-Geräte
Mobile-Games-Auslese
Märchen-Diablo für Mobile-Geräte

"Einarmiger Schmied" als Klasse? Diablo bietet das nicht - das wunderschöne Yaga schon. Auch sonst finden sich in der neuen Mobile-Games-Auslese viele spannende und originelle Perlen.
Von Rainer Sigl

  1. Mobile-Games-Auslese Fantasypixel und Verkehrsplanung für unterwegs
  2. Mobile-Games-Auslese Superheld und Schlapphutträger zu Besuch im Smartphone
  3. Mobile-Games-Auslese Verdrehte Räume und verrückte Zombies für unterwegs

Geforce GTX 1650 Super im Test: Kleine Super-Karte hat große Konkurrenz
Geforce GTX 1650 Super im Test
Kleine Super-Karte hat große Konkurrenz

Mit der Geforce GTX 1650 Super positioniert Nvidia ein weiteres Modell für unter 200 Euro. Dort trifft die Turing-Grafikkarte allerdings auf AMDs Radeon RX 580, die zwar ziemlich alt und stromhungrig, aber immer noch schnell ist. Zudem erscheint bald die sparsame Radeon RX 5500 als Nachfolger.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Nvidia-Grafikkarte Geforce GTX 1650 Super erscheint Ende November
  2. Geforce GTX 1660 Super im Test Nvidias 250-Euro-Grafikkarte macht es AMD schwer
  3. Geforce-Treiber 436.02 Integer-Scaling macht Pixel-Art hübscher

Macbook Pro 16 Zoll im Test: Ein Schritt zurück sind zwei Schritte nach vorn
Macbook Pro 16 Zoll im Test
Ein Schritt zurück sind zwei Schritte nach vorn

Keine Butterfly-Tastatur mehr, eine physische Escape-Taste, dünnere Displayränder: Es scheint, als habe Apple beim Macbook Pro 16 doch auf das Feedback der Nutzer gehört und ist einen Schritt zurückgegangen. Golem.de hat sich angeschaut, ob sich die Änderungen auch lohnen.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Audioprobleme Knackgeräusche beim neuen Macbook Pro 16 Zoll
  2. iFixit Kleber und Nieten im neuen Macbook Pro 16 Zoll
  3. Macbook Pro Apple gibt fehlerhafte Butterfly-Tastatur auf

  1. Bundeskartellamt: Telekom und Ewe dürfen zusammen Glasfaser ausbauen
    Bundeskartellamt
    Telekom und Ewe dürfen zusammen Glasfaser ausbauen

    Mit hohen Auflagen hat das Bundeskartellamt wesentliche Teile der Glasfaser-Kooperation zwischen Telekom und Ewe genehmigt. Die Partner haben sich noch nicht dazu geäußert.

  2. Cloud Gaming: Stadia hat neue Funktionen und ein Spiel mehr
    Cloud Gaming
    Stadia hat neue Funktionen und ein Spiel mehr

    Nutzer des Spielestreamingdienstes Stadia können über das Gamepad auch den Google Assistant verwenden - allerdings mit Einschränkungen. Außerdem gibt es mit Darksiders Genesis erstmals ein neues Spiel auf der Plattform.

  3. IT-Jobs: Bayer lagert fast 1.000 IT-Experten aus
    IT-Jobs
    Bayer lagert fast 1.000 IT-Experten aus

    Bayer trennt sich von vielen IT-Experten, die zu Atos, Capgemini, Cognizant und Tata Consultancy Services wechseln müssen. Es sei kein einfacher Schritt, sich von so vielen Mitarbeitern zu trennen, sagte der Chief Information Officer bei Bayer.


  1. 16:40

  2. 16:12

  3. 15:50

  4. 15:28

  5. 15:11

  6. 14:45

  7. 14:29

  8. 14:13