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Guter Artikel ...

Neue Foren im Freiraum! Raumfahrt und freie Software haben jetzt einen Platz, die Games tummeln sich jetzt alle in einem Forum.
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  1. Guter Artikel ...

    Autor: Coffee 01.01.11 - 17:58

    ... und eine interessante Zusammenfassung der Herausforderungen denen sich freie (Freedom, not Beer) Software heute ausgesetzt sieht. Viele bezeichnen die Machenschaften von Google, Oracle und anderen Unternehmen als "Anti-OpenSource". Aber das ist meiner Meinung nach eine Vernebelung des zugrunde liegenden Problems, denn "Anti-OpenSource" bedeutet lediglich, dass ein Unternehmen proprietäre, ClosedSource Software bevorzugt, deshalb nur solche Software entwickelt und diese mit einer restriktiven EULA vermarktet.

    Was Google, Oracle und viele andere seit langem betreiben geht aber weit darüber hinaus. Diese Unternehmen wollen sich an den zig-millionen Stunden unbezahlter Arbeit bereichern, die in freier, OpenSource Software stecken, denn für profitorientierte Unternehmen ist komplett unbezahlte Arbeit selbstverständlich attraktiver als Arbeit für die Hungerlöhne (wie z.B. in Bangalore) oder gar angemessene Löhne (wie in U.S. oder Europa) bezahlt werden müssen. Zur Zeit verhindert die GPL noch die totale Aneignung freier, OpenSource Software durch private Unternehmen. Wie lange dieser Schutz aber bestehen bleibt ist die grosse Frage, denn die GPL ist seit ihrer Entstehung 1989 heftigen Angriffen aus Industrie und Politik ausgesetzt und wird oft von führenden Bonzen (Steve Ballmer) als "Krebs", "kommunistisch" oder "unamerikanisch" bezeichnet, weil das zentrale Motiv des "American way" selbstverständlich der Profit und nicht Offenheit oder Freiheit ist. Mich würde es deshalb nicht übrraschen, wenn es irgendwann auf Betreiben eines einzelnen Abgeordneten (und der dahinter stehenden Industrie Lobby) eine Private Members Bill im Kongress gäbe, mit dem Ziel die GPL zu verwässern oder gar ganz für illegal zu erklären, weil sie amerikanischen Businessinteressen schadet. Wer diese Möglichkeit bezweifelt sei daran erinnert, dass bis vor wenigen Jahren auch niemandem eingefallen wäre, dass die Netzneutralität einmal zur Debatte stehen könnte. Aber wie's heute aussieht, ist es mit der Netzneutralität in U.S. bald vorbei, falls nicht ein Wunder geschieht. Der GPL könnte es ähnlich ergehen. Solche Dinge passieren in Amerika am laufenden Band ...

    Das war's, was Marx mit "ursprünglicher Akkumulation" meinte ... hau jemandem einen Knüppel auf den Kopf und übernehme dessen Eigentum (zig-millionen unbezahlter Arbeitsstunden). Was sich für viele wie ein Räubermärchen anhört, ist in Wirklichkeit der ganz alltägliche Kapitalismus.

  2. Re: Guter Artikel ...

    Autor: cbmuser 02.01.11 - 15:29

    Naja, ich glaube, du bist ein bischen zu pessimistisch und verzerrst auch die Fakten.

    Es ist mitnichten so, dass Google sich durch kostenlose Arbeit der Community bereichert. Es ist vielmehr so, dass die meisten FOSS-Entwickler bei Firmen wie Google und Intel angestellt sind und dafuer bezahlt werden, dass sie die Entwicklung von Kernel und Co vorantreiben. Viele dieser Projekte kann man als Hobby-Entwickler gar nicht stemmen. Nur weil eine Software frei ist, heisst das noch lange nicht, dass die dort hineingesteckte Arbeitszeit kostenlos war. Schau dir einfach mal an, woher die meisten Commits im git des Linux-Kernel stammen. Es gibt ausserdem auch einen schoenen Vortrag von Kroah-Hartmann dazu. Zu den Top-Beitraegern zaehlen Firmen wie Google, IBM, Samsung, Fujitsu und gar Microsoft.

    Im uebrigen gibt Google sehr viel an die Community zurueck, eigentlich mehr als jedes andere Unternehmen. Projekte wie Chromium und Android zeigen sehr schoen, wie das funktioniert. Ausserdem sponsort Google jedes Jahr den GSoC, ich habe bisher noch keine andere Firma gesehen, die das in diesem grossen Massstab durchzieht.

    In meinen Augen steht freie Software sehr viel besser da als nie zuvor. Wenn man sich heute ein aktuelles Debian installiert, dann bekommt man so unglaublich viele Software, dass man damit den noch so exotischsten Anwendungsfall erschlaegt. Debian ist wirklich universell.

    Ich haette mir z.B. vor 10 Jahren, als ich das erste mal wine ausgetestet habe, nie zu traeumen gewagt, dass man damit mal aktuelle Windows-Spiele zocken kann. Oder das LibreOffice tatsaechlich trotz aller Unkenrufe ein ernstzunehmender Konkurrent wird. Oder dass ffmpeg/VLC/mplayer jedes noch so absurde Format/Codec abspielen kann (selbst ATRAC1 geht inzwischen).

    Ich sehe die Zukunft von freier Software mehr als rosig, ich mache mir da ehrlich gesagt mehr Sorgen um Microsoft und Windows, wo es seit Jahren an richtigen Innovationen mangelt und wenn mal grosse Spruenge wie WinFS oder ein neuer Kernel angekuendigt werden, dann verschwindet das meistens wieder in der Schublade. Und das, obwohl ein Neuanfang mal dringend notwendig waere.

    Adrian

  3. Re: Guter Artikel ...

    Autor: Klaus5 02.01.11 - 15:47

    > Was Google, Oracle und viele andere seit langem betreiben geht aber weit
    > darüber hinaus. Diese Unternehmen wollen sich an den zig-millionen Stunden
    > unbezahlter Arbeit bereichern, die in freier, OpenSource Software stecken,

    Falsch, denn Google und andere bezahlen ihrerseits Entwickler auch um freie Software zu entwickeln.

    > denn für profitorientierte Unternehmen ist komplett unbezahlte Arbeit
    > selbstverständlich attraktiver als Arbeit für die Hungerlöhne (wie z.B. in
    > Bangalore) oder gar angemessene Löhne (wie in U.S. oder Europa) bezahlt
    > werden müssen. Zur Zeit verhindert die GPL noch die totale Aneignung
    > freier, OpenSource Software durch private Unternehmen.

    Quatsch, alle diese UNternehmen halte Lizenzen ein egal ob GPL oder was auch immer.
    WEnn ich z.B. will das mein Code durch andere beliebig genutzt (Du würdest wahrscheinlichz 'ausgebeutet' sagen) wird wähle ich z.B. BSD oder wennn ich mehr SChutz will die LGPL oder GPL, das ist auch schon alles.

    > Wie lange dieser
    > Schutz aber bestehen bleibt ist die grosse Frage, denn die GPL ist seit
    > ihrer Entstehung 1989 heftigen Angriffen aus Industrie und Politik
    > ausgesetzt und wird oft von führenden Bonzen (Steve Ballmer) als "Krebs",
    > "kommunistisch" oder "unamerikanisch" bezeichnet,

    Das sind ganz alte Kamellen, MS ist dort längst weiter, veröffentlicht längst selbst OPenSource und verfolgt eine eigene OSS-Strategie (dazu gibt es sogar ein langes Strategie-Papier)

    > weil das zentrale Motiv
    > des "American way" selbstverständlich der Profit

    UNd Profit geht mit freier Software wundeerbar, selbst das GNU-Projekt schreibt dazu:

    "Da Freie Software keine Frage des Preises ist, ist ein geringer Preis nicht freier oder näher dran, frei zu sein. Deswegen, wenn Sie Kopien Freier Software vertreiben, können Sie genauso gut einen beachtlichen Preis verlangen und damit Geld verdienen. Freie Software zu vertreiben ist etwas Gutes und legitimes; wenn Sie es tun, dürfen Sie damit also auch Profit machen."


    und nicht Offenheit oder
    > Freiheit ist. Mich würde es deshalb nicht übrraschen, wenn es irgendwann
    > auf Betreiben eines einzelnen Abgeordneten (und der dahinter stehenden
    > Industrie Lobby) eine Private Members Bill im Kongress gäbe, mit dem Ziel
    > die GPL zu verwässern oder gar ganz für illegal zu erklären, weil sie
    > amerikanischen Businessinteressen schadet.

    Das wird, wie bereits schon einmal geschrieben, nicht passieren da es hier um Vertragsrecht geht und das ist in den USA nahezu heilig

    > Wer diese Möglichkeit bezweifelt
    > sei daran erinnert, dass bis vor wenigen Jahren auch niemandem eingefallen
    > wäre, dass die Netzneutralität einmal zur Debatte stehen könnte.

    Und hier gehts nicht um Vertragsrecht, denn es gab hierbeiu garkeine vertragliche Absicherung.

    > Der GPL könnte es ähnlich ergehen.

    Nein, weil die REchtslage ganz anders ist.

    > Das war's, was Marx mit "ursprünglicher Akkumulation" meinte ... hau
    > jemandem einen Knüppel auf den Kopf und übernehme dessen Eigentum
    > (zig-millionen unbezahlter Arbeitsstunden).

    Nein, damit meint Marx etwas VÖLLIG Anderes, lies es doch selbst bei Wikipedia nach:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Urspr%C3%BCngliche_Akkumulation

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