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Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

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  1. Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: notuf 05.05.21 - 19:24

    Dieses Gesetz ist so entwürdigend und 1890 stehen geblieben, dass ich nur kotzen kann. Als wäre man als Angestellter Leibeigener. Das ganze System ist extrem bevormundent. Wer krank ist braucht ein Entschuldigungsschreiben vom Arzt, der Arbeitgeber bestätigt Gründe für Kündigung dem Arbeitsamt extrem einseitig...

    Ich bin ja extrem froh in der IT zu arbeiten wo derlei Regeln (wenn auch freiwillig) keine Anwendung haben und die Angestellten wie selbstverantwortliche Erwachsene behandelt werden. Aber auch das ist extrem fragil und vom Wohlwollen der AG abhängig.

    Schon dieses Wort: Arbeitgeber und Nehmer. Da kann man nur den Kopf schütteln. Deutschland, das Land der Hierarchie und Bevormundung.

  2. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: Oktavian 05.05.21 - 19:39

    > Dieses Gesetz ist so entwürdigend und 1890 stehen geblieben, dass ich nur
    > kotzen kann. Als wäre man als Angestellter Leibeigener.

    Man hat jederzeit das Recht zu kündigen. Das ist einer der beiden wichtigen Unterschiede zu Leibeigenen: Man wird bezahlt und man kann jederzeit gehen.

    > Das ganze System ist extrem bevormundent.

    Ein Gesetz, in dem stünde "es wäre total nett, wenn ihr Euch alle lieb habt und das im Stuhlkreis ausdiskutiert" stelle ich mir in der Anwendung etwas schwierig vor. Einer muss am Ende entscheiden, und das kann schwerlich der Arbeitnehmer sein. Und auch hier, wenn es einem nicht passt, hat man die Freiheit zu gehen. Wirklich zu Anwendung kommen solche Gesetze ja eh nur, wenn man sich anderweitig nicht einigen kann.

    > Wer krank ist braucht ein Entschuldigungsschreiben
    > vom Arzt,

    Richtig, dafür zahlt der Arbeitgeber aber den Lohn einfach weiter, obwohl man gar nicht arbeitet, und das bei uns für bis zu sechs Wochen per Gesetz. Ich finde das ziemlich toll, das ist nicht überall so. In vielen Ländern nimmt man an Krankheitstagen Urlaub. Der Arzt kann einen auch krankschreiben, aber dann gibt es kein Geld.

    > Ich bin ja extrem froh in der IT zu arbeiten wo derlei Regeln (wenn auch
    > freiwillig) keine Anwendung haben und die Angestellten wie
    > selbstverantwortliche Erwachsene behandelt werden. Aber auch das ist extrem
    > fragil und vom Wohlwollen der AG abhängig.

    Ja und auch vom "Nichtausnutzen" der AN. Wir haben auch weitgehende Freiheit, wo man arbeitet, wie, wie lange, usw. Unser AG vertraut uns, er behandelt uns wie Erwachsene. Das funktioniert aber auch nur so lange, wie wir uns wie Erwachsene benehmen und dieses Vertrauen nicht missbrauchen. Es ist ein Geben und Nehmen.

    Und dazu gehört eben auch, dass mein AN mir sagt "Hör mal, ich brauch Dich ab Montag für ein Jahr bis Mo bis Do in AnderesEndeDerRepublik". Ich kann die Gründe nachvollziehen und er hat mir das im Bewerbungsgespräch auch ganz offen gesagt. Solche Umstände sind "eingepreist" im Lohn. Genauso geht es den meisten, die im Büro arbeiten. Es ist Default, dass man Mo bis Fr im Büro sitzt. Wer davon abweichen will, soll das klären. Man kann ja was anderes vereinbaren, aber dann muss man reden und es aufschreiben.

    > Schon dieses Wort: Arbeitgeber und Nehmer. Da kann man nur den Kopf
    > schütteln. Deutschland, das Land der Hierarchie und Bevormundung.

    Welche alternativen Bezeichnungen schweben Dir vor?

    Ich finde diese beiden Wörter sehr neutral. Da finde ich "Dienstherr" deutlich hierarchischer.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 05.05.21 19:50 durch Oktavian.

  3. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: notuf 05.05.21 - 19:47

    Das Recht zu kündigen... Ja hat man. Inkl der dreimonatigen Sperre. Egal aus welchen Gründen man kündigt. Auch was du schriebst, dass der AG euch vertraut. Ich vertraue auch meinen Kindern. Das ist dann aber nie auf Augenhöhe. Nur hast du dich schon daran gewöhnt. Stockholm kommt mir da in den Sinn - wenn es auch nicht wirklich passt.

  4. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: Oktavian 05.05.21 - 20:00

    > Das Recht zu kündigen... Ja hat man. Inkl der dreimonatigen Sperre. Egal
    > aus welchen Gründen man kündigt.

    Ähh, nein. Eine vernünftig und nachvollziehbar begründete Kündigung führt nicht zur Sperre. Hat meine Schwägerin schon geschafft. Und glaub mir, wenn die das schafft, kann es nicht so schwer sein...

    > Auch was du schriebst, dass der AG euch
    > vertraut. Ich vertraue auch meinen Kindern. Das ist dann aber nie auf
    > Augenhöhe.

    Ach siehst du, das ist doch anders herum nicht anders. Ich vertraue meinem Arbeitgeber, dass er mir den Lohn regelmäßig und korrekt zahlt. Und trotzdem schaue ich auf die Lohnabrechnung und die Reisekostenerstattung.

    Was stellst Du Dir denn vor? Dir steht es natürlich frei, ein Unternehmen zu gründen, in dem die Angestellten einfach alle lieb zueinander sind, sich eigene Regeln machen, die niemand kontrolliert, alles im Stuhlkreis ausdiskutieren und jede Entscheidung einstimmig von der Gesamtbelegschaft getroffen wird.

    Ich hab tatsächlich mal ein Unternehmen gesehen, das so funktionierte, oder halt auch nicht funktionierte. Die meisten guten MA haben irgendwann entnervt aufgegeben, weil immer das gemacht wurde, was die Streithähne wollten. Der Klügere gibt halt doch irgendwann nach.

  5. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: notuf 05.05.21 - 20:20

    Du erwähnst relativ häufig Stuhlkreise und den starken väterlichen AG. Ich denke du scheinst so etwas nötig zu haben (ist nicht wertend gemeint). Deine Totschlagargumente kann ich allerdings nicht ernstnehmen. Auf dieser Grundlage ist eine Diskussion nicht möglich. Ich denke aus diesem Grund magst du auch keine "Stuhlkreise".

  6. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: Triple9 06.05.21 - 06:55

    Ach ja, die tolle „Freiheit“. Bis man dann mal Probleme bekommt. Dann pocht man auf sein „Recht“, denn Pflichten haben nur die anderen. Was eine bequeme Welt sich manche herbeifantasieren.

    Eine Gesellschaft braucht Regeln, auch und gerade in Arbeitsverhältnissen. Gibt es keine, überlässt man es den einzelnen, entsteht Chaos. Das mag zwar auch ab und an funktionieren, aber genau wie die „kreativen Großraumbüros“ ist das eher Blendwerk bzw. die Ausnahme - weswegen man davon auch wieder weggeht.

    Freiheit ist toll, braucht aber einen Rahmen. Die eigene Freiheit hört nämlich dort auf, wo die eines anderen beginnt. Diese ekelhafte „IcH WiLL AbEr MeInE FrEiHeIt AuSLEbEn“-Egomanie hat sonst nur den Effekt, dass nichts mehr funktioniert, sich die Leute die Köppe einschlagen und/oder dass der AG jedem Pups seiner Angestellten hinterherrennt und das Unternehmen leidet. Denn dann hat der Recht, der am lautesten plärrt.

    Also, notuf. Antiautoritär arbeiten hört sich toll an, ist aber ein Hippie-Traum, der noch nichtmal unter besten Freunden auf Dauer funktioniert. Lernst du, wenn du mal länger gearbeitet hast, eine Familie unterhältst oder Mitglied in einem Verein bist. Stell dir mal vor, deine Vorstellung würde bei einem Fußballverein Anwendung finden. Jeder „Angestellte“ kann machen was er will. Auf Vertrauensbasis. Pflichten gibts nicht, jedenfalls nicht offiziell, und der Vereinschef muss jedem sein Popöchen pudern ohne was zu verlangen.

    In welcher Welt lebst du? Lass mich raten: deine Eltern haben dir immer wieder gesagt, wie toll und besonders du bist. Du hast jede Menge Siegerurkunden und Pokale für „Platz 27“, demonstrierst für das Klima und wählst hip und gendergerecht..? Veganer vielleicht? Würde zu diesen unverschämten und gesellschaftsfeindlichen Ansichten passen. Hierarchie ist nichts Schlechtes. Das sehen meist nur die Leute anders, die - aus gutem Grund - nix zu melden haben, sich aber für ganz tolle Hechte halten….

  7. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: Oktavian 06.05.21 - 08:51

    > Eine Gesellschaft braucht Regeln, auch und gerade in Arbeitsverhältnissen.
    > Gibt es keine, überlässt man es den einzelnen, entsteht Chaos.

    Meist nicht mal Chaos, es ist einfach das Recht des Stärkeren, Lauteren, Geduldigeren.

    > Das mag zwar
    > auch ab und an funktionieren, aber genau wie die „kreativen
    > Großraumbüros“ ist das eher Blendwerk bzw. die Ausnahme - weswegen
    > man davon auch wieder weggeht.

    Bei uns war das auch eine lustige Entwicklung. Im 1. Neubau waren die Büroflächen großzügig und luftig, und schon bald haben die Leute selbst Trennwände aufgestellt. Im 2. Neubau ist alles wieder deutlich kleiner. Es sitzt gerne mal ein Scrum-Team zusammen, aber nicht mehr.

    > Also, notuf. Antiautoritär arbeiten hört sich toll an, ist aber ein
    > Hippie-Traum, der noch nichtmal unter besten Freunden auf Dauer
    > funktioniert.

    Ich kenne eine Firma, die so arbeitet. Der Gründer hat sich weitgehend zurückgezogen, er hat ausgesorgt, und er betrachtet das Unternehmen jetzt mehr als Sozialexperiment. Da zu arbeiten würde ich zumindest keine 10 Tage aushalten. Alles wird basisdemokratisch ausdiskutiert, quasi alles muss einstimmig beschlossen werden, und am Ende entscheiden die Stärkeren, Lauteren, Geduldigeren. Und die eher Leiseren und Introvertierteren geben schnell auf.

    > Hierarchie ist nichts Schlechtes. Das sehen meist nur die Leute anders, die
    > - aus gutem Grund - nix zu melden haben, sich aber für ganz tolle Hechte
    > halten….

    Dem ist schon so. Wichtig ist nur, Hierarchien müssen durchlässig sein, es muss also Chancen für Aufstieg und Abstieg geben. Zudem muss Kommunikation in beide Richtungen funktionieren.

  8. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: peterbruells 06.05.21 - 10:16

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > > Schon dieses Wort: Arbeitgeber und Nehmer. Da kann man nur den Kopf
    > > schütteln. Deutschland, das Land der Hierarchie und Bevormundung.
    >
    > Welche alternativen Bezeichnungen schweben Dir vor?


    Ansteller und Angstellter.

  9. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: tschick 06.05.21 - 10:38

    >
    > Ansteller und Angstellter.

    Arbeitsleistungsnehmer und -geber.

  10. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: Oktavian 06.05.21 - 10:43

    > > > Schon dieses Wort: Arbeitgeber und Nehmer. Da kann man nur den Kopf
    > > > schütteln. Deutschland, das Land der Hierarchie und Bevormundung.
    > >
    > > Welche alternativen Bezeichnungen schweben Dir vor?
    >
    > Ansteller und Angstellter.

    Ja okay, und das ändert zu Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt genau was?

    Also kein Problem mit dem Wörtern, sie sind weder sperrig noch unlogisch noch unaussprechlich oder künstlich aufgebläht. Ich hätte gar keine Probleme damit. Aber wenn man etwas umbenennen möchte, sollte sich ein klarer Vorteil dadurch ergeben.

  11. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: tschick 06.05.21 - 10:47

    Oktavian schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Aber wenn man etwas umbenennen möchte, sollte sich ein
    > klarer Vorteil dadurch ergeben.

    Wie beim Gendern? scnr :D

  12. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: Oktavian 06.05.21 - 10:54

    > > Aber wenn man etwas umbenennen möchte, sollte sich ein
    > > klarer Vorteil dadurch ergeben.
    >
    > Wie beim Gendern? scnr :D

    Ja, ganz genau so wie beim Gendern.

  13. Re: Paragraph 106 ist so typisch Lohnsklave

    Autor: Thornius 07.05.21 - 12:13

    Naja wenn man sich die Bestandteile der Wörter mal anschaut, dann ist es im Prinzip genau umgekehrt wie im tatsächlichen Wortgebrauch, derjenige der die Arbeit verrichtet gibt ja seine Arbeit für Lohn an den ab der den Auftrag zum Arbeiten erteilt. Also ist eigentlich der Angestellte der Arbeitgeber und der Ansteller der Arbeitnehmer und Lohngeber.

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