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Du schreibst mir aus der Seele und genau deswegen habe ich die IT verlassen.

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  1. Du schreibst mir aus der Seele und genau deswegen habe ich die IT verlassen.

    Autor: hattabatatta 31.08.18 - 09:58

    Ich kann mich so gut in den Autor hineinversetzen und verstehe das Wehklagen nur zu gut.

    Als ehemaliger Elektriker, der wegen gesundheitlichen Problemen auf dem zweiten Bildungsweg Softwareentwickler "gelernt" hat (mit Lehrabschluss, also kein Studium) stand ich gerade zu Beginn meiner Karriere vor genau denselben Problemen.
    Anforderungen in den Stellenausschreibungen konnte ich nicht mal im Ansatz abdecken, weil uns das alles nicht beigebracht wurde und von über 100 Bewerbungen, kam es gerade mal zu 2 persönlichen Gesprächen (80% haben nicht mal mehr geantwortet).
    Da musst du schon wirklich Glück haben, auch wo unter zu kommen.

    Ich erinnere mich, dass in einem der Unternehmen, wo ich noch am Anfang meiner Karriere war, aber doch schon kein kompletter Neuling mehr, zeitgleich 2 Studenten mit frischem Abschluss begonnen haben (ich hatte da schon 2 Jahre Erfahrung). Alle bekamen wir am ersten Tag einen Laptop mit Win7 DVD und beide sahen sich fragend an "Was machen wir jetzt? ... Wie geht es weiter?". Einer sagte: "Ich hab mich bei 3 Unternehmen beworben und alle 3 hätten mich genommen, aber hier ist es für mich am Besten" und der andere: "Ich hab mich nur hier beworben ... alle anderen Stellen haben mich nicht angesprochen"
    Das gibt dir dann schon zu denken.

    Auch in späteren Jahren, wo ich immer mehr Erfahrung (und auch bedingt durch Eigeninitiative in privater Weiterbildung) und Wissen angehäuft habe und in jedem Team zu jenen Entwicklern gehörte, die viel mehr Wissen und Können mitbrachten, als der Rest, musste ich mich immer wieder in neuen Projekten oder Anstellungen vor einer HR rechtfertigen, das ich trotzdem ich nur einen Lehrabschluss habe und somit sicher nicht SO gut bin, wie einer, der frisch von der Uni kommt, etwas kann (Achtung Ironie).
    Auch beim Gehalt merkt man das ... ist man auf dem zweiten Bildungsweg in die IT eingestiegen hat man gefälligst nicht das zu verdienen, wie einer, der das 3 Jahre auch Bachelor Niveau studiert hat ... wurscht, ob man schon 10 Jahre Erfahrung mitbringt.

    Teamintern begegnet man auch immer wieder (siehe auch hier im Forum sehr verbreitet das Niveau) Menschen, die sich selbst als der Nabel der Welt sehen, alles können, das komplette Wikipedia im Bezug auf IT geschrieben haben oder zumindest auswendig runter rattern können und dann aber, wenn der Kunde sagt, dass der Datenexport nicht funktioniert verzweifelt dasitzen, den Code durchforsten und den Fehler nicht mal richtig analysieren können.
    Praxis vs. Theorie eben.
    Ich habe hier gerne den Vergleich gezogen: "Wenn ich das Licht einschalte und es bleibt dunkel werde ich zuerst mal kontrollieren, ob die Glühbirne hin is und fahr nicht zur Trafostation um zu kontrollieren, ob sie brummt"

    Natürlich, wenn der Kunde anruft und meint, dass er nicht arbeiten kann, denn beim Klick auf das Fenster passiert Fehler xy, bekommst du zuerst mal gewaltig eine vom Chef drauf denn du DARFST einfach keinen Fehler gemacht haben. Egal, ob du ein Mensch bist ... das Unternehmen geht sofort den Bach runter, wenn nur 1 Fehler passiert und DU bist Schuld.
    Spätestens am Monatsende merkt man das, denn dann kommt die Kündigung. Oder du wirst gekündigt, weil du in deinem Strandurlaub nicht das Handy 24/7 aufgedreht hast und für deine Kollegen erreichbar bist, falls die eine Frage zu dem Codefragment haben, das von dir stammt.
    Weil es ist ja schneller den Urheber zu fragen, als selbst den Fehler zu analysieren, das Codefragment zu analysieren und dann die Verbindungen herzustellen, warum es nicht klappt und zu dem Fehler kommt. Vor allem Doku lesen tut sich keiner mehr an.
    Und bist du nicht erreichbar -> Kündigung wegen mangelnder Loyalität zum Unternehmen (ja das ist mir passiert).

    Der Büroalltag in der IT ist echt nur für Leute gemacht, die mit diesem immensen Druck umgehen können ... das streite ich auch gar nicht ab.

    Spätestens, wenn du dann aber in die Depression rutscht, im Büro im 4. Stock dann mal das Fenster aufmachst und schon draußen am Fensterbrett stehst, weil du einfach nicht mehr kannst und willst, und nur dann wieder reingehst, weil du an deine Frau und deine Kinder denkst ... DANN ist es an der Zeit die Reißleine zu ziehen.
    Genau das hab ich dann gemacht, weil ich nicht mehr konnte ...
    Ich bin voll und ganz der IT verfallen ... ich programmiere und entwickle irre gerne ... ich bin wahnsinnig gerne am herumdoktern und experimentieren mit neuen Technologien und ich steh auf das ganze Zeug ... wo andere im Urlaub im Freibad sitzen, setze ich mich hin und entwickle irgendwas (und wenns nur ein Skill für Alexa ist). Natürlich nicht jeden Tag, aber von 3 Wochen Urlaub muss ich nicht 3 Wochen am Strand liegen, sondern will auch einfach mal zu Hause sein :D
    TROTZDEM bin ich froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe und jetzt ein gewöhnlicher, mit Sicherheit nix gescheites gelernt habender, dummer und keinen anderen Job findender Bofrost Fahrer bin.
    Verdien ich zwar nicht so viel wie in der IT und habe wesentlich mehr mit Kunden zu tun, als in jedem IT Unternehmen, wo ich je tätig war, aber ich gehe morgens mit einem Lächeln zur Arbeit und komme mit einem Lächeln wieder nach Hause. Von meinen über 1.200 Stammkunden sind vielleicht 20 Arschlöcher dabei ... damit kann ich leben.
    DAS ist mir 1000 Mal mehr wert, als jede 0 mehr auf meinem Gehaltszettel.

    Obwohl ich Golem schon seit Jahren lese habe ich mich nur wegen dem Artikel hier registriert. War mir einfach ein Bedürfnis auch etwas dazu zu schreiben, denn ich denke es erleichtert einem das Leben, wenn man selbst so "gefangen" ist und von anderen liest, dass die Ähnliches erleben oder erlebt haben.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 31.08.18 10:06 durch hattabatatta.

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