-
Waren Firmen eigentlich schon immer so politisch?
Autor: BluePhoenix 10.03.22 - 11:42
Ich kann mich nicht erinnern, dass Unternehmen sich jemals um Moral geschert hätten (mal abgesehen von wenigen Ausnahmen). Ich bin jetzt kein Experte, aber zumindest gefühlt wird hier von ziemlich vielen Seiten auf Russland "eingedroschen", ohne dass es politisch vorgegeben wäre (und wenn es politisch vorgegeben ist, wäre es schön, wenn man auch so darüber berichten würde. Neutrale Berichterstattung und Fakten gegen Fake News und so. Man möchte sich ja eine unvoreingenommene Meinung bilden können).
Wie war das denn in vergangenen Kriegen? Oder hat man das hierzulande einfach aufgrund einseitiger Berichterstattung und weil wir immer auf der "guten" Seite standen nicht mitbekommen? Kann ja sein, dass chinesische Firmen die USA etc. sanktioniert haben wegen einem unrechtmäßigen Einmarsch im Irak, Afghanistan, Spezial-Militäroperationen im Kongo, Mali und was weis denn ich wo wir noch alles sitzen. Oder amerikanische Firmen auch Saudi-Arabien oder Ägypten sanktionieren.
Prinzipiell finde ich ja den Versuch, Kriege durch Sanktionen zu beenden nicht schlecht, ich würde es mir nur häufiger wünschen. Ob es dann funktioniert ist nochmal eine andere Frage. Noch lieber wäre mir die Migration zu erleichtern, und wenn irgendwo ein Vollpfosten an der Macht ist laufen ihm einfach die Leute weg. -
Re: Waren Firmen eigentlich schon immer so politisch?
Autor: Muhaha 10.03.22 - 11:53
BluePhoenix schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Ich kann mich nicht erinnern, dass Unternehmen sich jemals um Moral
> geschert hätten (mal abgesehen von wenigen Ausnahmen).
Es ging nie um Moral, immer nur ums Geschäft. Und zwar das Geschäft HIER.
Firmen hängen zum Beispiel gerne am Pride-Day die Webseite mit bunten Bannern voll. Und machen LGBTQ-Aktionen, wo sie zeigen können, wie engagiert und sozial bewusst sie doch sind. Ist in weiten Teilen nur oberflächliches Marketing. Die Firmen sehen nur, dass immer mehr Menschen genug davon haben, dass ihre Mitmenschen auf Basis derer Sexualität diskriminiert werden. Und für DIE macht man entsprechende Aktionen, weil man an DEREN Geld will.
Die Firmen sehen, dass die bisher angestoßenen Sanktionen auf eine breite, öffentliche Zustimmung treffen, also hängt man sich dran. Denn der faktische Umsatzanteil aus Russland und Belarus ist kleiner als der potentielle Umsatzverlust durch Kunden-Boykotte hierzulande.
Mehr ist das nicht. Eine simple Kosten/Nutzen-Rechnung. -
Re: Waren Firmen eigentlich schon immer so politisch?
Autor: thecrew 10.03.22 - 12:20
BluePhoenix schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Ich kann mich nicht erinnern, dass Unternehmen sich jemals um Moral
> geschert hätten (mal abgesehen von wenigen Ausnahmen). Ich bin jetzt kein
> Experte, aber zumindest gefühlt wird hier von ziemlich vielen Seiten auf
> Russland "eingedroschen", ohne dass es politisch vorgegeben wäre (und wenn
> es politisch vorgegeben ist, wäre es schön, wenn man auch so darüber
> berichten würde. Neutrale Berichterstattung und Fakten gegen Fake News und
> so. Man möchte sich ja eine unvoreingenommene Meinung bilden können).
> Wie war das denn in vergangenen Kriegen? Oder hat man das hierzulande
> einfach aufgrund einseitiger Berichterstattung und weil wir immer auf der
> "guten" Seite standen nicht mitbekommen? Kann ja sein, dass chinesische
> Firmen die USA etc. sanktioniert haben wegen einem unrechtmäßigen Einmarsch
> im Irak, Afghanistan, Spezial-Militäroperationen im Kongo, Mali und was
> weis denn ich wo wir noch alles sitzen. Oder amerikanische Firmen auch
> Saudi-Arabien oder Ägypten sanktionieren.
> Prinzipiell finde ich ja den Versuch, Kriege durch Sanktionen zu beenden
> nicht schlecht, ich würde es mir nur häufiger wünschen. Ob es dann
> funktioniert ist nochmal eine andere Frage. Noch lieber wäre mir die
> Migration zu erleichtern, und wenn irgendwo ein Vollpfosten an der Macht
> ist laufen ihm einfach die Leute weg.
Die Sanktionen sind nicht die Antwort auf den Ukraine Krieg selbst. Sondern die Anwort auf die Drohung Putins mit der "Bombe" gegen den ganzen Westen. Bisher kam es noch nicht vor, dass ein Land direkt so eine Drohung gegen die "halbe Welt" ausgesprochen hat. Zeigt aber eben auch wie labil Putin mittlerweile ist. Dem ist so ziemlich alles scheiß egal.
Er muss ja schließlich wissen das das, was er da macht zu sowas führt. Zumindest seine Ansprache nach seinem Einmarsch war maßgeblich daran Schuld das es die Sanktionen gibt.
Und dann wurde halt gesagt. Okay militärisch können wir nix machen, ohne das es wirklich "heiß" wird. Aber man kann mal anders ein Zeichen setzen. Damit man sieht wie abhängig die ganze Welt von anderen ist und das man eben nicht alles mit sich machen lässt. -
Re: Waren Firmen eigentlich schon immer so politisch?
Autor: BluePhoenix 10.03.22 - 14:05
Muhaha schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Die Firmen sehen, dass die bisher angestoßenen Sanktionen auf eine breite,
> öffentliche Zustimmung treffen, also hängt man sich dran. Denn der
> faktische Umsatzanteil aus Russland und Belarus ist kleiner als der
> potentielle Umsatzverlust durch Kunden-Boykotte hierzulande.
>
> Mehr ist das nicht. Eine simple Kosten/Nutzen-Rechnung.
Ahja, das klingt plausibel, ja
thecrew schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Zumindest seine Ansprache nach seinem Einmarsch war maßgeblich daran Schuld das es die Sanktionen gibt.
Hmm, vielleicht hab ich da was verpasst. Ich hatte den Eindruck, die Sanktionen hätte es so oder so gegeben, weil die Ansprache irgendwie nur ein Thema von vielen war, aber so wie ich das wahrgenommen habe nicht sonderlich hervorgestochen hat. Aber ja stimmt, bislang hat noch niemand offen Atomwaffen erwähnt. Lag wahrscheinlich auch daran, dass die USA oder auch China in der Rolle der offensiven Atommacht meist gegen Staaten angetreten ist, wo ein Einsatz nicht nötig war. Russland "musste" ja vorsorgen, dass die Nato nicht vielleicht doch eingreift. -
Re: Waren Firmen eigentlich schon immer so politisch?
Autor: dirk_diggler 10.03.22 - 16:51
Was das Thema noch verschärft. Die ganzen Russen dürften ihre Netflix, Amazon prime, etc Abos ja in Rubel abgeschlossen haben.
Für die Quartalszahlen zählen aber nur harte Dollar.
Da waren die Verträge eh nix mehr wert.
Der zweite Punkt. Wie sollen die Firmen an ihr Geld kommen. Irgendwelche Rubel auf russischen Bankkonten bringt Netflix aktuell nicht viel.
Alles in allem. Ein Boykott Russlands hat für die Firmen aktuell keine so viel größeren Auswirkungen als wenn sie weiter machen



