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mal eine nicht ganz einfache Frage:

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  1. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: justanotherhusky 03.04.19 - 13:07

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > RicoBrassers schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > HIER liegt ja das Problem. ;)
    >

    >
    > Das ist so wie wenn du sagst "Ein Gitter über den Brunnen? Aber dann kann
    > ja eine berechtigte Person vielleicht kein Wasser mehr holen, weil sie
    > keinen Schlüssel zum Gitter hat" Ja, mag sein, aber dann kann sie jemanden
    > fragen, den Brunnen für sei aufzuschließen oder einen Schlüssel beantragen.
    > Dennoch würde doch jeder zustimmen, dass so ein Gitter besser ist als ein
    > offener Brunnen, aus den man ständig Kinder holen darf, die da hinein
    > gefallen sind, oder? Denn irgendwann wird auch ein Kind mal im Brunnen
    > ertrinken und den Schaden kannst du dann nicht wieder gut machen.

    Der Vergleich hinkt aus zwei Gründen.

    Erstens: Du vergleichst ein ertrunkenes Kind mit unberechtigter Nutzung. Korrekt wäre hier: Ohne Gitter können sich Nutzer die kein Anrecht am Brunnenwasser haben daran bedienen. Dabei stirbt aber Gott sei dank kein Kind.

    Zweitens: als berechtigter Nutzer musst du erstmal warten bis derjenige mit dem Schlüssel kommt. Als Bäcker kannst du dann beispielsweise keine Brötchen produzieren und verlierst aktiv Geld. Da sich an dem Brunnen aber eine Vielzahl an Leuten anstellen und es nur wenige Leute mit Schlüssel gibt, wird es immer länger dauern bis alle Anträge geprüft sind und der Bäcker an der Reihe ist. Und derjenige der die Anträge prüft will auch Geld verdienen und muss bezahlt werden. Das übernimmt entweder der Bäcker weil er dann mehr für das Wasser bezahlt oder indirekt der Endkunde der mehr für sein Brötchen bezahlt. Derjenige der dir das Gitter vorgeschrieben hat ist fein raus - im Gegenteil, du als Brunnenbesitzer (Plattform Betreiber) musst sogar das Gitter und die Wartung selber bezahlen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.04.19 13:09 durch justanotherhusky.

  2. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: Trollversteher 03.04.19 - 13:29

    >Richtig. Zum einen ist es für den Rechteinhaber nicht zumutbar überhaupt das gesamte Internet 24 Stunden am Tag überwachen zu müssen, ob dort irgendwer seine Rechte verletzt, zum anderen ist mit jedem Download einmal sein Recht verletzt worden und wie soll er dafür entschädigt werden?

    Nochmal: Es gibt so etwas wie eine Unschuldsvermutung. Mit der Begründung könnte auch ein Geschäftsinhaber, für den es "nicht zumutbar" ist einen Ladendetektiv zu beschäftigen und Überwachungskameras zu installieren einfach prophylaktisch jeden Kunden unter Zwang festhalten und einer Leibesvisitation unterziehen. Völlig unabhängig davon, ob ein Verdachtsmoment vorliegt oder nicht.

    >Dann müsste man anonyme Uploads abschaffen, alle Nutzer müssen mit echten Namen posten, die Plattformen müssten die echten Postanschriften der Nutzer kennen und die Uploader würden dann jeweils direkt vor Gericht gezerrt von den Urhebern, das wäre eine Alternative gewesen, die gekommen wäre, wenn die Richtlinie nicht gekommen wäre:

    >https://www.golem.de/news/illegale-youtube-uploads-eugh-soll-ueber-herausgabe-aller-nutzerdaten-entscheiden-1902-139544.html

    Mit einer Herausgabe von Benutzerdaten auf richterliche Anordnung hätte ich deutlich weniger Probleme. Dann wären die Rechteinhaber nämlich tatsächlich dazu motiviert, eine *echte* Prüfung durchzuführen, statt einfach auf Verdacht wild und unkontrolliert erst mal alles sperren zu lassen.

    >Nein, wird sie nicht. Es wird ja nicht grundsätzlich alles Material von ihm als Verstoß gesehen, sondern nur das Material, indem ein Verstoß festgestellt wurde. Solange bis so ein Verstoß erkannt wurde gilt das Material als unbedenklich.

    Es wurde ja kein Verstoß festgestellt, es reicht ja schon ein grober, ungeprüfter Verdacht.

    >Eine Umkehrung der Unschuldsvermutung wäre, wenn das Material grundsätzlich als bedenklich gilt, bis das Gegenteil beweisen wurde, aber das ist ja zu keinem Zeitpunkt der Fall. Es war unbedenklich und dann wurde ein Verstoß erkannt und daher wird das Material erst einmal nicht verbreitet.

    Falsch, es ist genau das: Das Material wird grundsätzlich, ohne ordentliche Prüfung, auf reinen Verdacht hin als bedenklich eingestuft, weil es eben keine ordentliche Prüfmethode gibt,
    und der Beschuldigte muss selbst seine Unschuld beweisen. Exakt das ist die Umkehr der Unschuldsvermutung.

    >Das nennt man unternehmerisches Risiko. Wenn du dein Unternehmen darauf basierst, dass eine Internet Plattform Dinge für dich verbreitet, wozu sie aber gar nicht verpflichtet ist und du auch keinen Vertrag mit dieser Plattform hast, der dir eine Rechtsgrundlage gibt so eine Verbreitung verlangen zu können, sprich, du nur "darauf hoffst", dass sie das tut, dann ist das dein Problem als Unternehmer, wenn sie es dann mal nicht tut.

    Nochmal: Das ist nicht die Folge der freien unternehmerische Entscheidung von YouTube, sondern des externern Zwang durch einen fachlich inkompetenten (und von Lobbyisten getriebenem) Gesetzgeber.

    >Siehe auch:
    >https://forum.golem.de/kommentare/wirtschaft/uploadfilter-twitch-erwaegt-ausschluss-von-eu-nutzern/mal-eine-nicht-ganz-einfache-frage/125241,5339639,5339850,read.html#msg-5339850

    Darauf bin ich meiner Antwort zu diesem Beitrag bereits eingegangen...

    >Dann wird sie auch nicht verlangt. Ließ doch bitte mal die Richtlinie! Da steht explizit, dass eine Filterung nur dann überhaupt verlangt werden kann, wenn sie technisch machbar und effektiv wäre, ansonsten entfällt dieser Punkt aus den 3 Anforderungen.

    Nein, das hast Du in einem anderen Beitrag bereits behauptet und das ist kompletter Unsinn. Die Richtlinie schreibt lediglich vor, alles technisch machbare zu unternehmen um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden. Der Umkehrfall, also dass auch unbedenkliches Material gefiltert wird, wird dort gar nicht erwähnt.
    Damit verstößt ein Filter, der zwar alle Urheberrechtsverletzungen erkennt, nebenbei als "Kollateralschaden" aber auch in 50% der Fälle blockiert, in denen keine Verletzung vorliegt, nicht gegen diese Richtlinie.

    >Doch, tut es. Miete einen Webserver und verbreite was du willst. Da ist kein Filter und niemand bestimmt was verbreitet wird außer dir. Natürlich haftest du dann auch für jegliche Verbreitung, aber du du ja meinst im Recht zu sein, was soll dir groß passieren? Wenn du aber schon meinst dich hinter einer Plattform "verstecken" zu müssen, dann scheinst du ja sogar zu wissen, dass das was du tust eigentlich unrecht ist. Unternehmen, die ihre Einkommen aus Unrecht beziehen sind nicht schützenswert.

    Was für ein bodenloser Schwachsinn. Zum einen reduziert sich die Reichweite, wenn ich von YouTube auf eine private Website wechsle sofort auf null. Selbst wenn ich Geld in die Hand nehme und aktiv Werbung betreibe. Diese Unterstellung, man publiziere bei YouTube, weil man seine illegalen Aktivitäten "verstecken" wolle ist die unsinnigste, zynischste Polemik, die ich je zu diesem Thema gelesen habe.
    Zweitens bin ich damit rechtlich noch viel weniger gegen zwielichtige Abmahnanwälte und gesetzlicher Willkür ausgeliefert. Eine Abmahnung kostet den Anwalt oder einen Rechteverwalter erst mal *gar nichts*, völlig egal, ob er juristisch im Recht ist oder nicht.
    Das heißt, ich habe den Ärger, den Aufwand und die Anwaltskosten zu tragen - *und* den Verdienstausfall, weil ich meinen Content aus dem Netz nehmen muss bis die Sache gerichtlich geklärt ist, obwohl ich mich keinerlei Vergehen schuldig gemacht habe. Also auch hier wieder: Umkehr der Unschuldsvermutung.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.04.19 13:30 durch Trollversteher.

  3. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: /mecki78 03.04.19 - 14:04

    ZuWortMelder schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nur weil ich das Poster nicht in meiner Filterdatenbank habe, ist das keine
    > Erlaubnis es zu zeigen,

    Aber auch kein Verbot es zu zeigen. Und auch kein Grund dafür haften zu müssen, sofern du Punkt 17-4c erfüllst, was im Grunde der heutigen Rechtsgrundlage entspricht, dass du eine Beschwerdestelle einrichten musst, wo der Urheber sich beschweren kann und du dann das Material sofort runter nehmen musst, wenn er das tut. Neu ist hier nur, dass nach so einer Beschwerde automatisch eine zukünftige Verbreitung unterbunden werden muss (einzige das letzte ist heute nicht so).

    /Mecki

  4. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: /mecki78 03.04.19 - 14:08

    Trollversteher schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Falsch, denn erstens: Die GEMA arbeitet zB auch nicht so.

    Was aber niemanden interessiert, es interessiert nur, was in der Richtlinie steht und niemand kann etwas dafür, dass du das nicht weißt, weil du sie nicht gelesen hast. Und dort steht explizit, nur wenn ein Urheber auch explizit von einer Plattform verlangt hat, dass sein Werk nicht verbreitet wird und er der Plattform das dafür notwendige Material überlassen hat, kann er auch erwarten, dass die Plattform zumindest versucht diese Verbreitung im Vorfeld zu verhindern, wenn nicht, dann nicht (sogar das steht da explizit drinnen).

    > Das konkrete Poster mag geschützt sein, aber nicht das Motiv - ob
    > es sich zB um ein geschütztes Landschaftsfoto von einem professionellem
    > Fotografen handelt, oder dem Schnappschuss eines Touristen vom gleichen
    > Motiv, kann eine neuronale KI nicht auseinanderhalten.

    Muss sie auch nicht. Du musst nicht einmal eine KI besitzen. Du musst nur versuchen nichts zu verbreiten, von dem dir gesagt wurde, dass du es nicht verbreiten sollst und nur der Urheber oder jemanden, den der Urheber dieses Recht übertragen hat, darf dieses von dir verlangen, siehe Richtlinie.

    /Mecki

  5. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: /mecki78 03.04.19 - 14:15

    ZuWortMelder schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wenn dies umgesetzt wird, entsteht ein Chaos durch Overblocking, was nicht
    > hätte sein müssen, da die bisherige Regelung (Achtung; meine Meinung) nicht
    > perfekt aber ordentlich fair ist.

    Es ist fair, dass ich zwar ein Recht habe, aber niemand sich darum kümmern muss mein Recht einzuhalten oder nicht zu verletzen, sondern ich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche tausenden von Internetseiten nach meinen Werken durchforsten muss, damit ich sie dann offline nehmen lassen kann um so selber mein mir zustehenden Recht durchzusetzen, nur damit 30 Minuten später der nächste sie dort wieder hochlädt und ich zu keinem Zeitpunkt jemanden haftbar machen kann, weil die Plattform, obwohl sie der Hauptprofiteur bei der ganzen Sache ist, nicht haften muss und sich die Uploader hinter der Plattform verstecken kann, ohne dass ich irgendwie an ihn ran komme?

    Fair für wen? Fair für den, der alles verbreiten will, weil ihm Urheberrecht egal ist und da er nichts selber auf die Beine gestellt bekommt, was irgend einen Menschen interessiert, denn das dürfte er ja dann beliebig verbreiten, er halt einfach die Werke andere verbreitet, ganz egal ob er ihnen damit schadet oder es unrentabel für diese Menschen macht auch in Zukunft solche Werke zu erschaffen?

    /Mecki

  6. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: /mecki78 03.04.19 - 14:21

    suicicoo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > und Du glaubst nicht, daß genau dieses so passieren wird?

    Nein, weil da wo Mio von Euro drauf warten abgeholt zu werden, wird immer jemand kommen und sie abholen. Und wenn YouTube und Twitch es nicht auf die Reihe bekommen sich das Geld zu holen, dann wird jemand anderes kommen und es sich holen. Es gab ein Internet vor YouTube, es wird ein Internet nach YouTube geben und Leute die Videos verbreiten wollen, werden Videos verbreiten. Es kann nur nicht angehen, dass hier am Ende niemand haften muss. Wenn etwas verbreitet wird, dann muss immer irgendwer haften und dieser jemand muss für Urheber greifbar sein. Es kann nicht sein, dass sich jemand hier hinter einer Plattform verstecken kann, so dass er nicht greifbar ist und die Plattform aber nicht haften muss. Entweder müssen Uploader greifbar sein und selber direkt haften oder die Plattformen als Hauptprofiteure müssen für die Inhalte haften, die sie verbreiten.

    /Mecki

  7. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: Trollversteher 03.04.19 - 14:37

    >Was aber niemanden interessiert, es interessiert nur, was in der Richtlinie steht und niemand kann etwas dafür, dass du das nicht weißt, weil du sie nicht gelesen hast. Und dort steht explizit, nur wenn ein Urheber auch explizit von einer Plattform verlangt hat, dass sein Werk nicht verbreitet wird und er der Plattform das dafür notwendige Material überlassen hat, kann er auch erwarten, dass die Plattform zumindest versucht diese Verbreitung im Vorfeld zu verhindern, wenn nicht, dann nicht (sogar das steht da explizit drinnen).

    Natürlich interessiert das, denn das bedeutet (wie schon in anderen Beiträgen mehrfach erwähnt), dass auf Verdacht erst mal gesperrt wird und die Beweislast beim "Beschuldigten" liegt.

    >Muss sie auch nicht. Du musst nicht einmal eine KI besitzen. Du musst nur versuchen nichts zu verbreiten, von dem dir gesagt wurde, dass du es nicht verbreiten sollst und nur der Urheber oder jemanden, den der Urheber dieses Recht übertragen hat, darf dieses von dir verlangen, siehe Richtlinie.

    Das hast Du wohl nicht ganz verstanden: Wenn ich, um bei dem Beispiel zu bleiben, ein Foto einer Sehenswürdigkeit in irgend einer Form "verbreite" und ein professioneller Fotograf ein Foto mit sehr ähnlichem Bildausschnitt der gleichen Sehenswürdigkeit bei diversen Plattformen als sein Werk registriert hat, dann wird ein KI-Bilderkennungsfilter mein Foto erst mal als geschütztes Werk identifizieren und die Plattform meinen Beitrag sperren. Dann liegt es an *mir* zu beweisen, dass es sich dabei um *mein* Foto handelt, an dem ich sämtliche Rechte besitze, ansonsten bleibt mein Beitrag gesperrt - jetzt verstanden, was ich mit dem Beispiel sagen wollte?

  8. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: /mecki78 03.04.19 - 16:00

    Trollversteher schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nochmal: Es gibt so etwas wie eine Unschuldsvermutung.

    Nicht im Zivilrecht, nur im Strafrecht. Und die Unschuldsvermutung bleibt gewahrt, da jeder Content als unbedenklich gilt, bis etwas gegenteiliges festgestellt wurde (z.B. durch einen Filter, z.B. durch einen Betrachter, z.B. weil sich ein Urheber über den Inhalt beschwert hat). Detektoren für gestohlene Waren am Ausgangs eines Geschäftes, die jeder Kunde passieren muss, heben ja auch die Unschuldsvermutung nicht auf, erst wenn sie anschlagen, hebt das Unschuldsvermutung auf (dito "Uploadfilter", deren Existenz hebt nicht die Unschuldsvermutung auf, erst wenn sie anschlagen und dann tun sie das ja aber aus einen bestimmten Grund).

    Nur um das nochmal klar zustellen: Ein Uploadfilter bestimmt nicht, ob du Urheberrecht brichst. Ein Uploadfilter schaut, ob du Material veröffentlichen willst, das einem anderen Urheber gehört, der gesagt hat, er will nicht, dass sein Material dort veröffentlicht wird. Über die Frage ob du das was du tust tun darfst oder nicht fällt der Filter kein Urteil. Er verhindert nur, dass dieses Material automatisch und ohne weiter Prüfung millionenfach im Internet verbreitet wird, aber nicht weil du es nicht darfst, sondern weil der Plattformbetreiber das nicht will. Er will das nicht, weil er nicht dafür haften will, falls du es nicht darfst, aber warum er es nicht will, ist komplett irrelevant. YouTube darf ein Video auch ablehnen mit der Begründung, dass ihnen dein Nickname nicht gefällt, dass es draußen zu warm ist oder weil heute Mittwoch ist.

    > Mit einer Herausgabe von Benutzerdaten auf richterliche Anordnung hätte ich
    > deutlich weniger Probleme.

    Diese hätte aber bedingt, dass Gerichte dann Plattformen auch Auflagen gemacht hätten, welche Informationen sie vorrätig halten müssen. Das hätte im schlimmsten Fall darauf hinaus laufen können, dass du YouTube nur nach Nutzung des PostIdent Verfahren hättest nutzen können und das du auf einmal mit einer Rechnung von 6'000¤ da stehst, nur weil du einmal das falsche Video hochgeladen hast. Im Grunde hättest du damit eine privatrechtliche Vorratsdatenspeicherung für Onlineplattformen geschaffen.

    Nicht zuletzt genau davor schützen dich ja Filter, da sie sagen "Hey, du weißt aber schon, dass das was du da verbreiten willst, Urheberrecht verletzt, oder?" Und wenn das stimmt, puh, glück gehabt und billig davon gekommen. Und wenn es nicht stimmt, dann stehen dir immer noch diverse Optionen offen, wenn du jetzt unbedingt dieses Video verbreiten willst. Du könntest dich beschweren oder du könntest es einfach woanders hochladen.

    > Das Material wird grundsätzlich, ohne ordentliche
    > Prüfung, auf reinen Verdacht hin als bedenklich eingestuft,

    Nein, wird es nicht. Niemand stuft hier irgendwas ein. Das Material wird wie bisher ohne jegliche Prüfung veröffentlicht, sofern kein Filter etwas zu beanstanden hatte. Wäre alles Material verdächtig, müsste jedes Material auch dann wenn es durch alle Filter durchkam noch einmal händisch geprüft werden, eben weil es ja verdächtig ist (das passieren der Filter macht es nicht unverdächtig) und genau das passiert aber nicht und genau das fordert auch niemand. Die Richtlinie an sich fordert überhaupt keine Prüfung, die Richtlinie sagt nur, wer etwas verbreitet, der haftet dafür, dass er es verbreitet. Filter sind nicht vorgeschrieben, Filter sind nur ein Weg, wie sich ein Anbieter selber aus der Haftung entlassen kann, weil man sagt "Wenn ein Anbieter sich ernsthaft bemüht, dass Urheberrecht nach Möglichkeit nicht zu brechen, dann verzeihen wir es ihm auch, sollte er es dann doch mal brechen."

    Filter sind nur ein Entgegenkommen an die Anbieter. Sie müssen nicht einmal funktionieren, denn wenn würden sie immer funktionieren, dann müsste ein Anbieter sich nicht aus der Haftung entlassen, denn für was sollte er denn dann bitte haften? Dafür dass er korrekt gefiltert hat? Er braucht doch die Haftungsentlassung nur dann, wenn er für etwas haften soll und dieser Fall tritt doch überhaupt nur dann ein, wenn er etwas zu unrecht verbreitet hat, aber das wiederum kann doch nur dann eintreten, wenn der Filter versagt hat.

    > Das ist nicht die Folge der freien unternehmerische Entscheidung

    Doch und zwar vom YouTuber. Wenn du meinst im Internet Videos verbreiten zu müssen, dann kannst du dir einen eigenen Webserver mieten und das machen, hier bestimmt niemand außer dir was da verbreitet wird.

    Oder du kannst dir einen Dienstanbieter suchen, der das für dich macht und mit dem einen bindenden Vertrag abschließen in dem genau geregelt ist welchen Pflichten die jeweils andere Seite zu erfüllen hat und dann könntest du eine Erfüllung des Vertrages auch einklagen, sollte der Anbieter sich weigern. So ein Anbieter wird von der neuen Richtlinie auch gar nicht erfasst, weil er wäre ein reiner Service Provider, der nichts mit dem Inhalten zu tun hat, da er nicht an den Inhalten oder deren Verbreitung verdient und er nur in deinem Auftrag handelt (solche Anbieter sind explizit von der Richtlinie ausgeschlossen).

    YouTube hingegen betreibt eine eigene Plattform für sich selber und sagt "Wenn ihr uns Videos zuschickt, dann veröffentlichen wir die vielleicht". Du hast mit YouTube keinen Vertrag, der sie zu irgendwas verpflichtet und wenn du jetzt glaubst, dass das der Weg ist, deine Videos zu verbreiten, dann war das deinen Entscheidung und diese Entscheidung war riskant, weil dir YouTube nie zugesichert hat, deine Videos zu verbreiten. Dein ganzes Geschäftsmodell basiert als auf den guten Willen einer dritten Plattform freiwillig dir eine Dienstleistung zu erbringen.

    > Nein, das hast Du in einem anderen Beitrag bereits behauptet und das ist
    > kompletter Unsinn.

    Different means to avoid the availability of unauthorised copyright-protected content could be appropriate and proportionate depending on the type of content, and, therefore, it cannot be excluded that in some cases availability of unauthorised content can only be avoided upon notification of rightholders.

    Ich diskutiere das Thema erst wieder mit dir, wenn du nachweislich die Richtlinie gelesen hast, weil so hast du schlichtweg einfach nur keine Ahnung wovon da da überhaupt sprichst. Höre bitte nur auf Unwahrheiten über die Richtlinie zu verbreiten.

    > Zum einen reduziert sich die
    > Reichweite, wenn ich von YouTube auf eine private Website wechsle

    Genau wie bei hundert anderen Webseiten, die aus irgend einen Grund meinen Inhalt nicht verbreiten wollen. Du kannst ja Werbung dafür schalten, so wie andere Unternehmen das auch tun müssen, um ihre Dienste zu bewerben. Das Recht auf freie Meinungsäußerung zwingt niemanden für dich deine Meinung zu verbreiten, das hat es es noch nie. Wie du deine Sachen verbreitest, das ist ein Problem, mach es nicht zum Problem andere Leute.

    > Zweitens bin ich damit rechtlich noch viel weniger gegen zwielichtige
    > Abmahnanwälte und gesetzlicher Willkür ausgeliefert.

    Das ist keine Willkür, das nennt man Haftung. Wer meint Inhalte verbreiten zu müssen, der haftet für das, was er verbreitet. Daher haben allen Printmedien und Webeisen auch ein Impressum zu haben. Wem das Risiko zu hoch ist, der muss ja keine Inhalte verbreiten. Wer aber nicht bereit ist, das Risiko zu tragen, der darf sich auch nicht beschweren, wenn ihn dadurch Gewinn entgeht.

    /Mecki

  9. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: mnementh 03.04.19 - 16:04

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Psy2063 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Aber so weit kommt es garnicht erst, weil
    > > nämlich der uploadfilter
    >
    > nur dann das Filmposter filtern wird, wenn der Urheber des Posters damit
    > vorher zu einer Plattform gegangen ist und das explizit von dieser
    > Plattform für dieses Poster verlangt hat. Das müsste er für jedes
    > Filmposter und jede Plattform getrennt machen. Bitte Richtlinie lesen!

    Wenn der Urheber NICHT zur Plattform gegangen ist und Samples abgegeben hat, dann ist die Plattform für die Urheberrechtsverletzung verantwortlich und muss das vor Gericht ausfilter. Oder sie filtern. Also de facto: Urheber geht zur Plattform -> es wird gefiltert (da die Richtlinie das vorschreibt); Urheber geht nicht zur Plattform -> es wird gefiltert (da laut richtlinie dann die Plattform verantwortlich wäre, und sie das natürlich nicht wollen).

  10. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: ZuWortMelder 03.04.19 - 16:44

    >
    > Richtig. Zum einen ist es für den Rechteinhaber nicht zumutbar überhaupt
    > das gesamte Internet 24 Stunden am Tag überwachen zu müssen, ob dort
    > irgendwer seine Rechte verletzt, zum anderen ist mit jedem Download einmal
    > sein Recht verletzt worden und wie soll er dafür entschädigt werden?

    Da bin ich dabei, dass dies auch unzumutbar ist,
    da aber mit erheblichen Overblocking zu rechnen sein könnte, ist die Takedownregelung und Nichthaftung der Plattform dem zu erwartenden/befürchteten Ergebins vor zu ziehen. (Deswegen habe ich es als meine Meinung deklariert). Wie angemerkt; mein Unmut geht gegen die Filter, die man durch eine (gesetzliche) Hintertür auch zum heimlichen Wegblocken anderer Dinge trainieren kann.

    MfG ZuWortMelder

  11. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: waldschote 03.04.19 - 18:52

    /mecki78 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ZuWortMelder schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Nur weil ich das Poster nicht in meiner Filterdatenbank habe, ist das
    > keine
    > > Erlaubnis es zu zeigen,
    >
    > Aber auch kein Verbot es zu zeigen. Und auch kein Grund dafür haften zu
    > müssen, sofern du Punkt 17-4c erfüllst, was im Grunde der heutigen
    > Rechtsgrundlage entspricht, dass du eine Beschwerdestelle einrichten musst,
    > wo der Urheber sich beschweren kann und du dann das Material sofort runter
    > nehmen musst, wenn er das tut. Neu ist hier nur, dass nach so einer
    > Beschwerde automatisch eine zukünftige Verbreitung unterbunden werden muss
    > (einzige das letzte ist heute nicht so).
    >
    Absatz 2 schreibt vor das der Diensteanbieter dazu verpflichtet ist sich eine Erlaubnis ein zu holen. Absatz 4, das ist der Punkt den du wohl fehlinterpretierst, beschreibt lediglich den Fall, wenn die Erlaubnis nicht erteilt wurde. Zitat:
    > Wird die Erlaubnis nicht erteilt, so ist der Diensteanbieter für das Teilen von
    > Online-Inhalten für nicht erlaubte Handlungen der öffentlichen Wiedergabe,
    > einschließlich der öffentlichen Zugänglichmachung, urheberrechtlich geschützter Werke
    > oder sonstiger Schutzgegenstände verantwortlich
    Die Teilabschnitte a bis c beschreiben lediglich den Haftungsausschluss unter der Beschränkung das der Diensteanbieter den Vorschriften aus Absatz 2 bereits folge geleistet hat.

  12. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: Anonymer Nutzer 03.04.19 - 21:48

    RicoBrassers schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Auch wenn es erlaubt sein mag:
    >
    > Woher soll der Uploadfilter denn erkennen, dass das ein Poster im Zimmer
    > ist und eben keine bearbeitete (unerlaubte) Einblendung im Video?
    >
    > HIER liegt ja das Problem. ;)
    >
    > (Ob das irgendeine Zauber-KI in 10-15 Jahren kann ist mir relativ egal,
    > solange diese Filter spätestens 2022 laufen sollen.)
    Dann gibt es verschiedene Szenarien, entweder übertreiben alle und es gibt kaum negative Auswirkungen, der "Streamer" wird in Regress genommenen, du musst vorher Lizenzen nachweisen, es wird dennoch geblockt oder du kannst z.B. mit Extrakosten von Hand prüfen lassen. Wird schon alles klappen.

  13. Re: mal eine nicht ganz einfache Frage:

    Autor: ZuWortMelder 04.04.19 - 00:32

    Ich bin ja Grunde bei dir @mecki, und für das Aufdröseln einiger Punkte die ich bis jetzt nicht ganz so auseinander genommen habe bin ich dir auch dankbar.
    Mich treibt eher die Sorge:
    a) dass sich die Firmen die es betrifft (gross oder klein) aus Furcht und Rechtsunsicherheit vor (Geld)Aufwand für Blocking entscheiden und somit der Schaden bei den Nutzern aufschlägt, weil sie evtl von Aktualität abhängig sind.
    b) die (notwendigen) Filter (manuell/Software) auf Dinge(gesetzl. Hintertür/unbemerkt) an gesetzt werden, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können.

    Es mag ja sein, dass die Formulierungen genug Möglichkeiten geben sich der Haftung zu entziehen, oder dar zu legen, dass kein Urheberrechtsverstoss statt fand, aber das muss bei Beschwerden im letzten Fall vom Gericht entschieden werden. Bei einigen Fällen evtl. noch tragbar, aber wenn das zu viel wird, oder eine Plattform diesen Aufwand scheut, wie würde ein Dienstanbieter wohl entscheiden. Dies treibt dann die nicht mehr zu jungen (3Jahre), reichweitenschwächsten(5Mio Nutzer), umsatzschwachen Betreiber in die Knie, und spielt den global Playern in die Karten. Oder die haben auch kein Bock drauf. Und schon sind alle im Eimer. Die Urheber/Rechtverwerter, die dann nur noch wenige monopolistische Plattformen mit aberwitzigen Uploadbedingungen zur Auswahl haben (oder sie ziehen das ganze selber auf, aber ohne Interaktionsmöglichkeit der User - wovon sie eigentlich profitieren, im derzeitigen System. Und die Kleinsturheber mit ihrem selbst erstellten Kram wenden sich dann an wen, wenn sie Interaktion nach gesetzlichen Vorgaben mit ihrer Kundschaft wünschen? An die grossen Player, die dann die Bedingungen diktieren ?

    Da liegt der Schrothase im Pfeffermixer.

    Die Möglichkeiten das Internet mit diesen Regularien zu zerschiessen sind deutlich reichhaltiger, als die Wahrscheinlichkeit es für •alle• besser zu machen.( Aber da mag meine Meinung/Eischätzung zu pessimistisch sein)

    MfG
    ZuWortMelder

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    Anker plant Dual-Power-Delivery-Netzteil für USB C

    In Kürze wird auch Anker ein Netzteil auf den Markt bringen, das zwei Power-Delivery-Anschlüsse über USB Typ C bieten wird. Es wird zu den stärkeren Netzteilen gehören, insbesondere da das gesamte Powerbudget auch auf einen Anschluss gelegt werden kann.


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