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Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: M.P. 12.01.17 - 12:10
Schengen-Raum sein Dank ...
Aber ob wohl alles was in diesem Verteil-Lager liegt sauber durch den Zoll gegangen ist?
Vorne an der Tür im Überseecontainer lustig nach Chemie riechende Stoffpuppen, und an der Rückwand 30 Tsd Smartphones ...
EDIT: Ist der mögliche Standort Bulgarien die erste Auswirkung des BREXIT? Solche Versandzentren wurden doch bisher gerne in UK gebaut... Wenn man die Portobeträge auf den Sendungen aus UK sieht, weiß man auch, warum...
5 mal bearbeitet, zuletzt am 12.01.17 12:18 durch M.P.. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: My1 12.01.17 - 12:20
sind die in den UK wohl saugünstig?
Asperger inside(tm) -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: Anonymer Nutzer 12.01.17 - 13:56
Nein. Die britische Post ist teuer und langsam. Das Porto zahlen die Asiaten natürlich in ihrer Heimat, z. B. an die chinesische Post. Und gemäß den Statuten des Weltpostvereins müssen die Universalpostdienstleister im jeweiligen Land (ob privatisiert oder nicht ist egal) alle Auslandssendungen im Inland zustellen und umgekehrt eben auch. Geld wird dabei im Regelfall nicht ausgetauscht! Ähnlich wie offenes Peering im Internet sozusagen.
Das ist natürlich ein massiver Kostenvorteil wenn man aus Fernost nach Europa verschickt. Das ist trotz der gigantischen Distanzen viel billiger, als aus einem Versandlager in Europa. Aber halt auch viel, viel langsamer. So wird das nichts mit Konkurrenz gegen Amazon.
Achja - der Grund wieso gerne über UK geroutet wird ist ganz einfach der, der Zoll ist dort, sagen wir, personell etwas unterbesetzt. Aber aufgrund der Zugehörigkeit zum Binnenmarkt aber der fehlenden Zugehörigkeit zu Schengen gelten alle Sendungen aus UK so ein bischen wie Auslandssendungen, ohne hier zollrechtliche Details auszubreiten, aber kommen natürlich aus dem EU Binnenmarkt und sind daher nicht standardmäßig Gegenstand von Zollkontrollen. Die Zöllner erwischen als nur mit Stichproben Pakete aus Asien, die lediglich über UK nach Deutschland geroutet wurden.
Das machen die Anbieter um den Kunden die Einfuhrabgaben zu ersparen - was natürlich Steuerhinterziehung ist. Denn selbst wenn solch ein Paket nicht vom Zoll "gezogen" wird und man zur Abholung Verzollung geladen wird, so entfällt deswegen ja noch lange nicht die Zollpflicht für Waren von außerhalb der EU und über der Freigrenze. Man müsste dann selbst mit diesem Paket zum Zoll, es dort vor den Augen des Zollbeamten öffnen, Kaufbelege vorlegen und dann ordentlich verzollen. Alles andere ist Steuerhinterziehung. Aber eben derzeit schwer zu verfolgen - was aber nicht so bleiben muss. Viele Leute sind da sehr unvorsichtig, schließlich hinterlassen sie einen papertrail, wenn sie z. B. bei eBay in Fernost bestellen, Paypal zur Zahlung nutzen und sich das ganze dann von hiesigen Paketdiensten oder der Post zustellen lassen. Wenn der Fiskus das Thema irgendwann mal aufrollt, weil die Steuerhinterziehung zu umfangreich wird, dann werden da viele Leute "böse Post" bekommen, weil sie sich ein paar Euro gespart haben.
Wenn Alibaba überlegt ein Versandzentrum in der EU aufzumachen deutet das auch darauf hin, dass man sich dort der Problematik durchaus bewusst ist und nicht möchte, dass das Europageschäft eines Tages komplett wegbricht, wenn der Fiskus "erwacht" und das Thema entdeckt. Aber das ist nur meine persönliche Vermutung. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: niw8äüö 12.01.17 - 14:17
> Wenn Alibaba überlegt ein Versandzentrum in der EU aufzumachen deutet das
> auch darauf hin, dass man sich dort der Problematik durchaus bewusst ist
> und nicht möchte, dass das Europageschäft eines Tages komplett wegbricht,
> wenn der Fiskus "erwacht" und das Thema entdeckt. Aber das ist nur meine
> persönliche Vermutung.
Dem würde ich widersprechen, beim (privaten) China-Import sind längst alle Dämme gebrochen. Eher rechne ich mit einer Anhebung der Zoll-Freigrenzen statt mehr Zollangestellten. Meine Vermutung geht eher in Richtung, dass sich Alibaba bewußt ist, dass China die Postgebühren nicht ewig subventionieren kann und baut sich deshalb eine eigene Versandlogistik auf, analog zu Amazon. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: Anonymer Nutzer 12.01.17 - 14:50
Ganz im Gegenteil.
https://www.welt.de/wirtschaft/article159771343/EU-will-Steuerfreigrenze-fuer-Import-Pakete-abschaffen.html
Die EU möchte jegliche Freigrenze in den Mitgliedsstaaten streichen und Vermittler wie eBay oder Zahldienstleister wie Paypal dazu verpflichten, die Zollabgaben gleich beim Kauf abzurechnen, sodass der Endverbraucher gar nicht mehr die Möglichkeit zum Bescheissen äh versehentlichen Nichtzahlen der Zollabgaben hat. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: niw8äüö 12.01.17 - 15:38
Dann bin ich echt mal gespannt, wie die Implementierung im Zusammenspiel mit chinesischen Unternehmen aussehen soll :D
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Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: Anonymer Nutzer 12.01.17 - 16:39
niw8 schrieb:
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> Dann bin ich echt mal gespannt, wie die Implementierung im Zusammenspiel
> mit chinesischen Unternehmen aussehen soll :D
da du das Geld nicht per Telekinese nach China schicken kannst ist das gar nicht so schwierig wie du scheinbar denkst. Kapitalverkehrskontrollen sind bei B2B schon immer alltäglich. Bei Privatkunden hatte man da bisher nur kein solches Auge drauf, weil diese Art der Parallelimporte erst in jüngerer Vergangenheit zugenommen haben. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: katze_sonne 12.01.17 - 16:42
Lügenbold schrieb:
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> Ganz im Gegenteil.
>
> www.welt.de
>
> Die EU möchte jegliche Freigrenze in den Mitgliedsstaaten streichen und
> Vermittler wie eBay oder Zahldienstleister wie Paypal dazu verpflichten,
> die Zollabgaben gleich beim Kauf abzurechnen, sodass der Endverbraucher gar
> nicht mehr die Möglichkeit zum Bescheissen äh versehentlichen Nichtzahlen
> der Zollabgaben hat.
Finde ich sehr gut. Bisher ist das immer so, dass keiner eine Ahnung hat, wie das geht, was gerade für Regeln gelten usw.; jeder behauptet was anderes. Außerdem (ja, ich bestelle auch oft direkt in China) wäre es fairer, wenn für diese Shops dieselben Regeln gelten wie für die EU-ansässigen Shops. Und selbst wenn man nicht bescheißen will, wird es schwierig. Entweder hat man dann "Glück" und das Paket landet beim Zoll oder man hat Pech und hinterzieht Steuern. Klar, es gibt bestimmt irgendwelche Formulare und schlag mich tot, um das Zeug anzumelden - aber damit muss man sich auch erstmal auskennen. Das ist letztendlich auch der Grund, warum ich nur so Cent-Artikel bis ein-paar-Euro-Artikel in China bestelle: Alles was etwas teurer ist, ist mir zu risky. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: Anonymer Nutzer 12.01.17 - 16:59
Es ist auch überfällig. Wenn du im Inland was kaufst, dann musst du ja auch nicht extra zum Finanzamt um die 19 % Umsatzsteuer zu bezahlen. Das wird, dir ob du willst oder nicht, bei der Rechnungsstellung berechnet und vom gewerblichen Verkäufer an das Finanzamt abgeführt oder anderweitig verrechnet, ohne hier in die Details der Umsatzsteuer zu gehen.
Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt ebenso 7 % bzw. 19 % wie die "normale" Umsatzsteuer im Inland (vulgo "Mehrwertsteuer"). Und die wird vom Zoll bisher separat erhoben. Das war schon immer ziemlich bescheuert, wenn man darüber nachdenkt. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: niw8äüö 12.01.17 - 17:36
> Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt ebenso 7 % bzw. 19 % wie die "normale"
> Umsatzsteuer im Inland (vulgo "Mehrwertsteuer"). Und die wird vom Zoll
> bisher separat erhoben. Das war schon immer ziemlich bescheuert, wenn man
> darüber nachdenkt.
Nein, in dem Sinne der einzig sinnvolle Weg. Nicht-Europäische Unternehmen interessieren Forderungen des deutschen Finanzamtes überhaupt nicht. Und gekehrt wie europäische Unternehmen die chinesische Umsatzsteuer nicht interessiert, nur weil da gerade jemand aus China bestellt hat. Wenn diese Denkweise konsequent zu Ende gedacht würde, dann müsste jedes Unternehmen für jedes Land dieser Erde eine Steuererklärung abgeben.
Ja, die EU hat 2016 genauso eine Logik für den EU-Raum bei der Umsatzsteuer eingeführt. Hat die Unternehmen viel Geld gekostet, die nationalen Jubelstürme bleiben hingegen aus. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: Anonymer Nutzer 12.01.17 - 18:39
Die Umsatzsteuer soll ja auch von den hiesigen Vermittlern, Portalen und Zahlungsdienstleistern abgeführt werden und muss auch in Zukunft chinesische Unternehmen nicht interessieren, die kriegen den Nettobetrag überwiesen. Wer es auf Steuerhinterziehung anlegt wird das somit sicherlich auch in Zukunft irgendwie hinbekommen. Um Leute mit fixer Absicht das reguläre Prozedere zu umgehen geht es der Politik aber auch gar nicht. Steuerhinterzieher sind Sache der Steuerfahndung.
Der Politik geht es darum, die Masse der Leute, die sich für paar Euro Ersparnis gar nicht erst solcher Unwägbarkeiten aussetzen wollen, sondern eine übliche und bequeme Möglichkeit a lá Paypal für ihre Einkäufe in Fernost nutzen, steuerlich heranzuziehen und dabei sowohl dem Zoll wie auch den Einkäufern nebenbei das Leben zu erleichtern. Denn wenn die Erhebung nicht mehr über den Abfang von Sendungen geschieht, dann muss der Käufer nicht mehr beim Zoll vorstellig werden und ein Zöllner ihn nicht mehr einzeln abfertigen. Sondern dann geht das automatisch im Massenverfahren per EDV. -
Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: Moe479 12.01.17 - 20:45
es reicht ja im prinzip jeden geldtransfer über die eu grenze zu besteuern, dann hat man automatisch auch einen allgemeinen einführzoll auf damit erstandene ware ... es bleibt dann nur noch die möglichkeiten des bargeldschmuggels zu bekämpfen ... nur das ist . egal wie- alles grenzen aufbauend, anstatt sich anderweitig über den ausgleich und bekämpfung von unterschieden auseinander zu setzen, zementiert man diese.
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Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: maze_1980 12.01.17 - 21:26
Wenn man eine Kreditkarte von einem nicht-EU-Staat hat muss man die Waren bei Erhalt dann selbst deklarieren, oder? Etwas umständlich, in der Hektik des Alltags vergisst man das auch mal.
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Re: Kein Ärger mehr mit dem Zoll
Autor: M.P. 13.01.17 - 10:01
Wenn es für das Unternehmen nicht zu schwer ist, seine Waren in das spezielle Land zu schaffen, ist es wohl nicht zu viel verlangt, den gesetzlich vorgeschriebenen Papierkram zu machen, um das auch legal zu tun.
Wenn es damit überfordert ist, sollte man von seinem Heimatstaat verlangen können, daß er entsprechende Maßnahmen trifft, und den Warenverkehr dieses Unternehmens mit dem Heimatstaat zu stoppen, bis die Regularien erfüllt sind...



